<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001533-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> (mit <persName type="sent">Elisabeth Vaihinger</persName>) an <persName type="received">Friedrich Tromp</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>4.7.1933</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">Prof. Dr. phil. Hans Vaihinger | Geh. Reg.-Rat | Dr. rer. techn. h. c. Dr. med. h. c. | Dr. jur. h. c. | Halle a. S., den … 19 … | Reichardtstr. 15</quote><note>, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">SV PAPIER</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, zu PA 16386 </bibl>(Aktentitel: <hi rend="underline">Vormundschaftssache</hi> | betr. den wegen Geistesschwäche entmündigten Techniker <hi rend="underline">Richard Vaihinger</hi>)</bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1533" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001533-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117325414">Elisabeth Vaihinger</persName><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1933-07-04">4.7.1933</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/12810175X">Friedrich Tromp</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/12810175X">Friedrich Tromp</name><name>Karl Richard Vaihinger</name><name>Karl Riehm</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1202853994">Paul Backhaus</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, zu PA 16386</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> (mit <persName type="sent">Elisabeth Vaihinger</persName>) an <persName type="received">Friedrich Tromp</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>4.7.1933</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">Prof. Dr. phil. Hans Vaihinger | Geh. Reg.-Rat | Dr. rer. techn. h. c. Dr. med. h. c. | Dr. jur. h. c. | Halle a. S., den … 19 … | Reichardtstr. 15</quote><note>, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">SV PAPIER</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, zu PA 16386 </bibl>(Aktentitel: <hi rend="underline">Vormundschaftssache</hi> | betr. den wegen Geistesschwäche entmündigten Techniker <hi rend="underline">Richard Vaihinger</hi>)</head></front><body><dateline>4.7.1933.</dateline><dateline>Dienstag</dateline><salute>Hochzuverehrender Herr Landgerichtsdirektor Universitätsrat Tromp!</salute><p>Meiner dankbaren Zustimmung zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-936"/>Ihrem gütigen Vorschlage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-936"/>, die Angelegenheit der Vormundschaftssache unseres Sohnes, des Ingenieurs <abbr>resp.</abbr> Technikers <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-937"/><name>Richard Vaihinger</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-937"/><name/>, Ihrerseits in die Hand nehmen zu wollen, habe ich schon gestern im Büro des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-938"/>Herrn Oberinspektors Schmidt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-938"/> mündlich und schriftlich Ausdruck gegeben. Es würde mir das eine ausserordentliche Erleichterung sein, denn ich selbst stehe ja nun schon im 81. Lebensjahre, bin völlig erblindet und leide an allerlei störenden Beschwerden des Alters, besonders Gedächtnisschwäche.</p><p>Vielleicht darf ich nun zu dieser Angelegenheit noch folgendes bemerken. Unser Sohn, der an und für sich ein sehr gutmütiger und liebenswürdiger Mensch ist, aber der leider öfter unzweckmässigen Einflüssen zugänglich war, stand früher und steht vielleicht noch in Verbindung mit einem hiesigen Winkeladvokaten, dessen Name mir nicht bekannt ist, welcher ihm schon einmal eine recht unverständige Handlung suggeriert hat. So hat unser Sohn vor einigen Jahren eine Eingabe an das hiesige Vormundschaftsgericht gerichtet, in welcher er sich über seinen Vormund beklagte, bei dem er doch wie ein Kind im Hause behandelt wurde! Einer der beim Vormundschaftsgericht tätigen Herren Juristen richtete nun an Herrn Obersekretär <name>Backhaus</name> einen vorwurfsvollen Brief. Aber Herr Obersekretär <name>Backhaus</name> hat natürlich diese unberechtigten Vorwürfe abgelehnt und entkräftet. Durch einen Entschuldigungsbrief wurde die Sache dann wieder ins Gleiche gebracht.