<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Eduard von Hartmann, Halle, 28.12.1888, 7 S., hs., Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Nachlass Eduard von Hartmann</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000404-8"/><style type="text/css">
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Vaihinger an Eduard von Hartmann 9.8.1877">[1]</a> mit Ihnen, hochverehrter Herr, anzuknüpfen mir gestatte, bin ich so frei, Ihnen anbei <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="eine kleine Schrift ] vgl. Vaihinger: Naturforschung und Schule. Eine Zurückweisung der Angriffe Preyers auf das Gymnasium vom Standpunkte der Entwicklungslehre. Ein Vortrag in der dritten allgemeinen Sitzung der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln am 22. September 1888 gehalten. Köln/Leipzig: Albert Ahn 1889.&#xD;&#xA;">eine kleine Schrift</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="eine kleine Schrift ] vgl. Vaihinger: Naturforschung und Schule. Eine Zurückweisung der Angriffe Preyers auf das Gymnasium vom Standpunkte der Entwicklungslehre. Ein Vortrag in der dritten allgemeinen Sitzung der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln am 22. September 1888 gehalten. Köln/Leipzig: Albert Ahn 1889.">[2]</a> zu übersenden, deren Thema Sie <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="interessieren ] doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben&#xD;&#xA;">interessieren</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="interessieren ] doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben">[a]</a> muß, da Sie über denselben Gegenstand schon mehrfach sich geäußert haben: die Gymnasialfrage. Unter Ihren Schriften war mir immer eine der liebsten die kleine Schrift: <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="„Zur Reform des höheren Schulwesens“ ] Berlin: Duncker 1875.&#xD;&#xA;">„Zur Reform des höheren Schulwesens“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="„Zur Reform des höheren Schulwesens“ ] Berlin: Duncker 1875.">[3]</a>, deren warmes Eintreten für die klassischen Studien mich sympathisch berührte, und in <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Ihren „Modernen Problemen“ ] vgl. Eduard von Hartmann: Moderne Probleme. Leipzig: Friedrich 1885 (2., vermehrte Aufl. 1888); darin: 8. Zur Reform des Universitätsunterrichts; 9. Das Philosophie-Studium auf den Universitäten; 10. Die Ueberbürdung der Schuljugend; 11. Die preußische Schulreform von 1882; 12. Der Streit um die Organisation der höheren Schulen.&#xD;&#xA;">Ihren „Modernen Problemen“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Ihren „Modernen Problemen“ ] vgl. Eduard von Hartmann: Moderne Probleme. Leipzig: Friedrich 1885 (2., vermehrte Aufl. 1888); darin: 8. Zur Reform des Universitätsunterrichts; 9. Das Philosophie-Studium auf den Universitäten; 10. Die Ueberbürdung der Schuljugend; 11. Die preußische Schulreform von 1882; 12. Der Streit um die Organisation der höheren Schulen.">[4]</a> haben Sie mit Recht darauf <span class="ED-pb">|</span> hingewiesen, daß die von Ihnen damals aufgestellten Forderungen von dem „Einheitsschulverein“ aufgenommen worden sind, dessen Mitglied auch ich bin. Es freut mich sehr, mit Ihnen auf diesem Boden zusammenzutreffen, und in diesem Sinne glaube ich auch Ihrer Zustimmung zu der allgemeinen Tendenz meines Vortrages sicher zu sein, das Gymnasialprincip gegen die neuesten Angriffe von <span class="ED-name">Preyer</span> auf dasselbe zu vertheidigen.</p><p class="ED-p">Wie aber denken Sie über den Weg, den ich zu diesem Zweck eingeschlagen habe? Ich möchte gerne annehmen, daß Sie mir beistimmen, daß dieser Weg ein gangbarer und vielversprechender ist. Noch im letzten Augenblick der Drucklegung fand ich zu meiner großen Befriedigung, daß Sie in Ihrem <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Werke über „das sittliche Bewußtsein“ ] vgl. Eduard von Hartmann: Phänomenologie des sittlichen Bewußtseins. Prologomena zu jeder künftigen Ethik. Berlin: Duncker 1879. 