<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Friedrich Theodor Althoff, Halle, 4.7.1907, 4 S., hs., Briefkopf PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15., Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz Berlin, Vl. HA, Nl Althoff, F. T., Nr. 991</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000935-5"/><style type="text/css">
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A 10/9.&#xD;&#xA;">Ew.</span></abbr><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Ew. Excellenz ] darüber und darunter Bleistiftnotizen von Althoffs Hd.: An Bauch dass. kurz | Notirt. | A 14/9. | [ - ] unten | Von Schierke Ansichtskarte an Vaihinger mit Gruß u Dank geschickt. A 10/9.&#xD;&#xA;"> Excellenz</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Ew. Excellenz ] darüber und darunter Bleistiftnotizen von Althoffs Hd.: An Bauch dass. kurz | Notirt. | A 14/9. | [ - ] unten | Von Schierke Ansichtskarte an Vaihinger mit Gruß u Dank geschickt. A 10/9.">[a]</a></p><p class="ED-p">gestatte ich mir anbei bei ganz ergebenst <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="eine Schrift ] vgl. Hermann Lietz: Schulreform und Schulprüfung. In: Das zehnte Jahr im Deutschen Land-Erziehungsheim. Erster Teil 1907/08. Leipzig: Voigtländer 1907, S. 5–45.&#xD;&#xA;">eine Schrift</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="eine Schrift ] vgl. Hermann Lietz: Schulreform und Schulprüfung. In: Das zehnte Jahr im Deutschen Land-Erziehungsheim. Erster Teil 1907/08. Leipzig: Voigtländer 1907, S. 5–45.">[1]</a> zu überreichen, welche zwar nicht von mir selbst stammt, zu der ich aber insofern in indirecter Beziehung stehe, als ich neben Professor <span class="ED-name">Fresenius</span> in Wiesbaden und einigen anderen Herren im Kuratorium der D<sup><u>r</u></sup> <span class="ED-name">Lietz</span>’schen Landerziehungsheime sitze. Ich bin dadurch dazu gekommen, daß ich meinen einzigen gutentwickelten, nicht unbegabten, aber leider etwas neurasthenisch veranlagten Jungen diesen Landerziehungsheimen anvertraut habe.</p><p class="ED-p">Mit den in Anlage ergebenst überreichten Ausführungen bin ich zwar nicht überall einverstanden, aber es steht sehr viel Beherzigenswerthes darin über unser höheres Schulwesen, und speciell über die Einrichtung der Prüfungen, und ich möchte annehmen, daß Vieles darin auch den Beifall von <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Excellenz finden möchte. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Da ] davor öffnende eckige Klammer mit Bleistift&#xD;&#xA;">Da</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Da ] davor öffnende eckige Klammer mit Bleistift">[b]</a> <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Excellenz nicht blos für das Universitätswesen, sondern auch für das höhere Schulwesen ein warmes Herz und ein klares Verständnis haben, so dürfte es vielleicht mir erlaubt sein, im Anschluß an die Ausführungen von D<sup><u>r</u></sup> <span class="ED-name">Lietz</span> (bes<span class="ED-add">[onders]</span> <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 20–25, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 42 c <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> d) auf einen Punkt Ihre specielle Aufmerksamkeit zu lenken, <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="dessen ] doppeltes s mit ß geschrieben&#xD;&#xA;">dessen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="dessen ] doppeltes s mit ß geschrieben">[c]</a> Reformbedürftigkeit nicht blos mir, sondern auch vielen einsichtigen Lehrern selbst schon lange entgegengetreten ist.