<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Houston Stewart Chamberlain an Vaihinger, Wien, 13.12.1902, 4 S., hs., Briefkopf VI. Blümelgasse 1. | Wien, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 5 a, Nr. 3</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000831-1"/><style type="text/css">
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Vaihinger an Chamberlain vom 9.12.1902">[1]</a> vom 9. d<span class="ED-add">[es]</span> M<span class="ED-add">[onats]</span>, sowie der begleitenden Sendung. Der Artikel von <span class="ED-name">Leclère</span> hatte mich schon in den <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Kant-Studien ] KSt&#xD;&#xA;">Kant-Studien</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Kant-Studien ] KSt">[a]</a> lebhaft interssirt <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> ich habe gute Verwendung für den S<span class="ED-add">[onder-]</span>A<span class="ED-add">[bdruck]</span>. Für Ihre fr<span class="ED-add">[eundliche]</span> <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Berücksichtigung meines Versuches ] vgl. Vaihinger: Houston Stewart Chamberlain – ein Jünger Kants. In: Kant-Studien 7 (1902), S. 438: Der Vollständigkeit halber sei hier noch hingewiesen auf einen vortrefflichen Aufsatz Chamberlains in der „Neuen deutschen Rundschau“ vom Juni 1895 (VI, 6) „Büchners Sturz“: daselbst trat Chamberlain energisch dem bekannten Materialistenführer Büchner entgegen, welcher in den letzten Jahren seiner schriftstellerischen Thätigkeit bekanntlich jede Gelegenheit ergriff, auf Kant loszuziehen, ohne ihn zu verstehen, aus Ärger darüber, dass die Erneuerung der Kantischen Philosophie, speziell durch F. A. Lange dem Materialismus das Wasser abgegraben hatte. Chamberlain weist in dem genannten Aufsatz sehr geschickt und zugleich mit weitem Blicke den materialistischen Dogmatismus Büchners mit Kantischen Argumenten zurück. Als Kantianer bekannte sich Chamberlain auch in einem Aufsatz: „Schiller als Lehrer im Ideal“, über den die KSt. VI, 327 f. schon berichtet haben. Ganz besonders sympathisch berührt es, dass Chamberlain, mehr als man das gewöhnlich thut, die vorbildliche Persönlichkeit Kants in den Vordergrund stellt. Er hat dies neuerdings wieder gethan in einem kleinen Aufsatz in der „Täglichen Rundschau“ vom 14. März 1902 (No. 62). […] Aus diesem Aufsatz führe ich zum Schluss noch einige markante Stellen an […].&#xD;&#xA;">Berücksichtigung meines Versuches</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Berücksichtigung meines Versuches ] vgl. Vaihinger: Houston Stewart Chamberlain – ein Jünger Kants. In: Kant-Studien 7 (1902), S. 438: Der Vollständigkeit halber sei hier noch hingewiesen auf einen vortrefflichen Aufsatz Chamberlains in der „Neuen deutschen Rundschau“ vom Juni 1895 (VI, 6) „Büchners Sturz“: daselbst trat Chamberlain energisch dem bekannten Materialistenführer Büchner entgegen, welcher in den letzten Jahren seiner schriftstellerischen Thätigkeit bekanntlich jede Gelegenheit ergriff, auf Kant loszuziehen, ohne ihn zu verstehen, aus Ärger darüber, dass die Erneuerung der Kantischen Philosophie, speziell durch F. A. Lange dem Materialismus das Wasser abgegraben hatte. Chamberlain weist in dem genannten Aufsatz sehr geschickt und zugleich mit weitem Blicke den materialistischen Dogmatismus Büchners mit Kantischen Argumenten zurück. Als Kantianer bekannte sich Chamberlain auch in einem Aufsatz: „Schiller als Lehrer im Ideal“, über den die KSt. VI, 327 f. schon berichtet haben. Ganz besonders sympathisch berührt es, dass Chamberlain, mehr als man das gewöhnlich thut, die vorbildliche Persönlichkeit Kants in den Vordergrund stellt. Er hat dies neuerdings wieder gethan in einem kleinen Aufsatz in der „Täglichen Rundschau“ vom 14. März 1902 (No. 62). […] Aus diesem Aufsatz führe ich zum Schluss noch einige markante Stellen an […].">[2]</a>, ein weiteres Publikum für <span class="ED-name">Kant</span> zu gewinnen, ebenfalls verbindlichen Dank. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p">Sehr bedauert habe ich, von der über die <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Kant-Studien ] KSt&#xD;&#xA;">Kant-Studien</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Kant-Studien ] KSt">[b]</a> <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="hereingebrochenen ] hereingebrochene&#xD;&#xA;">hereingebrochenen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="hereingebrochenen ] hereingebrochene">[c]</a> <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="finanziellen Krise ] vgl. auch Vaihinger an Paul Natorp vom 6.12.1902&#xD;&#xA;">finanziellen Krise</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="finanziellen Krise ] vgl. auch Vaihinger an Paul Natorp vom 6.12.1902">[3]</a> zu hören. Denn diese Zeitschrift ist entschieden sehr nützlich. Dass zwischen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Trebertrocknen ] so wörtlich; Anspielung im Sinne von Philister o. ä. auf Treber: spelzige Rückstände des Malzes beim Brauen von Bier.&#xD;&#xA;">Trebertrocknen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Trebertrocknen ] so wörtlich; Anspielung im Sinne von Philister o. ä. auf Treber: spelzige Rückstände des Malzes beim Brauen von Bier.">[4]</a> <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> Erkenntnisskritik einmal Wechselwirkung entstehen würde, hätte sich auch Niemand träumen lassen.</p><p class="ED-p">Wie schwer es ist Geld zu kriegen, werden Sie ebenso genau wie ich aus Erfahrung wissen – fast so schwer wie wirklich gute <span class="ED-pb">|</span> Gedanken. Ich werde aber im Laufe der nächsten Wochen nach verschiedenen Richtungen die Fühler ausstrecken, – ohne grosse Hoffnung auf Erfolg, doch zugleich nicht so pessimistisch, dass es die Thatkraft lähmen könnte.</p><p class="ED-p">Wohl habe ich verschiedene sehr reiche Freunde zu Bekannten, die zugleich Mäcene sind; es fragt sich aber, ob das Interesse auch für <u><span class="ED-name">Kant</span></u> geweckt werden kann. So ist <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="der Millionär ] August Ludowici, vgl. Chamberlain an Vaihinger vom 9.2.1916. – Chamberlain urteilte im Übrigen nicht unbedingt günstig über Vaihingers Bemühungen, vgl. Chamberlain an August Ludowici vom 20.2.1904: Ich lege Ihnen einen Aufruf des Professor Vaihinger [zur Gründung der Kantgesellschaft] bei; er hat mich gebeten, ihn unter meinen Bekannten zu verbreiten. Ob diese Herren wirklich sehr viel für die Kenntnis Kants beitragen, kann ich nicht beurteilen; doch die Absicht ist eine gute, und derartige Unternehmungen ermöglichen es, daß hier und da ein junger Gelehrter zu Worte kommt, der sonst schwer durchdränge. Insoferne kann man es wohl der Beachtung Wohlgesinnter empfehlen; sowie an Basil Hall Chamberlain vom 21.2.1904: Und nun diese Lektüre! Dieses fürchterliche Professorendeutsch und dieses verständnislose Herumquälen um Kant in zehntausend Subtilitäten. Im ganzen ist doch Hermann Cohen – wie mir scheint – der bedeutendste Ausleger; nicht etwa, daß er immer recht hätte; er konstruiert sich manches gar rabulistisch hinein, und ich habe viele Seiten viermal hintereinander lesen müssen, ehe ich einen Schimmer bekam, worauf der gute Mann hinauswollte. Doch der große Ernst und die unglaublich genaue Kenntnis der Schriften Kants ist bei ihm sehr wohltuend. Sehr gut und empfehlenswert ist auch das Werk von Hagerström, „Kants Ethik“, – namentlich der erste Teil, in welchem er die allgemeine Erkenntnistheorie behandelt. Aber alles übrige, namentlich der vielgenannte Kommentar von Vaihinger, der in zwei großen Bänden von zusammen 1000 Seiten erst bis zu § 8 der „Reinen Vernunft“ gelangt ist – also 73 Seiten von den 880 des Originals behandelt hat – ist wohl eines der entsetzlichsten Produkte deutscher Gelehrtenliteratur. Wenn die Sache so weitergeht, wird – so ist berechnet worden – der Kommentar in zweihundert Jahren beendet sein; inzwischen wird aber natürlich ein Kommentar des Kommentars höchst notwendig geworden sein. Traurige Dinge; reden wir nicht davon! (zitiert nach Chamberlain: Briefe 1882–1924 und Briefwechsel mit Kaiser Wilhelm II. Bd. 1. München: Bruckmann 1928, S. 121 u. 122).