2. Aufl. u. d. T. Das sittliche Bewußtsein. Eine Entwicklung seiner mannigfaltigen Gestalten in inneren Zusammenhange mit besonderer Rücksicht auf brennende soziale und kirchliche Fragen der Gegenwart. Leipzig: Friedrich 1886.&#xD;&#xA;">Werke über „das sittliche Bewußtsein“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Werke über „das sittliche Bewußtsein“ ] vgl. Eduard von Hartmann: Phänomenologie des sittlichen Bewußtseins. Prologomena zu jeder künftigen Ethik. Berlin: Duncker 1879. 2. Aufl. u. d. T. Das sittliche Bewußtsein. Eine Entwicklung seiner mannigfaltigen Gestalten in inneren Zusammenhange mit besonderer Rücksicht auf brennende soziale und kirchliche Fragen der Gegenwart. Leipzig: Friedrich 1886.">[5]</a> denselben Gedanken mehrfach deutlich ausgesprochen haben, und so konnte ich <span class="ED-pb">|</span> noch im Nachtrag auf der letzten Seite, mich auch auf Sie berufen. Da derselbe Gedanke auch in der von Ihnen hochgestellten <u><span class="ED-name">Hegel</span>’schen</u> Philosophie scharf ausgesprochen worden ist (<abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 10. 29. 35/6) und sich überhaupt in der deutschen idealistischen Philosophie vielfach wiederfindet, so werden Sie dem Princip schwerlich unsympathisch gegenüberstehen, umso weniger, als dasselbe in Ihr eigenes philosophisches System leicht einzufügen ist, ja als eine Consequenz aus demselben sich ergibt: eben das Princip, <u>daß die Entwicklung der des Einzelnen nur dann eine vollendete ist, wenn in ihr die Entwicklung der Ganzen Menschheitscultur im Auszug wiederholt wird.</u> Ja ich möchte glauben, daß Sie selbst das Princip, das in der Schrift über das sittliche Bewußtsein zunächst nur auf die ethische <span class="ED-pb">|</span> Entwicklung angewendet ist, auch an andren Stellen Ihrer Werke noch allgemeiner ausgesprochen haben, obgleich mir im Augenblick keine Belegstellen dafür zu Gebote stehen.</p><p class="ED-p">Die von mir gesammelten Citate aus allen möglichen Schriftstellern beweisen jedenfalls, daß diese in der deutschen idealistischen Philosophie zuerst mit voller Klarheit aufgestellte Idee nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen ist und eine Berücksichtigung erfordert.</p><p class="ED-p">Die Anwendung, die ich davon auf das Studium der klassischen Sprachen gemacht habe, wird ebenfalls, wie ich gerne annehmen möchte, Ihre Billigung finden, da Sie ja selbst so energisch für die klassischen Studien eingetreten sind. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Die ] darüber Zählung des neuen Bogens: 2&#xD;&#xA;">Die</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Die ] darüber Zählung des neuen Bogens: 2">[b]</a> <span class="ED-name">darwin</span>istische Grundlegung wird bei Ihnen gewiß keinen Anstoß erregen, umso weniger, als ja dieselbe nicht hindert, tiefere metaphysische Gründe aufzustellen. Die starke axiologische Färbung meines Vortrages war geboten und zweckmäßig vor Naturforschern, auf deren Boden man sich stellen muß, wenn man mit ihnen fertig werden will. Daß man auf so verschiedenen Wegen – dem darwinistischen, philosophischen, pädagogischen und selbst theologischen – zu demselben Princip gelangen kann, scheint mir ein günstiger Beweis für dasselbe zu sein.</p><p class="ED-p">Ich würde mich daher ungemein freuen, wenn Sie fänden, daß ich im Allgemeinen hier etwas <span class="ED-pb">|</span> Richtiges ausgesprochen habe, selbst wenn Sie im Einzelnen vieles nicht billigen können.</p><p class="ED-p">Dazu füge ich den natürlichen Wunsch, Sie möchten, falls Sie an meinem Schriftchen einigen Gefallen finden, demselben, vielleicht in der „Gegenwart“ <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="eine Besprechung ] vgl. Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 5.1.1889 sowie Eduard von Hartmann: Neue Schriften zur Schulreform. In: Die Gegenwart, Nr. 9 vom 2.3.1889, S. 137–138.