<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Heinrich Rickert an Vaihinger, Freiburg (Breisgau), 3.6.1910, 4 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf Prof. Heinrich Rickert. | Universität Freiburg i. Br. | Den … 190 … | Thurnseestraße 66., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 15</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001019-8"/><style type="text/css">
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Vaihinger an Rickert vom 30.5. u. 31.5.1910&#xD;&#xA;">das von Ihnen gestellte Thema</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="das von Ihnen gestellte Thema ] vgl. Vaihinger an Rickert vom 30.5. u. 31.5.1910">[1]</a> höchst glücklich gewählt und bringe der Angelegenheit das lebhafteste Interesse entgegen. Auch bin ich Ihnen herzlich dankbar für die ehrenvolle Aufforderung. Aber nach reiflicher Überlegung muß ich Ihnen leider doch sagen, daß ich das mir zugedachte Preisrichteramt nicht übernehmen kann. Das hängt, so paradox es klingt, gerade damit zusammen, daß mir das Thema so glücklich gewählt scheint. Ich glaube nämlich, daß eine große Anzahl von Lösungen eingehen wird <span class="ED-pb">|</span> und fürchte, daß daraus den Preisrichtern ein sehr großes Maß von Arbeit erwachsen muß. Es kommt hinzu, daß das Urtheil über den Werth der Lösungsversuche in ungewöhnlich hohem Maße beeinflußt sein wird von den eigenen erkenntnistheoretischen Überzeugungen der Richter. Selbstverständlich ist ein Mann wie <span class="ED-name">Adickes</span> für das <span class="ED-name">Kant</span>-<u>Philologische</u> unentbehrlich, ich selbst darf mich hier gar nicht für competent halten. Aber andererseits würde es mir sehr schwer werden, mich über erkenntnistheoretische Principienfragen mit <span class="ED-name">Adickes</span> auch nur zu verständigen. Ich bin gegen Alles, was in der Erkenntnistheorie auch nur von Weitem an Psychologismus, Pragmatismus <abbr title="und so weiter" class="ED-abbr">u. s. w.</abbr> erinnert, sehr intolerant und werde es mit jedem Jahre mehr. Ja ich finde, es wird von <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Leuten ] Leute&#xD;&#xA;">Leuten</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Leuten ] Leute">[a]</a> wie <span class="ED-name">Mach</span> <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> <span class="ED-name">James</span> schon viel zu viel geredet (<u>nicht</u> von <span class="ED-name">Avenarius</span>, den ich <u>sehr</u> schätze.) Da ich nun garnicht weiß, wer der dritte Preisrichter werden soll, so besteht die Möglichkeit, daß ich in der Commission auf starken Widerspruch stoße <span class="ED-pb">|</span> oder ganz isolirt bin und dann würde zu der Arbeit, welche die Lektüre der eingesandten Schriften macht, vermutlich eine sehr umfangreiche und zeitraubende Correspondenz kommen. Am ehesten hätte ich mich noch zu einer Annahme entschließen können, wenn es möglich gewesen wäre, auch <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Windelband zu gewinnen ] vgl. Kommentar zu Vaihinger an Rickert vom 30.5.1910.&#xD;&#xA;">Windelband</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Windelband zu gewinnen ] vgl. Kommentar zu Vaihinger an Rickert vom 30.5.1910.&#xD;&#xA;"> zu gewinnen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Windelband zu gewinnen ] vgl. Kommentar zu Vaihinger an Rickert vom 30.5.1910.">[2]</a>. Das halte ich aber für ganz ausgeschlossen.</p><p class="ED-p">Sie werden gewiß denken, daß ich allzu bequem bin, <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="und ] Einfügung über der Zeile&#xD;&#xA;">und</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="und ] Einfügung über der Zeile">[b]</a> mich einer Ehrenpflicht entziehen möchte. Gestatten Sie mir daher noch hinzuzufügen, daß ich nicht über das Maß von Arbeitskraft verfüge, wie die meisten andern Collegen. Des Abends und vollends in der Nacht ist jede wissenschaftliche Thätigkeit für mich ausgeschlossen. Zugleich aber sind gerade in den nächsten Jahren mehrere dringende Arbeiten zu erledigen. Die 2te Auflage von meinem „Gegenstand der Erkenntniß“ ist bereits seit längerer Zeit vergriffen, und von meinen „Grenzen“ hat der Verleger nur noch wenige Exemplare, die außerdem noch <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="durch ] Einfügung über der Zeile&#xD;&#xA;">durch</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="durch ] Einfügung über der Zeile">[c]</a> <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="anastatische Neudrucke ] Verfahren, bereits gedruckte Werke ohne stehenden Satz, direkt vom Druck zu reproduzieren; qualitativ schlechter als das Original.