<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001463-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Adolf Dyroff</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Bonn</placeName>, <date>14.4.1925</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 6 r</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1463" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001463-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118528432">Adolf Dyroff</persName><placeName>Bonn</placeName><date when="1925-04-14">14.4.1925</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118528432">Adolf Dyroff</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117314293">Anton Wesselsky</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116345764">Arnold Kowalewski</name><name>Gerhard Kowaleski</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116004924">Narziß Ach</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 6 r</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Adolf Dyroff</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Bonn</placeName>, <date>14.4.1925</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 6 r</bibl></head></front><body><dateline>Bonn, 14.IV 1925</dateline><salute>Hochverehrter Herr Geheimrat!</salute><p>In den „Münchener Neuesten Nachrichten“ lese ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-438"/>Ihren Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-438"/> „<name>Kant</name>s Aktivismus“. Ich darf mich wohl dafür melden, dass ich den Ausdruck „Philosophie der Tat“ bereits 1901 oder <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-439"/>1902 in einer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-440"/>Freiburger Vorlesung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-439"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-440"/> gebrauchte und dass ich mir bewusst bin, ihn ganz aus mir aus meinem damaligen Gedankengang heraus gebildet zu haben. Es lag nahe, dass ich mich meinen Hörern gegenüber <pb/> dafür auf <name>Goethe</name>s Faustworte bezog. Ich erinnere mich noch, dass die Hörer, als ich eine solche Philosophie verlangte und andeutete (freilich in anderm Sinne, als Sie das Wort nehmen), lebhaft trampelten. Sonach hatte ich eine Ader in ihren Herzen getroffen. Litterarisch habe ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-441"/>es<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-441"/> zum ersten Mal <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-442"/>in meiner kleinen „Selbstdarstellung“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-442"/> gebraucht, ohne Kenntnis von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-443"/><name>Wesselsky</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-443"/> Werk. Sie haben also ganz Recht; es ist wirklich schwer, den Ausdruck auf einen ersten Urheber zurückzuführen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-444"/><name>Wesselsky</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-444"/><name/> konnte natürlich nichts von meinen Kollegäusserungen wissen.</p><p>Ich freue mich, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-445"/>auf diese Wege Weise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-445"/> mich Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-446"/>wieder in Erinnerung bringen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-446"/> zu <pb/> können. Dass die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-447"/>Bemühungen um <name>Kowaleski</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-447"/><name/> nicht von Erfolg gekrönt waren, habe ich immer schmerzlich bedauert.</p><p>In ausgezeichneter Verehrung Ihr ganz ergebener</p><signed>Adolf Dyroff</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-438"><lem>Ihren Artikel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihiger: Kants „Aktivismus“. Seine Philosophie der Tat. In: Münchner Neueste Nachrichten, Nr. 111 vom 23.4.1925, S. 2 (https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00133542_00619_u001?page=2,3 (26.9.2024)), mit Bezug auf Anton Wesselsky: Forberg und Kant. Studien zur Geschichte der Philosophie des Als Ob im Hinblick auf eine Philosophie der Tat. Leipzig/Wien: Deuticke 1913; ders.: Philosophie der Tat. Grundriß einer autonomistischen Rechenschaft und Ethik. (Unter besonderer Berücksichtigung der Philosophie des Als Ob). In: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 1 (1919), S. 382–423 sowie dem in