<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"><head profile="http://dublincore.org/documents/dcq-html/"><meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=UTF-8"/><title>Vaihinger an Gottfried Meyer, Halle, 18.4.1910, 2 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf KANTGESELLSCHAFT. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15., Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 113–114 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</title><link rel="schema.DC" href="http://purl.org/dc/elements/1.1/"/><link rel="schema.DCTERMS" href="http://purl.org/dc/terms/"/><meta name="DC.publisher" content="University of Wuppertal"/><meta name="DC.subject" content="Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger"/><meta name="DC.creator" content="Jörn Bohr"/><meta name="DC.creator" content="Gerald Hartung"/><meta name="DC.contributor" content="Bülow &amp; Schlupkothen XML services"/><meta name="DC.identifier" content="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000038-7"/><style type="text/css">
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April 1910</p><p class="ED-salute">Herrn Universitäts-Kurator Geheimen Oberregierungsrat Meyer</p><p class="ED-salute">Vorstand der Kantgesellschaft, <u>hier.</u></p><p class="ED-p">Wie ich schon am Schluß meiner im Januar gemachten Mitteilungen bemerkte, hat Herr <abbr title="Professor" class="ED-abbr">Prof.</abbr> <span class="ED-name">Menzer</span> angeregt, die Kantgesellschaft möchte <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Neudrucke von selten gewordenen Werken aus Kants Zeit ] vgl. in derselben Akte Vaihinger an Meyer vom 19.5.1910, mit ausführlichem Plan (eigenhändig, Bl. 134–136, Textverluste am rechten Rd.): Hochzuverehrender Geheimer Ober Regierungsrath! Am Tag unsrer Generalversammlung hatten Sie die große Freundlichkeit, dem von Prof. Menzer gestellten Antrag auf Veranstaltung von Neudrucken ein besonderes Intereße entgegenzubringen und mich dahin aufzufordern, einen kurzen Bericht über diesen, durch den Verwaltungsausschuß gebilligten Plan Ihnen einzureichen, damit Sie auf Grund davon das Hohe Ministerium um Unterstützung | der gemeinnützigen Unternehmung angehen könnten. Dieser überaus wohlwollenden Aufforderung komme ich hiermit ergebenst nach, gleichzeitig um gütige Entschuldigung bittend, daß es erst jetzt nach 4 Wochen geschieht: aber Augen und Nerven versagen immer mehr bei mir. Ich habe daher auch nunmehr eine Hilfe für die Geschäftsführung mir verschafft, wie aus dem beiliegenden Cirkular [Bl. 137, datiert Mai 1910, wie abgedruckt in Kant-Studien 15 (1910), S. 552 (Dezember 1910)] hervorgeht: ich glaube in diesem Herrn [Arthur Liebert] den richtigen gefunden zu haben, mich in der Geschäftsführung zu unterstützen resp. zu ersetzen. Ew. Hochwolgeboren verehrungsvoll ergebenster H Vaihinger | 19. Mai 1910 Neudrucke selten gewordener philosophischer Werke des 18. Jahrhunderts Der Verwaltungsauschuß der Kant-Gesellschaft hat auf den Antrag der Herrn Professor Dr Menzer, in seiner am Tag der Generalversammlung (22. April) abgehaltenen Sitzung beschlossen, selten gewordene philosophische Werke des 18. Jahrhunderts, welche zum Verständniß der Kantischen Philosophie, ihrer Entstehung und Ausbreitung, überhaupt ihrer ganzen Geschichte dienen, neu aufzulegen. Die meisten hieher gehörigen Werke sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr aus dem antiquarischen Markt verschwunden. Die intensive Beschäftigung mit Kant, seinen Vorgängern und Zeitgenoßen und unmittelbaren Nachfolgern, in den letzten 40 Jahren hat dazu geführt, daß deren Werke, soweit sie überhaupt noch vorhanden waren, immer mehr aufgekauft wurden (bes[onders] von Amerikanern), so daß die betreffenden Bücher entweder überhaupt nicht mehr zu haben sind oder nur zu exorbitanten Preisen. So sind diese | dem Studium immer unzugänglicher geworden und die auf den öffentlichen Bibliotheken [bewahrten] Exemplare sind, weil sehr begehrt, schwer [zu bekomm]en. