<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001449-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>19.11.1923</date>, <note>2 S., Ts. (Durchschlag, mit eU),</note> <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 18</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1449" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001449-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1923-11-19">19.11.1923</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118580213">Alexius von Meinong</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116996579">Arthur Liebert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11691405X">August Messer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11600780X">Erich Adickes</name><name>Erich Jaensch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1104756838">Gottfried Meyer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118588478">Herman Nohl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118710532">Paul Hensel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118616692">Rudolf Stammler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118573543">Theodor Litt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118798758">William Stern</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 18</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>19.11.1923</date>, <note>2 S., Ts. (Durchschlag, mit eU),</note> <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 18</bibl></head></front><body><p><hi rend="underline">Kant-Gesellschaft</hi></p><dateline>Halle, den 19. November 1923</dateline><dateline>Reichardtstr. 15</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege!</salute><p>Ich erlaube mir hierdurch Ihnen folgende Angelegenheit vertraulich zu unterbreiten, für deren recht schnelle und tatkräftige Unterstützung ich Ihnen sehr verbunden wäre.</p><p>Es besteht die Absicht, dass ich als Geschäftsführer der Kant-Gesellschaft mit dem Kurator der Universität Halle, Herrn Geh<add>[eimem]</add> Oberreg<add>[ierungs]</add>-Rat <abbr>Dr. med.</abbr> <abbr>h. c.</abbr> <name>G. Meyer</name>, als dem Vorsitzenden der Gesellschaft an das Preussische Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ein dringliches Gesuch richte: in diesem Gesuch soll angeregt und vorgeschlagen werden, dass anlässlich der Zweihundertjahrfeier von <name>Kant</name>s Geburtstag (22. April 1924), bei der wahrscheinlich mancherlei Auszeichnungen erfolgen werden, auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-328"/>Herrn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-328"/> <abbr>Prof.</abbr> <abbr>Dr.</abbr> <name>Arthur Liebert</name>, dem vieljährigen und bewährten stellv<add>[ertretenden]</add> Geschäftsführer der Kantgesellschaft eine Auszeichnung und Anerkennung seiner Leistungen zuteil werden möge. Denn es sei allerhöchste Zeit, dass die wissenschaftliche und wirtschaftliche Stellung des in vielfacher Hinsicht bewährten Mannes endlich eine Förderung und womöglich Sicherstellung erfahre.</p><p>Zur Unterstützung dieses gewiss für sich selbst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-329"/>sprechenden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-329"/> und daher auch sachlich gewiss sehr berechtigten Gesuches ist es nun äusserst wünschenswert, dass hervorragende Fachmänner ein Urteil über die wissenschaftlichen Leistungen des Genannten abgeben und sich überhaupt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-330"/>über ihn äussern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-330"/>. Denn ich habe den Eindruck, als wenn über der organisatorischen erfolgreichen Tätigkeit <name>Liebert</name>s seine wissenschaftlichen Leistungen übersehen werden. Ich brauche Ihnen als Fachmann keine Aufzählung seiner zahlreichen und zum Teil umfangreichen, vielfach warm anerkannten Bücher zu geben. Ich möchte mir nur einen Hinweis darauf erlauben, dass manche seiner <pb/> Schriften, wie <abbr>z. B.</abbr> das in zweiter Auflage vorliegende Werk <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-331"/>„Das Problem der Geltung“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-331"/> und seine große Monographie über den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-332"/>„Geltungswert der Metaphysik“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-332"/> wiederholt bei seminaristischen Uebungen als Grundlage für Referate herangezogen worden sind. So <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-333"/>von <name>Heinrich Rickert</name> in Heidelberg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-333"/> und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-334"/>von <name>Alexius von Meinong</name> in Graz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-334"/>. Eine solche Berücksichtigung eines Werkes von <name>Liebert</name> ist auch einmal in ganz eingehender Form bei seminaristischen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-335"/>Uebungen an der Universität Bonn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-335"/> erfolgt. Auch das Ausland interessiert sich für <name>Liebert</name>s Arbeiten. So wird jetzt sein jüngstes Buch: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-336"/>„Die geistige Krisis der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-337"/>Gegenwart“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-336"/>, das<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-337"/> bereits in dritter Auflage erscheint, ins Russische übersetzt.</p><p><name>Liebert</name>s wissenschaftliche Arbeiten und Leistungen haben ihm einen angesehenen Platz in der Reihe der an das <name>Kant</name>ische System im weiteren Sinne des Wortes sich anschliessenden heutigen Philosophen gesichert.