<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Wilhelm Wundt, Halle, 15.8.1912, 4 S., hs. (eigenhändig mit eU), Briefkopf GEH. REG.–RAT | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15., Universitätsbibliothek Leipzig, https://collections.uni-leipzig.de/item/UBLNachlassWundt_mods_00001138</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001138-9"/><style type="text/css">
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DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</span>, <span class="ED-pubPlace">Universitätsbibliothek Leipzig, </span><span class="ED-link"><a href="https://collections.uni-leipzig.de/item/UBLNachlassWundt_mods_00001138">https://collections.uni-leipzig.de/item/UBLNachlassWundt_mods_00001138</a></span></p><div class="ED-text"><p class="ED-dateline">15.VIII.12</p><p class="ED-salute"><abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew</abbr> Excellenz.</p><p class="ED-p">In dem, gewiß schier unübersehbaren Reigen der Gratulanten zu Ihrem <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="80. Geburtstage ] am 16.8.1912&#xD;&#xA;">80. Geburtstage</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="80. Geburtstage ] am 16.8.1912">[1]</a>, möchte ich nicht fehlen; habe ich doch auch <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="vor nunmehr fast 40 Jahren ] vgl. Vaihinger an Wundt vom 14.8.1902&#xD;&#xA;">vor nunmehr fast 40 Jahren</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="vor nunmehr fast 40 Jahren ] vgl. Vaihinger an Wundt vom 14.8.1902">[2]</a> noch in Leipzig zu Ihren Füßen gesessen.</p><p class="ED-p">Vielleicht haben Sie, durch meine <u>frühere</u> Tätigkeit, den Eindruck gewonnen, daß ich damals bei Ihnen nicht allzuviel gelernt habe: sonst hätte ich nicht die „<span class="ED-name">Kant</span>-Philologie“ zu meinem Felde erkoren. <span class="ED-pb">|</span> Daß ich mich mit <span class="ED-name">Kant</span> so intensiv beschäftigt habe, hatte zunächst rein <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="äußere Gründe ] des Gelderwerbs, vgl. Vaihinger: Wie die Philosophie des Als Ob entstand. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen Bd. 2. Hg. v. Raymund Schmidt. Leipzig: Meiner 1921, S. 191–192: In den letzten Monaten des Jahres 1876 schrieb ich nun als Habilitationsschrift meine Gedanken in einem großen Manuskript nieder, dem ich den Titel gab: „Logische Untersuchungen. 1. Teil: Die Lehre von der wissenschaftlichen Fiktion.“ Da ich seit mehreren Jahren das Material sorgfältig gesammelt und oft und gründlich durchdacht hatte, ging die Niederschrift rasch vor sich. Zu Neujahr reichte ich das Manuskript ein und Ende Februar 1877 hatte ich schon die venia legendi in der Hand. Was ich an der Fakultät einreichte und was sie in dieser Weise approbierte, das ist genau dasselbe, was ich im Jahre 1911 als „erster prinzipieller Teil“ der „Philosophie des Als-Ob“ im Druck erschienen ist. Ich entwickelte darin das ganze System der wissenschaftlichen Fiktionen, d. h. der Als-Ob-Betrachtungen, die in den verschiedensten Wissenschaften praktisch angewendet werden, und suchte eine erschöpfende Theorie dieses mannigfaltigen Als-Ob-Verfahrens zu geben. Aber mit Laas betrachtete ich selbst diese Habilitationsschrift nur als einen ersten Entwurf, der noch vielfacher Ergänzung und Verbesserung bedürfe und so verwendete ich die nächsten beiden Jahre, soweit mir die Vorlesungstätigkeit dazu Zeit ließ, dazu an, das Manuskript umzuarbeiten. Diese Tätigkeit wurde genau nach zwei Jahren, im Januar 1879, jäh unterbrochen. Der Tod meines Vaters nötigte mich, mich nach einer lohnenderen Tätigkeit umzusehen und so schloß ich mit dem weitblickenden und großherzigen Verleger W. Spemann einen für mich sehr günstigen Vertrag über einen Kantkommentar zum hundertjährigen Jubiläum von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ für 1881.&#xD;&#xA;">äußere Gründe</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="äußere Gründe ] des Gelderwerbs, vgl. Vaihinger: Wie die Philosophie des Als Ob entstand. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen Bd. 2. Hg. v. Raymund Schmidt. Leipzig: Meiner 1921, S. 191–192: In den letzten Monaten des Jahres 1876 schrieb ich nun als Habilitationsschrift meine Gedanken in einem großen Manuskript nieder, dem ich den Titel gab: „Logische Untersuchungen. 1. Teil: Die Lehre von der wissenschaftlichen Fiktion.