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der [Philosoph]ie jener Zeit leidet unter diesem Miß[stande, de]r sowol das Privatstudium als insbesondere [die s]eminaristischen Übungen auf den Hochschulen [und] die damit zusammenhängende Herstellung von […] und Doctorarbeiten schädigt. Es ist daher an [der Zeit,] daß hier Wandel geschaffen wird und es [muß al]s eine Aufgabe der Kantgesellschaft [aufgefaß]t werden, hier einzugreifen durch Veran[staltung] von Neuausgaben solcher Werke. Von den hier in Betracht kommenden [se]ien beispielsweise folgende genannt: [Die Wer]ke von Reinhold und Maimon, von [Aenesidemu]s-Schulze und Jacobi, also Schriften von […]n, Fortbildnern und auch von Gegnern […]. Aber auch Werke von Vorgängern Kants [kommen in] Betracht: so Werke von Tetens und von […] und ev[entuell] auch von Baumgarten, Knutzen […]. Auch wäre z. B. eine Sammlung der jetzt unzugänglichen Recensionen über Kant [aus den] 80er und 90er Jahren des 18. Jahr[hundert]s von großem Wert. | Neuausgaben solcher Werke (nebst kurze Einleitungen und ev[entuell] Anmerkungen) sind freilich erfahrungsgemäß der Regel nach, wenn auch wissenschaftlich sehr verdienstlich, so doch finanziell nicht gerade lohnend, ja im Gegentheil: meistens erfordern sie einen namhaften Zuschuß. Aber es ist nobile officium der Kantgesellschaft, hier einzugreifen, soweit sie es mit ihren Mittlen vermag, und muthig den Versuch zu wagen, hier Wandel zu schaffen, in der Hoffnung, daß ihre Bestrebungnen Anerkennung und Unterstützung finden. Diese Sammlung von Neudrucken soll eröffnet werden mit dem berühmten Werke Aenesidemus von Professor G. E. Schulze in Göttingen (1792). Indem die Kantgesellschaft dieses Werk eines Gegners Kants neu herausgibt, zeigt sie damit, daß sie nicht einseitig verfahren will, sondern sich der strengsten Objectivität befleißigt, daß sie nicht einer speciellen Richtung, sondern der Wissenschaft überhaupt dienen will. Die Kosten des Neudruckes dieses Werkes (etwa in dem beiliegenden Format) werden bei den jetzigen erhöhten Setzerpreisen circa 900 M. | [betrage]n; dazu treten noch mindestens 200 M. [Honora]r für den betreff[enden] Herausgeber. Ein Teil der Kosten wird wieder herein[kommen] werden durch den Verkauf von Exemplaren […] Mitglieder der Kantgesellschaft (die Mitglieder [sollen] je ein Exemplar erhalten). Indeßen ist er[fahrung]sgemäß der Absatz derartiger Publica[tionen] meistens nicht beträchtlich, so daß die Kant[gesellscha]ft einen ansehnlichen Teil der Kosten wird übernehmen müßen, was ihre Mittel [auf] die Dauer doch wol weit übersteigen [wird.] [Al]s weitere Publicationen sind ein Werk [von Ma]imon, sowie ev[entuell] Reinhold’s Briefe über [die Kant]ische Philosophie I u. II ins Auge ge[faßt. Je]der dieser 3 Bände wird annähernd [hohe] Kosten verursachen, wie der erste […] circa 1100 M. Der Geschäftsführer der Kant-Ges[ellschaft] H. Vaihinger.&#xD;&#xA;">Neudrucke von selten gewordenen Werken aus </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Neudrucke von selten gewordenen Werken aus Kants Zeit ] vgl. in derselben Akte Vaihinger an Meyer vom 19.5.1910, mit ausführlichem Plan (eigenhändig, Bl. 134–136, Textverluste am rechten Rd.): Hochzuverehrender Geheimer Ober Regierungsrath! Am Tag unsrer Generalversammlung hatten Sie die große Freundlichkeit, dem von Prof. Menzer gestellten Antrag auf Veranstaltung von Neudrucken ein besonderes Intereße entgegenzubringen und mich dahin aufzufordern, einen kurzen Bericht über diesen, durch den Verwaltungsausschuß gebilligten Plan Ihnen einzureichen, damit Sie auf Grund davon das Hohe Ministerium um Unterstützung | der gemeinnützigen Unternehmung angehen könnten. Dieser überaus wohlwollenden Aufforderung komme ich hiermit ergebenst nach, gleichzeitig um gütige Entschuldigung bittend, daß es erst jetzt nach 4 Wochen geschieht: aber Augen und Nerven versagen immer mehr bei mir. Ich habe daher auch nunmehr eine Hilfe für die Geschäftsführung mir verschafft, wie aus dem beiliegenden Cirkular [Bl. 137, datiert Mai 1910, wie abgedruckt in Kant-Studien 15 (1910), S. 552 (Dezember 1910)] hervorgeht: ich glaube in