<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Paul Stettiner, Halle, 11.1.1908, abgedruckt in: Kant-Studien 13 (1908), S. 173–174 sowie in: Saale-Zeitung, Abend-Ausgabe, Nr. 24 vom 15.1.1908, S. 3 (https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-852542/fragment/page=16910134).</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000943-8"/><style type="text/css">
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Januar 1908.</p><p class="ED-salute">Sehr geehrter Herr!</p><p class="ED-p">Ich muss gestehen, dass es mir, wie ja wohl den Meisten, das Schönste und Würdigste erschiene, wenn die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Grabstätte Kants ] der Abdruck des Schreibens innerhalb von Vaihingers Artikel Der Kampf um Kants Grab in Königsberg (Kant-Studien 13 (1908), S. 167–175) wird eingeleitet mit den Worten: Wie wir schon Bd. XII, Heft 2, S. 264 vorläufig gemeldet haben, soll die Grabstätte Kants aus ihrem bisherigen Raum, der ehemaligen Stoa Kantiana an der Nordseite des Königsberger Domes, in das Innere dieser Kirche verlegt werden. Zur Orientierung über diese allgemein interessierende Frage bringen wir zunächst einen historisch-referierenden Artikel von Professor Dr. Paul Stettiner in Königsberg aus der „Königsberger Hartungschen Zeitung“ vom 22. April 1898 mit gütiger Erlaubnis des Autors und der Redaktion zum Wiederabdruck, um daran als zweites Aktenstück den Antrag des Königsberger Magistrats an die dortige Stadtverordneten-Versammlung anzuschliessen, betreffend die Zustimmung der Letzteren zu jener Verlegung.&#xD;&#xA;">Grabstätte </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Grabstätte Kants ] der Abdruck des Schreibens innerhalb von Vaihingers Artikel Der Kampf um Kants Grab in Königsberg (Kant-Studien 13 (1908), S. 167–175) wird eingeleitet mit den Worten: Wie wir schon Bd. XII, Heft 2, S. 264 vorläufig gemeldet haben, soll die Grabstätte Kants aus ihrem bisherigen Raum, der ehemaligen Stoa Kantiana an der Nordseite des Königsberger Domes, in das Innere dieser Kirche verlegt werden. Zur Orientierung über diese allgemein interessierende Frage bringen wir zunächst einen historisch-referierenden Artikel von Professor Dr. Paul Stettiner in Königsberg aus der „Königsberger Hartungschen Zeitung“ vom 22. April 1898 mit gütiger Erlaubnis des Autors und der Redaktion zum Wiederabdruck, um daran als zweites Aktenstück den Antrag des Königsberger Magistrats an die dortige Stadtverordneten-Versammlung anzuschliessen, betreffend die Zustimmung der Letzteren zu jener Verlegung.&#xD;&#xA;">Kant</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Grabstätte Kants ] der Abdruck des Schreibens innerhalb von Vaihingers Artikel Der Kampf um Kants Grab in Königsberg (Kant-Studien 13 (1908), S. 167–175) wird eingeleitet mit den Worten: Wie wir schon Bd. XII, Heft 2, S. 264 vorläufig gemeldet haben, soll die Grabstätte Kants aus ihrem bisherigen Raum, der ehemaligen Stoa Kantiana an der Nordseite des Königsberger Domes, in das Innere dieser Kirche verlegt werden. Zur Orientierung über diese allgemein interessierende Frage bringen wir zunächst einen historisch-referierenden Artikel von Professor Dr. Paul Stettiner in Königsberg aus der „Königsberger Hartungschen Zeitung“ vom 22. April 1898 mit gütiger Erlaubnis des Autors und der Redaktion zum Wiederabdruck, um daran als zweites Aktenstück den Antrag des Königsberger Magistrats an die dortige Stadtverordneten-Versammlung anzuschliessen, betreffend die Zustimmung der Letzteren zu jener Verlegung.&#xD;&#xA;">s</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Grabstätte Kants ] der Abdruck des Schreibens innerhalb von Vaihingers Artikel Der Kampf um Kants Grab in Königsberg (Kant-Studien 13 (1908), S. 167–175) wird eingeleitet mit den Worten: Wie wir schon Bd. XII, Heft 2, S. 264 vorläufig gemeldet haben, soll die Grabstätte Kants aus ihrem bisherigen Raum, der ehemaligen Stoa Kantiana an der Nordseite des Königsberger Domes, in das Innere dieser Kirche verlegt werden. Zur Orientierung über diese allgemein interessierende Frage bringen wir zunächst einen historisch-referierenden Artikel von Professor Dr. Paul Stettiner in Königsberg aus der „Königsberger Hartungschen Zeitung“ vom 22. April 1898 mit gütiger Erlaubnis des Autors und der Redaktion zum Wiederabdruck, um daran als zweites Aktenstück den Antrag des Königsberger Magistrats an die dortige Stadtverordneten-Versammlung anzuschliessen, betreffend die Zustimmung der Letzteren zu jener Verlegung.">[1]</a>, da, wo sie bisher war, erhalten bleiben könnte, und wenn es möglich gemacht würde, dass der diese Grabstätte enthaltende kleine weihevolle Raum in irgendeiner künstlerisch befriedigenden Form als Aussenglied der Kirche bestehen bleiben würde.