<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Kurd Laßwitz, Halle, 26.4.1909, 2 S., Ts., mit hs. Zusätzen, Forschungsbibliothek Gotha, Nachlass Laßwitz, Chart. B. 1962b, Bl. 565–566</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000997-6"/><style type="text/css">
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Zeile des Typoskripts laufend Notiz von anderer Hd. in schwarzer Tinte: „… Und lernten wir der Herr des Werdenden zu sein, So schreiten wir getrost zum Unbekannten ein.“ – Leider durchgefallen! Und doch nicht leider, denn der Arbeit fehlte die innere Solidität. Es war eilfertiges, für einen bestimmten Tag allzu äußerlich fertig gemachtes und bestechlich ausgeputztes Geschreibsel. Das Preisrichtercollegium, in dem sich Paul Natorp befand, den ich als einen unbestechlich wahrhaftigen und edlen Geist verehre, hat sich nicht von Äußerlichkeiten fangen lassen, und so bin ich eigentlich im Tiefsten sittlich zufrieden und einverstanden mit diesem Abschluß, der in den ewig unvollendeten Theorien eine harmonische Klangfigur bildet. In treuer Liebe, Dankbarkeit und Verehrung Ihr H. Lindau. 28. April 1909. Das Zitat stammt aus Laßwitz, Kurd: Vom Rätsel der Zeit. In: ders.: Seelen und Ziele. Beiträge zum Weltverständnis. Leipzig: Verlag von B. Elischer Nachfolger 1908, S. 1–26, hier S. 26.&#xD;&#xA;">Halle</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Halle ] gesamtes Typoskript bis auf wenige Abweichungen und die Auslassung am Schluss textidentisch mit Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909. Am oberen Rd. der Seite links quer zur Schreibrichtung mit Bleistift: b. 3.5.09. L. ; in Schreibrichtung am oberen Rd. beginnend und am rechten Rd. bis neben die 5. Zeile des Typoskripts laufend Notiz von anderer Hd. in schwarzer Tinte: „… Und lernten wir der Herr des Werdenden zu sein, So schreiten wir getrost zum Unbekannten ein.“ – Leider durchgefallen! Und doch nicht leider, denn der Arbeit fehlte die innere Solidität. Es war eilfertiges, für einen bestimmten Tag allzu äußerlich fertig gemachtes und bestechlich ausgeputztes Geschreibsel. Das Preisrichtercollegium, in dem sich Paul Natorp befand, den ich als einen unbestechlich wahrhaftigen und edlen Geist verehre, hat sich nicht von Äußerlichkeiten fangen lassen, und so bin ich eigentlich im Tiefsten sittlich zufrieden und einverstanden mit diesem Abschluß, der in den ewig unvollendeten Theorien eine harmonische Klangfigur bildet. In treuer Liebe, Dankbarkeit und Verehrung Ihr H. Lindau. 28. April 1909. Das Zitat stammt aus Laßwitz, Kurd: Vom Rätsel der Zeit. In: ders.: Seelen und Ziele. Beiträge zum Weltverständnis. Leipzig: Verlag von B. Elischer Nachfolger 1908, S. 1–26, hier S. 26.">[a]</a> a. S., <abbr title="den" class="ED-abbr">d.</abbr> 26.4.1909</p><p class="ED-dateline">Reichardtstr. 15</p><p class="ED-p">Kantgesellschaft</p><p class="ED-p">Geschäftsführer: <abbr title="Professor" class="ED-abbr">Prof.</abbr> <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> H. Vaihinger</p><p class="ED-salute">Hochgeehrter Herr <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr>!</p><p class="ED-p">Es tut mir ausserordentlich leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass gerade <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Ihre Arbeit ] vgl. zum Folgenden den Kommentar zu Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909&#xD;&#xA;">Ihre Arbeit</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Ihre Arbeit ] vgl. zum Folgenden den Kommentar zu Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909">[1]</a> keinen Preis davon getragen hat, wie Sie ja wohl auch schon aus den Zeitungen entnommen haben. Wenn nicht 7 Arbeiten eingelaufen wären, darunter 3, welche prämiert worden sind, so hätte sicher Ihre <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Arbeit ] verbessert aus: Arebit&#xD;&#xA;">Arbeit</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Arbeit ] verbessert