&#xD;&#xA;">der Millionär</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="der Millionär ] August Ludowici, vgl. Chamberlain an Vaihinger vom 9.2.1916. – Chamberlain urteilte im Übrigen nicht unbedingt günstig über Vaihingers Bemühungen, vgl. Chamberlain an August Ludowici vom 20.2.1904: Ich lege Ihnen einen Aufruf des Professor Vaihinger [zur Gründung der Kantgesellschaft] bei; er hat mich gebeten, ihn unter meinen Bekannten zu verbreiten. Ob diese Herren wirklich sehr viel für die Kenntnis Kants beitragen, kann ich nicht beurteilen; doch die Absicht ist eine gute, und derartige Unternehmungen ermöglichen es, daß hier und da ein junger Gelehrter zu Worte kommt, der sonst schwer durchdränge. Insoferne kann man es wohl der Beachtung Wohlgesinnter empfehlen; sowie an Basil Hall Chamberlain vom 21.2.1904: Und nun diese Lektüre! Dieses fürchterliche Professorendeutsch und dieses verständnislose Herumquälen um Kant in zehntausend Subtilitäten. Im ganzen ist doch Hermann Cohen – wie mir scheint – der bedeutendste Ausleger; nicht etwa, daß er immer recht hätte; er konstruiert sich manches gar rabulistisch hinein, und ich habe viele Seiten viermal hintereinander lesen müssen, ehe ich einen Schimmer bekam, worauf der gute Mann hinauswollte. Doch der große Ernst und die unglaublich genaue Kenntnis der Schriften Kants ist bei ihm sehr wohltuend. Sehr gut und empfehlenswert ist auch das Werk von Hagerström, „Kants Ethik“, – namentlich der erste Teil, in welchem er die allgemeine Erkenntnistheorie behandelt. Aber alles übrige, namentlich der vielgenannte Kommentar von Vaihinger, der in zwei großen Bänden von zusammen 1000 Seiten erst bis zu § 8 der „Reinen Vernunft“ gelangt ist – also 73 Seiten von den 880 des Originals behandelt hat – ist wohl eines der entsetzlichsten Produkte deutscher Gelehrtenliteratur. Wenn die Sache so weitergeht, wird – so ist berechnet worden – der Kommentar in zweihundert Jahren beendet sein; inzwischen wird aber natürlich ein Kommentar des Kommentars höchst notwendig geworden sein. Traurige Dinge; reden wir nicht davon! (zitiert nach Chamberlain: Briefe 1882–1924 und Briefwechsel mit Kaiser Wilhelm II. Bd. 1. München: Bruckmann 1928, S. 121 u. 122).">[5]</a> der soeben 10.000 Mark für die Verbreitung <span class="ED-pb">|</span> meiner Grundlagen gestiftet hat, trotz seiner Begeisterung für mein Werk ein ausgesprochener Feind aller Metaphysik <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> speciell <span class="ED-name">Kant</span>’s – den er natürlich garnicht kennt.</p><p class="ED-p">Jedenfalls werde ich sofort Schritte unternehmen <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> werde Ihnen dann melden ob irgendwo sich eine Aussicht aufthut oder ob ich nur auf taube Ohren gestossen bin.</p><p class="ED-p">Hochachtungsvoll <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> ergeben</p><p class="ED-signed"><u>Houston Stewart Chamberlain</u></p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Kant-Studien</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">KSt</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Kant-Studien</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">KSt</span></div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">hereingebrochenen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">hereingebrochene</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihres Briefes</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Chamberlain vom 9.12.1902</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Berücksichtigung meines Versuches</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger: Houston Stewart Chamberlain – ein Jünger Kants. In: Kant-Studien 7 (1902), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 438: <span class="ED-rdg">Der Vollständigkeit halber sei hier noch hingewiesen auf einen vortrefflichen Aufsatz Chamberlains in der „Neuen deutschen Rundschau“ vom Juni 1895 (VI, 6) „Büchners