</p><p class="ED-p">Ob die Gründe, welche der Magistrat der Stadt Königsberg für die Verlegung der Grabstätte ins Innere der Kirche geltend macht, stichhaltig sind, kann derjenige nicht beurteilen, der nicht an Ort und Stelle ist und nicht in der Lage sich befindet, die Pläne, die zum Umbau der Grabstätte gemacht wurden, die aber verworfen worden sind, selbst mit kunstverständigem Blick zu prüfen.</p><p class="ED-p">Wenn aber diese Gründe stichhaltig sind – und sie müssen es doch wohl sein, da doch sonst weder die Regierung, noch die Universität, noch der Kirchengemeinderat zugestimmt hätten – , so ist gegen die Verlegung der Grabstätte <span class="ED-name">Kant</span>s in das Innere der Kirche, meines Erachtens vom philosophischen Standpunkt aus garnichts einzuwenden, sofern nur dafür gesorgt wird, dass das zu errichtende Grabdenkmal <span class="ED-name">Kant</span>s nicht eine Inschrift oder ein Symbol bekommt, welche dem unabhängigen Charakter seiner Philosophie widersprächen.</p><p class="ED-p">Wenn ich mir erlauben darf, zu diesem Denkmal eine Idee auszusprechen, so ist es folgende: ein überlebensgrosser, ein Kolossalkopf <span class="ED-pb">|</span> <span class="ED-name">Kant</span>s, und daneben eine fackelhaltende weibliche Figur, um das berühmte Wort Kants lebendig vor Augen zu führen: die Philosophie sei nicht eine Dienerin der Theologie, die ihr die Schleppe nachtrage, sondern eine solche, die ihr die Fackel vorantrage.</p><p class="ED-p">So wird auch der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="am weitesten links stehende ] der Abdruck des Schreibens in Saale-Zeitung, Abend-Ausgabe, Nr. 24 vom 15.1.1908, S. 3 wird kommentiert mit den Worten: Soll Kant in einer Kirche ruhn? Wie schon vor einiger Zeit auch von uns gemeldet wurde, beabsichtigt man aus bautechnischen Gründen die bekannte Grabstätte Kants in der Stoa Kantiana am Königsberger Dom ins Innnere [!] dieser Kirche zu verlegen. Gegen diesen Plan haben sich nun aber in Königsberg verschiedene Stimmen erhoben und besonders die radikaleren Kantianer sehen in dieser Verbringung der Ueberreste Kants in eine Kirche eine Zuwiderhandlung gegen Kants eigene nichtkirchliche Anschauungen, wie er sie besonders in seiner „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ dargelegt hat. Der Referent der Angelegenheit in der Stadtverordnetenversammlung, Prof. Dr. Stettiner in Königsberg, hat sich nun an den Kantforscher, Begründer der „Kantstudien“ und der „Kantgesellschaft“, Prof. Dr. Vaihinger in Halle, gewendet, um dessen Urteil in dieser Sache zu hören. Daraufhin hat Vaihinger an Prof. Stettiner folgenden Brief gerichtet, den uns der Briefschreiber liebenswürdigst zur Verfügung stellte. […] In dieser Streitsache meldet heute eine Depesche aus Königsberg: „Die Königsberger Stadtverordneten haben den Antrag des Magistrats mit 71 gegen 21 Stimmen abgelehnt, sich mit dem Abbruch der Kapelle und mit der Verlegung der Grabstätte Kants in den Dom grundsätzlich einverstanden zu erklären sowie zur Durchführung dieses Planes einen Betrag von 50 000 Mk. zur Verfügung zu stellen.“&#xD;&#xA;">am weitesten links stehende</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="am weitesten links stehende ] der Abdruck des Schreibens in Saale-Zeitung, Abend-Ausgabe, Nr. 24 vom 15.1.1908, S. 3 wird kommentiert mit den Worten: Soll Kant in einer Kirche ruhn? Wie schon vor einiger Zeit auch von uns gemeldet wurde, beabsichtigt man aus bautechnischen Gründen die bekannte Grabstätte Kants in der Stoa Kantiana am Königsberger Dom ins Innnere [!] dieser Kirche zu verlegen. Gegen diesen Plan haben sich nun aber in Königsberg verschiedene Stimmen erhoben und besonders die radikaleren Kantianer sehen in dieser Verbringung der Ueberreste Kants in eine Kirche eine Zuwiderhandlung gegen Kants eigene nichtkirchliche