aus: Arebit">[b]</a> auch einen Preis davon getragen, denn sie wurde unmittelbar nach diesen drei genannt und die Preisrichter haben von derselben sehr viel Lobendes zu sagen gewusst. Freilich betrachteten sie die Arbeit mehr als eine literatur-historische denn als eine philosophische im engeren Sinne des Wortes. Sie werden das Nähere ja in dem Bericht des Preisgerichts finden, welchen ich Ihnen in einiger Zeit zugänglich machen werde und der auch in den „Kantstudien“ gedruckt werden wird, (natürlich bei den nichtprämierten ohne Nennung des Namens). Ich hatte absolut keine Ahnung davon, dass Sie der Bearbeiter seien. Wir hatten öfters davon gesprochen, wer wohl der Verfasser sein möge. Ich selbst habe die Arbeit ja nicht gelesen, aber ich habe doch aus der Inhaltsangabe gemerkt, dass dieselbe mit sehr viel Geist abgefasst ist.</p><p class="ED-p">Lassen Sie sich also durch dieses Resultat nicht entmutigen, sondern arbeiten Sie ruhig weiter, indem Sie die in dem Urteil erwähnten Mängel und Lücken Ihrer Arbeit nachträglich vielleicht noch entfernen können, denn es wäre nach dem Bericht zu schliessen in der Tat <span class="ED-pb">|</span> <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="sehr ] fortgesetzt auf neuem Blatt, die Rückseite des ersten Blattes ist unbeschrieben&#xD;&#xA;">sehr</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="sehr ] fortgesetzt auf neuem Blatt, die Rückseite des ersten Blattes ist unbeschrieben">[c]</a> bedauerlich, wenn Ihre ganze Arbeit vergeblich gemacht wäre. Sie dürfen vielmehr eben auf Grund dieses Berichts durchaus den Entschluss fassen, die Arbeit zu publizieren.</p><p class="ED-p">Es hat mir sehr leid getan, dass Sie nicht am Tage der General-Versammlung hierherkommen konnten. <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="Hoffentlich ] zweites f aus unleserlichem Buchstaben verbessert&#xD;&#xA;">Hoffentlich</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="Hoffentlich ] zweites f aus unleserlichem Buchstaben verbessert">[d]</a> finden Sie ein anderes Mal eine Veranlassung dazu. Wie wäre es, wenn Sie selbst persönlich hierher kämen und Ihr Manuskript abholten? Es würde mich sehr freuen, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, nachdem ich aus Ihrem Briefe mir ein Bild von Ihnen gemacht habe. Bitte überlegen Sie sich dies einmal oder vielmehr überlegen Sie es sich nicht lange, sondern kommen Sie. Vielleicht können Sie gerade zum nächsten <u>Donnerstag den 29.</u> hierher kommen, da habe ich <u>Mittags um 1 1/2</u> eine kleine Gesellschaft, lauter junge Herren und junge Gelehrte, eingeladen, darunter auch den Herrn <u><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Otto Lansch ] verschrieben für Otto Lempp, vgl. Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909 sowie den Bericht zur 2. Preisaufgabe der Kantgesellschaft (Walter Simon-Preisaufgabe), Thema: Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Litteratur des 18. Jahrhunderts, mit besonderer Rücksicht auf Kant und Schiller. In: Kant-Studien 14 (1909), S. 313–321, hier S. 321.&#xD;&#xA;">Otto Lansch</span></u><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Otto Lansch ] verschrieben für Otto Lempp, vgl. Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909 sowie den Bericht zur 2. Preisaufgabe der Kantgesellschaft (Walter Simon-Preisaufgabe), Thema: Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Litteratur des 18. Jahrhunderts, mit besonderer Rücksicht auf Kant und Schiller. In: Kant-Studien 14 (1909), S. 313–321, hier S. 321.">[2]</a>, der den ersten Accessitpreis davongetragen hat. In der Hoffnung, dass Sie meine Einladung annehmen werden, zeichne ich mit verbindlichem Gruss Ihr ganz ergebener</p><p class="ED-signed">H. Vaihinger</p><hr class="ED-postscript"/><p class="ED-p"><u><abbr title="Post Skriptum" class="ED-abbr">P.S.