<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001377-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Paul Natorp</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Marburg</placeName>, <date>4.1.1920</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 b, Nr. 12</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1377" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001377-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</persName><placeName>Marburg</placeName><date when="1920-01-04">4.1.1920</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569333">Friedrich Albert Lange</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/133573966">John Grote</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118737082">Hans-Joachim Moser</name><name>Johannes Bartels</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/103932798">Josef Pembaur</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116784253">Martin Frey</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118530909">Paul Ernst</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 b, Nr. 12</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Paul Natorp</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Marburg</placeName>, <date>4.1.1920</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 b, Nr. 12</bibl></head></front><body><dateline>Marburg 4.1.20.</dateline><salute>Verehrtester Herr Kollege!</salute><p>Ich danke Ihnen für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2586"/>Ihre so freundlichen Zeilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2586"/> vom letzten Tage des verflossenen Jahres <abbr>u.</abbr> wünsche Ihnen voraus zum neuen Jahr alles Gute, so persönlich wie für Ihr Werk, die Kantgesellschaft <abbr>u.</abbr> all das Große <abbr>u.</abbr> Ernste das uns allen, man darf schon sagen den Philosophen besonders, in dieser schweren Zeit auf der Seele lastet. Möchte man in einem Jahr doch etwas mehr Licht vor sich sehen.</p><p>Fast kommt es mir zu selbstsüchtig vor, in solcher Zeitlage mich um die fast vergessenen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2587"/>Sprößlinge meiner Muse<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2587"/> zu bemühen. Aber eigentlich haben ja Sie <abbr>u.</abbr> jetzt Herr <abbr>Dr.</abbr> <name>Grote</name> die ganze Mühe <abbr>u.</abbr> Verantwortung dabei auf sich genommen, so daß ich vor mir selbst die gute Ausrede habe, daß ich ja eigentlich es nur geschehen lasse. <pb/> <abbr>Dr.</abbr> <name>Grote</name> hat sich in die schon erhaltenen Noten sofort hinein versenkt und mir bereits darüber sehr schön geschrieben. Ungefähr gleichzeitig schrieb mir der feine Mensch und Musiker, <abbr>Prof.</abbr> <name>J. Pembaur</name> von Leipzig, daß er mein Trio angesehen hat <abbr>u.</abbr> es „mit Begeisterung“ dort seinen Schülern (gewiß nicht den schlechtesten) einstudieren will, aber erst in einigen Wochen, da er jetzt auf mindestens 3 Wochen auf Konzertreisen geht. Das paßt insofern ganz gut, als inzwischen die Noten abgeschrieben <abbr>u.</abbr> vielleicht schon hektographiert sein können. Ich sehe sie heute noch einmal durch <abbr>u.</abbr> schicke sie morgen an <name>Grote</name>. Über die verfügbaren Kräfte hat er mir auch geschrieben, es fehlt an einem Tenor, der für den ganzen Aufbau, so wie ich ihn mir gedacht hatte, schwer zu entbehren ist. Wird keiner gefunden, der den allerdings grade ihm zugedachten Aufgaben <pb/> voll gewachsen ist, so muß das Programm so abgeändert werden, daß dafür der Bariton, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2588"/><abbr>Dr.</abbr> <name>Moser</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2588"/>, der ja vorzüglich sein soll, eintreten kann. Darüber wird <abbr>Dr.</abbr> Gr<add>[ote]</add> mir noch schreiben. Für die vorläufige Ankündigung brauchen ja die Einzelheiten nicht schon festgelegt zu werden. (Betr<add>[effend]</add> <name>Pembaurs</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2589"/>haben Sie übrigens mißverstanden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2589"/>: nicht <hi rend="underline">er selbst</hi> will in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2590"/>Leipzig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2590"/> den Klavierpart m<add>[einer]</add> Trios <hi rend="underline">spielen</hi> sondern seinen <hi rend="underline">Schülern</hi> für einen Vortragsabend derselben einstudieren. Es kommt das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2591"/>wohl auch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2591"/> nicht in Frage daß er selbst in Halle mit wirken würde. Es müßte denn sein daß seine „Begeisterung“ für das Werk so weit ginge daß er es gerne täte. Ich habe nicht gewagt ihn darum zu bitten, <abbr>u.</abbr> möchte auch nicht daß es von andrer Seite eher geschähe als er sich eingehend (zum besagten Zweck) damit beschäftigt hat. Wenn dies geschieht erfahre ich es ja durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2592"/>meine Tochter<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2592"/>.)