</p><p>Ich richte also an Sie, hochgeehrter Herr Kollege, die herzliche und dringende Bitte, die Güte haben zu wollen, unser Gesuch an das Ministerium durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-338"/>ein Gutachten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-338"/> Ihrerseits zu unterstützen, damit dem verdienten Manne, der vor kurzem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-339"/>seinen 45. Geburtstag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-339"/> erlebt hat, gelegentlich der nächsten großen <name>Kant</name>feier eine entsprechende Anerkennung zuteil werde. Ich möchte noch Folgendes hinzufügen: wie ich aus langjähriger und <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-340"/>intimer<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-340"/> Bekanntschaft mit <name>Liebert</name> weiss, ist es nicht dessen Art, dem Minister oder anderen Persönlichkeiten mit seiner Person und mit den Bitten um Berücksichtigung seiner Person lästig zu fallen. Er trägt die Sorge um seine wissenschaftliche und wirtschaftliche Existenz unausgesprochen in sich. Er hat eine Scheu davor, das Ministerium oder die wissenschaftliche Welt mit seinen Anliegen oder Wünschen zu behelligen. Ich glaube aber, nicht zu viel zu sagen, wenn ich behaupte, dass es geradezu eine Pflicht, eine dringliche und sehr ernste Pflicht ist, <name>Liebert</name> in seinem Leben und in seinem Fortkommen zu helfen und ihm, im Interesse unserer Wissenschaft, sowie unserer Kantgesellschaft, seine Sorgen zu erleichtern.</p><p>In kollegialer Hochachtung begrüsse ich Sie als Ihr ganz ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-341"/>vaihinger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-341"/></signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-328"><lem>Herrn</lem><note>hs. mit Bleistift korrigiert aus </note><rdg>Herr</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-329"><lem>sprechenden</lem><note>danach gestrichen: </note><rdg>Gesuches</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-330"><lem>über ihn äussern</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Gottfried Meyer vom 26.3.1924 (im Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk) sowie Akten des Kuratoriums der Universität Halle-Wittenberg, hier: Akten, die Kantgesellschaft und die Kantstiftung betreffend. <abbr>UA</abbr> Halle Rep. 6 <abbr>Nr.</abbr> 1862: [geschwärzt: Königliches] Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. General-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1943. Teil II, <abbr>Bl.</abbr> 35–55: 10 Gutachten über die wissenschaftliche Befähigung <name>Arthur Liebert</name>s von <name>Paul Natorp</name>, <name>Erich Adickes</name>, <name>August Messer</name>, <name>Erich Jaensch</name>, <name>Herman Nohl</name>, <name>Theodor Litt</name>, <name>William Stern</name>, <name>Paul Hensel</name>, <name>Rudolf Stammler</name> und <name>Alois Riehl</name> in maschinenschriftlichen Abschriften vom November/Dezember 1923. <abbr>Vgl.</abbr> weiterhin Rep. 6 <abbr>Nr.</abbr> 1864 (Königliches Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Akten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1917–1927, unpaginiert): dokumentiert <abbr>u. a.</abbr> von März bis Dezember 1917 die Bemühungen, <name>Liebert</name> vom Kriegsdienst freizustellen und die erteilte Freistellung schließlich auch weiterhin zu erhalten. Es geht nochmals um die Gutachten über Liebert: Dieser soll anlässlich der Kantfeier wegen seiner Verdienste um die Kantgesellschaft geehrt werden, vor allem über eine Erhöhung seines Einkommens. Die Gutachten dienen zur Unterstützung eines Gesuchs Vaihingers an den preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung in Berlin vom 26.3.1924. Der Ausgang ist nicht dokumentiert.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-331"><lem>„Das Problem der Geltung“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Liebert: Das Problem der Geltung. 2. Aufl. Leipzig: Meiner 1920. Zuerst 1914 als Ergänzungsheft der Kant-Studien <abbr>Nr.</abbr> 32.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-332"><lem>„Geltungswert der Metaphysik“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Liebert: Der Geltungswert der Metaphysik (Vortrag, gehalten 1915 in der Berliner Abteilung der Kantgesellschaft). Berlin: Reuther &amp; Reichard 1915 (Philosophische Vorträge <abbr>Nr.</abbr> 10). 65 <abbr>S.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-333"><lem>von <name>Heinrich Rickert</name> in Heidelberg</lem><note>womöglich im Sommer 1920, <abbr>vgl.</abbr> die Ankündigung für das Philosophische Seminar: Prof. Rickert: Das Geltungsproblem; Mittwoch von 11 bis 1 Uhr. In: Anzeige der Vorlesungen der Badischen Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg für das Sommer-Halbjahr 1920, <abbr>S.</abbr> 22 (<ref type="link">https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/VV1915WSbis1920SS/0447</ref> (26.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-334"><lem>von <name>Alexius von Meinong</name> in Graz</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-335"><lem>Uebungen an der Universität Bonn</lem><note>nicht ermittelt, womöglich im Rahmen eines der regelmäßig angebotenen Lektüreseminare <abbr>bzw.</abbr> einer der Übungen zu neueren Arbeiten aus verschiedenen Gebieten der Philosophie (<abbr>vgl.</abbr> Verzeichnis der Vorlesungen an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn … 1909–1922/1923: <ref type="link">https://digitale-sammlungen.ulb.uni-bonn.de/periodical/titleinfo/775911</ref> (26.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-336"><lem>„Die geistige Krisis der Gegenwart“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Liebert: Die geistige Krisis der Gegenwart. Berlin: Pan-Verlag Rolf Heise 1923 (2 Auflagen), 3. <abbr>Aufl.</abbr> 1924, als </note><rdg>Seminarauflage</rdg><note> bezeichnet. Übersetzung ins Russische nicht ermittelt.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-337"><lem>Gegenwart“, das</lem><rdg>Gegenwart“. das</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-338"><lem>ein Gutachten</lem><note><name>Rickert</name> hat kein Gutachten über <name>Liebert</name> abgegeben.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-339"><lem>seinen 45. Geburtstag</lem><note>am 10.11.1923</note></app><app type="philological" corresp="#ED-340"><lem>intimer</lem><rdg>ntimer</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-341"><lem>vaihinger</lem><note>eigenhändig mit Bleistift</note></app></listApp></back></text></TEI>