&#xD;&#xA;">anastatische Neudrucke</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="anastatische Neudrucke ] Verfahren, bereits gedruckte Werke ohne stehenden Satz, direkt vom Druck zu reproduzieren; qualitativ schlechter als das Original.">[3]</a> ergänzt sind. Beide Bücher <span class="ED-pb">|</span> genügen mir in ihrer jetzigen Gestalt durchaus nicht mehr und <u>müssen</u> daher gründlich umgearbeitet werden. Ferner will ich den Abschluß eines Buches über logische Grundprobleme nicht länger, als nöthig ist, hinausschieben, und schließlich habe ich mich kontraktlich zum Schreiben eines Buches verpflichtet, das in einem größeren Sammelwerk erscheinen soll. Auch um den <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="„Logos“ ] d. i. die Zeitschrift Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur, 1910 ff. Gegründet im Umkreis Rickerts und Windelbands durch Georg Mehlis, Richard Kroner, Arnold Ruge.&#xD;&#xA;">„Logos“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="„Logos“ ] d. i. die Zeitschrift Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur, 1910 ff. Gegründet im Umkreis Rickerts und Windelbands durch Georg Mehlis, Richard Kroner, Arnold Ruge.">[4]</a> muß und will ich mich etwas kümmern, wenn das auch durchaus nicht, wie vielfach angenommen wird, <u>meine</u> Zeitschrift ist. Entschuldigen Sie, daß ich Sie mit diesen Einzelheiten aufhalte, aber ich wollte Ihnen gerne zeigen, daß die Übernahme neuer Arbeiten mich in einen Konflikt von Pflichten bringen kann, und das möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Verübeln Sie mir also meine Ablehnung nicht all zu sehr und seien Sie nochmals versichert des aufrichtigsten Dankes</p><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;">Ihres sehr ergebenen</span></p><p class="ED-signed"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;">Heinrich Rickert.</span></p><hr class="ED-postscript"/><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;">Gegen </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;">Volkelt</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;"> habe ich übrigens nicht das Geringste. Ich bedaure sehr, daß auch er abgelehnt hat. Ich weiß nicht, was </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;">Bauch</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Ihres … meint. ] eigenhändig&#xD;&#xA;"> meint.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="Ihres … meint. ] eigenhändig">[d]</a></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Leuten</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">Leute</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">und</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">durch</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">Ihres … meint.</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> eigenhändig</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">das von Ihnen gestellte Thema</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Rickert vom 30.5. <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 31.5.1910</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Windelband</span> zu gewinnen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Kommentar zu Vaihinger an Rickert vom 30.5.1910.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">anastatische Neudrucke</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Verfahren, bereits gedruckte Werke ohne stehenden Satz, direkt vom Druck zu reproduzieren; qualitativ schlechter als das Original.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Logos“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="das ist" class="ED-abbr">d. i.</abbr> die Zeitschrift Logos. Internationale Zeitschrift für Philosophie der Kultur, 1910 <abbr title="folgende" class="ED-abbr">ff.</abbr> Gegründet im Umkreis <span class="ED-name">Rickert</span>s und <span class="ED-name">Windelband</span>s durch <span class="ED-name">Georg Mehlis</span>, <span class="ED-name">Richard Kroner</span>, <span class="ED-name">Arnold Ruge</span>.</div></div></body></html>