</p><p class="ED-p">Es ist eine durchaus ungerechte und gänzlich unnötige Härte, daß denjenigen Prüflingen, welche durchgefallen sind, die <u>Wiederholung der ganzen Prüfung</u> auferlegt wird. Der ohnedies durch den ersten Mißerfolg verschüchterte und entmuthigte Prüfling soll das ganze ungeheuer große Gedächtnismaterial noch einmal für eine neue Prüfung parat halten, anstatt sich in demjenigen Fach, in welchem er schwach war, nur vervollkommnen zu können. Er soll riskiren, nun in einem beliebigen anderen Fach Unglück zu haben, und – da doch der Zufall hier leider eine sehr große Rolle spielt – er soll riskiren, also nochmals zu fallen. Das muß die Nerven der <span class="ED-pb">|</span> jungen Leute ruiniren, und das vermehrt das große Schulelend, das in vielen – und oft der besten Familien – durch so viele unzweckmäßige Einrichtungen der höheren Schulen geschaffen wird.</p><p class="ED-p">Es sind doch bekanntermaßen nicht immer diejenigen Schüler, welche das beste Examen machen, die nachher auch die tüchtigsten sind. <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">Z. B.</abbr> <span class="ED-name">Linné</span> und <span class="ED-name">Liebig</span> waren in der Schule Nullen, weil sie nicht im Stande waren, den gedächtnismäßigen Schulstoff sich anzueignen; ebenso waren <span class="ED-name">Zola</span> und <span class="ED-name">Hauptmann</span> niemals im Stande, ihr Abiturientenexamen zu machen.</p><p class="ED-p">Man beraubt den Staat mancher tüchtigen Kräfte, wenn man die Nerven der jungen Leute ruinirt, und dazu trägt die unzweckmäßige Bestimmung bei, daß ein durchgefallener Abiturient das <u>ganze</u> Examen wiederholen soll.</p><p class="ED-p">Es wäre sehr wünschenswerth, wenn diese rigorose Bestimmung fallen würde, wenn ein solcher nur dasjenige Fach, in welchem er schwach war, nachholen darf. Viele schwer gedrückte, sonst treffliche Jungens, und viele schwer bekümmerte Eltern würden erleichtert aufathmen!</p><p class="ED-p">Ich werde mir gestatten, ein Exemplar dieser Schrift (in der ich mir erlaubt habe, der Bequemlichkeit halber <span class="ED-pb">|</span> die markantesten Stellen auszuzeichnen) Sr. Excellenz dem Herrn Minister zu überreichen. Der Verfasser der Schrift meint <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 45 nicht mit Unrecht, <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="der neue Herr Minister ] seit Juni 1907 amtierte Ludwig Holle (1855–1909) als preußischer Minister für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (WBIS).&#xD;&#xA;">der neue Herr Minister</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="der neue Herr Minister ] seit Juni 1907 amtierte Ludwig Holle (1855–1909) als preußischer Minister für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (WBIS).">[2]</a> würde durch eine solche Maßregel sich die Herzen Aller gewinnen. Auch dem <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Herrn Geh. Ob Reg Rat Dr Köpke ] d. i. der Ministerialbeamte Reinhold Köpke (1839–1915; https://d-nb.info/gnd/116295252 (1.9.2024)).&#xD;&#xA;">Herrn Geh. Ob Reg Rat D</span><sup><u><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Herrn Geh. Ob Reg Rat Dr Köpke ] d. i. der Ministerialbeamte Reinhold Köpke (1839–1915; https://d-nb.info/gnd/116295252 (1.9.2024)).&#xD;&#xA;">r</span></u></sup><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Herrn Geh. Ob Reg Rat Dr Köpke ] d. i. der Ministerialbeamte Reinhold Köpke (1839–1915; https://d-nb.info/gnd/116295252 (1.9.2024)).&#xD;&#xA;"> </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Herrn Geh. Ob Reg Rat Dr Köpke ] d. i. der Ministerialbeamte Reinhold Köpke (1839–1915; https://d-nb.info/gnd/116295252 (1.9.2024)).&#xD;&#xA;">Köpke</span></span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Herrn Geh. Ob Reg Rat Dr Köpke ] d. i. der Ministerialbeamte Reinhold Köpke (1839–1915; https://d-nb.info/gnd/116295252 (1.9.2024)).">[3]</a> werde ich ein Exemplar <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="senden. – ] danach schließende eckige Klammer mit Bleistift&#xD;&#xA;">senden. –</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="senden. – ] danach schließende eckige Klammer mit Bleistift">[d]</a></p><p class="ED-p">Bei dieser Gelegenheit möchte ich bemerken, daß ich dieser Tage <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-5" title="aus ] so