Anschauungen, wie er sie besonders in seiner „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ dargelegt hat. Der Referent der Angelegenheit in der Stadtverordnetenversammlung, Prof. Dr. Stettiner in Königsberg, hat sich nun an den Kantforscher, Begründer der „Kantstudien“ und der „Kantgesellschaft“, Prof. Dr. Vaihinger in Halle, gewendet, um dessen Urteil in dieser Sache zu hören. Daraufhin hat Vaihinger an Prof. Stettiner folgenden Brief gerichtet, den uns der Briefschreiber liebenswürdigst zur Verfügung stellte. […] In dieser Streitsache meldet heute eine Depesche aus Königsberg: „Die Königsberger Stadtverordneten haben den Antrag des Magistrats mit 71 gegen 21 Stimmen abgelehnt, sich mit dem Abbruch der Kapelle und mit der Verlegung der Grabstätte Kants in den Dom grundsätzlich einverstanden zu erklären sowie zur Durchführung dieses Planes einen Betrag von 50 000 Mk. zur Verfügung zu stellen.“">[2]</a> Freund der Kantischen Philosophie in der Verbringung der Gebeine <span class="ED-name">Kant</span>s in eine Kirche keine Verleugnung seiner Lehre erblicken, sondern im Gegenteil ein Symbol dafür, dass <span class="ED-name">Kant</span>s Geist immer mehr in die Kirche hineingetragen werden möge. In ausgezeichneter Hochachtung</p><p class="ED-signed">Professor <abbr title="Doktor" class="ED-abbr">Dr.</abbr> H. Vaihinger.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Grabstätte <span class="ED-name">Kant</span>s</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>der Abdruck des Schreibens innerhalb von Vaihingers Artikel <span class="ED-rdg">Der Kampf um Kants Grab in Königsberg</span> (Kant-Studien 13 (1908), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 167–175) wird eingeleitet mit den Worten: <span class="ED-rdg">Wie wir schon Bd. XII, Heft 2, S. 264 vorläufig gemeldet haben, soll die Grabstätte Kants aus ihrem bisherigen Raum, der ehemaligen Stoa Kantiana an der Nordseite des Königsberger Domes, in das Innere dieser Kirche verlegt werden. Zur Orientierung über diese allgemein interessierende Frage bringen wir zunächst einen historisch-referierenden Artikel von Professor Dr. Paul Stettiner in Königsberg aus der „Königsberger Hartungschen Zeitung“ vom 22. April 1898 mit gütiger Erlaubnis des Autors und der Redaktion zum Wiederabdruck, um daran als zweites Aktenstück den Antrag des Königsberger Magistrats an die dortige Stadtverordneten-Versammlung anzuschliessen, betreffend die Zustimmung der Letzteren zu jener Verlegung.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">am weitesten links stehende</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>der Abdruck des Schreibens in Saale-Zeitung, Abend-Ausgabe, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 24 vom 15.1.1908, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 3 wird kommentiert mit den Worten: <span class="ED-rdg">Soll Kant in einer Kirche ruhn? Wie schon vor einiger Zeit auch von uns gemeldet wurde, beabsichtigt man aus bautechnischen Gründen die bekannte Grabstätte Kants in der Stoa Kantiana am Königsberger Dom ins Innnere [!] dieser Kirche zu verlegen. Gegen diesen Plan haben sich nun aber in Königsberg verschiedene Stimmen erhoben und besonders die radikaleren Kantianer sehen in dieser Verbringung der Ueberreste Kants in eine Kirche eine Zuwiderhandlung gegen Kants eigene nichtkirchliche Anschauungen, wie er sie besonders in seiner „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ dargelegt hat. Der Referent der Angelegenheit in der Stadtverordnetenversammlung, Prof. Dr. Stettiner in Königsberg, hat sich nun an den Kantforscher, Begründer der „Kantstudien“ und der „Kantgesellschaft“, Prof. Dr. Vaihinger in Halle, gewendet, um dessen Urteil in dieser Sache zu hören. Daraufhin hat Vaihinger an Prof. Stettiner folgenden Brief gerichtet, den uns der Briefschreiber liebenswürdigst zur Verfügung stellte. […] In dieser Streitsache meldet heute eine Depesche aus Königsberg: „Die Königsberger Stadtverordneten haben den Antrag des Magistrats mit 71 gegen 21 Stimmen abgelehnt, sich mit dem Abbruch der Kapelle und mit der Verlegung der Grabstätte Kants in den Dom grundsätzlich einverstanden zu erklären sowie zur Durchführung dieses Planes einen Betrag von 50 000 Mk. zur Verfügung zu stellen.“</span></div></div></body></html>