<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Erich Adickes an Vaihinger, Kiel, 3.1.1901, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 b, Nr. 4</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000758-0"/><style type="text/css">
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Adickes eigenen Bericht, mit Literaturangaben: Das Thema zu meiner Dissertation (Kants Systematik als systembildender Faktor) fand ich selbständig, als ich im Anschluß an Paulsens Seminar im Sommer und Herbst 1886 das ganze Kantische System durcharbeitete. Ich promovierte am 14. Mai 1887 und machte im November desselben Jahres mein philologisches Staatsexamen. Vom 1. April 1888 ab diente ich in Altona als Einjähriger, war von Ostern 1889 bis Ostern 1890 als Probekandidat an der Oberrealschule in Kiel tätig und wurde dort, nachdem ich ein halbes Jahr als Hilfslehrer an der Realschule in Barmen-Wupperfeld gewirkt hatte, Ostern 1891 als Oberlehrer fest angestellt. […] An sich unterrichtete ich gern, besonders in Sexta und Prima; doch wurde nach meiner Habilitation an der Kieler Universität (Herbst 1895) die Sehnsucht nach rein akademischer und wissenschaftlicher Tätigkeit immer stärker. Bis 1902 blieb ich an der Schule, freilich im Interesse der Kantausgabe fast drei Jahre ganz, 2½ Jahre halb beurlaubt. 1898 wurde ich unbesoldeter Extraordinarius, Herbst 1902 folgte ich einem Ruf als Ordinarius an die neugegründete Universität Münster, Herbst 1904 einem solchen nach Tübingen als Nachfolger Chr. Sigwarts. […] Im Frühjahr 1896 verpachtete ich mich der Berliner Akademie der Wissenschaften gegenüber zu der Herausgabe von Kants handschriftlichem Nachlaß, ohne auch nur von fern zu ahnen, welche Arbeit ich damit auf mich lud. Sie band meine Kraft nicht nur für Jahre, sondern für Jahrzehnte. Von Kant hatte ich mich eigentlich verabschieden wollen. Meine Studien und Pläne galten erkenntnistheoretischen, metaphysischen, wertpsychologischen, ethischen Problemen. Aber man versprach mir zweijährigen Urlaub von der Schule und stellte die völlige Befreiung von ihr nach Vollendung der Ausgabe in Aussicht. So unterschrieb ich den Vertrag und verurteilte mich damit selbst zu einer Zwangsarbeit, die meiner Forschertätigkeit eine ganz andere Richtung gab, als ursprünglich beabsichtigt war. […] Kants handschriftlicher Nachlaß, hrsg. in der Kant-Ausgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften. Bd. I. 1911. LXII, 637 S. Bd. II. 1913. XIV, 982 S. Bd. III. 1914. XVI, 875 S. (Adickes in: Raymund Schmidt (Hg.): Die deutsche Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen Bd. 2. Leipzig: Meiner 1921, S. 25–26, 27 u. 30).&#xD;&#xA;">weitere Beurlaubung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="weitere Beurlaubung ] vgl. Adickes eigenen Bericht, mit Literaturangaben: Das Thema zu meiner Dissertation (Kants Systematik als systembildender Faktor) fand ich selbständig, als ich im Anschluß an Paulsens Seminar im Sommer und Herbst 1886 das ganze Kantische System durcharbeitete. Ich promovierte am 14. Mai 1887 und machte im November desselben Jahres mein philologisches Staatsexamen. Vom 1. April 1888 ab diente ich in Altona als Einjähriger, war von Ostern 1889 bis Ostern 1890 als Probekandidat an der Oberrealschule in Kiel tätig und wurde dort, nachdem ich ein halbes Jahr als Hilfslehrer an der Realschule in Barmen-Wupperfeld gewirkt hatte, Ostern 1891 als Oberlehrer fest angestellt. […] An sich unterrichtete ich gern, besonders in Sexta und Prima; doch wurde nach meiner Habilitation an der Kieler Universität (Herbst 1895) die Sehnsucht nach rein akademischer und wissenschaftlicher Tätigkeit immer stärker. Bis 1902 blieb ich an der Schule, freilich im Interesse der Kantausgabe fast drei Jahre ganz, 2½ Jahre halb beurlaubt. 