<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Benno Erdmann an Vaihinger, Kiel, 13.5.1882, 3 S., hs., Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 m, Nr. 3</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000190-2"/><style type="text/css">
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Benno Erdmann an Vaihinger vom 18.4.1882">[1]</a> meinen verbindlichen Dank zu sagen. Ich werde in <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> II der Reflexionen mehrfach Gelegenheit haben, auf unsere Differenzen zu sprechen zu kommen.</p><p class="ED-p">Auf die <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="böswilligen Angriffe ] vgl. Kuno Fischer: Immanuel Kant und eine Lehre. Erster Theil. Entstehung und Grundlegung der kritischen Philosophie. 3., neu bearbeitete Aufl. München: Bassermann 1882 (Geschichte der neuern Philosophie 3. Bd.), S. 556–557: Es gehört zu den verdienstlichen Geschäften der „Kantphilologie“, daß sie die Werke des Philosophen von Druckfehlern zu säubern bemüht ist. Freilich braucht man zu einer solchen Arbeit keine Philologie, aber das Kind braucht einen Namen. Nur darf auch mit Kants Worten so wenig nach Willkür verfahren werden, als mit dem Gange seiner Untersuchungen und der Composition seiner Schriften. Wenn der Philosoph z. B. in der zweiten Ausgabe der Kritik das Wort „Scharfsichtigkeit“ in „Scharfsinnigkeit“ verbessert hat, weil es sich an der betreffenden Stelle um das Erkennen verschiedener Begriffe handelt, so ist deshalb in den Prolegomena das Wort „Scharfsichtigkeit“ an einer Stelle, wo es Kant gebraucht und beibehalten hat, weil hier vom „Aufspähen“ und „Sehen“ die Rede ist, nicht in „Scharfsinnigkeit“ zu verschlimmbessern. So hat es dem jüngsten Herausgeber gefallen. Nach seinem Verfahren zu urtheilen, erscheint die Kantphilologie als eine Kunst, Druckfehler nicht blos zu finden, sondern auch zu machen. Wehe aber jedem anderen Herausgeber, der sich an der Stellung eines unbedeutenden Wörtchens versündigen sollte und, wie es dem trefflichen Hartenstein in seiner Ausgabe der Vernunftkritik begegnet ist, z. B. „etwa nur“ lesen läßt, wo Kant „nur etwa“ geschrieben hat. Ist doch an dieser Stelle die richtige Lesart so bedeutungsvoll: der Philosoph hat von den Aushängebogen seines Werkes nicht „etwa nur“, sondern „nur etwa die Hälfte zu sehen bekommen.“ Aus den gegebenen Proben und Pröbchen möge der Leser erkennen, was es in einem ihrer ruhmredigsten und betriebsamsten Werkzeuge, das neue Wege zu bahnen verspricht und auf völlig unbetretenen Pfaden einherzuschreiten prahlt, mit dieser Kantphilologie für eine Bewandtniß hat. In ihren richtigen Grenzen kann sie mit ihrem Kleinkram eine nützliche Arbeit sein, als Gründergeschäft getrieben, ist sie lächerlich.&#xD;&#xA;">böswilligen Angriffe</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="böswilligen Angriffe ] vgl. Kuno Fischer: Immanuel Kant und eine Lehre. Erster Theil. Entstehung und Grundlegung der kritischen Philosophie. 3., neu bearbeitete Aufl. München: Bassermann 1882 (Geschichte der neuern Philosophie 3. Bd.), S. 556–557: Es gehört zu den verdienstlichen Geschäften der „Kantphilologie“, daß sie die Werke des Philosophen von Druckfehlern zu säubern bemüht ist. Freilich braucht man zu einer solchen Arbeit keine Philologie, aber das Kind braucht einen Namen. Nur darf auch mit Kants Worten so wenig nach Willkür verfahren werden, als mit dem Gange seiner Untersuchungen und der Composition seiner Schriften. Wenn der Philosoph z. B. in der zweiten Ausgabe der Kritik das Wort „Scharfsichtigkeit“ in „Scharfsinnigkeit“ verbessert hat, weil es sich an der betreffenden Stelle um das Erkennen verschiedener Begriffe handelt, so ist deshalb in den Prolegomena das Wort „Scharfsichtigkeit“ an einer