<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Bartholomäus von Carneri an Vaihinger, Schloss Wildhaus (Zellnitz an der Drau/Selnica ob Dravi, ehemals Untersteiermark), 9.8.1883, 4 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 4 d, Nr. 14</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000296-5"/><style type="text/css">
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Aug<span class="ED-add">[ust]</span> 1883.</p><p class="ED-salute">Hochgeehrter Herr!</p><p class="ED-p">Es ist wohl sehr lieb von Ihnen, kaum von der Arbeit entlastet, an mich zu denken und <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="zu schreiben ] Schreiben Vaihingers nicht überliefert&#xD;&#xA;">zu schreiben</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="zu schreiben ] Schreiben Vaihingers nicht überliefert">[1]</a>! Ich danke Ihnen von Herzen dafür, und habe mit großem Interesse das <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="Programm Ihrer Vorlesungen ] im SS 1883 hatte Vaihinger in Straßburg angeboten: Grundprobleme der Psychologie; 3stündig. Im philosophischen Seminar: Lectüre eines pädagogischen Klassikers (Herbart); zweistündig; gratis. Für das WS 1883/1884 waren angekündigt: Geschichte der neueren Philosophie; Montag, Dienstag und Mittwoch von 5–6 Uhr. Grundprobleme der Moral; Donnerstag und Freitag von 5–6 Uhr. Im philosophischen Seminar: Erklärung von „Herbarts pädagogischen Schriften“; Samstag von 5–7 Uhr Nachmittags; gratis (vgl. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328882334/date.item (7.8.2024)).&#xD;&#xA;">Programm Ihrer Vorlesungen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="Programm Ihrer Vorlesungen ] im SS 1883 hatte Vaihinger in Straßburg angeboten: Grundprobleme der Psychologie; 3stündig. Im philosophischen Seminar: Lectüre eines pädagogischen Klassikers (Herbart); zweistündig; gratis. Für das WS 1883/1884 waren angekündigt: Geschichte der neueren Philosophie; Montag, Dienstag und Mittwoch von 5–6 Uhr. Grundprobleme der Moral; Donnerstag und Freitag von 5–6 Uhr. Im philosophischen Seminar: Erklärung von „Herbarts pädagogischen Schriften“; Samstag von 5–7 Uhr Nachmittags; gratis (vgl. https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328882334/date.item (7.8.2024)).">[2]</a> gelesen. An eine derartige Aufgabe könnte ich nicht im Traum denken, und von mir können Sie wohl kaum etwas lernen. Wie gerne würde ich Ihre Vorlesungen besuchen! Vielleicht gelingt es mir in der Form selbständiger Aufsätze, die aber innerlich zusammen hängen, meine Weltanschauung in correcte<span class="ED-pb">|</span>rer Weise zum Ausdruck zu bringen. Bislang habe ich immer, mehr um selbst in’s Klare zu kommen, als um das mir bereits Klare mitzutheilen, zur Feder gegriffen; darum enthalten meine Bücher einzelne gute Partien, und ist als Ganzes kein einziges von Werth. <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="Mein erstes ] meint vielleicht: v. Carneri: Sittlichkeit und Darwinismus. Drei Bücher Ethik. Wien: Braumüller 1871.&#xD;&#xA;">Mein erstes</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="Mein erstes ] meint vielleicht: v. Carneri: Sittlichkeit und Darwinismus. Drei Bücher Ethik. Wien: Braumüller 1871.">[3]</a>, über das Sie so liebenswürdig sich aussprechen, leidet an zwei großen Mängeln: der viel zu sehr prononcirte Hegelianismus, und, betreffend die Zurechnungsfähigkeit, eine viel zu kräftige und doch haltlose Anlehnung an <span class="ED-name">Kant</span>, zu der <span class="ED-name">Schopenhauer</span> mich verführt hatte <abbr title="und so weiter" class="ED-abbr">u. s. w.</abbr> <abbr title="und so weiter" class="ED-abbr">u. s. w.</abbr> Meine <span class="ED-pb">|</span> Geschichte ist zum großen Theil eine Leidensgeschichte, und der Zweck meiner schriftstellerischen Thätigkeit im Grunde nur <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Selbsterhaltungstrieb … auszubilden. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;">Selbsterhaltungstrieb. Schwere körperliche Leiden und schmerzlichste Verluste zwangen mich, mir eine eigene Welt zu schaffen, in der es mir auch gelungen ist, eine glückliche Anlage zu Gleichmuth </span><abbr title="und" class="ED-abbr"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Selbsterhaltungstrieb … auszubilden. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;">u.</span></abbr><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Selbsterhaltungstrieb … auszubilden. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;"> Heiterkeit mir zu bewahren und auszubilden.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Selbsterhaltungstrieb … auszubilden. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen">[a]</a> Streng genommen habe ich gar kein Recht auf anderweitige Erfolge. Der Wunsch <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="oder … Zustände ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;">oder Wahn, eine Ethik ohne alle Freiheit und Jenseitigkeit zu schreiben, belebt mich derart, und ich lebe so vollständig in ihm, daß unsere trostlosen staatlichen Zustände</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="oder … Zustände ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen">[b]</a> mich gar nicht betrüben. Ich sehe sie, bekämpfe sie mit aller mir eigenen <span class="ED-pb">|</span> Energie, aber ohne daß meine Laune im Geringsten darunter litte.