</p><p>Überaus freundlich war es, daß Sie die <pb/> letztere zu Sich einluden. Aber jetzt auf der Durchreise ist zu einem Aufenthalt in H<add>[alle]</add> für sie keine Zeit, übrigens würde sie bei einem jetzigen o<add>[der]</add> späteren Besuch dort ein Absteigequartier bei meiner dort verheirateten Schwester haben, der Frau von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2593"/><name>Joh. Bartels</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2593"/><name/>, dem Leiter des Hauses des Ver<add>[eines]</add> f<add>[ür]</add> christl<add>[iche]</add> j<add>[unge]</add> Männer in der Geiststraße, oder auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2594"/>bei <name>Frey</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2594"/>. Sie ist daher in Halle auch schon so weit bekannt, daß sie sich, wenn sie einmal dort ist, leicht auch zu Ihnen hinaus finden wird. Sie wird jedenfalls nicht verfehlen Sie einmal gelegentlich aufzusuchen. – Die Spuren Ihres Werks begegnen in der Literatur jetzt vielfältig. Nicht beachtet haben Sie vielleicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2595"/><name>Paul Ernst</name>s Bemerkungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2595"/> in der ganz ausgezeichneten (auch philos<add>[ophisch]</add> beachtlichen) aber wenig bekannten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2597"/>Zeitschrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2597"/> Die Rheinlande, wo er von seinen frühen philos<add>[ophischen]</add> Studien, wie dem Einfluß von <hi rend="underline"><name>Laas</name></hi> auf ihn, <abbr>u.</abbr> dann von der Philos<add>[ophie]</add> des Alsob spricht, aber in seiner oft wunderlichen Art unfreundlich von <name>F. A. <hi rend="underline">Lange</hi></name>. Das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2598"/>alles<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2598"/> erinnert mich lebhaft an <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2599"/><hi rend="underline">unsre</hi> Anfänge<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2599"/> in Straßb<add>[urg]</add>. – Mit nochmaligem herzlichen Dank <abbr>u.</abbr> Gruß Ihr sehr ergebener</p><signed>P. Natorp</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2586"><lem>Ihre so freundlichen Zeilen</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2587"><lem>Sprößlinge meiner Muse</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp an Vaihinger vom 27.12.1919 sowie den Kommentar zu Natorp an Vaihinger vom 17.11.1919.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2588"><lem><abbr>Dr.</abbr> <name>Moser</name></lem><note><name>Hans-Joachim Moser</name> (1889–1967), Multiinstrumentalist und Musikwissenschaftler, Sänger, 1910 in Rostock promoviert, <abbr>u. a.</abbr> freiberuflicher Musikschriftsteller und Gesangslehrer, Tourneen als Bariton. 1919 in Halle habilitiert, 1923 nichtbeamteter <abbr>ao. Prof.</abbr>, 1933 zwangsweise pensioniert (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/moserhansjoachim.html</ref> (25.9.2024)). Im endgültigen Programm war ein Sopran zu hören (<abbr>vgl.</abbr> Kommentar zu Natorp an Vaihinger vom 17.11.1919).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2589"><lem>haben Sie übrigens mißverstanden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp an Vaihinger vom 27.12.1919</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2590"><lem>Leipzig</lem><rdg>Lpz.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2591"><lem>wohl auch</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2592"><lem>meine Tochter</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp an Vaihinger vom 27.12.1919</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2593"><lem><name>Joh. Bartels</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Bernhard Koerner (<abbr>Hg.</abbr>): Deutsches Geschlechterbuch (Genealogisches Handbuch Bürgerlicher Familien) <abbr>Bd.</abbr> 37. Görlitz: Starke 1922, <abbr>S.</abbr> 160: </note><rdg>Johannes Bartels, *Gütersloh 5.5.1864, Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Männer […], 1892 dessen Schriftführer zu London, 1898 zu Barmen, 1902 zu Halle a. S; X [</rdg><note>verheiratet</note><rdg>] 3.4.1894 mit Martha Natorp, *Düsseldorf 28.5.1863 […].</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2594"><lem>bei <name>Frey</name>s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp an Vaihinger vom 17.11.1919</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2595"><lem><name>Paul Ernst</name>s Bemerkungen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Ernst: Idealismus und Positivismus. In: Die Rheinlande 29 (1919), <abbr>S.</abbr> 239–246 (digital: <ref type="link">https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rheinlande1919/0255</ref><anchor type="delimiter"/> (25.9.2024); <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Paul Ernst vom 16.1.1920.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2597"><lem>Zeitschrift</lem><rdg>Ztschr.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2598"><lem>alles</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2599"><lem><hi rend="underline">unsre</hi> Anfänge</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Natorp vom 12.5.1911</note></app></listApp></back></text></TEI>