“ Da ich seit mehreren Jahren das Material sorgfältig gesammelt und oft und gründlich durchdacht hatte, ging die Niederschrift rasch vor sich. Zu Neujahr reichte ich das Manuskript ein und Ende Februar 1877 hatte ich schon die venia legendi in der Hand. Was ich an der Fakultät einreichte und was sie in dieser Weise approbierte, das ist genau dasselbe, was ich im Jahre 1911 als „erster prinzipieller Teil“ der „Philosophie des Als-Ob“ im Druck erschienen ist. Ich entwickelte darin das ganze System der wissenschaftlichen Fiktionen, d. h. der Als-Ob-Betrachtungen, die in den verschiedensten Wissenschaften praktisch angewendet werden, und suchte eine erschöpfende Theorie dieses mannigfaltigen Als-Ob-Verfahrens zu geben. Aber mit Laas betrachtete ich selbst diese Habilitationsschrift nur als einen ersten Entwurf, der noch vielfacher Ergänzung und Verbesserung bedürfe und so verwendete ich die nächsten beiden Jahre, soweit mir die Vorlesungstätigkeit dazu Zeit ließ, dazu an, das Manuskript umzuarbeiten. Diese Tätigkeit wurde genau nach zwei Jahren, im Januar 1879, jäh unterbrochen. Der Tod meines Vaters nötigte mich, mich nach einer lohnenderen Tätigkeit umzusehen und so schloß ich mit dem weitblickenden und großherzigen Verleger W. Spemann einen für mich sehr günstigen Vertrag über einen Kantkommentar zum hundertjährigen Jubiläum von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ für 1881.">[3]</a>.</p><p class="ED-p">Jetzt aber habe ich vor Kurzem meine <u>eigene</u> Weltanschauung zum Ausdruck gebracht in meiner <u><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1 app-editorial-4" title="„Philosophie des Als Ob“ ] mit Bleistift unterstrichen&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;„Philosophie des Als Ob“ ] Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911.&#xD;&#xA;">„Philosophie des Als Ob“</span></u><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="„Philosophie des Als Ob“ ] mit Bleistift unterstrichen">[a]</a><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="„Philosophie des Als Ob“ ] Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911.">[4]</a> – diese aber stammt ihrer Entstehung und Ausführung nach gerade <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="aus der Zeit ] des Studienaufenthalts Vaihingers in Leipzig, WS 1874/1875–WS 1875/1876.&#xD;&#xA;">aus der Zeit</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="aus der Zeit ] des Studienaufenthalts Vaihingers in Leipzig, WS 1874/1875–WS 1875/1876.">[5]</a>, in der ich das Glück hatte, Ihre ausgezeichneten Vorlesungen in Leipzig zu hören.</p><p class="ED-p">Meine Weltanschauung ist durch die Eindrücke, die ich in <span class="ED-pb">|</span> Ihren Vorlesungen und durch Ihre Persönlichkeit bekam, erheblich mitbestimmt worden: ist meine eigene Anschauung doch durchaus <u>psychologisch</u> und dazu <u>voluntaristisch</u>.</p><p class="ED-p">Darum sind die eigentlichen und echten <span class="ED-name">Kant</span>ianer mir sehr gram: aber ich selbst freue mich, daß es mir noch vergönnt war, meiner eigenen Anschauung Ausdruck zu verleihen. In der Vorrede zu meinem Werk habe ich daher, um jene Coïncidenz mit wesentlichen Grundgedanken von Ihnen zur Geltung zu bringen, <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="auch Ihren Namen genannt ] in den Vorbemerkungen zur Einführung zu: Philosophie des Als Ob (1911) wird Wundt mit Friedrich Paulsen als Vertreter eines Voluntarismus und somit als Wegbereiter einer Philosophie des Als Ob aufgeführt.&#xD;&#xA;">auch </span><span class="ED-pb"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="auch Ihren Namen genannt ] in den Vorbemerkungen zur Einführung zu: Philosophie des Als Ob (1911) wird Wundt mit Friedrich Paulsen als Vertreter eines Voluntarismus und somit als Wegbereiter einer Philosophie des Als Ob aufgeführt.&#xD;&#xA;">|</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="auch Ihren Namen genannt ] in den Vorbemerkungen zur Einführung zu: Philosophie des Als Ob (1911) wird Wundt mit Friedrich Paulsen als Vertreter eines Voluntarismus und somit als Wegbereiter einer Philosophie des Als Ob aufgeführt.&#xD;&#xA;"> Ihren Namen genannt</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="auch Ihren Namen genannt ] in den Vorbemerkungen zur Einführung zu: Philosophie des Als Ob (1911) wird Wundt mit Friedrich Paulsen als Vertreter eines Voluntarismus und somit als Wegbereiter einer Philosophie des Als Ob aufgeführt.">[6]</a> unter denen, mit denen mich sachliche Beziehungen <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="verknüpfen ] Lesung unsicher&#xD;&#xA;">verknüpfen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="verknüpfen ] Lesung unsicher">[b]</a>.</p><p class="ED-p">So mögen Sie daraus wenigstens so viel entnehmen, daß Sie auch den Samen ausgestreut haben, wo es nicht so zu sein schien; jedenfalls fühle ich mich Ihnen und Ihrem Unterricht verpflichtet.</p><p class="ED-p">Mögen Ihnen, bei Ihrer bewundernswerten Frische, noch viele Jahre fruchtbaren Wirkens beschieden sein: Wie frisch Sie noch sind, weiß ich nicht blos aus Ihrer literarischen Tätigkeit, sondern insbesondre auch aus den Schilderungen unseres <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="hiesigen Collegen Krueger ] Felix Krueger (1874–1948), Psychologe, u. a. 1898–1899 an Wundts Leipziger Institut für experimentelle Psychologie, 1910–1917 o. Prof. in Halle, 1917 Nachfolger Wundts in Leipzig (BEdPh).