<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Bartholomäus von Carneri an Vaihinger, Graz, 22.7.1884, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 20</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000340-2"/><style type="text/css">
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Was soll ich thun? <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Zwei Karten und ein Brief ] Schreiben Vaihingers nicht überliefert&#xD;&#xA;">Zwei Karten und ein Brief</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Zwei Karten und ein Brief ] Schreiben Vaihingers nicht überliefert">[1]</a> liegen vor mir, und wenn ich auch sehr fleißig bin; geschmiedet an eine Arbeit, wie Sie es oft sind, bin ich nie. Sie sind die Artigkeit und Liebenswürdigkeit selbst, und ich – ehe ich nicht weiß, was Sie zu <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="meiner Besprechung ] vgl. Carneri an Vaihinger vom 15.5.1884, die Rede ist von Carneri: Kant’s Idealismus. In: Kosmos 8 (1884), 15. Bd. von Juli–Dezember, Rubrik Wissenschaftliche Rundschau, Philosophie, S. 148–154.&#xD;&#xA;">meiner Besprechung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="meiner Besprechung ] vgl. Carneri an Vaihinger vom 15.5.1884, die Rede ist von Carneri: Kant’s Idealismus. In: Kosmos 8 (1884), 15. Bd. von Juli–Dezember, Rubrik Wissenschaftliche Rundschau, Philosophie, S. 148–154.">[2]</a> Ihrer Schrift über <span class="ED-name">Kant</span>’s Widerlegung des Idealismus werden gesagt haben, trage etwas mit mir herum, das einem schlechten Gewissen gleicht wie ein Ei <span class="ED-pb">|</span> dem anderen. Das Augustheft – und gerade von da an sollen die Hefte des „Kosmos“ im Beginn des Monats erscheinen – bringt die Besserung und ich sende Ihnen gleich einen Separatabdruck. Wie Sie wohl wissen mußten, hängt für mich alles am Ausdruck: aus den fundamentalen Positionen <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="von innen heraus zerstört ] vgl. in Carneris Besprechung S. 152–153: Hiermit befinden wir uns aber bei einem Punkte der vorliegenden Schrift, der, wenn wir nicht sehr irren, gar wenig geeignet ist, den kritischen Idealismus ins rechte Licht zu setzen. Es handelt sich nur um ein ganz kleines Wort, um das Wort „sie“; allein dieses ganz kleine Wort legt in der ihm gegebenen Verbindung den Accent auf das Schlußergebnis der ganzen Abhandlung. Auf den letzten Seiten werden die Hauptergebnisse in drei Thesen zusammengefaßt, und da heißt es in der zweiten These […] von den, beide Auflagen der Kritik durchziehenden und einander widersprechenden Auffassungen des Verhältnisses zwischen der materiellen Außenwelt und unsern Vorstellungen: „nach der einen ist die Körperwelt bloße Vorstellung, nach der andern ist sie etwas von der empirischen Vorstellung Unabhängiges“ (S. 164). Dieses „sie“ steht für „die Körperwelt“ und versetzt uns mitten in den unlösbaren Widerspruch, in welchem der echte Idealismus und der echte Materialismus zueinander sich befinden. […] Was wäre auch ein Kritizismus wert, für den die Körperwelt nichts als das Produkt ihres Ansichseins und unserer Organisation, sondern als etwas an und für sich Existierendes sich herausstellte, das unsere Sinne affiziert? Das wäre allerdings „ein Selbstwiderspruch, in dem KANT’schen System, der dasselbe von innen heraus zerstört“ (S. 164). Soweit vermögen wir aber dem geehrten Verfasser nicht zu folgen.&#xD;&#xA;">von innen heraus zerstört</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="von innen heraus zerstört ] vgl. in Carneris Besprechung S. 152–153: Hiermit befinden wir uns aber bei einem Punkte der vorliegenden Schrift, der, wenn wir nicht sehr irren, gar wenig geeignet ist, den kritischen Idealismus ins rechte Licht zu setzen. Es handelt sich nur um ein ganz kleines Wort, um das Wort „sie“; allein dieses ganz kleine Wort legt in der ihm gegebenen Verbindung den Accent auf das Schlußergebnis der ganzen Abhandlung. Auf den letzten Seiten werden die Hauptergebnisse in drei Thesen zusammengefaßt, und da heißt es in der zweiten These […] von den, beide Auflagen der Kritik durchziehenden und einander widersprechenden Auffassungen des Verhältnisses zwischen der materiellen Außenwelt und unsern Vorstellungen: „nach der einen ist die Körperwelt bloße Vorstellung, nach der andern ist sie etwas von der empirischen Vorstellung Unabhängiges“ (S. 164). Dieses „sie“ steht für „die Körperwelt“ und versetzt uns mitten in den unlösbaren Widerspruch, in welchem der echte Idealismus und der echte Materialismus zueinander sich befinden. […] Was wäre auch ein Kritizismus wert, für den die Körperwelt nichts als das Produkt ihres Ansichseins und unserer Organisation, sondern als etwas an und für sich Existierendes sich herausstellte, das unsere Sinne affiziert? Das wäre allerdings „ein Selbstwiderspruch, in dem KANT’schen System, der dasselbe von innen heraus zerstört“ (S. 164). Soweit vermögen wir aber dem geehrten Verfasser nicht zu folgen.">[3]</a>. – Mir ist die Ansicht durch die Schriften <span class="ED-name">Leclair</span>’s geläufig, und ich kann mir nicht helfen, nur wenn <span class="ED-name">Kant</span> auch den reinen Materialismus vertreten würde, könnte ich Ihnen Recht geben. Was mir ihn rettet, ist gerade der Umstand, daß er schon in der ersten Auflage Real<span class="ED-pb">|</span>idealist ist – freilich entsetzlich unklar.</p><p class="ED-p">Für die Güte, mit der Sie meine Schriften aufnehmen, kann ich Ihnen nicht genug danken; aber glauben Sie ja nicht, mir jedes Mal danken zu müssen. Ich weiß, wie beschäftigt Sie sind, und würde es gar nicht wagen, Ihnen jede Kleinigkeit zu senden, wenn ich nicht dächte, Sie schreiben mir nur, wenn Sie leicht können. – An <abbr title="Professor" class="ED-abbr">Prof.</abbr> <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Laas ] mit Bleistift unterstrichen&#xD;&#xA;">Laas</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Laas ] mit Bleistift unterstrichen">[a]</a></span> habe ich gleich ein Exemplar gesendet.</p><p class="ED-p">Mit den besten Grüßen Ihr dankbar ergebener</p><p class="ED-signed">B. Carneri</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Laas</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>mit Bleistift unterstrichen</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Zwei Karten und ein Brief</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Schreiben Vaihingers nicht überliefert</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">meiner Besprechung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Carneri an Vaihinger vom 15.5.1884, die Rede ist von Carneri: Kant’s Idealismus. In: Kosmos 8 (1884), 15. <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> von Juli–Dezember, Rubrik Wissenschaftliche Rundschau, Philosophie, <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 148–154.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">von innen heraus zerstört</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> in Carneris Besprechung <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 152–153: <span class="ED-rdg">Hiermit befinden wir uns aber bei einem Punkte der vorliegenden Schrift, der, wenn wir nicht sehr irren, gar wenig geeignet ist, den kritischen Idealismus ins rechte Licht zu setzen. Es handelt sich nur um ein ganz kleines Wort, um das Wort „sie“; allein dieses ganz kleine Wort legt in der ihm gegebenen Verbindung den Accent auf das Schlußergebnis der ganzen Abhandlung. Auf den letzten Seiten werden die Hauptergebnisse in drei Thesen zusammengefaßt, und da heißt es in der zweiten These […] von den, beide Auflagen der Kritik durchziehenden und einander widersprechenden Auffassungen des Verhältnisses zwischen der materiellen Außenwelt und unsern Vorstellungen: „nach der einen ist die Körperwelt bloße Vorstellung, nach der andern ist sie etwas von der empirischen Vorstellung Unabhängiges“ (S. 164). Dieses „sie“ steht für „die Körperwelt“ und versetzt uns mitten in den unlösbaren Widerspruch, in welchem der echte Idealismus und der echte Materialismus zueinander sich befinden. […] Was wäre auch ein Kritizismus wert, für den die Körperwelt nichts als das Produkt ihres Ansichseins und unserer Organisation, sondern als etwas an und für sich Existierendes sich herausstellte, das unsere Sinne affiziert? Das wäre allerdings „ein Selbstwiderspruch, in dem KANT’schen System, der dasselbe von innen heraus zerstört“ (S. 164). 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