<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Eduard von Hartmann, Bad Cannstatt, 25.8.1876, 4 S., hs., Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Nachlass Eduard von Hartmann</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000087-1"/><style type="text/css">
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August 1876</p><p class="ED-salute">Verehrtester Herr <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-2" title="Doctor! ] danach 3 Zeilen frei gelassen&#xD;&#xA;">Doctor!</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-2" id="app-philological-2-ref" title="Doctor! ] danach 3 Zeilen frei gelassen">[b]</a></p><p class="ED-p">Hoffentlich legen Sie es nicht in <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-3" title="malam partem ] in lat. Schrift&#xD;&#xA;">malam partem</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-3" id="app-philological-3-ref" title="malam partem ] in lat. Schrift">[c]</a> aus, daß ich jetzt erst <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Ihre freundlichen Zeilen ] nicht überliefert&#xD;&#xA;">Ihre freundlichen Zeilen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-1" id="app-editorial-1-ref" title="Ihre freundlichen Zeilen ] nicht überliefert">[1]</a> aus Freiburg beantworte. Sie <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-4" title="wissen ] doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben&#xD;&#xA;">wissen</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-4" id="app-philological-4-ref" title="wissen ] doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben">[d]</a> ja selbst, daß um diese Zeit alle Correspondenz wie durch einen Wirbelwind durcheinander gestreut ist. Ich traf Ihre werthen Zeilen hier, wohin <span class="ED-pb">|</span> sie mir <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="aus Berlin ] dem zwischenzeitlichen Studienort Vaihingers, vgl. die Chronik biographischer Daten.&#xD;&#xA;">aus Berlin</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="aus Berlin ] dem zwischenzeitlichen Studienort Vaihingers, vgl. die Chronik biographischer Daten.">[2]</a> nachgesendet worden sind; ich habe hier bei meinen Eltern einstweiligen Aufenthalt genommen, bis ich im nächsten Semester nach Straßburg zum Zwecke der Habilitation gehen werde. Ich kam von einer längeren Tour unwohl hieher &amp; bin erst jetzt im Stande, Ihre werthen Zeilen, welche ohnedieß spät in meine Hände kamen, zu beantworten. – Daß ich stellenweise <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-3" title="aus dem Ton wissenschaftlicher Discussion gefallen ] in der Schrift: Hartmann, Dühring und Lange. Zur Geschichte der deutschen Philosophie im XIX. Jahrhundert. Ein kritischer Essay. Iserlohn: J. Baedeker 1876.&#xD;&#xA;">aus dem Ton wissenschaftlicher Discussion gefallen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-3" id="app-editorial-3-ref" title="aus dem Ton wissenschaftlicher Discussion gefallen ] in der Schrift: Hartmann, Dühring und Lange. Zur Geschichte der deutschen Philosophie im XIX. Jahrhundert. Ein kritischer Essay. Iserlohn: J. Baedeker 1876.">[3]</a> bin, gebe ich mit Bedauern und Revocation zu: die Hitze der Arbeit und der Jugend führt da oft weiter, als man später selbst wünschte. In dieser Hinsicht wünsche ich Ihre Vergebung – <span class="ED-pb">|</span> daß Sie dagegen „die Zusammenkoppelung mit <span class="ED-name">Dühring</span>, einer so untergeordneten Größe“ tadeln, dies finde ich zwar von Ihrem Standpunkt aus sehr natürlich; ich möchte dem aber und als einen Beweis, wie <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-5" title="anders Andere urtheilen, die Thatsache ] über durch Radierung unleserliche Wörter geschrieben&#xD;&#xA;">anders Andere urtheilen, die Thatsache</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-5" id="app-philological-5-ref" title="anders