<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Eduard Zeller, Straßburg, 11.2.1884, 7 S., hs., Universitätsbibliothek Tübingen, http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/Md747-782</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000311-0"/><style type="text/css">
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Febr<span class="ED-add">[uar]</span> 1884.</p><p class="ED-salute">Hochzuverehrender Herr GeheimeRath, verehrtester Herr <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Professor! ] danach 3 Zeilen frei gelassen&#xD;&#xA;">Professor!</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Professor! ] danach 3 Zeilen frei gelassen">[a]</a></p><p class="ED-p">Genehmigen <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Hochwohlgeboren den Ausdruck des herzlichsten und tiefsten Dankes für die gütige und wohlwollende Art und Weise, in der Sie sich meiner Angelegenheit annehmen. Die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="mir gütigst gemachten Mittheilungen ] vgl. Zeller an Vaihinger vom 8.2.1884&#xD;&#xA;">mir gütigst gemachten Mittheilungen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="mir gütigst gemachten Mittheilungen ] vgl. Zeller an Vaihinger vom 8.2.1884">[1]</a> sind nun freilich sehr unangenehmer Natur für mich; ich hatte doch diesmal gedacht, nach so vielen Stürmen und Enttäuschungen endlich in einen ruhigen Hafen einlaufen zu dürfen.</p><p class="ED-p">Besonders bedauerlich ist dabei das Mißverständniß des Herrn Geh<span class="ED-add">[eimen]</span> Rath <span class="ED-name">Althoff</span>, daß ich hier in günstiger Situation mich befinde und einen Gehalt von 2000 <abbr title="Monsieur" class="ED-abbr">M.</abbr> beziehe. Ich habe, erstaunt über diese Mittheilung, soeben mit dem Herrn Curator <span class="ED-name">Ledderhose</span> hier Rücksprache genommen, der dieser Tage in Berlin war, und wie er mir soeben mittheilte, <span class="ED-pb">|</span> mit Herrn Geh<span class="ED-add">[eimen]</span> Rath <span class="ED-name">Althoff</span> auch über meinen Fall gesprochen hat. Herr <span class="ED-name">Ledderhose</span> war um so mehr erstaunt hierüber, als er Herrn A<span class="ED-add">[lthoff]</span> genau mitgetheilt habe, daß ich <u>keinen festen Gehalt</u> habe; und das ich <u>Remunerationen bis</u> zu 1500 <abbr title="Monsieur" class="ED-abbr">M.</abbr> pro Jahr beziehe und daß diese Remuneration aus dem <u>Privatdozentenfonds</u> bezahlt werden. Herr L<span class="ED-add">[edderhose]</span> kann sich das Mißverständniß des Herrn Geh<span class="ED-add">[eimen]</span> Rath A<span class="ED-add">[lthoff]</span> nur so erklären, daß Letzterer meinen Fall mit dem Fall eines <u>anderen</u> hiesigen Extraordinarius verwechselt, welcher allerdings 2000 <abbr title="Monsieur" class="ED-abbr">M.</abbr> Gehalt bezieht. Ich erlaube mir noch zum Überfluß <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="zwei Beilagen ] liegen dem Schreiben nicht bei&#xD;&#xA;">zwei Beilagen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="zwei Beilagen ] liegen dem Schreiben nicht bei">[b]</a> mitzusenden, (um deren <u>gelegentliche</u> Retournierung ich <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ergebenst ersuche) aus dem diese Facta documentarisch hervorgehen; daß diese Remunerationen dazu noch aus dem Privatdozentenfonds <span class="ED-pb">|</span> fließen, ist mir schon lange bekannt und auch heute von Herrn <span class="ED-name">Ledderhose</span> ausdrücklich bestätigt worden; er fügte noch hinzu, daß eben aus diesem Grunde diese Summe von 1500 Mark <u>nicht überschritten</u> werden könne, weil diese Summe auch in Preußen das Maximum dessen sei, was dem Einzelnen aus diesem Fonds gereicht werden könne.</p><p class="ED-p">Meine Stellung ist somit hier so ungünstig wie möglich. Daß sie eines Mannes in <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="meinem Alter ] Vaihinger war zum Zeitpunkt der Abfassung des vorliegenden Schreibens 31 Jahre alt.&#xD;&#xA;">meinem Alter</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="meinem Alter ] Vaihinger war zum Zeitpunkt der Abfassung des vorliegenden Schreibens 31 Jahre alt.">[2]</a> unwürdig ist, davon will ich gar nicht reden.</p><p class="ED-p">Ich bemerke dazu noch, daß nach der ausdrücklichen Versicherung des Herrn Curators diese meine Stellung auch in den folgenden nächsten Jahren <u>nicht</u> zu ändern ist; daß ich also allen Grund habe, eine baldige Änderung meiner Verhältnisse zu wünschen. <span class="ED-pb">|</span></p><p class="ED-p">Daß die theologische Facultät <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="in Kiel ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884&#xD;&#xA;">in Kiel</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="in Kiel ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884">[3]</a> gegen meine philosophische Richtung <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Einwände macht ] vgl. Benno Erdmann an Vaihinger vom 14.2.1884&#xD;&#xA;">Einwände macht</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Einwände macht ] vgl. Benno Erdmann an Vaihinger vom 14.2.1884">[4]</a>, ist mir deshalb erstaunlich, weil die theolog<span