diesem Herrn [Arthur Liebert] den richtigen gefunden zu haben, mich in der Geschäftsführung zu unterstützen resp. zu ersetzen. Ew. Hochwolgeboren verehrungsvoll ergebenster H Vaihinger | 19. Mai 1910 Neudrucke selten gewordener philosophischer Werke des 18. Jahrhunderts Der Verwaltungsauschuß der Kant-Gesellschaft hat auf den Antrag der Herrn Professor Dr Menzer, in seiner am Tag der Generalversammlung (22. April) abgehaltenen Sitzung beschlossen, selten gewordene philosophische Werke des 18. Jahrhunderts, welche zum Verständniß der Kantischen Philosophie, ihrer Entstehung und Ausbreitung, überhaupt ihrer ganzen Geschichte dienen, neu aufzulegen. Die meisten hieher gehörigen Werke sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr aus dem antiquarischen Markt verschwunden. Die intensive Beschäftigung mit Kant, seinen Vorgängern und Zeitgenoßen und unmittelbaren Nachfolgern, in den letzten 40 Jahren hat dazu geführt, daß deren Werke, soweit sie überhaupt noch vorhanden waren, immer mehr aufgekauft wurden (bes[onders] von Amerikanern), so daß die betreffenden Bücher entweder überhaupt nicht mehr zu haben sind oder nur zu exorbitanten Preisen. So sind diese | dem Studium immer unzugänglicher geworden und die auf den öffentlichen Bibliotheken [bewahrten] Exemplare sind, weil sehr begehrt, schwer [zu bekomm]en. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der [Philosoph]ie jener Zeit leidet unter diesem Miß[stande, de]r sowol das Privatstudium als insbesondere [die s]eminaristischen Übungen auf den Hochschulen [und] die damit zusammenhängende Herstellung von […] und Doctorarbeiten schädigt. Es ist daher an [der Zeit,] daß hier Wandel geschaffen wird und es [muß al]s eine Aufgabe der Kantgesellschaft [aufgefaß]t werden, hier einzugreifen durch Veran[staltung] von Neuausgaben solcher Werke. Von den hier in Betracht kommenden [se]ien beispielsweise folgende genannt: [Die Wer]ke von Reinhold und Maimon, von [Aenesidemu]s-Schulze und Jacobi, also Schriften von […]n, Fortbildnern und auch von Gegnern […]. Aber auch Werke von Vorgängern Kants [kommen in] Betracht: so Werke von Tetens und von […] und ev[entuell] auch von Baumgarten, Knutzen […]. Auch wäre z. B. eine Sammlung der jetzt unzugänglichen Recensionen über Kant [aus den] 80er und 90er Jahren des 18. Jahr[hundert]s von großem Wert. | Neuausgaben solcher Werke (nebst kurze Einleitungen und ev[entuell] Anmerkungen) sind freilich erfahrungsgemäß der Regel nach, wenn auch wissenschaftlich sehr verdienstlich, so doch finanziell nicht gerade lohnend, ja im Gegentheil: meistens erfordern sie einen namhaften Zuschuß. Aber es ist nobile officium der Kantgesellschaft, hier einzugreifen, soweit sie es mit ihren Mittlen vermag, und muthig den Versuch zu wagen, hier Wandel zu schaffen, in der Hoffnung, daß ihre Bestrebungnen Anerkennung und Unterstützung finden. Diese Sammlung von Neudrucken soll eröffnet werden mit dem berühmten Werke Aenesidemus von Professor G. E. Schulze in Göttingen (1792). Indem die Kantgesellschaft dieses Werk eines Gegners Kants neu herausgibt, zeigt sie damit, daß sie nicht einseitig verfahren will, sondern sich der strengsten Objectivität befleißigt, daß sie nicht einer speciellen Richtung, sondern der Wissenschaft überhaupt dienen will. Die Kosten des Neudruckes dieses Werkes (etwa in dem beiliegenden Format) werden bei den jetzigen erhöhten Setzerpreisen circa 900 M. | [betrage]n; dazu treten noch mindestens 200 M. [Honora]r für den betreff[enden] Herausgeber. Ein Teil der Kosten wird wieder herein[kommen] werden durch den Verkauf von Exemplaren […] Mitglieder der Kantgesellschaft (die Mitglieder [sollen] je ein Exemplar erhalten). Indeßen ist er[fahrung]sgemäß der Absatz derartiger Publica[tionen] meistens nicht beträchtlich, so daß die Kant[gesellscha]ft einen ansehnlichen Teil der Kosten wird übernehmen müßen, was ihre Mittel [auf] die Dauer doch wol weit übersteigen [wird.] [Al]s weitere Publicationen sind ein Werk [von Ma]imon, sowie ev[entuell] Reinhold’s Briefe über [die Kant]ische Philosophie I u. II ins Auge ge[faßt. Je]der dieser 3 Bände wird annähernd [hohe] Kosten verursachen, wie der erste […] circa 1100 M. Der Geschäftsführer der Kant-Ges[ellschaft] H. Vaihinger.