Andere urtheilen, die Thatsache ] über durch Radierung unleserliche Wörter geschrieben">[e]</a> entgegenhalten, daß die einzigen tadelnden Bewertungen (allerdings von <span class="ED-name">kant</span>freundlicher Seite) sich darauf bezogen, daß ich <span class="ED-name">Dühring</span> zu wenig habe zur Geltung gebracht; unter den von Ihnen gütigst genannten, hätte sich höchstens <u><span class="ED-name">Kirchmann</span></u> zur Antithese geeignet; allein ich gestehe, daß mir noch immer <span class="ED-name">Dühring</span> als der Passendste erschien; aber ich finde es höchst natürlich, daß Sie damit nicht einverstanden sind, und bin gespannt auf <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-4" title="Ihre weiteren Auseinandersetzungen ] vgl. Eduard von Hartmann: Friedrich Albert Lange und sein Jünger Hans Vaihinger. In: Beilage zur Wiener Abendpost (= Beilage zur Wiener Zeitung), Nr. 295–297 vom 28.–30.12.1876; ders.: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart. Zweite erweiterte Auflage der „Erläuterungen zur Metaphysik des Unbewussten“. Berlin: C. Duncker 1877.&#xD;&#xA;">Ihre weiteren Auseinandersetzungen</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-4" id="app-editorial-4-ref" title="Ihre weiteren Auseinandersetzungen ] vgl. Eduard von Hartmann: Friedrich Albert Lange und sein Jünger Hans Vaihinger. In: Beilage zur Wiener Abendpost (= Beilage zur Wiener Zeitung), Nr. 295–297 vom 28.–30.12.1876; ders.: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart. Zweite erweiterte Auflage der „Erläuterungen zur Metaphysik des Unbewussten“. Berlin: C. Duncker 1877.">[4]</a> hierüber. Es soll mich sehr freuen, wenn meine Schrift Ihnen die Gelegenheit gibt, sich über <u>Kriticismus und</u> <span class="ED-pb">|</span> <u>Skepticismus</u> des Weiteren zu verbreiten; denn Jedermann, auch Ihre schärfsten Gegner, lesen stets gerne Ihre lichtvollen und klaren Artikel und ich glaube, daß Sie dadurch wesentlich zur Klärung der philosophischen Situation beitragen werden; Sie müssen sich vielleicht dabei überhaupt mit der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Jungkantischen Richtung ] diesen Ausdruck, gebildet nach Junghegelianer und gerichtet gegen orthodoxe Kantianer (vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 20.1. u.17.4.1883), gebraucht auch Johannes Volkelt in seiner Kritik von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), in: Jenaer Literaturzeitung 4 (1877), Nr. 22 vom 2.6.1877, S. 339–342 (https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00233727?XSL. (1.8.2024)), die in die Worte ausläuft: Er besitzt absolut kein Mittel, um irgendwie den Beweis zu erbringen, dass die Erscheinungsreihe, die aus seinem Bewusstsein austritt, überhaupt noch weiter existire, geschweige denn, um zu bestimmen, in welcher Gestalt dies geschehe. Für seine ‚Wissenschaft‘ existirt nur jenes Conglomerat zusammenhangslos durcheinandergeschobener Bruchstücke, von denen jedes einzelne selbst wiederum zum grössten Teil ein bloss äusserlich zusammengefügtes Nacheinander bildet. Von diesen letzten Consequenzen zeigt Vaihinger nicht die mindeste Ahnung. Und doch folgen Sie [gesperrt:] mit unbedingt zwingender Nothwendigkeit [Sperrung Ende] aus dem Fundamentalsatze des Kriticismus, dass unser ganzes Denken nur intersubjective Bedeutung hat. Vor allen Dingen hat sich der Jungkantianismus diese Consequenzen zum Bewusstsein zu bringen. Wird er zum Bewusstsein dieser seiner beispiellosen Armseligkeit und Hilflosigkeit gelangt sein, dann wird er wohl auch zugeben müssen, dass die ‚wissenschaftliche‘ Philosophie, zu der er zu führen meinte, nichts weniger als Wissenschaft, sondern eitel Spott und Hohn auf alle Wissenschaft ist. Seinen Gegnern aber wird erst dann um so leichter gelingen, die das objective Sein beherrschende und erzwingende Macht des Denkens zu erweisen.