<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001491-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hermann Sudermann</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>28.9.1927</date>, <note>1 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAIHINGER | Geh. Reg.-Rat | Dr. rer. techn. h. c. Dr. med. h. c. | Halle a. d. S., den … 192… | Reichardtstr. 15</quote><note>, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">MANILA | SCHREIBMASCHINEN</quote><note>, darunter Flügelrad</note>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, COTTA:Sudermann</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1491" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001491-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1927-09-28">28.9.1927</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118619853">Hermann Sudermann</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118549553">Johann Gottfried Herder</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11872780X">Theodor Lessing</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118607626">Friedrich Schiller</name></note><note type="repository">Deutsches Literaturarchiv Marbach, COTTA:Sudermann</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hermann Sudermann</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>28.9.1927</date>, <note>1 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAIHINGER | Geh. Reg.-Rat | Dr. rer. techn. h. c. Dr. med. h. c. | Halle a. d. S., den … 192… | Reichardtstr. 15</quote><note>, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">MANILA | SCHREIBMASCHINEN</quote><note>, darunter Flügelrad</note>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, COTTA:Sudermann</bibl></head></front><body><dateline>28. September 1927</dateline><salute><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-681"/>Hochverehrter Herr Hermann Sudermann!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-681"/></salute><p>Übermorgen feiern Sie oder vielmehr feiert Deutschland Ihren 70. Geburtstag, und Sie werden eine Unmenge von Zuschriften erhalten, die Sie kaum zu bewältigen imstande sein werden. Daher will ich mich ganz kurz fassen, denn dann besteht die Hoffnung, dass Sie das lesen können, was ich Ihnen zu diesem schönen Festtage sagen möchte.</p><p><name>Lessing</name> und <name>Herder</name>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-682"/><name>Goethe</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-682"/><name/> und <name>Schiller</name> sind nicht bloss Dichter, sondern auch Denker gewesen und haben uns bedeutsame philosophische Äusserungen und Schriften hinterlassen. Das wäre heute nicht mehr möglich, aber wir verlangen vom heutigen Dichter, dass seine Werke einen mehr oder minder deutlichen weltanschaulichen Hintergrund haben.</p><p>In Ihren Werken, hochverehrter Meister, besonders in der „Frau Sorge“ in der „Heimat“ in der „Ehre“ und natürlich auch im „tollen Professor“ sind weltanschauliche Motive enthalten, welche erst diesen Werken jenen tiefen ethischen Gehalt geben, durch welchen sie der Nation sich einprägen. So sind auch Sie Dichter und Denker zugleich, und wer dies verkennt, kennt nicht den Ewigkeitswert Ihrer Schöpfungen.</p><p>Mögen Ihnen, dem Schöpfer und Gestalter, noch recht viele Jahre des Schaffens beschieden sein und so rufe ich Ihnen den alten aus der stoischen Schule stammenden Vers zu, dem auch <name>Herder</name> in einem besonderen Gedichte zugestimmt hat:</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-684"/>Vive ut semper victurus!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-684"/></p><anchor type="delimiter"/><p>In aufrichtiger Verehrung Ihr sehr ergebener</p><signed>Hans Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-681"><lem>Hochverehrter … Sudermann!</lem><note> darüber von anderer <abbr>Hd.</abbr>: </note><rdg>B.</rdg><note>[eantwortet]</note></app><app type="philological" corresp="#ED-682"><lem><name>Goethe</name></lem><rdg>Goehte</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-684"><lem>Vive ut semper victurus!</lem><note><abbr>lat.</abbr> Lebe als wenn du ewig lebest! Nicht nachgewiesen; vielfach zitiert und an mehrere Träger dieses Mottos verwiesen wird jedoch: Disce ut semper victurus, vive ut cras moriturus (lerne als wenn du ewig lebest, lebe, als wenn du morgen stürbest, <abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr> Joseph von Radowitz: Die Devisen und Motto des späten Mittelalters. Ein Beitrag zur Spruchpoesie. Stuttgart/Tübingen: Cotta 1850, <abbr>S.</abbr> 57). Bei Johann Gottfried von Herder heißt es: </note><rdg>Die Ungewißheit des Lebens. Mensch, genieße dein Leben, als müssest morgen du weggehn. Schone dein Leben, als ob ewig du weiletest hier </rdg><note>(Johann Gottfried <abbr>v.</abbr> Herders sämmtliche Werke. Zur schönen Literatur und Kunst. 8. <abbr>Bd.</abbr> Stuttgart/Tübingen: Cotta 1853, <abbr>S.</abbr> 22).</note></app></listApp></back></text></TEI>