<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001333-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Traugott Konstantin Oesterreich</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>21.11.1917</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 f</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1333" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001333-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/124415687">Traugott Konstantin Oesterreich</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1917-11-21">21.11.1917</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118582720">Georg Misch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116495871">Karl Ferdinand Endriß</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117356271">Max Wundt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118595164">Plotin</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 f</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Traugott Konstantin Oesterreich</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>21.11.1917</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 f</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen 21.XI.17.</dateline><salute>Hochverehrter Herr Geheimrat!</salute><p>Für die überaus gütige Bewilligung einer neuen Note aus dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2255"/>Kriegsunterstützungsfonds der Kantgesellschaft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2255"/> erlaube ich mir Ihnen meinen herzlichen Dank zu sagen. Und auch dafür danke ich Ihnen sehr, daß Sie mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2256"/>nach Marburg empfohlen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2256"/> haben. Daß bei meinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2257"/>Vortrag in Berlin<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2257"/> mehrere Zuhörer sich über meine Stimme beklagt haben, ist mir natürlich sehr fatal. Als allgemeiner Vorwurf ist es sicherlich unberechtigt, wenn meine Stimme als zu leise bezeichnet wird. Es ist das erste Mal, daß ich eine derartige Klage gehört habe, und auch damals, wo ich freilich stark erkältet war, ist die Meinung <pb/> offenbar nicht einstimmig gewesen. Es wurde mir schon damals von einem Herrn, der auch in dem Vortrag gewesen war und der ziemlich weit hinten saß, erklärt, er begreife <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2258"/>garnicht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2258"/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2259"/>daß<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2259"/> über Schwerverständlichkeit von einer Seite geklagt worden sei.</p><p>Auch in der jetzigen Kriegszeit kommen stets meine Kollegs zustande. Was mir am meisten Freude macht, ist, daß gerade die Begabteren und philosophisch Interessierten zu mir kommen. Ich habe im vorigen Semester sogar über ein so abseits gelegenes Thema wie <name>Plotin</name> Übungen mit reiferen, <abbr>z. T.</abbr> schon in ihrer akademischen Bildung abgeschlossenen Teilnehmern zustande gebracht. Einer der Teilnehmer <pb/> macht augenblicklich seine Doktorarbeit bei mir. Auch darf ich vielleicht erwähnen, daß mir seiner Zeit <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2260"/>Herr <abbr>Dr.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2261"/>Endriss<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2261"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2260"/> nach bestandenem Doktorexamen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2262"/>[der ein Semester in Tübingen studiert und bei mir gehört hatte]<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2262"/> einen freilich etwas enthusiastischen Brief schrieb, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2263"/>indem<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2263"/> er erklärte, er würde sich mich auch als Dozenten zum Vorbild nehmen. Das wäre wohl kaum möglich, wenn ich wirklich so unerträglich wäre.</p><p>Der Vorfall mit Berlin zeigt allerdings, daß man vor einem unbekannten größeren Kreis nicht sprechen soll, wenn man irgendwie indisponiert ist.</p><p>Mit nochmaligem aufrichtigem <pb/> Dank in unverbrüchlicher Verehrung Ihr sehr ergebener</p><signed>K Oesterreich</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2255"><lem>Kriegsunterstützungsfonds der Kantgesellschaft</lem><note><abbr>vgl.</abbr> zu Entstehung, Ausstattung und Vergabe dieses Fonds Vaihinger / Liebert, Arthur / Meyer, Gottfried: Bericht über die Fonds der Kantgesellschaft. In: Kant-Studien 25 (1920), <abbr>S.</abbr> 78–83, hier <abbr>S.</abbr> 81–83; <abbr>vgl.</abbr> zu einer durchgeführten Zahlung an Oesterreich und dem Vorschlag einer weiteren Zahlung Vaihinger an Gottfried Meyer vom 17.12.1915.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2256"><lem>nach Marburg empfohlen</lem><note>etwaiges Empfehlungsschreiben Vaihingers nicht ermittelt. Es geht womöglich um die Nachfolge für <name>Georg Misch</name>, der seit 1911 <abbr>ao. Prof.</abbr> in Marburg war und 1916 einen Ruf nach Göttingen erhalten hatte (angetreten 1919); sein Nachfolger wurde 1918 <name>Max Wundt</name> (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2257"><lem>Vortrag in Berlin</lem><note>nicht ermittelt, sofern nicht der Vortrag gemeint ist, den Oesterreich am 14.4.1915 im Rahmen der Berliner Kant-Abende der Kantgesellschaft gehalten hatte, <abbr>vgl.</abbr> dazu die gedruckte Fassung: Oesterreich: Die religiöse Erfahrung als philosophisches Problem (= Philosophische Vorträge veröffentlicht von der Kant-Gesellschaft. Unter Mitwirkung von Ernst Cassirer und Max Frischeisen-Köhler <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Arthur Liebert). Berlin: Reuther &amp; Reichard 1915; die Übersicht in Kantstudien 20 (1915), <abbr>S.</abbr> 346; sowie den kurzen Bericht zu den Teilnehmern der Diskussion nach dem Vortrag in: Kantgesellschaft (<abbr>Hg.</abbr>): III. Bericht über die Vorträge der Kantgesellschaft (Vortrag 16–26). Beilage zu den Kantstudien, Bd. XX, 1915, Heft 2–3 [mit eigener Seitenzählung], <abbr>S.</abbr> 22. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/kantstudienphilo20kantuoft/</ref> [Beilage nach <abbr>S.</abbr> 346] (16.5.2024). Im Rahmen der Berliner Kant-Abende ist kein weiterer Vortrag Oesterreichs im entsprechenden Zeitraum nachgewiesen, <abbr>vgl.</abbr> die Übersichten <abbr>bzw.</abbr> Berichte in Kantstudien 18 (1913), <abbr>S.</abbr> 334, Kantstudien 19 (1914), <abbr>S.</abbr> 299–302, Kantstudien 21 ([1916]/1917), <abbr>S.</abbr> 474 sowie Kantstudien 22 ([1917]/1918), <abbr>S.</abbr> 505–506.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2258"><lem>garnicht</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2259"><lem>daß</lem><note>verbessert aus: </note><rdg>das</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2261"><lem>Endriss</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2260"><lem>Herr <abbr>Dr.</abbr> Endriss</lem><note>Gemeinter nicht ermittelt. Das Personal-Verzeichnis der königlich württembergischen Eberhard-Karls-Universität Tübingen verzeichnet unter den Studierenden vom Wintersemester 1909/1910 bis zum Wintersemester 1911/1912 sowie für das Sommersemester 1913 Karl Endreß, Immatrikuliert für Medizin, Näheres nicht ermittelt; ab dem Wintersemester 1916/1917 werden die Namen der Studierenden nicht mehr verzeichnet; womöglich ist <name>Karl Ferdinand Endriß</name> (1894–1941), Philosoph <abbr>u.</abbr> Pädagoge, gemeint, für den jedoch kein Studium in Tübingen ermittelt ist, <abbr>vgl.</abbr> Reiff, W.: Karl Emil Endriß. In: Lebensbilder aus Schwaben und Franken. <abbr>Bd.</abbr> 11, <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Max Miller <abbr>u.</abbr> Robert Uhland. Stuttgart: Kohlhammer 1969, <abbr>S.</abbr> 392–408, hier <abbr>S.</abbr> 404, sowie <ref type="link">https://d-nb.info/gnd/116495871</ref> (14.5.2024).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2262"><lem>[der … hatte]</lem><note> eckige Klammern wie in der Vorlage, keine Ergänzung des Editors</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2263"><lem>indem</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>