&#xD;&#xA;">Jung</span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Jungkantischen Richtung ] diesen Ausdruck, gebildet nach Junghegelianer und gerichtet gegen orthodoxe Kantianer (vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 20.1. u.17.4.1883), gebraucht auch Johannes Volkelt in seiner Kritik von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), in: Jenaer Literaturzeitung 4 (1877), Nr. 22 vom 2.6.1877, S. 339–342 (https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00233727?XSL. (1.8.2024)), die in die Worte ausläuft: Er besitzt absolut kein Mittel, um irgendwie den Beweis zu erbringen, dass die Erscheinungsreihe, die aus seinem Bewusstsein austritt, überhaupt noch weiter existire, geschweige denn, um zu bestimmen, in welcher Gestalt dies geschehe. Für seine ‚Wissenschaft‘ existirt nur jenes Conglomerat zusammenhangslos durcheinandergeschobener Bruchstücke, von denen jedes einzelne selbst wiederum zum grössten Teil ein bloss äusserlich zusammengefügtes Nacheinander bildet. Von diesen letzten Consequenzen zeigt Vaihinger nicht die mindeste Ahnung. Und doch folgen Sie [gesperrt:] mit unbedingt zwingender Nothwendigkeit [Sperrung Ende] aus dem Fundamentalsatze des Kriticismus, dass unser ganzes Denken nur intersubjective Bedeutung hat. Vor allen Dingen hat sich der Jungkantianismus diese Consequenzen zum Bewusstsein zu bringen. Wird er zum Bewusstsein dieser seiner beispiellosen Armseligkeit und Hilflosigkeit gelangt sein, dann wird er wohl auch zugeben müssen, dass die ‚wissenschaftliche‘ Philosophie, zu der er zu führen meinte, nichts weniger als Wissenschaft, sondern eitel Spott und Hohn auf alle Wissenschaft ist. Seinen Gegnern aber wird erst dann um so leichter gelingen, die das objective Sein beherrschende und erzwingende Macht des Denkens zu erweisen.&#xD;&#xA;">kant</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-5" title="Jungkantischen Richtung ] diesen Ausdruck, gebildet nach Junghegelianer und gerichtet gegen orthodoxe Kantianer (vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 20.1. u.17.4.1883), gebraucht auch Johannes Volkelt in seiner Kritik von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), in: Jenaer Literaturzeitung 4 (1877), Nr. 22 vom 2.6.1877, S. 339–342 (https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00233727?XSL. (1.8.2024)), die in die Worte ausläuft: Er besitzt absolut kein Mittel, um irgendwie den Beweis zu erbringen, dass die Erscheinungsreihe, die aus seinem Bewusstsein austritt, überhaupt noch weiter existire, geschweige denn, um zu bestimmen, in welcher Gestalt dies geschehe. Für seine ‚Wissenschaft‘ existirt nur jenes Conglomerat zusammenhangslos durcheinandergeschobener Bruchstücke, von denen jedes einzelne selbst wiederum zum grössten Teil ein bloss äusserlich zusammengefügtes Nacheinander bildet. Von diesen letzten Consequenzen zeigt Vaihinger nicht die mindeste Ahnung. Und doch folgen Sie [gesperrt:] mit unbedingt zwingender Nothwendigkeit [Sperrung Ende] aus dem Fundamentalsatze des Kriticismus, dass unser ganzes Denken nur intersubjective Bedeutung hat. Vor allen Dingen hat sich der Jungkantianismus diese Consequenzen zum Bewusstsein zu bringen. Wird er zum Bewusstsein dieser seiner beispiellosen Armseligkeit und Hilflosigkeit gelangt sein, dann wird er wohl auch zugeben müssen, dass die ‚wissenschaftliche‘ Philosophie, zu der er zu führen meinte, nichts weniger als Wissenschaft, sondern eitel Spott und Hohn auf alle Wissenschaft ist. Seinen Gegnern aber wird erst dann um so leichter gelingen, die das objective Sein beherrschende und erzwingende Macht des Denkens zu erweisen.&#xD;&#xA;">ischen Richtung</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-5" id="app-editorial-5-ref" title="Jungkantischen Richtung ] diesen Ausdruck, gebildet nach Junghegelianer und gerichtet gegen orthodoxe Kantianer (vgl. Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 20.1. u.17.4.1883), gebraucht auch Johannes Volkelt in seiner Kritik von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), in: Jenaer Literaturzeitung 4 (1877), Nr. 22 vom 2.6.1877, S. 339–342 (https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00233727?XSL. (1.8.2024)), die in die Worte ausläuft: Er besitzt absolut kein Mittel, um irgendwie den Beweis zu erbringen, dass die Erscheinungsreihe, die aus seinem Bewusstsein austritt, überhaupt noch weiter existire, geschweige denn, um zu bestimmen, in welcher Gestalt dies geschehe. Für seine ‚Wissenschaft‘ existirt nur jenes Conglomerat zusammenhangslos durcheinandergeschobener Bruchstücke, von denen jedes einzelne selbst wiederum zum grössten Teil ein bloss äusserlich zusammengefügtes Nacheinander bildet. Von diesen letzten Consequenzen zeigt Vaihinger nicht die mindeste Ahnung. Und doch folgen Sie [gesperrt:] mit unbedingt zwingender Nothwendigkeit [Sperrung Ende] aus dem Fundamentalsatze des Kriticismus, dass unser ganzes Denken nur intersubjective Bedeutung hat. Vor allen Dingen hat sich der Jungkantianismus diese Consequenzen zum Bewusstsein zu bringen. Wird er zum Bewusstsein dieser seiner beispiellosen Armseligkeit und Hilflosigkeit gelangt sein, dann wird er wohl auch zugeben müssen, dass die ‚wissenschaftliche‘ Philosophie, zu der er zu führen meinte, nichts weniger als Wissenschaft, sondern eitel Spott und Hohn auf alle Wissenschaft ist. Seinen Gegnern aber wird erst dann um so leichter gelingen, die das objective Sein beherrschende und erzwingende Macht des Denkens zu erweisen.">[5]</a> im weiteren Sinne, auch mit der <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-6" title="neuen Leipziger Zeitschriftspartei ] wenn nicht die seit 1874 in Leipzig erscheinende Jenaer Literaturzeitung gemeint ist (siehe vorstehend), dann vielleicht die von Friedrich Zarncke in Leipzig redigierte Zeitschrift Literarisches Centralblatt (diese erschien allerdings bereits seit 1850), vgl. die kurz gehaltene, zustimmende, dem Usus der Zeitschrift folgende anonyme Besprechung von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876) in: Literarisches Centralblatt, Nr. 27 vom 30.6.1877, Sp. 880. Neu erschien in Leipzig seit 1876 die Zeitschrift Theologische Literaturzeitung, in der erst 1878 eine Auseinandersetzung mit Vaihingers Werk erschienen ist, vgl. Edmund Pfleiderer in: Theologische Literaturzeitung, Nr. 4 vom 16.2.1878, Sp. 97–99 (http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/thlz_003_1878 (1.8.2024)).&#xD;&#xA;">neuen Leipziger Zeitschriftspartei</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-6" id="app-editorial-6-ref" title="neuen Leipziger Zeitschriftspartei ] wenn nicht die seit 1874 in Leipzig erscheinende Jenaer Literaturzeitung gemeint ist (siehe vorstehend), dann vielleicht die von Friedrich Zarncke in Leipzig redigierte Zeitschrift Literarisches Centralblatt (diese erschien allerdings bereits seit 1850), vgl. die kurz gehaltene, zustimmende, dem Usus der Zeitschrift folgende anonyme Besprechung von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876) in: Literarisches Centralblatt, Nr. 27 vom 30.6.1877, Sp. 880. Neu erschien in Leipzig seit 1876 die Zeitschrift Theologische Literaturzeitung, in der erst 1878 eine Auseinandersetzung mit Vaihingers Werk erschienen ist, vgl. Edmund Pfleiderer in: Theologische Literaturzeitung, Nr. 4 vom 16.2.1878, Sp. 97–99 (http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/thlz_003_1878 (1.8.2024)).">[6]</a> auseinandersetzen, und ich glaube, daß Sie damit ebenso sich selbst, wie Ihren Gegnern, und dem Publicum dienen.