1898 wurde ich unbesoldeter Extraordinarius, Herbst 1902 folgte ich einem Ruf als Ordinarius an die neugegründete Universität Münster, Herbst 1904 einem solchen nach Tübingen als Nachfolger Chr. Sigwarts. […] Im Frühjahr 1896 verpachtete ich mich der Berliner Akademie der Wissenschaften gegenüber zu der Herausgabe von Kants handschriftlichem Nachlaß, ohne auch nur von fern zu ahnen, welche Arbeit ich damit auf mich lud. Sie band meine Kraft nicht nur für Jahre, sondern für Jahrzehnte. Von Kant hatte ich mich eigentlich verabschieden wollen. Meine Studien und Pläne galten erkenntnistheoretischen, metaphysischen, wertpsychologischen, ethischen Problemen. Aber man versprach mir zweijährigen Urlaub von der Schule und stellte die völlige Befreiung von ihr nach Vollendung der Ausgabe in Aussicht. So unterschrieb ich den Vertrag und verurteilte mich damit selbst zu einer Zwangsarbeit, die meiner Forschertätigkeit eine ganz andere Richtung gab, als ursprünglich beabsichtigt war. […] Kants handschriftlicher Nachlaß, hrsg. in der Kant-Ausgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften. Bd. I. 1911. LXII, 637 S. Bd. II. 1913. XIV, 982 S. Bd. III. 1914. XVI, 875 S. (Adickes in: Raymund Schmidt (Hg.): Die deutsche Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen Bd. 2. Leipzig: Meiner 1921, S. 25–26, 27 u. 30).">[1]</a> nach Ostern <u>nicht</u> eingehen werde (auch nicht auf halbe). Ich schrieb das sofort an <span class="ED-name">Dilthey</span>, der mir neulich mitgeteilt hatte, die Rentkommission wolle beim Minister beantragen, mich von Ostern ab weiter zu beurlauben (er hatte auf diesen weitern Urlaub, der mir Zeit lassen würde zum Druck der Ausgabe, anderseits mich aber noch in Abhängigkeit belassen von ihm, offenbar als auf das in meine Pläne am Besten Passende gerechnet). Heute nun antwortete er mir, er habe an „<span class="ED-name">Riehl</span> geschrieben, obwohl des Erfolges unsicher, da wohl die <span class="ED-pb">|</span> moderne Litteraturgeschichte dabei eine Rolle spiele“. <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;">Danach scheint </span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2 app-philological-1" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;dort ] Einfügung über der Zeile&#xD;&#xA;">dort</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="dort ] Einfügung über der Zeile">[a]</a><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;"> nur ein E</span><span class="ED-add"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;">[xtra]</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;">-O</span><span class="ED-add"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;">[rdinariat]</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt&#xD;&#xA;"> beabsichtigt zu sein.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Danach … sein. ] am linken Rand von anderer Hd. mit Bleistift angekreuzt">[b]</a> Und <span class="ED-name">Dilthey</span> stellt die Sache so dar als ob man in Halle <span class="ED-name">Kühnemann</span> wolle.</p><p class="ED-p">Doch ist mir nicht sicher, ob <span class="ED-name">Dilthey</span> mich <span class="ED-name">Riehl</span> wirklich <u>empfohlen</u> hat oder ob er nur <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="ganz lau oder fast abratend ] Adickes, der im Februar 1896 die eigentlich Vaihinger zugedachten Editionsarbeiten an Kants Inedita als Lückenbüßer übernommen hatte, hatte damit von vornherein und zu Lasten einer eigenen Karriere eine problematische Stellung innerhalb der Organisation der Akademie-Ausgabe der Werke Kants, vgl. Dilthey an Vaihinger vom 25.9. u. 15.11.1895 sowie Adickes an Vaihinger vom 6.1.1902.