wörtlich&#xD;&#xA;">aus</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-5" id="app-philological-5-ref" title="aus ] so wörtlich">[e]</a> einer Königsberger Zeitung die Notiz las, daß auch in diesem Jahre der ausgeschriebene <span class="ED-name">Kant</span>preis nicht vergeben wurden werden konnte, weil keine Arbeit einlief. Im Jahr 1904 zu <span class="ED-name">Kant</span>s Todestag stiftete die Stadt Königsberg <u>10,000 Mark</u>, deren Zinsen ein dortiger Studirender erhalten soll für eine <span class="ED-name">Kant</span>arbeit. Bis jetzt konnte dieser Preis <u>nicht ein einziges Mal</u> vergeben werden, weil keine einzige Arbeit bis jetzt eingelaufen ist. <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="So wenig Interesse ] vgl. Vaihinger an Althoff vom 19.4.1907&#xD;&#xA;">So wenig Interesse</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="So wenig Interesse ] vgl. Vaihinger an Althoff vom 19.4.1907">[4]</a> ist an der Universität Königsberg für <span class="ED-name">Kant</span>. Außerdem besteht noch eine ältere Stiftung <u>von über 20,000 <abbr title="Monsieur" class="ED-abbr">M</abbr></u> zu demselben Zweck – auch dieser Preis konnte seit Jahren nicht vergeben werden, obwol dafür <u>nur eine Rede auf <span class="ED-name">Kant</span></u> verlangt wird! Seit dem Tode von <span class="ED-name">Rosenkranz</span> (1879) ist das Interesse für <span class="ED-name">Kant</span> an der Universität Königsberg so gut wie ausgestorben.</p><p class="ED-p"><abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Excellenz in dankbarer Verehrung stets ergebenster</p><p class="ED-signed">H. Vaihinger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Excellenz</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>darüber und darunter Bleistiftnotizen von Althoffs <abbr title="Hand" class="ED-abbr">Hd.</abbr>: <span class="ED-rdg">An Bauch dass. kurz | Notirt. | A 14/9. | [ - ] unten | Von Schierke Ansichtskarte an Vaihinger mit Gruß u Dank geschickt. A 10/9.</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Da</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>davor öffnende eckige Klammer mit Bleistift</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">dessen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>doppeltes s mit ß geschrieben</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">senden. –</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach schließende eckige Klammer mit Bleistift</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-5"><span class="ED-app-num">e</span><a href="#app-philological-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">aus</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>so wörtlich</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">eine Schrift</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Hermann Lietz: Schulreform und Schulprüfung. In: Das zehnte Jahr im Deutschen Land-Erziehungsheim. Erster Teil 1907/08. Leipzig: Voigtländer 1907, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 5–45.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">der neue Herr Minister</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>seit Juni 1907 amtierte <span class="ED-name">Ludwig Holle</span> (1855–1909) als preußischer Minister für geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten (<abbr title="World Biographical Information System" class="ED-abbr">WBIS</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Herrn Geh. Ob Reg Rat D<sup><u>r</u></sup> <span class="ED-name">Köpke</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="das ist" class="ED-abbr">d. i.</abbr> der Ministerialbeamte <span class="ED-name">Reinhold Köpke</span> (1839–1915; <span class="ED-link"><a href="https://d-nb.info/gnd/116295252">https://d-nb.info/gnd/116295252</a></span> (1.9.2024)).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">So wenig Interesse</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Althoff vom 19.4.1907</div></div></body></html>