Stelle, wo es Kant gebraucht und beibehalten hat, weil hier vom „Aufspähen“ und „Sehen“ die Rede ist, nicht in „Scharfsinnigkeit“ zu verschlimmbessern. So hat es dem jüngsten Herausgeber gefallen. Nach seinem Verfahren zu urtheilen, erscheint die Kantphilologie als eine Kunst, Druckfehler nicht blos zu finden, sondern auch zu machen. Wehe aber jedem anderen Herausgeber, der sich an der Stellung eines unbedeutenden Wörtchens versündigen sollte und, wie es dem trefflichen Hartenstein in seiner Ausgabe der Vernunftkritik begegnet ist, z. B. „etwa nur“ lesen läßt, wo Kant „nur etwa“ geschrieben hat. Ist doch an dieser Stelle die richtige Lesart so bedeutungsvoll: der Philosoph hat von den Aushängebogen seines Werkes nicht „etwa nur“, sondern „nur etwa die Hälfte zu sehen bekommen.“ Aus den gegebenen Proben und Pröbchen möge der Leser erkennen, was es in einem ihrer ruhmredigsten und betriebsamsten Werkzeuge, das neue Wege zu bahnen verspricht und auf völlig unbetretenen Pfaden einherzuschreiten prahlt, mit dieser Kantphilologie für eine Bewandtniß hat. In ihren richtigen Grenzen kann sie mit ihrem Kleinkram eine nützliche Arbeit sein, als Gründergeschäft getrieben, ist sie lächerlich.">[2]</a> K<span class="ED-add">[uno]</span> <span class="ED-name">Fischer</span>s werde ich allerdings nicht schweigen. Voraussichtlich werde ich aber erst <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="in einem Vorwort zum 2ten Bande ] in Erdmann: Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben. Leipzig: Fues (Reisland) 1884 (Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie Bd. 2); vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 28.5.1882.&#xD;&#xA;">in einem Vorwort zum 2</span><sup><u><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="in einem Vorwort zum 2ten Bande ] in Erdmann: Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben. Leipzig: Fues (Reisland) 1884 (Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie Bd. 2); vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 28.5.1882.&#xD;&#xA;">ten</span></u></sup><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="in einem Vorwort zum 2ten Bande ] in Erdmann: Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben. Leipzig: Fues (Reisland) 1884 (Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie Bd. 2); vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 28.5.1882.&#xD;&#xA;"> Bande</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="in einem Vorwort zum 2ten Bande ] in Erdmann: Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben. Leipzig: Fues (Reisland) 1884 (Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie Bd. 2); vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 28.5.1882.">[3]</a> der <span class="ED-pb">|</span> Refl<span class="ED-add">[exionen]</span> seinen Angriff beleuchten, <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> dabei zugleich Herrn <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="Arnoldt ] danach ein Wort unleserlich gestrichen&#xD;&#xA;">Arnoldt</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="Arnoldt ] danach ein Wort unleserlich gestrichen">[a]</a></span> charakterisieren. Ich bin übrigens erstaunt, dass ein Mann von der dialekt<span class="ED-add">[ischen]</span> Geschicklichkeit K<span class="ED-add">[uno]</span> F<span class="ED-add">[ischer]</span>’s so plump sein konnte wie in diesen seinen Invektiven.</p><p class="ED-p">Ich fange allmählich an zu begreifen was Cameraderie ist. In der <span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Ulrici’schen Zeitschrift ] Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, hg. von Hermann Ulrici.&#xD;&#xA;">Ulrici</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Ulrici’schen Zeitschrift ] Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, hg. von Hermann Ulrici.