</abbr></u> Sie können ganz bequem in <u>einem</u> Tage hin und zurück von Berlin. Wenn Sie hier auf dem Bahnhof ankommen, fahren Sie am bequemsten mit <abbr title="et cetera" class="ED-abbr"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-5" title="etc. ] handschriftlich in schwarzer Tinte&#xD;&#xA;">etc.</span></abbr><a class="ED-anchor" href="#app-philological-5" id="app-philological-5-ref" title="etc. ] handschriftlich in schwarzer Tinte">[e]</a></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Halle</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>gesamtes Typoskript bis auf wenige Abweichungen und die Auslassung am Schluss textidentisch mit Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909. Am oberen <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr> der Seite links quer zur Schreibrichtung mit Bleistift: <span class="ED-rdg">b. 3.5.09. L.</span> ; in Schreibrichtung am oberen <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr> beginnend und am rechten <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr> bis neben die 5. Zeile des Typoskripts laufend Notiz von anderer <abbr title="Hand" class="ED-abbr">Hd.</abbr> in schwarzer Tinte: <span class="ED-rdg">„… Und lernten wir der Herr des Werdenden zu sein, So schreiten wir getrost zum Unbekannten ein.“ –</span> <span class="ED-rdg">Leider durchgefallen! Und doch nicht leider, denn der Arbeit fehlte die innere Solidität. Es war eilfertiges, für einen bestimmten Tag allzu äußerlich fertig gemachtes und bestechlich ausgeputztes Geschreibsel. Das Preisrichtercollegium, in dem sich Paul Natorp befand, den ich als einen unbestechlich wahrhaftigen und edlen Geist verehre, hat sich nicht von Äußerlichkeiten fangen lassen, und so bin ich eigentlich im Tiefsten sittlich zufrieden und einverstanden mit diesem Abschluß, der in den ewig unvollendeten Theorien eine harmonische Klangfigur bildet. In treuer Liebe, Dankbarkeit und Verehrung Ihr H. Lindau. 28. April 1909.</span> Das Zitat stammt aus Laßwitz, Kurd: Vom Rätsel der Zeit. In: <abbr title="derselbe" class="ED-abbr">ders.</abbr>: Seelen und Ziele. Beiträge zum Weltverständnis. Leipzig: Verlag von B. Elischer Nachfolger 1908, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 1–26, hier <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 26.</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Arbeit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>verbessert aus: <span class="ED-rdg">Arebit</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">sehr</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>fortgesetzt auf neuem Blatt, die Rückseite des ersten Blattes ist unbeschrieben</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Hoffentlich</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>zweites <span class="ED-rdg">f</span> aus unleserlichem Buchstaben verbessert</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-5"><span class="ED-app-num">e</span><a href="#app-philological-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><abbr title="et cetera" class="ED-abbr">etc.</abbr></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>handschriftlich in schwarzer Tinte</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihre Arbeit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> zum Folgenden den Kommentar zu Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><u>Otto Lansch</u></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>verschrieben für <span class="ED-name">Otto Lempp</span>, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Hans Lindau vom 26.4.1909 sowie den Bericht zur 2. Preisaufgabe der Kantgesellschaft (Walter Simon-Preisaufgabe), Thema: Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Litteratur des 18. Jahrhunderts, mit besonderer Rücksicht auf <span class="ED-name">Kant</span> und <span class="ED-name">Schiller</span>. In: Kant-Studien 14 (1909), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 313–321, hier<abbr title="Seite" class="ED-abbr"> S.</abbr> 321.</div></div></body></html>