</p><p class="ED-p">Ich hoffe &amp; wünsche, daß die Badekur Ihre Gesundheit wesentlich gestärkt, und auch günstig auf das Befinden <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-7" title="Ihrer Frau Gemahlin ] Agnes Taubert (1844–1877), NDB.&#xD;&#xA;">Ihrer Frau Gemahlin</span><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-7" id="app-editorial-7-ref" title="Ihrer Frau Gemahlin ] Agnes Taubert (1844–1877), NDB.">[7]</a> eingewirkt habe, der ich mich angelegentlich zu empfehlen bitte.</p><p class="ED-p">Mit dem Ausdruck gewohnter Hochachtung <abbr title="Euere" class="ED-abbr">Ew.</abbr> Wohlgeboren ergebenster</p><p class="ED-signed">Dr. Hans Vaihinger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Würtemberg</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>so wörtlich</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-2"><span class="ED-app-num">b</span><a href="#app-philological-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Doctor!</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>danach 3 Zeilen frei gelassen</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-3"><span class="ED-app-num">c</span><a href="#app-philological-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">malam partem</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>in <abbr title="lateinisch" class="ED-abbr">lat.</abbr> Schrift</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-4"><span class="ED-app-num">d</span><a href="#app-philological-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">wissen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>doppeltes s hier und im Folgenden mit ß geschrieben</div><div class="ED-app-philological" id="app-philological-5"><span class="ED-app-num">e</span><a href="#app-philological-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">anders Andere urtheilen, die Thatsache</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>über durch Radierung unleserliche Wörter geschrieben</div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihre freundlichen Zeilen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>nicht überliefert</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">aus Berlin</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>dem zwischenzeitlichen Studienort Vaihingers, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> die Chronik biographischer Daten.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-3"><span class="ED-app-num">3</span><a href="#app-editorial-3-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">aus dem Ton wissenschaftlicher Discussion gefallen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>in der Schrift: Hartmann, Dühring und Lange. Zur Geschichte der deutschen Philosophie im XIX. Jahrhundert. Ein kritischer Essay. Iserlohn: J. Baedeker 1876.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-4"><span class="ED-app-num">4</span><a href="#app-editorial-4-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihre weiteren Auseinandersetzungen</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Eduard von Hartmann: Friedrich Albert Lange und sein Jünger Hans Vaihinger. In: Beilage zur Wiener Abendpost (= Beilage zur Wiener Zeitung), <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 295–297 vom 28.–30.12.1876; <abbr title="derselbe" class="ED-abbr">ders.</abbr>: Neukantianismus, Schopenhauerianismus und Hegelianismus in ihrer Stellung zu den philosophischen Aufgaben der Gegenwart. Zweite erweiterte Auflage der „Erläuterungen zur Metaphysik des Unbewussten“. Berlin: C. Duncker 1877.</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-5"><span class="ED-app-num">5</span><a href="#app-editorial-5-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Jung<span class="ED-name">kant</span>ischen Richtung</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>diesen Ausdruck, gebildet nach Jung<span class="ED-name">hegel</span>ianer und gerichtet gegen orthodoxe <span class="ED-name">Kant</span>ianer (<abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Vaihinger an Friedrich Zarncke vom 20.1. <abbr title="und" class="ED-abbr">u.