&#xD;&#xA;">’schen Zeitschrift</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Ulrici’schen Zeitschrift ] Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, hg. von Hermann Ulrici.">[4]</a> ist, seitdem ich von ihr abgefallen bin, nie eine Besprechung auch nur einer meiner Arbeiten erschienen. In den phil<span class="ED-add">[osophischen]</span> Monatsh<span class="ED-add">[eften]</span> scheint es ebenso werden zu sollen. Dass der R<span class="ED-add">[ezensent]</span> nach <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="meiner Recension ] vgl. Benno Erdmann an Vaihinger vom 18.4.1882&#xD;&#xA;">meiner Recension</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="meiner Recension ] vgl. Benno Erdmann an Vaihinger vom 18.4.1882">[5]</a> der <span class="ED-name">Arnoldt</span><span class="ED-add">[schen]</span> Schrift eine Recension schreiben konnte, wie in letzter Nummer, dass er dabei mit keinem Worte die Tatsache <span class="ED-pb">|</span> der von mir aufgedeckten Übereinstimmung berühren konnte, zeigt was die Sache und was die Person gilt.</p><p class="ED-p">Ich bin auf <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Ihre Anzeigen ] vgl. Vaihingers Rezensionen: Kant’s Kritik der reinen Vernunft. Nachträge. Aus Kant’s Nachlass herausg. von Benno Erdmann. Kiel, 1881. Lipsius &amp; Fischer. (59 S. Lex.-8.) M 2. In: Literarisches Centralblatt, Nr. 27 vom 1.7.1882, Sp. 893; sowie ders.: Reflexionen Kant’s zur Anthropologie. Aus Kant’s handschriftlichen Aufzeichnungen herausg. von Bruno [!] Erdmann. Leipzig, 1882. Fues’s Verl. (Reisland). (X, 222 S. Gr. 8.) M 4. (Reflexionen Kant’s zur kritischen Philosophie. 1. Bd., 1. H.). In: Literarisches Centralblatt, Nr. 46 vom 11.11.1882, Sp. 1541–1542.&#xD;&#xA;">Ihre Anzeigen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Ihre Anzeigen ] vgl. Vaihingers Rezensionen: Kant’s Kritik der reinen Vernunft. Nachträge. Aus Kant’s Nachlass herausg. von Benno Erdmann. Kiel, 1881. Lipsius &amp; Fischer. (59 S. Lex.-8.) M 2. In: Literarisches Centralblatt, Nr. 27 vom 1.7.1882, Sp. 893; sowie ders.: Reflexionen Kant’s zur Anthropologie. Aus Kant’s handschriftlichen Aufzeichnungen herausg. von Bruno [!] Erdmann. Leipzig, 1882. Fues’s Verl. (Reisland). (X, 222 S. Gr. 8.) M 4. (Reflexionen Kant’s zur kritischen Philosophie. 1. Bd., 1. H.). In: Literarisches Centralblatt, Nr. 46 vom 11.11.1882, Sp. 1541–1542.">[6]</a> im L<span class="ED-add">[iterarischen]</span> Z<span class="ED-add">[entralblatt]</span> um so gespannter, als mir jetzt gegenüber denen, die nicht fachmäßig orientiert sind, an einem gründlichen Urteil eines Kenners in der Tat gelegen ist. Darf ich mir die Bitte erlauben, dass Sie die Anzeigen, so weit Ihre Zeit es irgend gestattet, beeilen? Es wird in der Tat notwendig, dass zusammensteht, wem daran gelegen, dass die Sachen gefördert werden, nicht die Personen.</p><p class="ED-p">Mit freundlichem Gruße hochachtungsvoll Ihr ganz ergebener</p><p class="ED-signed">B Erdmann</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Arnoldt</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach ein Wort unleserlich gestrichen</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Zusendung der neuen Bogen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 18.4.1882</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">böswilligen Angriffe</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Kuno Fischer: Immanuel Kant und eine Lehre. Erster Theil. Entstehung und Grundlegung der kritischen Philosophie. 3., neu bearbeitete <abbr title="Auflage" class="ED-abbr">Aufl.