&#xD;&#xA;">ganz lau oder fast abratend</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="ganz lau oder fast abratend ] Adickes, der im Februar 1896 die eigentlich Vaihinger zugedachten Editionsarbeiten an Kants Inedita als Lückenbüßer übernommen hatte, hatte damit von vornherein und zu Lasten einer eigenen Karriere eine problematische Stellung innerhalb der Organisation der Akademie-Ausgabe der Werke Kants, vgl. Dilthey an Vaihinger vom 25.9. u. 15.11.1895 sowie Adickes an Vaihinger vom 6.1.1902.">[2]</a> geschrieben hat, nur um nachher sagen zu können, er <u>habe</u> geschrieben.</p><p class="ED-p">Hier hörte ich früher, <span class="ED-name">Riehl</span> habe in der entscheidenden Fakultätssitzung hier (als <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Martius ] Götz Martius (1853–1927), seit 1898 o. Prof. an der Universität Kiel, Gründer des psychologischen Seminars. – Alois Riehl lehrte 1896–1898 in Kiel, danach bis 1905 in Halle (BEdPh).&#xD;&#xA;">Martius</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Martius ] Götz Martius (1853–1927), seit 1898 o. Prof. an der Universität Kiel, Gründer des psychologischen Seminars. – Alois Riehl lehrte 1896–1898 in Kiel, danach bis 1905 in Halle (BEdPh).">[3]</a></span> primo loco vorgeschlagen wurde) beantragt oder beantragen wollen, mich hier zum E<span class="ED-add">[xtra]</span>-O<span class="ED-add">[rdinarius]</span> vorzuschlagen, sei aber nachher, als ein Gönner von mir etwas recht scharf für mich eintrat (ausfallend gegen die Andern), nicht mehr darauf zurückgekommen.</p><p class="ED-p">Ich habe <span class="ED-name">Dilthey</span> neulich nochmals fest erklärt, neben voller Schule und <span class="ED-pb">|</span> Collegs (die ich auf keinen Fall aufgeben kann und werde) könne ich für die Ausgabe nicht thätig sein, auch nicht den Druck leiten: <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="es werde da unb. ] Lesart und Auflösung unsicher&#xD;&#xA;">es werde da unb</span><span class="ED-add"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="es werde da unb. ] Lesart und Auflösung unsicher&#xD;&#xA;">[edingt]</span></span><span class="ED-add"><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="es werde da unb. ] Lesart und Auflösung unsicher">[c]</a></span> eine Unterbrechung eintreten, die mich selbst am meisten schmerze, da ich darauf baue, die Sache los zu werden, <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> die auch für die Ausgabe verhängnisvoll werden könne, da ich <u>so</u>, wie ich jetzt drin bin, <u>nie</u> wieder hineinkommen werde. Daraufhin dann sein Brief an <span class="ED-name">Riehl</span> <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> sein Erbieten, auch an <span class="ED-name">Falckenberg</span> zu schreiben, was ich heute annahm.</p><p class="ED-p">Dankbar für Alles, was Sie mir mitteilen <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="für mich thun können ] vgl. Hermann Siebeck an Vaihinger vom 4.4.1901 sowie Friedrich Paulsen an Vaihinger vom 12.6.1901&#xD;&#xA;">für mich thun können</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="für mich thun können ] vgl. Hermann Siebeck an Vaihinger vom 4.4.1901 sowie Friedrich Paulsen an Vaihinger vom 12.6.1901">[4]</a>, <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> in treuer Ergebenheit Ihr</p><p class="ED-signed">Adickes.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">dort</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">Danach … sein.</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> am linken Rand von anderer <abbr title="Hand" class="ED-abbr">Hd.</abbr> mit Bleistift angekreuzt</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">es werde da unb.