&#xD;&#xA;">Kants</span></span><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-1" title="Neudrucke von selten gewordenen Werken aus Kants Zeit ] vgl. in derselben Akte Vaihinger an Meyer vom 19.5.1910, mit ausführlichem Plan (eigenhändig, Bl. 134–136, Textverluste am rechten Rd.): Hochzuverehrender Geheimer Ober Regierungsrath! Am Tag unsrer Generalversammlung hatten Sie die große Freundlichkeit, dem von Prof. Menzer gestellten Antrag auf Veranstaltung von Neudrucken ein besonderes Intereße entgegenzubringen und mich dahin aufzufordern, einen kurzen Bericht über diesen, durch den Verwaltungsausschuß gebilligten Plan Ihnen einzureichen, damit Sie auf Grund davon das Hohe Ministerium um Unterstützung | der gemeinnützigen Unternehmung angehen könnten. Dieser überaus wohlwollenden Aufforderung komme ich hiermit ergebenst nach, gleichzeitig um gütige Entschuldigung bittend, daß es erst jetzt nach 4 Wochen geschieht: aber Augen und Nerven versagen immer mehr bei mir. Ich habe daher auch nunmehr eine Hilfe für die Geschäftsführung mir verschafft, wie aus dem beiliegenden Cirkular [Bl. 137, datiert Mai 1910, wie abgedruckt in Kant-Studien 15 (1910), S. 552 (Dezember 1910)] hervorgeht: ich glaube in diesem Herrn [Arthur Liebert] den richtigen gefunden zu haben, mich in der Geschäftsführung zu unterstützen resp. zu ersetzen. Ew. Hochwolgeboren verehrungsvoll ergebenster H Vaihinger | 19. Mai 1910 Neudrucke selten gewordener philosophischer Werke des 18. Jahrhunderts Der Verwaltungsauschuß der Kant-Gesellschaft hat auf den Antrag der Herrn Professor Dr Menzer, in seiner am Tag der Generalversammlung (22. April) abgehaltenen Sitzung beschlossen, selten gewordene philosophische Werke des 18. Jahrhunderts, welche zum Verständniß der Kantischen Philosophie, ihrer Entstehung und Ausbreitung, überhaupt ihrer ganzen Geschichte dienen, neu aufzulegen. Die meisten hieher gehörigen Werke sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr aus dem antiquarischen Markt verschwunden. Die intensive Beschäftigung mit Kant, seinen Vorgängern und Zeitgenoßen und unmittelbaren Nachfolgern, in den letzten 40 Jahren hat dazu geführt, daß deren Werke, soweit sie überhaupt noch vorhanden waren, immer mehr aufgekauft wurden (bes[onders] von Amerikanern), so daß die betreffenden Bücher entweder überhaupt nicht mehr zu haben sind oder nur zu exorbitanten Preisen. So sind diese | dem Studium immer unzugänglicher geworden und die auf den öffentlichen Bibliotheken [bewahrten] Exemplare sind, weil sehr begehrt, schwer [zu bekomm]en. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der [Philosoph]ie jener Zeit leidet unter diesem Miß[stande, de]r sowol das Privatstudium als insbesondere [die s]eminaristischen Übungen auf den Hochschulen [und] die damit zusammenhängende Herstellung von […] und Doctorarbeiten schädigt. Es ist daher an [der Zeit,] daß hier Wandel geschaffen wird und es [muß al]s eine Aufgabe der Kantgesellschaft [aufgefaß]t werden, hier einzugreifen durch Veran[staltung] von Neuausgaben solcher Werke. Von den hier in Betracht kommenden [se]ien beispielsweise folgende genannt: [Die Wer]ke von Reinhold und Maimon, von [Aenesidemu]s-Schulze und Jacobi, also Schriften von […]n, Fortbildnern und auch von Gegnern […]. Aber auch Werke von Vorgängern Kants [kommen in] Betracht: so Werke von Tetens und von […] und ev[entuell] auch von Baumgarten, Knutzen […]. Auch wäre z. B. eine Sammlung der jetzt unzugänglichen Recensionen über Kant [aus den] 80er und 90er Jahren des 18. Jahr[hundert]s von großem Wert. | Neuausgaben solcher Werke (nebst kurze Einleitungen und ev[entuell] Anmerkungen) sind freilich erfahrungsgemäß der Regel nach, wenn auch wissenschaftlich sehr verdienstlich, so doch finanziell nicht gerade lohnend, ja im Gegentheil: meistens erfordern sie einen namhaften Zuschuß. Aber es ist nobile officium der Kantgesellschaft, hier einzugreifen, soweit sie