Vorbereitung befindlichen Wesselsky: Philosophie der Tat. Versuch einer Weltanschauung von heroischer Autonomie (unter besonderer Berücksichtigung der Philosophie des Als Ob). Berlin, Leipzig: Paetel 1927 (Bausteine zu einer Philosophie des „Als-Ob“ Bd. 12). Vaihingers Artikel schließt mit den Worten: </note><rdg>Trotz dieser Vorgänger kann und muß immer noch Dr. Anton Wesselski [</rdg><note>recte: Wesselsky</note><rdg>] in Wien als der eigentliche Schöpfer des Ausdrucks „Philosophie der Tat“ anerkannt werden, und sachlich kann er sich dabei auf einen berühmten Vorgänger berufen, der zwar nicht den Titel „Professor“ hatte, weil er mehr war als ein Professor, er war ein Confessor, ein Bekenner dessen, was er in sich erlebte. So sprach er das Wort: „Es ist nicht genug zu wissen, man muß auch tun“, und bekanntlich läßt er seinen Faust nach dem Osterspaziergang beim Studium des Neuen Testaments über die Anfangsworte des Johannes-Evangeliums stutzen und stolpern „Im Anfang war das Wort“ und läßt seinen Faust dafür die Worte setzen „Im Anfang war die Tat“, und was er dazu und darüber sagt, ist nicht mehr und nicht weniger, als eine tiefgründige „Philosophie der Tat“.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-439"><lem>1902 in einer Freiburger Vorlesung</lem><note>am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistiftkringel markiert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-440"><lem>Freiburger Vorlesung</lem><note><name>Dyroff</name> war 1901–1903 <abbr>o. Prof.</abbr> in Freiburg <abbr>i. B.</abbr>, seitdem in Bonn (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-441"><lem>es</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>viell</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-442"><lem>in meiner kleinen „Selbstdarstellung“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Dyroff: [Selbstdarstellung]. In: Raymund Schmidt (<abbr>Hg.</abbr>): Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen <abbr>Bd.</abbr> 5. Leipzig: Felix Meiner 1924, <abbr>S.</abbr> 129–163, hier 147.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-443"><lem><name>Wesselsky</name>s</lem><rdg>Wesselskis</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-444"><lem><name>Wesselsky</name></lem><rdg>Wesselski</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-445"><lem>auf diese Wege Weise</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-446"><lem>wieder in Erinnerung bringen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Dyroff von vor 16.10.1922</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-447"><lem>Bemühungen um <name>Kowaleski</name></lem><note>Vaihinger hat sich 1922 <abbr>u.</abbr> 1923 (1931/1932 und zuletzt 1933) mit Gutachten an das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung für die Berufung von <name>Arnold Kowalewski</name> an die Universität Königsberg eingesetzt, zunächst als Nachfolger für <name>Narziß Ach</name>, (<abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Dyroff von vor 16.10.1922), dann zur Erteilung eines persönliches Ordinariates. Der Bruder <name>Gerhard Kowaleski</name> und <name>Adolf Dyroff</name> standen im Briefkontakt über die Berufungsaussichten. <name>Arnold Kowalewski</name> (1873–1945), hatte 1897 in Greifswald promoviert, setzte danach seine Studien in Leipzig bei Wundt fort, um 1899 in Königsberg zu habilitieren. Aufgrund seines Vermögens zunächst nicht auf eine Anstellung angewiesen, nahm Kowalewski erst 1906/1907 Lehrstuhlvertretungen in Breslau und 1907/1908 in Königsberg wahr. 1908 an der Universität Königsberg zum Titular-Professor ernannt, seit 1920 mit Lehrauftrag für Religionsphilosophie; 1921 Ernennung zum nichtbeamteten <abbr>ao. Prof.</abbr>, 1934 mit Lehrauftrag für ostpreußische Geistesgeschichte. <abbr>Vgl.</abbr> Christian Tilitzki: Die deutsche Universitätsphilosophie in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Berlin: Akademie Verlag 2002, <abbr>S.</abbr> 67; <abbr>ders.</abbr> (<abbr>Hg.</abbr>): Protokollbuch der Philosophischen Fakultät der Albertus-Universität zu Königsberg i. P. Osnabrück: fibre 2014, <abbr>S.</abbr> 154 (Sitzung vom 6.2.1923) <abbr>u.</abbr> <abbr>S.</abbr> 163–164 (Sitzung vom 17.7.1923); <abbr>ders.</abbr>: Zur Königsberger Kant-Tradition im 20. Jahrhundert. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 50 (2004), <abbr>S.</abbr> 191–287, hier <abbr>S.</abbr> 212–221 und <abbr>S.</abbr> 238–241 (mit Aktenzitaten).</note></app></listApp></back></text></TEI>