&#xD;&#xA;">hiesigen Collegen </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="hiesigen Collegen Krueger ] Felix Krueger (1874–1948), Psychologe, u. a. 1898–1899 an Wundts Leipziger Institut für experimentelle Psychologie, 1910–1917 o. Prof. in Halle, 1917 Nachfolger Wundts in Leipzig (BEdPh).&#xD;&#xA;">Krueger</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="hiesigen Collegen Krueger ] Felix Krueger (1874–1948), Psychologe, u. a. 1898–1899 an Wundts Leipziger Institut für experimentelle Psychologie, 1910–1917 o. Prof. in Halle, 1917 Nachfolger Wundts in Leipzig (BEdPh).">[7]</a></span>, der mir oft von Ihnen erzählt.</p><p class="ED-p">In alter Verehrung <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Excellenz ganz ergebenster</p><p class="ED-signed">H. Vaihinger.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><u>„Philosophie des Als Ob“</u></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>mit Bleistift unterstrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">verknüpfen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Lesung unsicher</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">80. Geburtstage</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>am 16.8.1912</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">vor nunmehr fast 40 Jahren</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Wundt vom 14.8.1902</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">äußere Gründe</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>des Gelderwerbs, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger: Wie die Philosophie des Als Ob entstand. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 2. <abbr class="ED-abbr">Hg. v.</abbr> Raymund Schmidt. Leipzig: Meiner 1921, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 191–192: <span class="ED-rdg">In den letzten Monaten des Jahres 1876 schrieb ich nun als Habilitationsschrift meine Gedanken in einem großen Manuskript nieder, dem ich den Titel gab: „Logische Untersuchungen. 1. Teil: Die Lehre von der wissenschaftlichen Fiktion.“ Da ich seit mehreren Jahren das Material sorgfältig gesammelt und oft und gründlich durchdacht hatte, ging die Niederschrift rasch vor sich. Zu Neujahr reichte ich das Manuskript ein und Ende Februar 1877 hatte ich schon die venia legendi in der Hand. Was ich an der Fakultät einreichte und was sie in dieser Weise approbierte, das ist genau dasselbe, was ich im Jahre 1911 als „erster prinzipieller Teil“ der „Philosophie des Als-Ob“ im Druck erschienen ist. Ich entwickelte darin das ganze System der wissenschaftlichen Fiktionen, d. h. der Als-Ob-Betrachtungen, die in den verschiedensten Wissenschaften praktisch angewendet werden, und suchte eine erschöpfende Theorie dieses mannigfaltigen Als-Ob-Verfahrens zu geben. Aber mit Laas betrachtete ich selbst diese Habilitationsschrift nur als einen ersten Entwurf, der noch vielfacher Ergänzung und Verbesserung bedürfe und so verwendete ich die nächsten beiden Jahre, soweit mir die Vorlesungstätigkeit dazu Zeit ließ, dazu an, das Manuskript umzuarbeiten. Diese Tätigkeit wurde genau nach zwei Jahren, im Januar 1879, jäh unterbrochen. Der Tod meines Vaters nötigte mich, mich </span><a id="6a" xml:id="6a"/><span class="ED-rdg">nach</span><span class="ED-rdg"> einer lohnenderen Tätigkeit umzusehen und so schloß ich mit dem weitblickenden und großherzigen Verleger W. Spemann einen für mich sehr günstigen Vertrag über einen Kantkommentar zum hundertjährigen Jubiläum von Kants „Kritik der reinen Vernunft“ für 1881.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><u>„Philosophie des Als Ob“</u></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">aus der Zeit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>des Studienaufenthalts Vaihingers in Leipzig, <abbr title="Wintersemester" class="ED-abbr">WS</abbr> 1874/1875–<abbr title="Wintersemester" class="ED-abbr">WS</abbr> 1875/1876.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">auch Ihren Namen genannt </span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>in den <span class="ED-rdg">Vorbemerkungen zur Einführung</span> zu: Philosophie des Als Ob (1911) wird <span class="ED-name">Wundt</span> mit <span class="ED-name">Friedrich Paulsen</span> als Vertreter eines Voluntarismus und somit als Wegbereiter einer Philosophie des Als Ob aufgeführt.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">hiesigen Collegen <span class="ED-name">Krueger</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Felix Krueger</span> (1874–1948), Psychologe, <abbr title="unter anderem" class="ED-abbr">u. a.</abbr> 1898–1899 an <span class="ED-name">Wundt</span>s Leipziger Institut für experimentelle Psychologie, 1910–1917 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> in Halle, 1917 Nachfolger <span class="ED-name">Wundt</span>s in Leipzig (<abbr title="Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Philosophen" class="ED-abbr">BEdPh</abbr>).</div></div></body></html>