<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001480-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hermann Sudermann</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>15.11.1926</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAIHINGER | Geh. Reg.-Rat | Dr. rer. techn. h. c. Dr. med. h. c. | Halle a. S., den … 192… | Reichardtstr. 15.</quote><note>, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">MANILA | SCHREIBMASCHINEN</quote><note>, darunter Flügelrad</note>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, COTTA:Sudermann</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1480" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001480-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1926-11-15">15.11.1926</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118619853">Hermann Sudermann</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Deutsches Literaturarchiv Marbach, COTTA:Sudermann</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hermann Sudermann</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>15.11.1926</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAIHINGER | Geh. Reg.-Rat | Dr. rer. techn. h. c. Dr. med. h. c. | Halle a. S., den … 192… | Reichardtstr. 15.</quote><note>, Wasserzeichen </note><quote type="rdg">MANILA | SCHREIBMASCHINEN</quote><note>, darunter Flügelrad</note>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, COTTA:Sudermann</bibl></head></front><body><dateline>15. November 1926</dateline><salute>Hochverehrter Herr Sudermann!</salute><p>Durch die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-604"/>gütige Übersendung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-604"/> Ihres neuen Romanes nebst eigenhändiger Widmung, haben Sie mir eine nicht bloss hohe Ehre erwiesen, sondern mir auch eine überaus grosse Freude bereitet. Seit einer Reihe von Jahren erblindet, suche ich immer nach Büchern, die sich nach der Tagesarbeit abends zum Vorlesen eignen. Ihr neues Buch war mir schon von meinem Buchhändler warm empfohlen worden, der als Ostpreusse besonderes Interesse für dasselbe hat, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-605"/>da es ja<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-605"/> in Königsberg spielt und auf <name>Kant</name> besonderen Bezug nimmt, wie ich vorläufig aus der Inhaltsangabe entnommen habe. So bin ich äusserst gespannt darauf, mir Ihr Buch vorlesen zu lassen, das zum Glück gegenüber so manchem dreibändigen Romane einen psychologisch und ästhetisch normalen Umfang hat. Wie langsam freilich das Vorlesenlassen vor sich geht, das weiss nur der, der wie ich in der traurigen Lage sich befindet nicht mehr selbst lesen zu können. Ihr Buch wird mir um so mehr Freude machen, als es sich in den akademischen Kreisen bewegt, die mir seit mehr als fünfzig Jahren nach ihren guten und nach ihren schlimmen Seiten hin wohlbekannt sind.</p><p>Stolz und glücklich macht mich aber vollends Ihr gütiger Brief dadurch, dass er mir mitteilt, dass Sie in der Philosophie des Als Ob den Ausdruck Ihrer eigenen persönlich erworbenen Weltanschauung gefunden haben. Dass ein Mann von Ihrer hohen Qualität und von Ihrer reichen Lebenserfahrung meine Anschauung billigt und sie teilt, das ist ein herrlicher Trost für vieles Böse, was das Schicksal mir zugefügt hat. <pb/> Meine letzten Lebensjahre (ich habe schon das 75. vor Kurzem begonnen) werden durch Ihr Bekenntnis hell erleuchtet.</p><p>Ich schliesse mit dem warmen Wunsche, dem neuen Romane mögen noch andere folgen, durch die Sie Ihren bald herannahenden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-606"/>70. Geburtstag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-606"/> aufs Schönste feiern, schöner als ich, dem die Erblindung auch nach dieser Seite hin so viele Entbehrungen auferlegt.</p><p>In herzlichster Dankbarkeit Ihr aufrichtig ergebener</p><signed>Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-604"><lem>gütige Übersendung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Sudermann an Vaihinger vom 8.11.1926</note></app><app type="philological" corresp="#ED-605"><lem>da es ja</lem><rdg>das ja</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-606"><lem>70. Geburtstag</lem><note>am 30.9.1927.</note></app></listApp></back></text></TEI>