&#xD;&#xA;">eine Besprechung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="eine Besprechung ] vgl. Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 5.1.1889 sowie Eduard von Hartmann: Neue Schriften zur Schulreform. In: Die Gegenwart, Nr. 9 vom 2.3.1889, S. 137–138.">[6]</a> widmen. Freilich möchte ich nicht, daß Sie mich, <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="wie früher einmal ] vgl. von Hartmann an Vaihinger vom 3.9.1876 u. 1.1.1877&#xD;&#xA;">wie früher einmal</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="wie früher einmal ] vgl. von Hartmann an Vaihinger vom 3.9.1876 u. 1.1.1877">[7]</a>, unbarmherzig zerreißen möchten, das möchte ich in diesem Falle nicht um der <u>Sache</u> willen, der es wohl schaden würde, wenn Sie meine Schrift ganz verwerfen würden. Würden Sie derselben gar keinen Geschmack abgewinnen können, dann möchte ich natürlich nicht, daß Sie dieselbe besprechen. Wenn Sie aber finden, das mit meinem <span class="ED-pb">|</span> Vortrag eine richtige Saite angeschlagen ist, dann wäre mir eine Besprechung durch Sie eine hochwillkommene Ehre.</p><p class="ED-p">In vollkommener Hochachtung Ihr ergebenster</p><p class="ED-signed">H. Vaihinger.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">interessieren</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Die</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>darüber Zählung des neuen Bogens: <span class="ED-rdg">2</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">bestandenen Beziehungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Eduard von Hartmann 9.8.1877</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">eine kleine Schrift</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger: <span>Naturforschung und Schule. Eine Zurückweisung der Angriffe Preyers auf das Gymnasium vom Standpunkte der Entwicklungslehre. Ein Vortrag in der dritten allgemeinen Sitzung der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln am 22. September 1888 gehalten. Köln/Leipzig: Albert Ahn 1889.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Zur Reform des höheren Schulwesens“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Berlin: Duncker 1875.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihren „Modernen Problemen“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Eduard von Hartmann: Moderne Probleme. Leipzig: Friedrich 1885 (2., vermehrte <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> 1888); darin: 8. Zur Reform des Universitätsunterrichts; 9. Das Philosophie-Studium auf den Universitäten; 10. Die Ueberbürdung der Schuljugend; 11. Die preußische Schulreform von 1882; 12. Der Streit um die Organisation der höheren Schulen.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Werke über „das sittliche Bewußtsein“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Eduard von Hartmann: Phänomenologie des sittlichen Bewußtseins. Prologomena zu jeder künftigen Ethik. Berlin: Duncker 1879. 2. <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> <abbr title="unter dem Titel" class="ED-abbr">u. d. T.</abbr> Das sittliche Bewußtsein. Eine Entwicklung seiner mannigfaltigen Gestalten in inneren Zusammenhange mit besonderer Rücksicht auf brennende soziale und kirchliche Fragen der Gegenwart. Leipzig: Friedrich 1886.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">eine Besprechung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 5.1.1889 sowie Eduard von Hartmann: Neue Schriften zur Schulreform. In: Die Gegenwart, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 9 vom 2.3.1889, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 137–138.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">wie früher einmal</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> von Hartmann an Vaihinger vom 3.9.1876 <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> 1.1.1877</div></div></body></html>