class="ED-add">[ische]</span> Facultät <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="in Basel ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 13.6.1883&#xD;&#xA;">in Basel</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="in Basel ] vgl. Vaihinger an Zeller vom 13.6.1883">[5]</a>, wo ich von vor einem Jahre vorgeschlagen war, sich mir gegenüber freundlich stellte; und doch ist die Baseler Fakultät nicht freisinniger als die Kieler. Ich glaube versichern zu dürfen, daß, was das <u>persönliche</u> Verhältnis betrifft, der meinerseits auszuübende kollegiale <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="Takt ] in lateinischer Schrift&#xD;&#xA;">Takt</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="Takt ] in lateinischer Schrift">[c]</a> jedem unliebsamen Mißverständniß vorbeugen dürfte, und was die <u>sachliche</u> Stellung betrifft, so schließt schon meine allgemeine, staatliche und politische Überzeugung es ein, daß ich es für falsch halten würde, den Mitgliedern und Studenten der theologischen Facultät durch unnöthige Angriffe als feindselige Haltung Anstoß zu geben. Ich habe auch hier mit Professoren und Studierenden der Theologie freundschaftlichen Verkehr und habe es, meiner <span class="ED-pb">|</span> ganzen Natur nach, nie schwer gefunden, auf der Basis gegenseitiger Achtung und discreter Reserve auf freundlichem Fuße mit den Theologen zu leben. In dieser Hinsicht glaube ich also die Bedenken gegen mich für nicht gegründet halten zu dürfen, und bezweifle, ob irgend ein Anderer von denjenigen, welche in Betracht kommen mögen, mehr Garantien für ein tactvolles Verhalten bietet. Auch ist ja meine systematische Stellung im Wesentlichen mit der von Herrn Professor <span class="ED-name">B. Erdmann</span> identisch. –</p><p class="ED-p">Ich will mit diesen beiden Berichtigungen – meine hiesige pecuniäre Stellung und die Bedenken der Theologen betreffend – nicht den höheren Rücksichten und Gesichtspunkten der Regirung meine persönlichen Wünsche gegenüberstellen; es ist <u>überhaupt</u> in meinem Interesse jene beiden <span class="ED-pb">|</span> Punkte in das richtige Licht zu rücken. Es ist mir sehr erfreulich und sehr tröstlich, daß an maaßgebender Stelle überhaupt meiner mit Wohlwollen gedacht wird und daß bei den Combinationen für die Zukunft auch meine Person in einer mich sehr ehrenden Weise berücksichtigt wird. Ich kann für dieses Zeichen gütigen Wohlwollens nicht dankbar genug sein. Aber ob ich es so leicht wieder so günstig treffen werde, daß mich eine Facultät primo loco einstimmig vorschlägt? Ob bei einer eventuellen Vacanz nicht andere Personen, andere Rücksichten, die sich jetzt noch gar nicht vorsehen lassen, geltend gemacht werden können? Ob nicht <span class="ED-pb">|</span> gerade die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Vakanz in Halle ] nach Glogaus Berufung nach Kiel, vgl. Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884.&#xD;&#xA;">Vakanz in Halle</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Vakanz in Halle ] nach Glogaus Berufung nach Kiel, vgl. Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884.">[6]</a> selbst Gelegenheit bietet, jetzt zu gleicher Zeit alle Wünsche und alle Ansprüche zu befriedigen? ich meine – <u>Wünsche</u> von <u>meiner</u> Seite, Ansprüche von anderer Seite.</p><p class="ED-p">Möchten Sie, hochzuverehrender Herr Geheime Rath, Gelegenheit nehmen, diese Gesichtspunkte nach Ihrem eigenen Ermessen geltend zu machen; und genehmigen Sie den Ausdruck meines tiefsten Dankes für den erneuten Beweis Ihres gütigen Wohlwollens und Ihrer theilnehmenden Fürsorge für mich.</p><p class="ED-p">In dankbarster Verehrung <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Hochwohlgeboren ganz ergebenster</p><p class="ED-signed">H. Vaihinger.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Professor!</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach 3 Zeilen frei gelassen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">zwei Beilagen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>liegen dem Schreiben nicht bei</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Takt</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>in lateinischer Schrift</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">mir gütigst gemachten Mittheilungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Zeller an Vaihinger vom 8.2.1884</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">meinem Alter</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Vaihinger war zum Zeitpunkt der Abfassung des vorliegenden Schreibens 31 Jahre alt.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">in Kiel</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Einwände macht</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 14.2.1884</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">in Basel</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 13.6.1883</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Vakanz in Halle</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nach <span class="ED-name">Glogau</span>s Berufung nach Kiel, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Zeller vom 6.2.1884.</div></div></body></html>