<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001436-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Adolf Dyroff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>o. D. [vor </date><date>16.10.1922</date><date>]</date>, <note>1 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAIHINGER | GEH. REG.-RAT. | Halle a. S., den … 192… | Reichardtstr. 15</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, NL Dyroff (S 2836)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1436" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001436-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date notAfter="1922-10-16">o. D. [vor 16.10.1922]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118528432">Adolf Dyroff</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118593471">Alexander Pfänder</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116345764">Arnold Kowalewski</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11854800X">Heinz Heimsoeth</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118798685">Julius Stenzel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118516957">Karl Bühler</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116004924">Narziß Ach</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117222666">Otto Schultze</name></note><note type="repository">Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, NL Dyroff (S 2836)</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Adolf Dyroff</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>o. D. [vor </date><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-187"/><date>16.10.1922</date><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-187"/><date>]</date>, <note>1 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAIHINGER | GEH. REG.-RAT. | Halle a. S., den … 192… | Reichardtstr. 15</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, NL Dyroff (S 2836)</bibl></head></front><body><p><hi rend="underline">Vertraulich!</hi></p><salute>Verehrter Herr Kollege!</salute><p>In Königsberg ist jetzt ein philosophisches Ordinariat frei durch die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-188"/>Wegberufung des Professor <name>Ach</name> nach Göttingen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-188"/>. Die Direktion des von diesem geleiteten psychologischen Institutes hat das Ministerium im vorigen Semester dem Inhaber der neubegründeten pädagogischen Professur übertragen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-189"/><abbr>Prof.</abbr> Schulz aus Frankfurt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-189"/>, der auf den Vorschlag der Fakultät im vorigen Semester berufen worden ist. Die Übertragung des psychologischen Institutes an Letzteren war allerdings eine Überraschung für die Fakultät, die nun ihrerseits trotzdem den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-190"/>Professor <name>Bühler</name> in Dresden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-190"/>, der vorzugsweise Psychologe ist, unico loco als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-191"/>Nachfolger <name>Ach</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-191"/> vorschlug. Diesen Vorschlag hat das Ministerium abgelehnt, sodass <name>Bühler</name> nunmehr einen an ihn ergangenen Ruf nach Wien angenommen hat, da jetzt Königsberg ihm verschlossen ist. Das Ministerium hat die Königsberger Fakultät aufgefordert, jetzt drei reine Philosophen zum Vorschlag zu bringen.</p><p>Man wird nun gewiss allgemein erwarten, dass der seit vielen Jahren in Königsberg tätige, aber unverschuldeter Weise durch eine Verkettung widriger Umstände in den Hintergrund gedrängte Kollege <abbr>Dr.</abbr> <name>Arnold Kowalewski</name>, welcher zwar die Amtsbezeichnung Professor führt, aber noch nicht planmässig angestellt ist, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-192"/>für das vakante Ordinariat in Vorschlag gebracht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-192"/> würde. Wie es aber in solchen Fällen zu gehen pflegt, so erheben sich gegen den Genannten allerlei Einwände, die sachlich ungerechtfertigt sind, und so ist zu befürchten, dass jüngere Vertreter des Fachs vorgeschlagen und der Ältere übergangen wird, trotzdem er sich durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, und durch erfolgreiche Vorlesungen und Übungen als vollständig qualifiziert für das Ordinariat erwiesen hat. Dadurch würde aber dem <abbr>Prof.</abbr> <abbr>Dr.</abbr> <name>Kowalewski</name> ein bittres Unrecht geschehen, durch das seine wissenschaftliche und wirtschaftliche Existenz vernichtet wäre.</p><p>Allerdings hat <name>Kowalewski</name> auch in der Fakultät nicht wenige Freunde, aber es ist fraglich, ob deren Stimmen genügen, um ihn in Vorschlag für die vakante Professur zu bringen. So wäre es nun für diese seine Königsberger Freunde eine wesentliche Unterstützung, von auswärtigen namhaften Fachmännern günstige Urteile über <name>Kowalewski</name> vorweisen zu können.</p><p>In diesem Sinne darf ich vielleicht Sie, hochverehrter Herr Kollege, bitten, <hi rend="underline">möglichst umgehend</hi> ein solches Urteil über <name>Kowalewski</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-193"/>mir<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-193"/> zu übersenden, das ich dann nach Königsberg weitergeben kann mit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-194"/>meinem Votum<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-194"/>.</p><p>Ich selbst kenne <name>Kowalewski</name> seit 25 Jahren, und habe seine ganze Entwicklung verfolgt und bin des öfteren mit ihm persönlich längere Zeit zusammen gewesen und so mit ihm befreundet geworden. Andererseits habe ich mit verschiedenen Mitgliedern der Königsberger Fakultät gute Beziehungen und so erklärt es sich, dass ich die Vermittlung in dieser Angelegenheit übernommen habe.</p><p>Im Voraus für jede Mitteilung verbindlichst dankend in kollegialer Hochachtung Ihr ganz ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-195"/>Vaihinger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-195"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-188"><lem>Wegberufung des Professor <name>Ach</name> nach Göttingen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Albert Goedeckemeyer an Vaihinger vom 19.10.1922</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-189"><lem><abbr>Prof.</abbr> Schulz aus Frankfurt</lem><note>gemeint ist <name>Otto Schultze</name> (1872–1950), seit 1915 Titularprofessor an der Universität Frankfurt, zum WS 1922/1923 als <abbr>o. Prof.</abbr> für Pädagogik und Psychologie auf ein neu geschaffenes Ordinariat in Königsberg berufen (Tilitzki: Protokollbuch der Philosophischen Fakultät der Albertus-Universität zu Königsberg i. Pr. 1916–1944, 2014, <abbr>S.</abbr> 627).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-190"><lem>Professor <name>Bühler</name> in Dresden</lem><note><name>Karl Bühler</name> (1879–1963), 1918 <abbr>o. Prof.</abbr> in Dresden, 1922 in Wien (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-191"><lem>Nachfolger <name>Ach</name>s</lem><note>zum Nachfolger <name>Ach</name>s wurde schließlich (<abbr>WS</abbr> 1923/1924) <name>Heinz Heimsoeth</name> berufen. Die Berufungsliste war stark umstritten, <abbr>vgl.</abbr> das Protokoll vom 6.2.1923 (Tilitzki, Protokollbuch, 2014, <abbr>S.</abbr> 153–155): 1a. <name>Bruno Bauch</name>, 1b. <name>Alexander Pfänder</name>, 2. <name>Heinz Heimsoeth</name>, 3a. <name>Arnold Kowalewski</name>, 3b. <name>Julius Stenzel</name>. Vor allem wegen der Platzierung <name>Kowalewski</name>s auf der Liste gab es Streit. <name>Ach</name> votierte von Göttingen aus vehement gegen <name>Kowalewski</name>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-192"><lem>für das vakante Ordinariat in Vorschlag gebracht</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Kommentar zu Dyroff an Vaihinger vom 14.4.1925.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-193"><lem>mir</lem><note><abbr>hs.</abbr> Einfügung über der Zeile, von anderer <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-194"><lem>meinem Votum</lem><note>zum Einsatz Vaihingers von 1922 (wiederholt 1933) für <name>Kowalewski</name> <abbr>vgl.</abbr> Tilitzki: Zur Königsberger Kant-Tradition im 20. Jahrhundert. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 50 (2004), <abbr>S.</abbr> 191–287, hier: <abbr>S.</abbr> 239–241, mit ausführlichen Aktenzitaten nach Vaihingers Votum.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-195"><lem>Vaihinger</lem><note>eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>