Sturz“: daselbst trat Chamberlain energisch dem bekannten Materialistenführer Büchner entgegen, welcher in den letzten Jahren seiner schriftstellerischen Thätigkeit bekanntlich jede Gelegenheit ergriff, auf Kant loszuziehen, ohne ihn zu verstehen, aus Ärger darüber, dass die Erneuerung der Kantischen Philosophie, speziell durch F. A. Lange dem Materialismus das Wasser abgegraben hatte. Chamberlain weist in dem genannten Aufsatz sehr geschickt und zugleich mit weitem Blicke den materialistischen Dogmatismus Büchners mit Kantischen Argumenten zurück. Als Kantianer bekannte sich Chamberlain auch in einem Aufsatz: „Schiller als Lehrer im Ideal“, über den die KSt. VI, 327 f. schon berichtet haben. Ganz besonders sympathisch berührt es, dass Chamberlain, mehr als man das gewöhnlich thut, die vorbildliche Persönlichkeit Kants in den Vordergrund stellt. Er hat dies neuerdings wieder gethan in einem kleinen Aufsatz in der „Täglichen Rundschau“ vom 14. März 1902 (No. 62). […] Aus diesem Aufsatz führe ich zum Schluss noch einige markante Stellen an […].</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">finanziellen Krise</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> auch Vaihinger an Paul Natorp vom 6.12.1902</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Trebertrocknen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>so wörtlich; Anspielung im Sinne von Philister <abbr title="oder ähnlich" class="ED-abbr">o. ä.</abbr> auf Treber: spelzige Rückstände des Malzes beim Brauen von Bier.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">der Millionär</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">August Ludowici</span>, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Chamberlain an Vaihinger vom 9.2.1916. – <span class="ED-name">Chamberlain</span> urteilte im Übrigen nicht unbedingt günstig über Vaihingers Bemühungen, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Chamberlain an August Ludowici vom 20.2.1904: <span class="ED-rdg">Ich lege Ihnen einen Aufruf des Professor Vaihinger [</span>zur Gründung der Kantgesellschaft<span class="ED-rdg">] bei; er hat mich gebeten, ihn unter meinen Bekannten zu verbreiten. Ob diese Herren wirklich sehr viel für die Kenntnis Kants beitragen, kann ich nicht beurteilen; doch die Absicht ist eine gute, und derartige Unternehmungen ermöglichen es, daß hier und da ein junger Gelehrter zu Worte kommt, der sonst schwer durchdränge. Insoferne kann man es wohl der Beachtung Wohlgesinnter empfehlen</span>; sowie an <span class="ED-name">Basil Hall Chamberlain</span> vom 21.2.1904: <span class="ED-rdg">Und nun diese Lektüre! Dieses fürchterliche Professorendeutsch und dieses verständnislose Herumquälen um Kant in zehntausend Subtilitäten. Im ganzen ist doch Hermann Cohen – wie mir scheint – der bedeutendste Ausleger; nicht etwa, daß er immer recht hätte; er konstruiert sich manches gar rabulistisch hinein, und ich habe viele Seiten viermal hintereinander lesen müssen, ehe ich einen Schimmer bekam, worauf der gute Mann hinauswollte. Doch der große Ernst und die unglaublich genaue Kenntnis der Schriften Kants ist bei ihm sehr wohltuend. Sehr gut und empfehlenswert ist auch das Werk von Hagerström, „Kants Ethik“, – namentlich der erste Teil, in welchem er die allgemeine Erkenntnistheorie behandelt. Aber alles übrige, namentlich der vielgenannte Kommentar von Vaihinger, der in zwei großen Bänden von zusammen 1000 Seiten erst bis zu § 8 der „Reinen Vernunft“ gelangt ist – also 73 Seiten von den 880 des Originals behandelt hat – ist wohl eines der entsetzlichsten Produkte deutscher Gelehrtenliteratur. Wenn die Sache so weitergeht, wird – so ist berechnet worden – der Kommentar in zweihundert Jahren beendet sein; inzwischen wird aber natürlich ein Kommentar des Kommentars höchst notwendig geworden sein. Traurige Dinge; reden wir nicht davon!</span> (zitiert nach Chamberlain: Briefe 1882–1924 und Briefwechsel mit Kaiser Wilhelm II. <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 1. 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