es mit ihren Mittlen vermag, und muthig den Versuch zu wagen, hier Wandel zu schaffen, in der Hoffnung, daß ihre Bestrebungnen Anerkennung und Unterstützung finden. Diese Sammlung von Neudrucken soll eröffnet werden mit dem berühmten Werke Aenesidemus von Professor G. E. Schulze in Göttingen (1792). Indem die Kantgesellschaft dieses Werk eines Gegners Kants neu herausgibt, zeigt sie damit, daß sie nicht einseitig verfahren will, sondern sich der strengsten Objectivität befleißigt, daß sie nicht einer speciellen Richtung, sondern der Wissenschaft überhaupt dienen will. Die Kosten des Neudruckes dieses Werkes (etwa in dem beiliegenden Format) werden bei den jetzigen erhöhten Setzerpreisen circa 900 M. | [betrage]n; dazu treten noch mindestens 200 M. [Honora]r für den betreff[enden] Herausgeber. 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Dieser überaus wohlwollenden Aufforderung komme ich hiermit ergebenst nach, gleichzeitig um gütige Entschuldigung bittend, daß es erst jetzt nach 4 Wochen geschieht: aber Augen und Nerven versagen immer mehr bei mir. Ich habe daher auch nunmehr eine Hilfe für die Geschäftsführung mir verschafft, wie aus dem beiliegenden Cirkular [Bl. 137, datiert Mai 1910, wie abgedruckt in Kant-Studien 15 (1910), S. 552 (Dezember 1910)] hervorgeht: ich glaube in diesem Herrn [Arthur Liebert] den richtigen gefunden zu haben, mich in der Geschäftsführung zu unterstützen resp. zu ersetzen. Ew. Hochwolgeboren verehrungsvoll ergebenster H Vaihinger | 19. Mai 1910 Neudrucke selten gewordener philosophischer Werke des 18. Jahrhunderts Der Verwaltungsauschuß der Kant-Gesellschaft hat auf den Antrag der Herrn Professor Dr Menzer, in seiner am Tag der Generalversammlung (22. April) abgehaltenen Sitzung beschlossen, selten gewordene philosophische Werke des 18. Jahrhunderts, welche zum Verständniß der Kantischen Philosophie, ihrer Entstehung und Ausbreitung, überhaupt ihrer ganzen Geschichte dienen, neu aufzulegen. Die meisten hieher gehörigen Werke sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr aus dem antiquarischen Markt verschwunden. Die intensive Beschäftigung mit Kant, seinen Vorgängern und Zeitgenoßen und unmittelbaren Nachfolgern, in den letzten 40 Jahren hat dazu geführt, daß deren Werke, soweit sie überhaupt noch vorhanden waren, immer mehr aufgekauft wurden (bes[onders] von Amerikanern), so daß die betreffenden Bücher entweder überhaupt nicht mehr zu haben sind oder nur zu exorbitanten Preisen. So sind diese | dem Studium immer unzugänglicher geworden und die auf den öffentlichen Bibliotheken [bewahrten] Exemplare sind, weil sehr begehrt, schwer [zu bekomm]en. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der [Philosoph]ie jener Zeit leidet unter diesem Miß[stande, de]r sowol das Privatstudium als insbesondere [die s]eminaristischen Übungen auf den Hochschulen [und] die damit zusammenhängende Herstellung von […] und Doctorarbeiten schädigt. Es ist daher an [der Zeit,] daß hier Wandel geschaffen wird und es [muß al]s eine Aufgabe der Kantgesellschaft [aufgefaß]t werden, hier einzugreifen durch Veran[staltung] von Neuausgaben solcher Werke. Von den hier in Betracht kommenden [se]ien beispielsweise folgende genannt: [Die Wer]ke von Reinhold und Maimon, von [Aenesidemu]s-Schulze und Jacobi, also Schriften von […]n, Fortbildnern und auch von Gegnern […]. Aber auch Werke von Vorgängern Kants [kommen in] Betracht: so Werke von Tetens und von […] und ev[entuell] auch von Baumgarten, Knutzen […]. Auch wäre z. B. eine Sammlung der jetzt unzugänglichen Recensionen über Kant [aus den] 80er und 90er Jahren des 18. Jahr[hundert]s von großem Wert. | Neuausgaben solcher Werke (nebst kurze Einleitungen und ev[entuell] Anmerkungen) sind freilich erfahrungsgemäß der Regel nach, wenn auch wissenschaftlich sehr verdienstlich, so doch finanziell nicht gerade lohnend, ja im Gegentheil: meistens erfordern sie einen namhaften Zuschuß. Aber es ist nobile officium der Kantgesellschaft, hier einzugreifen, soweit sie es mit ihren Mittlen vermag, und muthig den Versuch zu wagen, hier