</p><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Unsere Festlichkeiten ] im Zusammenhang mit der Rundreise Franz Joseph I. Anfang Juli 1883, anlässlich der 600jährigen Zugehörigkeit des Landes Steiermark zum Habsburgerreich; zahlreiche Presseberichte.&#xD;&#xA;">Unsere Festlichkeiten</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Unsere Festlichkeiten ] im Zusammenhang mit der Rundreise Franz Joseph I. Anfang Juli 1883, anlässlich der 600jährigen Zugehörigkeit des Landes Steiermark zum Habsburgerreich; zahlreiche Presseberichte.">[4]</a> sind glänzend <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="gelungen … hat. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;">gelungen. Wir haben den Kaiser vollständig getrennt von seiner Regierung. Den </span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3 app-editorial-5" title="gelungen … hat. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Grafen Taaffe ] Eduard Franz Joseph Graf Taaffe (1833–1895), 1879–1893 österreichischer Ministerpräsident (https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Taaffe_Eduard-Franz-Joseph_1833_1895.xml (7.8.2024)).&#xD;&#xA;">Grafen </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3 app-editorial-5" title="gelungen … hat. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;&#xD;&#xA;Grafen Taaffe ] Eduard Franz Joseph Graf Taaffe (1833–1895), 1879–1893 österreichischer Ministerpräsident (https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Taaffe_Eduard-Franz-Joseph_1833_1895.xml (7.8.2024)).&#xD;&#xA;">Taaffe</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Grafen Taaffe ] Eduard Franz Joseph Graf Taaffe (1833–1895), 1879–1893 österreichischer Ministerpräsident (https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Taaffe_Eduard-Franz-Joseph_1833_1895.xml (7.8.2024)).">[5]</a></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="gelungen … hat. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen&#xD;&#xA;"> hat niemand beachtet. Er ist auch den zweiten Tag abgefahren, während der Kaiser volle 9 Tage sich sehr zufrieden gefühlt hat.</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="gelungen … hat. ] am linken Rd. mit Bleistift angestrichen">[c]</a> Er sagte unter anderem zu mir: Gerne bliebe ich noch einmal so lange. Natürlich sprach er nur über Landesangelegenheiten, und ist das Ganze für unsere Reichscalamitäten nicht entscheidend; aber dien Slowenen haben dabei den Kürzeren gezogen und das ist immer gut. Erst müssen die Verhältnisse in Böhmen den Blinden die Augen öffnen; früher wird’s nicht besser. Nun nochmals dank für Ihren lieben, lieben Brief, und bleiben Sie immer so gut Ihrem ganz ergebenen</p><p class="ED-signed">B. Carneri</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">Selbsterhaltungstrieb … auszubilden.</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> am linken <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">oder … Zustände</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> am linken <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-lem">gelungen … hat.</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span> am linken <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr> mit Bleistift angestrichen</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">zu schreiben</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Schreiben Vaihingers nicht überliefert</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Programm Ihrer Vorlesungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>im <abbr title="Sommersemester" class="ED-abbr">SS</abbr> 1883 hatte Vaihinger in Straßburg angeboten: Grundprobleme der Psychologie; 3stündig. Im philosophischen Seminar: Lectüre eines pädagogischen Klassikers (Herbart); zweistündig; gratis. Für das <abbr title="Wintersemester" class="ED-abbr">WS</abbr> 1883/1884 waren angekündigt: Geschichte der neueren Philosophie; Montag, Dienstag und Mittwoch von 5–6 Uhr. Grundprobleme der Moral; Donnerstag und Freitag von 5–6 Uhr. Im philosophischen Seminar: Erklärung von „Herbarts pädagogischen Schriften“; Samstag von 5–7 Uhr Nachmittags; gratis (<abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> <span class="ED-link"><a href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328882334/date.item">https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/cb328882334/date.item</a></span> (7.8.2024)).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Mein erstes</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>meint vielleicht: v. Carneri: Sittlichkeit und Darwinismus. Drei Bücher Ethik. Wien: Braumüller 1871.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Unsere Festlichkeiten</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>im Zusammenhang mit der Rundreise <span class="ED-name">Franz Joseph I.</span> Anfang Juli 1883, anlässlich der 600jährigen Zugehörigkeit des Landes Steiermark zum Habsburgerreich; zahlreiche Presseberichte.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Grafen <span class="ED-name">Taaffe</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Eduard Franz Joseph Graf Taaffe</span> (1833–1895), 1879–1893 österreichischer Ministerpräsident (<span class="ED-link"><a href="https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Taaffe_Eduard-Franz-Joseph_1833_1895.xml">https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Taaffe_Eduard-Franz-Joseph_1833_1895.xml</a></span> (7.8.2024)).</div></div></body></html>