<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001389-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Armin Theophil Wegner</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>8.5.1920</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAHINGER | GEH. REG.-RAT. | Halle a. S., den … 19… | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Wegner, Armin Theophil</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1389" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001389-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1920-05-08">8.5.1920</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11862993X">Armin Theophil Wegner</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116703652">Konrad von Lange</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118577166">Thomas Mann</name></note><note type="repository">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Wegner, Armin Theophil</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Armin Theophil Wegner</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>8.5.1920</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. HANS VAHINGER | GEH. REG.-RAT. | Halle a. S., den … 19… | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Wegner, Armin Theophil</bibl></head></front><body><dateline>8. Mai 1920.</dateline><p>Herrn <abbr>Dr.</abbr> Jur. Armin T. Wegner, Wernigerode.</p><salute>Sehr geehrter Herr Doktor!</salute><p>In dankbarer Erinnerung an die schönen Gaben Ihres <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2691"/>literarischen Abends<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2691"/> möchte ich mir gestatten, Ihnen anbei eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2692"/>kleine Schrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2692"/> von mir zu übersenden. Wenn ich die Widmung des kleinen Buches „dem Dichter“ mache, so muss ich aber ausdrücklich bemerken, dass ich den Politiker davon ausnehme: denn Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2693"/>politischen Anschauungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2693"/>, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2694"/>Sie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2694"/> ja sehr deutlich zum Ausdruck gebracht haben, muss ich prinzipiell und ganz entscheiden ablehnen, ohne jedoch Veranlassung zu nehmen, hierauf näher einzugehen.</p><p>Ich weiss nicht, inwieweit Sie noch Ihre juristischen Studien fortsetzen, doch werden Sie auf jeden Fall noch juristische Interessen haben und so darf ich Sie vielleicht darauf hinweisen, dass ich in der „Philosophie des Als Ob“ deren Prospekt auch der kleinen Nietzsche-Schrift beigefügt ist, die juristischen Fiktionen untersucht und mit dem fiktiven Verfahren in anderen Wissenschaften verglichen habe, derart, dass ich das fiktive Denken überhaupt zur Grundlage einer allgemeinen Weltanschauung machen konnte. Dementsprechend bringen die sich daran anschliessenden „Annalen der Philosophie“ auf juristische Beiträge, wie deren Programm ergibt, das beiliegt. Aber die Zeitschrift bringt auch literarische Beiträge, so im 1. Heft des 2. Bandes <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2695"/>einen Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2695"/> über den biologischen Wert der Illusion nach den Dichtungen von <name>Thomas Mann</name>. Überhaupt wird in der „Philosophie des Als Ob“ die Bedeutung der ästhetischen Illusion oder der bewussten Selbst<pb/>täuschung bei jedem künstlerischen Schaffen und Geniessen ausführlich gewürdigt. Der Tübinger Kunsthistoriker <name>Konrad Lange</name> hat dies Gebiet in Übereinstimmung mit der Philosophie des Als Ob in seinem Werk über <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2696"/>„Das Wesen der Kunst“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2696"/> in dieser Hinsicht speziell dargestellt. Die Kunst und speziell die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2697"/>Dichtkunst<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2697"/> einerseits und die Philosophie andererseits haben ja stets in Deutschland in fruchtbarer Wechselwirkung gestanden.</p><p>Mit vorzüglicher Hochachtung</p><signed>vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2691"><lem>literarischen Abends</lem><note>Daten einer Veranstaltung (in Halle?) nicht ermittelt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2692"><lem>kleine Schrift</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Nietzsche als Philosoph. 4., vom Verfasser neu durchgesehene Aufl., Feldausgabe, erstes bis zehntes Tausend. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1916; liegt nicht bei.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2693"><lem>politischen Anschauungen</lem><note>Wegner war Pazifist, Antimilitarist und Kriegsdienstgegner. Er engagierte sich 1919 für die Gründung des Bundes der Kriegsdienstgegner.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2694"><lem>Sie</lem><note>danach gestrichen: nach</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2695"><lem>einen Artikel</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Max Huettner: Der biologische Wert der Illusion, das Stoffproblem Thomas Manns. In: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 2 (1921), <abbr>S.</abbr> 86–99.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2696"><lem>„Das Wesen der Kunst“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Konrad Lange: Das Wesen der Kunst. Grundzüge einer illusionistischen Kunstlehre. Berlin: Grote 1901; 2. <abbr>Aufl.</abbr> 1907.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2697"><lem>Dichtkunst</lem><note>Dinstkunst</note></app></listApp></back></text></TEI>