Wandel zu schaffen, in der Hoffnung, daß ihre Bestrebungnen Anerkennung und Unterstützung finden. Diese Sammlung von Neudrucken soll eröffnet werden mit dem berühmten Werke Aenesidemus von Professor G. E. Schulze in Göttingen (1792). Indem die Kantgesellschaft dieses Werk eines Gegners Kants neu herausgibt, zeigt sie damit, daß sie nicht einseitig verfahren will, sondern sich der strengsten Objectivität befleißigt, daß sie nicht einer speciellen Richtung, sondern der Wissenschaft überhaupt dienen will. Die Kosten des Neudruckes dieses Werkes (etwa in dem beiliegenden Format) werden bei den jetzigen erhöhten Setzerpreisen circa 900 M. | [betrage]n; dazu treten noch mindestens 200 M. [Honora]r für den betreff[enden] Herausgeber. Ein Teil der Kosten wird wieder herein[kommen] werden durch den Verkauf von Exemplaren […] Mitglieder der Kantgesellschaft (die Mitglieder [sollen] je ein Exemplar erhalten). Indeßen ist er[fahrung]sgemäß der Absatz derartiger Publica[tionen] meistens nicht beträchtlich, so daß die Kant[gesellscha]ft einen ansehnlichen Teil der Kosten wird übernehmen müßen, was ihre Mittel [auf] die Dauer doch wol weit übersteigen [wird.] [Al]s weitere Publicationen sind ein Werk [von Ma]imon, sowie ev[entuell] Reinhold’s Briefe über [die Kant]ische Philosophie I u. II ins Auge ge[faßt. Je]der dieser 3 Bände wird annähernd [hohe] Kosten verursachen, wie der erste […] circa 1100 M. Der Geschäftsführer der Kant-Ges[ellschaft] H. Vaihinger.">[1]</a> veranstalten, die für das Verständnis der Kantischen Philosophie und ihrer Geschichte von Wichtigkeit sind. So in erster Linie kämen hierbei in Betracht <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> das berühmte Werk <span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="„Aenesidemus“ von Schulze ] die Reihe wurde eröffnet mit: Aenesidemus oder über die Fundamente der von dem Herrn Professor Reinhold in Jena gelieferten Elementar-Philosophie. Von Gottlob Ernst Schulze. Besorgt von Arthur Liebert. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911. Als 2. Bd. folgte 1912: Otto Liebmann: Kant und die Epigonen, hg. v. Bruno Bauch.&#xD;&#xA;">„Aenesidemus“ von </span><span class="ED-name"><span class="ED-text-lem" itemref="app-editorial-2" title="„Aenesidemus“ von Schulze ] die Reihe wurde eröffnet mit: Aenesidemus oder über die Fundamente der von dem Herrn Professor Reinhold in Jena gelieferten Elementar-Philosophie. Von Gottlob Ernst Schulze. Besorgt von Arthur Liebert. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911. Als 2. Bd. folgte 1912: Otto Liebmann: Kant und die Epigonen, hg. v. Bruno Bauch.&#xD;&#xA;">Schulze</span></span><span class="ED-name"><a class="ED-anchor" href="#app-editorial-2" id="app-editorial-2-ref" title="„Aenesidemus“ von Schulze ] die Reihe wurde eröffnet mit: Aenesidemus oder über die Fundamente der von dem Herrn Professor Reinhold in Jena gelieferten Elementar-Philosophie. Von Gottlob Ernst Schulze. Besorgt von Arthur Liebert. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911. Als 2. Bd. folgte 1912: Otto Liebmann: Kant und die Epigonen, hg. v. Bruno Bauch.">[2]</a></span>, sowie die sämtlichen Schriften von <span class="ED-name">Reinhold</span>, ferner <abbr title="zum Beispiel" class="ED-abbr">z. B.</abbr> eine Sammlung selten und <span class="ED-pb">|</span> fast unzugänglich gewordener Recensionen über <span class="ED-name">Kant</span>.</p><p class="ED-p">Dieser Gedanke hat entschieden viel für sich; und die Veranstaltung solcher „Neudrucke“ würde das Studium der Philosophie, und speciell der Kantischen in mehrfacher Hinsicht fördern können.</p><p class="ED-p">So wie unsere finanziellen Verhältnisse jetzt liegen, können wir ein solches Unternehmen wagen. Wenn die Mitgliederzahl der Gesellschaft gleich bleibt, ist das Unternehmen ohne Schwierigkeit, außerdem haben wir ja auch noch einen Dispositions-Fonds von 2600 <abbr title="Mark" class="ED-abbr">Mk.</abbr> Man würde natürlich zunächst nur 1 Werk publicieren und den Erfolg abwarten ehe man weiter geht.