</p><p>Demnach wäre es an und für sich nicht ausgeschlossen, dass unser Sohn wieder etwas Ähnliches machen könnte. Allerdings kann er jetzt im Augenblick nichts tun, denn er ist infolge eines Verkehrsunfalles so fussleidend geworden, dass er jetzt ständig zu Bette liegen muss. Zum Glück ist <pb/> sein ihm aus der Schulzeit her noch befreundeter Arzt <abbr>Dr. med.</abbr> <name>Karl Riehm</name> Burgstrasse 3 sehr tüchtig und hofft, ihn in absehbarer Zeit wieder völlig herstellen zu können.</p><p>So wäre es am zweckmässigsten, wenn die Unterstellung unseres Sohnes unter Herrn Oberinspektor Schmidt als seinen neuen Vormund <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-939"/><hi rend="underline">recht bald</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-939"/> in die Wege geleitet würde und womöglich so, dass unser Sohn dabei vor eine vollendete Tatsache gestellt werden würde.</p><p>Im Interesse einer ungestörten Weiterbehandlung der Stiftungsangelegenheit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-940"/>Vaihinger-Schweigger-Stiftung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-940"/> würde es sehr zu begrüssen sein, wenn beide mit einander zusammenhängenden Angelegenheiten in derselben Hand vereinigt wären, nämlich eben in der Hand des Herrn Oberinspektors Schmidt, dem wir zu grösstem Dank verpflichtet wären, wenn er auch diese Angelegenheit in seine bewährte Hand nehmen würde.</p><p>Nun hat unser Sohn zwar seit mehreren Jahren ein viel liebenswürdigeres Wesen angenommen, so dass wir eigentlich die oben angeführten Befürchtungen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-941"/>nicht mehr zu hegen brauchen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-941"/>, aber wir durften hier das Vorgekommene nicht verschweigen.</p><p>Indem wir, meine Gattin und ich, selbst unsere Sache und zugleich die Sache unseres bedauernswerten Sohnes Ihrem gütigen Wohlwollen empfehlen dürfen, zeichnen wir in vorzüglicher Hochachtung als Ihre ergebenen</p><signed>Hans Vaihinger</signed><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-942"/>Frau Elisabeth Vaihinger, <abbr>geb.</abbr> Schweigger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-942"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-936"><lem>Ihrem gütigen Vorschlage</lem><note>der Kurator der Universität Halle-Wittenberg, <name>Friedrich Tromp</name> hatte am 28.6.1933 Vaihinger mitgeteilt, dass Universitäts-Obersekretär <name>Paul Backhaus</name> nach Marburg versetzt wurde; Tromp bat um Zustimmung, dass die Vormundschaft auf Verwaltungs-Oberinspektor Schmidt übertragen werde, der bereits die Vaihinger-Schweigger-Stiftung verwaltete.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-937"><lem><name>Richard Vaihinger</name></lem><note>entmündigt seit September 1929, <abbr>vgl.</abbr> den Satzungsentwurf zur Vaihinger-Schweigger-Stiftung von vor 25.6.1931 (im Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-938"><lem>Herrn Oberinspektors Schmidt</lem><note>Gemeinter nicht ermittelt; vermutlich ein Beamter des Kuratoriums der Universität Halle-Wittenberg.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-939"><lem><hi rend="underline">recht bald</hi></lem><note>Kurator <name>Tromp</name> wandte sich laut Akte am 5.7.1933 an das Amtsgericht (Vormundschaftsgericht) Halle.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-940"><lem>Vaihinger-Schweigger-Stiftung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> im Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk: Notar Werner Schneider für Ehepaar Vaihinger, Satzungsentwurf Vaihinger-Schweigger-Stiftung, vor 25.6.1931.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-941"><lem>nicht mehr zu hegen brauchen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die spätere juristische Auseinandersetzung <abbr>UAHW</abbr> Rep. 6, <abbr>Nr.</abbr> 1972: Vaihinger-Schweigger-Stiftung (Beiakte 1), 1936–1938: Rechtsstreit Richard Vaihinger gegen die Universität.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-942"><lem>Frau Elisabeth Vaihinger, <abbr>geb.</abbr> Schweigger</lem><note>eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>