</abbr>17.4.1883), gebraucht auch <span class="ED-name">Johannes Volkelt</span> in seiner Kritik von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876), in: Jenaer Literaturzeitung 4 (1877), <span>Nr.</span> 22 vom 2.6.1877, <span>S.</span> 339–342 (<span class="ED-link"><a href="https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00233727?XSL.">https://zs.thulb.uni-jena.de/receive/jportal_jparticle_00233727?XSL.</a></span> (1.8.2024)), die in die Worte ausläuft: <span class="ED-rdg">Er besitzt absolut kein Mittel, um irgendwie den Beweis zu erbringen, dass die Erscheinungsreihe, die aus seinem Bewusstsein austritt, überhaupt noch weiter existire, geschweige denn, um zu bestimmen, in welcher Gestalt dies geschehe. Für seine ‚Wissenschaft‘ existirt nur jenes Conglomerat zusammenhangslos durcheinandergeschobener Bruchstücke, von denen jedes einzelne selbst wiederum zum grössten Teil ein bloss äusserlich zusammengefügtes Nacheinander bildet. Von diesen letzten Consequenzen zeigt Vaihinger nicht die mindeste Ahnung. Und doch folgen Sie [</span>gesperrt:<span class="ED-rdg">] mit unbedingt zwingender Nothwendigkeit [</span>Sperrung Ende<span class="ED-rdg">] aus dem Fundamentalsatze des Kriticismus, dass unser ganzes Denken nur intersubjective Bedeutung hat. Vor allen Dingen hat sich der Jungkantianismus diese Consequenzen zum Bewusstsein zu bringen. Wird er zum Bewusstsein dieser seiner beispiellosen Armseligkeit und Hilflosigkeit gelangt sein, dann wird er wohl auch zugeben müssen, dass die ‚wissenschaftliche‘ Philosophie, zu der er zu führen meinte, nichts weniger als Wissenschaft, sondern eitel Spott und Hohn auf alle Wissenschaft ist. Seinen Gegnern aber wird erst dann um so leichter gelingen, die das objective Sein beherrschende und erzwingende Macht des Denkens zu erweisen.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-6"><span class="ED-app-num">6</span><a href="#app-editorial-6-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">neuen Leipziger Zeitschriftspartei</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>wenn nicht die seit 1874 in Leipzig erscheinende Jenaer Literaturzeitung gemeint ist (siehe vorstehend), dann vielleicht die von <span class="ED-name">Friedrich Zarncke</span> in Leipzig redigierte Zeitschrift Literarisches Centralblatt (diese erschien allerdings bereits seit 1850), <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> die kurz gehaltene, zustimmende, dem Usus der Zeitschrift folgende anonyme Besprechung von Vaihinger: Hartmann, Dühring und Lange (1876) in: Literarisches Centralblatt, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 27 vom 30.6.1877, <abbr title="Spalte" class="ED-abbr">Sp.</abbr> 880. Neu erschien in Leipzig seit 1876 die Zeitschrift Theologische Literaturzeitung, in der erst 1878 eine Auseinandersetzung mit Vaihingers Werk erschienen ist, <abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> Edmund Pfleiderer in: Theologische Literaturzeitung, <abbr title="Nummer" class="ED-abbr">Nr.</abbr> 4 vom 16.2.1878, <abbr title="Spalte" class="ED-abbr">Sp.</abbr> 97–99 (<span class="ED-link"><a href="http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/thlz_003_1878">http://idb.ub.uni-tuebingen.de/opendigi/thlz_003_1878</a></span> (1.8.2024)).</div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-7"><span class="ED-app-num">7</span><a href="#app-editorial-7-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Ihrer Frau Gemahlin</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-name">Agnes Taubert</span> (1844–1877), <abbr title="Neue Deutsche Biographie" class="ED-abbr">NDB</abbr>.</div></div></body></html>