</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> Lesart und Auflösung unsicher</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">weitere Beurlaubung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Adickes eigenen Bericht, mit Literaturangaben: <span class="ED-rdg">Das Thema zu meiner Dissertation (Kants Systematik als systembildender Faktor) fand ich selbständig, als ich im Anschluß an Paulsens Seminar im Sommer und Herbst 1886 das ganze Kantische System durcharbeitete. Ich promovierte am 14. Mai 1887 und machte im November desselben Jahres mein philologisches Staatsexamen. Vom 1. April 1888 ab diente ich in Altona als Einjähriger, war von Ostern 1889 bis Ostern 1890 als Probekandidat an der Oberrealschule in Kiel tätig und wurde dort, nachdem ich ein halbes Jahr als Hilfslehrer an der Realschule in Barmen-Wupperfeld gewirkt hatte, Ostern 1891 als Oberlehrer fest angestellt. […] An sich unterrichtete ich gern, besonders in Sexta und Prima; doch wurde nach meiner Habilitation an der Kieler Universität (Herbst 1895) die Sehnsucht nach rein akademischer und wissenschaftlicher Tätigkeit immer stärker. Bis 1902 blieb ich an der Schule, freilich im Interesse der Kantausgabe fast drei Jahre ganz, 2½ Jahre halb beurlaubt. 1898 wurde ich unbesoldeter Extraordinarius, Herbst 1902 folgte ich einem Ruf als Ordinarius an die neugegründete Universität Münster, Herbst 1904 einem solchen nach Tübingen als Nachfolger Chr. Sigwarts. […] Im Frühjahr 1896 verpachtete ich mich der Berliner Akademie der Wissenschaften gegenüber zu der Herausgabe von Kants handschriftlichem Nachlaß, ohne auch nur von fern zu ahnen, welche Arbeit ich damit auf mich lud. Sie band meine Kraft nicht nur für Jahre, sondern für Jahrzehnte. Von Kant hatte ich mich eigentlich verabschieden wollen. Meine Studien und Pläne galten erkenntnistheoretischen, metaphysischen, wertpsychologischen, ethischen Problemen. Aber man versprach mir zweijährigen Urlaub von der Schule und stellte die völlige Befreiung von ihr nach Vollendung der Ausgabe in Aussicht. So unterschrieb ich den Vertrag und verurteilte mich damit selbst zu einer Zwangsarbeit, die meiner Forschertätigkeit eine ganz andere Richtung gab, als ursprünglich beabsichtigt war. […] Kants handschriftlicher Nachlaß, hrsg. in der Kant-Ausgabe der Berliner Akademie der Wissenschaften. Bd. I. 1911. LXII, 637 S. Bd. II. 1913. XIV, 982 S. Bd. III. 1914. XVI, 875 S. </span>(Adickes in: Raymund Schmidt (<abbr title="Herausgeber" class="ED-abbr">Hg.</abbr>): Die deutsche Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 2. Leipzig: Meiner 1921, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 25–26, 27 <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 30).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">ganz lau oder fast abratend</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Adickes</span>, der im Februar 1896 die eigentlich Vaihinger zugedachten Editionsarbeiten an <span class="ED-name">Kant</span>s Inedita als Lückenbüßer übernommen hatte, hatte damit von vornherein und zu Lasten einer eigenen Karriere eine problematische Stellung innerhalb der Organisation der Akademie-Ausgabe der Werke Kants, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-name">Dilthey</span> an Vaihinger vom 25.9. <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 15.11.1895 sowie Adickes an Vaihinger vom 6.1.1902.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Martius</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Götz Martius</span> (1853–1927), seit 1898 <abbr title="ordentlicher Professor" class="ED-abbr">o. Prof.</abbr> an der Universität Kiel, Gründer des psychologischen Seminars. – <span class="ED-name">Alois Riehl</span> lehrte 1896–1898 in Kiel, danach bis 1905 in Halle (<abbr title="Biographische Enzyklopädie deutschsprachiger Philosophen" class="ED-abbr">BEdPh</abbr>).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">für mich thun können</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Hermann Siebeck an Vaihinger vom 4.4.1901 sowie Friedrich Paulsen an Vaihinger vom 12.6.1901</div></div></body></html>