<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Eduard von Hartmann an Vaihinger, Bad Driburg, 3.9.1876, 3 S., hs., Briefkopf: in Blütenkranz eingeprägter Schriftzug Bad Driburg, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 2 g, Nr. 1</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000089-4"/><style type="text/css">
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Die mündliche Besprechung würde die schriftliche Auseinandersetzung in manchen Punkten ergänzt haben. Ich habe jetzt fertig: eine Einleitung (1 starker Druckbogen), allgemeine Charakteristik von <span class="ED-name">Lange</span>s <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> Ihrem Standpunkt enthaltend, und A. „die Philosophie als Wissenschaft“ (2 Druckbogen). Erstere habe ich an die „Wiener Abendpost“ gesandt. Es soll folgen B „die Philosophie als Dichtung“, was vielleicht auch noch verwendbar wird für ein Journal. Absch<span class="ED-add">[nitt]</span> A wüßte ich nicht weiter zu verwenden, da ich auf meine Offerte im Frühjahr von <span class="ED-name">Bratuscheck</span> keine Antwort erhalten habe. Die Einleitung wird eingeschaltet in den Artikel in N<sup><u>o</u></sup> 28–32 der Gegenwart; A u. B. bilden eine Abhandlung, welche vor <span class="ED-name">Frauenstädt</span>, <span class="ED-name">Bahnsen</span>, <span class="ED-name">Volkelt</span> und <span class="ED-name">Rehmke</span> stehen soll. Das ganze Buch von über 20 Bogen wird im Winter gedruckt <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr> soll im Frühjahr erscheinen. Ich werde Ihnen seinerzeit von dem <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Sie betreffenden | Theil ] vgl. Eduard von Hartmann: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart (1877), S. 1–7, 22–29 u. 45–118.&#xD;&#xA;">Sie betreffenden </span><span class="ED-pb"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Sie betreffenden | Theil ] vgl. Eduard von Hartmann: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart (1877), S. 1–7, 22–29 u. 45–118.&#xD;&#xA;">|</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Sie betreffenden | Theil ] vgl. Eduard von Hartmann: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart (1877), S. 1–7, 22–29 u. 45–118.&#xD;&#xA;"> Theil</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Sie betreffenden | Theil ] vgl. Eduard von Hartmann: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart (1877), S. 1–7, 22–29 u. 45–118.">[1]</a> Correkturabzüge schicken, vielleicht schon <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="im November ] vgl. Eduard von Hartmann an Vaihinger vom 1.1.1877&#xD;&#xA;">im November</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="im November ] vgl. Eduard von Hartmann an Vaihinger vom 1.1.1877">[2]</a>. Sie haben dann Muße, bis zum Erscheinen eventuell <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="eine Entgegnung ] eine solche erschien nicht, vgl. Vaihinger an Heinrich Landesmann vom 19.2.1878.&#xD;&#xA;">eine Entgegnung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="eine Entgegnung ] eine solche erschien nicht, vgl. Vaihinger an Heinrich Landesmann vom 19.2.1878.">[3]</a> zu verfassen, wenn Ihnen dazu der Sinn steht. Aus der Ausführlichkeit, mit der ich auf Ihre Gedanken eingehe, werden Sie entnehmen, wie sehr es mir darum zu thun ist, Ihr Talent aus der Sackgasse, in die es sich verrannt hat, auf die Rennbahn zurückzuführen.</p><p class="ED-p">Ihre brieflichen Auslassungen würden mehr als hinreichen, die letzte Trübung aus unsern persönlichen Beziehungen, wenn eine solche überhaupt noch bestände, zu entfernen. Aber dieß kann nichts daran ändern, daß Sie mich öffentlich herausgefordert, und daß, wenn ich das Duell annehme, ich es auch auf die von Ihnen gewählten Waffen annehmen <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="muß ] Einfügung über der Zeile&#xD;&#xA;">muß</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="muß ] Einfügung über der Zeile">[b]</a>. So werden Sie Sich denn auch eine „Abwehr“ gefallen lassen müssen, die darum noch keine „Vergeltung“ ist.</p><p class="ED-p">Ich kann nur wünschen, daß Sie zu <span class="ED-name">Lange</span>’s Gesch<span class="ED-add">[ichte]</span> d<span class="ED-add">[es]</span> Mat<span class="ED-add">[erialismus]</span> als Pendant eine Gesch<span class="ED-add">[ichte]</span> d<span class="ED-add">[es]</span> Pessimismus schreiben. Wer nicht selbst auf den Pessimismus schwört, wird beim Publikum <span class="ED-pb">|</span> <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="als ] Beginn des neuen Bogen mit selbem Briefkopf wie oben&#xD;&#xA;">als</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="als ] Beginn des neuen Bogen mit selbem Briefkopf wie oben">[c]</a> Geschichtsschreiber des Pess<span class="ED-add">[imismus]</span> offenbar bessere Chancen haben, als ein Parteigänger. Darin sehe ich also kein Hinderniß. Ueber Ihre Stellung zur Sache verweise ich auf meine Abhandlung. Ich will nur voranschicken, daß ich <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="„Metamoral“ ] vgl. Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), S. 230: Wäre „Metamoral“ nicht eine barbarische Wortbildung, […] so würde ich die Metamoral der Metaphysik gegenüberstellen, und beide als nur postulirte, imaginäre Disciplinen kennzeichnen, indem die den beiden zu Grunde liegenden Fragen (nach dem Werth und nach dem Wesen der Welt) unbeantwortbar sind […].&#xD;&#xA;">„Metamoral“</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="„Metamoral“ ] vgl. Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), S. 230: Wäre „Metamoral“ nicht eine barbarische Wortbildung, […] so würde ich die Metamoral der Metaphysik gegenüberstellen, und beide als nur postulirte, imaginäre Disciplinen kennzeichnen, indem die den beiden zu Grunde liegenden Fragen (nach dem Werth und nach dem Wesen der Welt) unbeantwortbar sind […].">[4]</a> <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="nicht acceptire ] vgl. in Eduard von Hartmanns Schrift S. 106, Anm.: Ich gebe dem Terminus „Axiologie“ (oder Lehre von dem Werth der Welt) den Vorzug vor dem von Vaihinger vorgeschlagenen „Metamoral“, weil letzterer auf der irrthümlichen Voraussetzung beruht, dass die Frage nach dem Pessimismus sich genauso zur Moral verhalte wie die Metaphysik zur Physik (230). Die Axiologie beschäftigt sich aber nur mit der Bemessung von Lust und Unlust, die als psychologische Facta der Welt der subjectiven Erscheinung angehören, und keineswegs wie die Metaphysik hinter jene in die Welt der Dinge an sich oder gar in das Wesen derselben zurückweist.&#xD;&#xA;">nicht acceptire</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="nicht acceptire ] vgl. in Eduard von Hartmanns Schrift S. 106, Anm.: Ich gebe dem Terminus „Axiologie“ (oder Lehre von dem Werth der Welt) den Vorzug vor dem von Vaihinger vorgeschlagenen „Metamoral“, weil letzterer auf der irrthümlichen Voraussetzung beruht, dass die Frage nach dem Pessimismus sich genauso zur Moral verhalte wie die Metaphysik zur Physik (230). Die Axiologie beschäftigt sich aber nur mit der Bemessung von Lust und Unlust, die als psychologische Facta der Welt der subjectiven Erscheinung angehören, und keineswegs wie die Metaphysik hinter jene in die Welt der Dinge an sich oder gar in das Wesen derselben zurückweist.">[5]</a>; ich habe schon seit einiger Zeit in Manuscript-Entwürfen das Wort „Axiologie“ stehen, daß ich jetzt öffentlich in Vorschlag bringen werde.</p><p class="ED-p"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="Meine Frau ] Agnes Taubert, vgl. Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 25.8.1876. Keine Korrespondenz mit Vaihinger nachgewiesen.&#xD;&#xA;">Meine Frau</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="Meine Frau ] Agnes Taubert, vgl. Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 25.8.1876. Keine Korrespondenz mit Vaihinger nachgewiesen.">[6]</a>, die Ihre Empfehlungen erwidert, ist überaus böse auf Sie, daß Sie mich mit <span class="ED-name">Dühring</span> zusammengestellt haben, und war nahe daran, Ihnen ihre Entrüstung darüber schriftlich kund zu tun. <abbr title="Professor" class="ED-abbr">Prof.</abbr> <span class="ED-name">Ernst Kapp</span>, der mich hier besuchte, findet diese weibliche Empfindung ebenso in der Ordnung wie meine Seelenruhe. Wir sind alle gesund, aber mein Gehirn ist nicht im gleichen Maaße aufgefrischt wie mein übriger Körper, und werde ich wohl für ein Jahr lang Arbeit und Correspondenz beschränken müssen.</p><p class="ED-p">Mit den besten Glückwünschen für Ihre beabsichtigte Habilitation in Straßburg verbleibe ich hochachtungsvoll Ihr ergebener</p><p class="ED-signed">E. v. Hartmann.</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">bei</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">muß</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Einfügung über der Zeile</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">als</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>Beginn des neuen Bogen mit selbem Briefkopf wie oben</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Sie betreffenden <span class="ED-pb">|</span> Theil</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Eduard von Hartmann: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart (1877), <span>S.</span> 1–7, 22–29 <span>u.</span> 45–118.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">im November</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Eduard von Hartmann an Vaihinger vom 1.1.1877</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">eine Entgegnung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>eine solche erschien nicht, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Heinrich Landesmann vom 19.2.1878.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Metamoral“</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 230: <span class="ED-rdg">Wäre „Metamoral“ nicht eine barbarische Wortbildung, […] so würde ich die Metamoral der Metaphysik gegenüberstellen, und beide als nur postulirte, imaginäre Disciplinen kennzeichnen, indem die den beiden zu Grunde liegenden Fragen (nach dem Werth und nach dem Wesen der Welt) unbeantwortbar sind […].</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">nicht acceptire</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> in Eduard von Hartmanns Schrift <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 106, <abbr title="Anmerkung" class="ED-abbr">Anm.</abbr>: <span class="ED-rdg">Ich gebe dem Terminus „Axiologie“ (oder Lehre von dem Werth der Welt) den Vorzug vor dem von Vaihinger vorgeschlagenen „Metamoral“, weil letzterer auf der irrthümlichen Voraussetzung beruht, dass die Frage nach dem Pessimismus sich genauso zur Moral verhalte wie die Metaphysik zur Physik (230). Die Axiologie beschäftigt sich aber nur mit der Bemessung von Lust und Unlust, die als psychologische Facta der Welt der subjectiven Erscheinung angehören, und keineswegs wie die Metaphysik hinter jene in die Welt der Dinge an sich oder gar in das Wesen derselben zurückweist.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Meine Frau</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Agnes Taubert</span>, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Eduard von Hartmann vom 25.8.1876. Keine Korrespondenz mit Vaihinger nachgewiesen.</div></div></body></html>