</abbr> München: Bassermann 1882 (Geschichte der neuern Philosophie 3. Bd.), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 556–557: <span class="ED-rdg">Es gehört zu den verdienstlichen Geschäften der „Kantphilologie“, daß sie die Werke des Philosophen von Druckfehlern zu säubern bemüht ist. Freilich braucht man zu einer solchen Arbeit keine Philologie, aber das Kind braucht einen Namen. Nur darf auch mit Kants Worten so wenig nach Willkür verfahren werden, als mit dem Gange seiner Untersuchungen und der Composition seiner Schriften. Wenn der Philosoph z. B. in der zweiten Ausgabe der Kritik das Wort „Scharfsichtigkeit“ in „Scharfsinnigkeit“ verbessert hat, weil es sich an der betreffenden Stelle um das Erkennen verschiedener Begriffe handelt, so ist deshalb in den Prolegomena das Wort „Scharfsichtigkeit“ an einer Stelle, wo es Kant gebraucht und beibehalten hat, weil hier vom „Aufspähen“ und „Sehen“ die Rede ist, nicht in „Scharfsinnigkeit“ zu verschlimmbessern. So hat es dem jüngsten Herausgeber gefallen. Nach seinem Verfahren zu urtheilen, erscheint die Kantphilologie als eine Kunst, Druckfehler nicht blos zu finden, sondern auch zu machen. Wehe aber jedem anderen Herausgeber, der sich an der Stellung eines unbedeutenden Wörtchens versündigen sollte und, wie es dem trefflichen Hartenstein in seiner Ausgabe der Vernunftkritik begegnet ist, z. B. „etwa nur“ lesen läßt, wo Kant „nur etwa“ geschrieben hat. Ist doch an dieser Stelle die richtige Lesart so bedeutungsvoll: der Philosoph hat von den Aushängebogen seines Werkes nicht „etwa nur“, sondern „nur etwa die Hälfte zu sehen bekommen.“ Aus den gegebenen Proben und Pröbchen möge der Leser erkennen, was es in einem ihrer ruhmredigsten und betriebsamsten Werkzeuge, das neue Wege zu bahnen verspricht und auf völlig unbetretenen Pfaden einherzuschreiten prahlt, mit dieser Kantphilologie für eine Bewandtniß hat. In ihren richtigen Grenzen kann sie mit ihrem Kleinkram eine nützliche Arbeit sein, als Gründergeschäft getrieben, ist sie lächerlich.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">in einem Vorwort zum 2<sup><u>ten</u></sup> Bande</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>in Erdmann: Reflexionen Kants zur Kritik der reinen Vernunft. Aus Kants handschriftlichen Aufzeichnungen herausgegeben. Leipzig: Fues (Reisland) 1884 (Reflexionen Kants zur kritischen Philosophie <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> 2); <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 28.5.1882.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem"><span class="ED-name">Ulrici</span>’schen Zeitschrift</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, <abbr title="herausgegeben" class="ED-abbr">hg.</abbr> von <span class="ED-name">Hermann Ulrici</span>.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">meiner Recension</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Benno Erdmann an Vaihinger vom 18.4.1882</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihre Anzeigen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihingers Rezensionen: Kant’s Kritik der reinen Vernunft. Nachträge. Aus Kant’s Nachlass herausg. von Benno Erdmann. Kiel, 1881. Lipsius &amp; Fischer. (59 S. Lex.-8.) M 2. In: Literarisches Centralblatt, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 27 vom 1.7.1882, <abbr title="Spalte" class="ED-abbr">Sp.</abbr> 893; sowie <abbr title="derselbe" class="ED-abbr">ders.</abbr>: Reflexionen Kant’s zur Anthropologie. Aus Kant’s handschriftlichen Aufzeichnungen herausg. von Bruno [!] Erdmann. Leipzig, 1882. Fues’s Verl. (Reisland). (X, 222 S. Gr. 8.) M 4. (Reflexionen Kant’s zur kritischen Philosophie. 1. Bd., 1. H.). In: Literarisches Centralblatt, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 46 vom 11.11.1882, <abbr title="Spalte" class="ED-abbr">Sp.</abbr> 1541–1542.</div></div></body></html>