</p><p class="ED-p">Vielleicht ist es am zweckmäßigsten wenn die Angelegenheit dem Verwaltungs-<span class="ED-pb">|</span> Ausschuß mündlich noch näher dargelegt wird. Wie schon bei früheren General-Versammlungen, so könnten wir auch diesmal der General-Versammlung eine juristisch davon getrennte Sitzung des Verwaltung-Ausschusses voranstellen; und ich möchte deshalb die Herren bitten, zu diesem Zweck am Tage unserer General-Versammlung, nächsten Freitag den 22. April, statt um 6 Uhr schon um ¾6 Uhr in den Räumen des Kuratoriums sich zu versammeln, Ihre Zustimmung dazu als Vorstand der Gesellschaft vorausgesetzt.</p><p class="ED-p">Vielleicht bin ich bei dieser Gelegenheit auch imstande, über eine <span class="ED-text-lem" itemref="app-philological-1" title="eventuell ] evtl.&#xD;&#xA;">eventuell</span><a class="ED-anchor" href="#app-philological-1" id="app-philological-1-ref" title="eventuell ] evtl.">[a]</a> neu zu stellende Preisaufgabe Mitteilungen zu machen.</p><p class="ED-p">Ergebenst</p><p class="ED-signed">H. Vaihinger</p></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar zum Textbefund</h2><div class="ED-app-philological" id="app-philological-1"><span class="ED-app-num">a</span><a href="#app-philological-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">eventuell</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><span class="ED-rdg">evtl.</span></div><h2 class="ED-app-title">Kommentar der Herausgeber</h2><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-1"><span class="ED-app-num">1</span><a href="#app-editorial-1-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">Neudrucke von selten gewordenen Werken aus <span class="ED-name">Kants</span> Zeit</span><span class="ED-lem-sep"> ] </span><abbr title="vergleiche" class="ED-abbr">vgl.</abbr> in derselben Akte Vaihinger an Meyer vom 19.5.1910, mit ausführlichem Plan (eigenhändig, <abbr title="Blatt" class="ED-abbr">Bl.</abbr> 134–136, Textverluste am rechten <abbr title="Rand" class="ED-abbr">Rd.</abbr>): <span class="ED-rdg">Hochzuverehrender Geheimer Ober Regierungsrath! Am Tag unsrer Generalversammlung hatten Sie die große Freundlichkeit, dem von Prof. Menzer gestellten Antrag auf Veranstaltung von Neudrucken ein besonderes Intereße entgegenzubringen und mich dahin aufzufordern, einen kurzen Bericht über diesen, durch den Verwaltungsausschuß gebilligten Plan Ihnen einzureichen, damit Sie auf Grund davon das Hohe Ministerium um Unterstützung | der gemeinnützigen Unternehmung angehen könnten. Dieser überaus wohlwollenden Aufforderung komme ich hiermit ergebenst nach, gleichzeitig um gütige Entschuldigung bittend, daß es erst jetzt nach 4 Wochen geschieht: aber Augen und Nerven versagen immer mehr bei mir. Ich habe daher auch nunmehr eine Hilfe für die Geschäftsführung mir verschafft, wie aus dem beiliegenden Cirkular [</span><abbr title="Blatt" class="ED-abbr">Bl.</abbr> 137, datiert Mai 1910, wie abgedruckt in Kant-Studien 15 (1910), <abbr title="Seite" class="ED-abbr">S.</abbr> 552 (Dezember 1910)<span class="ED-rdg">] hervorgeht: ich glaube in diesem Herrn [</span><span class="ED-name">Arthur Liebert</span><span class="ED-rdg">] den richtigen gefunden zu haben, mich in der Geschäftsführung zu unterstützen resp. zu ersetzen. Ew. Hochwolgeboren verehrungsvoll ergebenster H Vaihinger | 19. Mai 1910 <u>Neudrucke selten gewordener philosophischer Werke des 18. Jahrhunderts</u> Der Verwaltungsauschuß der Kant-Gesellschaft hat auf den Antrag der Herrn Professor Dr Menzer, in seiner am Tag der Generalversammlung (22. April) abgehaltenen Sitzung beschlossen, selten gewordene philosophische Werke des 18. Jahrhunderts, welche zum Verständniß der Kantischen Philosophie, ihrer Entstehung und Ausbreitung, überhaupt ihrer ganzen Geschichte dienen, neu aufzulegen. Die meisten hieher gehörigen Werke sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr aus dem antiquarischen Markt verschwunden. Die intensive Beschäftigung mit Kant, seinen Vorgängern und Zeitgenoßen und unmittelbaren Nachfolgern, in den letzten 40 Jahren hat dazu geführt, daß deren Werke, soweit sie überhaupt noch vorhanden waren, immer mehr aufgekauft wurden (bes[onders] von Amerikanern), so daß die betreffenden Bücher entweder überhaupt nicht mehr zu haben sind oder nur zu exorbitanten Preisen. So sind diese | dem Studium immer unzugänglicher geworden und die auf den öffentlichen Bibliotheken [bewahrten] Exemplare sind, weil sehr begehrt, schwer [zu bekomm]en. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der [Philosoph]ie jener Zeit leidet unter diesem Miß[stande, de]r sowol das Privatstudium als insbesondere [die s]eminaristischen Übungen auf den Hochschulen [und] die damit zusammenhängende Herstellung von […] und Doctorarbeiten schädigt. Es ist daher an [der Zeit,] daß hier Wandel geschaffen wird und es [muß al]s eine Aufgabe der Kantgesellschaft [aufgefaß]t werden, hier einzugreifen durch Veran[staltung] von Neuausgaben solcher Werke. Von den hier in Betracht kommenden [se]ien beispielsweise folgende genannt: [Die Wer]ke von Reinhold und Maimon, von [Aenesidemu]s-Schulze und Jacobi, also Schriften von […]n, Fortbildnern und auch von Gegnern […]. Aber auch Werke von Vorgängern Kants [kommen in] Betracht: so Werke von Tetens und von […] und ev[entuell] auch von Baumgarten, Knutzen […]. Auch wäre z. B. eine Sammlung der jetzt unzugänglichen Recensionen über Kant [aus den] 80er und 90er Jahren des 18. Jahr[hundert]s von großem Wert. | Neuausgaben solcher Werke (nebst kurze Einleitungen und ev[entuell] Anmerkungen) sind freilich erfahrungsgemäß der Regel nach, wenn auch wissenschaftlich sehr verdienstlich, so doch finanziell nicht gerade lohnend, ja im Gegentheil: meistens erfordern sie einen namhaften Zuschuß. Aber es ist nobile officium der Kantgesellschaft, hier einzugreifen, soweit sie es mit ihren Mittlen vermag, und muthig den Versuch zu wagen, hier Wandel zu schaffen, in der Hoffnung, daß ihre Bestrebungnen Anerkennung und Unterstützung finden. Diese Sammlung von Neudrucken soll eröffnet werden mit dem berühmten Werke Aenesidemus von Professor G. E. Schulze in Göttingen (1792). Indem die Kantgesellschaft dieses Werk eines Gegners Kants neu herausgibt, zeigt sie damit, daß sie nicht einseitig verfahren will, sondern sich der strengsten Objectivität befleißigt, daß sie nicht einer speciellen Richtung, sondern der Wissenschaft überhaupt dienen will. Die Kosten des Neudruckes dieses Werkes (etwa in dem beiliegenden Format) werden bei den jetzigen erhöhten Setzerpreisen circa 900 M. | [betrage]n; dazu treten noch mindestens 200 M. [Honora]r für den betreff[enden] Herausgeber. Ein Teil der Kosten wird wieder herein[kommen] werden durch den Verkauf von Exemplaren […] Mitglieder der Kantgesellschaft (die Mitglieder [sollen] je ein Exemplar erhalten). Indeßen ist er[fahrung]sgemäß der Absatz derartiger Publica[tionen] meistens nicht beträchtlich, so daß die Kant[gesellscha]ft einen ansehnlichen Teil der Kosten wird übernehmen müßen, was ihre Mittel [auf] die Dauer doch wol weit übersteigen [wird.] [Al]s weitere Publicationen sind ein Werk [von Ma]imon, sowie ev[entuell] Reinhold’s Briefe über [die Kant]ische Philosophie I u. II ins Auge ge[faßt. Je]der dieser 3 Bände wird annähernd [hohe] Kosten verursachen, wie der erste […] circa 1100 M. Der Geschäftsführer der Kant-Ges[ellschaft] H. Vaihinger.</span></div><div class="ED-app-editorial" id="app-editorial-2"><span class="ED-app-num">2</span><a href="#app-editorial-2-ref" class="ED-app-corresp" title="back to content">↑</a><span class="ED-lem">„Aenesidemus“ von <span class="ED-name">Schulze</span></span><span class="ED-lem-sep"> ] </span>die Reihe wurde eröffnet mit: Aenesidemus oder über die Fundamente der von dem Herrn Professor Reinhold in Jena gelieferten Elementar-Philosophie. Von Gottlob Ernst Schulze. Besorgt von Arthur Liebert. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911. Als 2. <abbr title="Band" class="ED-abbr">Bd.</abbr> folgte 1912: Otto Liebmann: Kant und die Epigonen, <abbr title="herausgegeben" class="ED-abbr">hg.</abbr> <abbr title="von " class="ED-abbr">v.</abbr> Bruno Bauch.</div></div></body></html>