<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001325-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Nicolai Hartmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">o. O. [Bad Kreuznach]</placeName>, <date>31.7.1917</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XII, 2 h, Nr. 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1325" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001325-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118546317">Nicolai Hartmann</persName><placeName>o. O. [Bad Kreuznach]</placeName><date when="1917-07-31">31.7.1917</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name>Alexandra (Assy/Assj) Stephanitz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/130081426">Arnold Ruesch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11854800X">Heinz Heimsoeth</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118546317">Nicolai Hartmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118587943">Friedrich Nietzsche</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XII, 2 h, Nr. 1</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Nicolai Hartmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">o. O. [Bad Kreuznach]</placeName>, <date>31.7.1917</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XII, 2 h, Nr. 1</bibl></head></front><body><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2219"/>Gr<add>[oßes]</add> Haupt. Quart<add>[ier]</add><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2219"/> 31.7.17.</dateline><dateline>Fu<add>[nker]</add> Abt<add>[eilung]</add> der O<add>[bersten]</add> H<add>[eeres]</add> L<add>[eitung]</add></dateline><salute>Sehr geehrter Herr Geheimrat!</salute><p>Im letzten Jahre, das ich ausschließlich in den Schützengräben der Ostfront zugebracht habe, bin ich den wissenschaftlichen Dingen weit entrückt, und damit auch der Kantgesellschaft ferner gerückt, als ich jemals für möglich gehalten hätte. Es ist mir daher von umso größerer Genugthuung, die Erfahrung zu machen, daß die Kantgesellschaft mich nicht vergessen hat. Und darum danke ich Ihnen – abgesehen von allem sonstigen freundlichen Entgegenkommen aufs herzlichste für Ihre Zeilen und die überaus liebenswürdige <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2220"/>Zusendung Ihres <name>Nietzsche</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2220"/><name/> – eines Buches, das mir schon bei seinem ersten Erscheinen ein vertrauter Freund geworden war und es nun doppelt werden soll. <pb/></p><p>Was nun Ihr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2221"/>Anerbieten einer Unterstützung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2221"/> aus dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2222"/>Fonds<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2222"/> der K<add>[ant]</add> G<add>[esellschaft]</add> anlangt, so kann ich allerdings nicht leugnen, daß mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2223"/>ein solcher sehr willkommen wäre<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2223"/>, da ich ja nun schon seit Jahren andauernd meiner Hörergelder beraubt bin und zur Erhaltung meiner Familie (m<add>[it]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2224"/>Frau <abbr>u.</abbr> eines Kindes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2224"/>) nichts als eine Jahresremuneration vom Kultusministerium in Höhe von 1500 <abbr>M.</abbr> habe. Daß ich unter solchen Umständen nicht anders kann, als Schulden auf Schulden zu häufen, ist selbstverständlich. Ich brauche Ihnen nichts weiter zu sagen. Daß ich für einige Zeit ins große Hauptquartier kommandiert bin, ändert an dieser Sachlage nichts: hat sie eher verschlechtert, insofern ich hier weit weniger als im Felde die Aussicht auf Wahl zum Offizier habe. <pb/></p><p>Sollte ich jetzt längere Zeit beim Gr<add>[oßen]</add> H<add>[aupt]</add> Qu<add>[artier]</add> bleiben, so hoffe ich allmählich wieder in Fühlung mit allen meinen früheren wissenschaftlichen Freunden zu kommen. Ich werde die Kantgesellschaft dabei gewiß nicht vernachlässigen. Meinen besten Dank nochmals für Ihre große Freundlichkeit</p><p>In vorzüglicher Hochachtung ergeben</p><signed>N. Hartmann</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2219"><lem>Gr<add>[oßes]</add> Haupt. Quart<add>[ier]</add></lem><note>zur Zeit der Abfassung des Schreibens mit Sitz in Bad Kreuznach (Markus Pöhlmann: General Headquarters (Germany), in: 1914–1918-online. International Encyclopedia of the First World War, ed. by Ute Daniel, Peter Gatrell, Oliver Janz, Heather Jones, Jennifer Keene, Alan Kramer, and Bill Nasson, issued by Freie Universität Berlin, Berlin 2014-10-08. DOI: 10.15463/ie1418.10467 = <ref type="link">https://encyclopedia.1914-1918-online.net/article/general_headquarters_germany</ref> (20.9.2024)). <name>Nicolai Hartmann</name> war 1914–1918 als Dolmetscher, Briefzensor und Nachrichtenoffizier tätig (<ref type="link">https://www.lagis-hessen.de/pnd/118546317</ref> (20.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2220"><lem>Zusendung Ihres <name>Nietzsche</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Nietzsche als Philosoph. 4., vom <abbr>Verf.</abbr> neu durchgesehene <abbr>Aufl.</abbr>, Feldausgabe, erstes bis zehntes Tausend. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1916 (zuerst 1902).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2221"><lem>Anerbieten einer Unterstützung</lem><note>Schreiben Vaihingers nicht ermittelt; vermutlich aus der <name>Ruesch</name>-Stiftung für notleidende Philosophen bei der Kantgesellschaft, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Gottfried Meyer vom 17.12.1915 (Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2222"><lem>Fonds</lem><rdg>Fond</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-2223"><lem>ein solcher sehr willkommen wäre</lem><note><name>Nicolai Hartmann</name> war in Marburg in eine prekäre Lage geraten. Die Verlängerung des Privatdozentenstipendiums und die Verleihung des Professorentitels standen unter dem Schatten einer Rufmordkampagne, die dem Ehepaar Hartmann „Russenfreundlichkeit“ unterstellte (<abbr>vgl.</abbr> Ulrich Sieg: Aufstieg und Niedergang des Marburger Neukantianismus. Die Geschichte einer philosophischen Schulgemeinschaft. Würzburg: Königshausen &amp; Neumann 1994, <abbr>S.</abbr> 388–389). Im Briefwechsel mit dem Freund <name>Heinz Heimsoeth</name> haben sich diese Widrigkeiten kaum niedergeschlagen, <abbr>vgl.</abbr> Hartmann an Heimsoeth vom 27.10.1917: </note><rdg>Die Präliminarien zur Extraordinarienwahl in der Fakultät scheinen wieder viel Stunk ergeben zu haben. Natorp berichtet sachlich und „abgeklärt“, als wollte er mir gewisse Schärfen vorenthalten. Er hat das Seinige zweifellos gethan. Fragt sich nur, ob er damit nicht mehr verbaut als fördert</rdg><note>; sowie an denselben vom 3.11.1917 (Frida Hartmann/Renate Heimsoeth (<abbr>Hg.</abbr>): Nicolai Hartmann und Heinz Heimsoeth im Briefwechsel. Bonn Bouvier 1978, <abbr>S.</abbr> 275–277).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2224"><lem>Frau <abbr>u.</abbr> eines Kindes</lem><note><name>Alexandra (Assy/Assj) Stephanitz</name> (die Ehe bestand 1911–1925), mit einer Tochter (<abbr>NDB</abbr>).</note></app></listApp></back></text></TEI>