<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001323-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Heinrich Rickert</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>9.7.1917</date>, <note>4 S., Ts. mit eU, vereinzelte hs. Korrekturen mit schwarzer Tinte</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 18</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1323" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001323-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1917-07-09">9.7.1917</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118519522">Ernst Cassirer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116937475">Ernst Hoffmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116557648">Leonore Ripke-Kühn</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117114464">Richard Wahle</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 18</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Heinrich Rickert</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>9.7.1917</date><anchor type="delimiter"/>, <note>4 S., Ts. mit eU, vereinzelte hs. Korrekturen mit schwarzer Tinte</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 3 l, Nr. 18</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, den 9. Juli 1917.</dateline><dateline>Scheffelstraße No. 4.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr College!</salute><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2181"/>Ich danke Ihnen bestens für Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2182"/>Briefe vom 26. und 27. Juni<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2182"/> und für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2183"/>Beilagen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2183"/>, die ich zurück schicke.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2181"/></p><p>Zunächst ein Nebenpunkt. Ihre Mitteilung, daß <name>Bauch</name> 1912 mich nicht in den Redaktionsausschuß der Kant-Studien aufnehmen wollte, war mir nur in einer Hinsicht von Wichtigkeit, nämlich wegen der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2184"/>Angabe,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2184"/> <name>Bauch</name> habe als Student eine unveränderte Annahme seiner Dissertation bei mir erst dadurch erreicht, daß er mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2185"/><hi rend="underline">drohte</hi>,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2185"/> er würde sonst an einer anderen Universität <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2186"/>promovieren!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2186"/> Daran ist selbstverständlich kein wahres Wort, und Jeder, der mich kennt, weiß das. Ich mußte <name>Bauch</name> hiervon Mitteilung machen, da Sie dies auch einem Dritten erzählt haben. <name>Bauch</name> bestreitet nun auf das Entschiedenste, je von einer „Drohung“ gesprochen zu haben, und erkennt die Richtigkeit Ihrer Darstellung auch in andern Punkten nicht an. Doch hat das für mich weiter keine Bedeutung. Ich wollte Sie nur bitten, jedem, dem Sie von dieser Sache erzählt haben, zu sagen, daß auch nach <name>Bauch</name>s Erklärung von einer Drohung nie die Rede war.</p><p>Im Uebrigen kann ich <name>Bauch</name> nur zustimmen, wenn er schreibt, meine Aufnahme in den Redaktionsausschuß sei ihm bedenklich gewesen, da schon <name>Windelband</name>s Name auf dem Titelblatt stand, und der Anschein eines Ueberwiegens der „südwestdeutschen Richtung“ zu vermeiden war. Auch ich hätte, abgesehen von andern Gründen, Ihren Vorschlag deswegen nicht angenommen. Ich lege überhaupt keinen Wert darauf, auf dem Titel einer Zeitschrift zu stehen, an der ich nicht wirklich dauernd mitarbeite. Schon vor einigen Jahren mußte ich die Ab<pb/>sicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2187"/>einer anderen Zeitschrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2187"/>, meinen Namen auf ihr Titelblatt zu setzen, dankend ablehnen, und ich bitte aus demselben Grunde auch Sie, es mir nicht übel zu nehmen, wenn ich nicht drauf eingehen kann, in Ihren Redaktionsausschuß einzutreten. Es fehlt mir an Zeit, mich um die Redaktion der Kant-Studien zu kümmern, und eine bloße Namensnennung auf dem Titelblatt, wie sie vielfach üblich ist, hat nicht meine Sympathie.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2188"/>Was die Angelegenheit <name>Bauch</name>s betrifft, so will ich mein definitives Urteil so lange zurückhalten, bis Ihre in Aussicht gestellte ausführliche Darstellung vorliegt. Vorläufig haben Ihre Briefe, offen gestanden, meine Meinung nicht wesentlich ändern können, ja nur bestätigt, daß <name>Bauch</name>s Erklärung im Panther in dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2189"/>mir<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2189"/> wesentlichen Punkte zutreffend ist.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2188"/> Nach Ihrem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2190"/>Brief an <name>Bauch</name> vom 6. November 1916<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2190"/> blieb <name>Bauch</name> in der Tat nichts anderes übrig, als zurückzutreten, denn er konnte sich weder „aus Gesundheitsrücksichten“ beurlauben lassen noch eine „Ehrenerklärung“ für <name>Cohen</name> abgeben. Diesen erzwungenen Rücktritt <name>Bauch</name>s aber halte ich nach wie vor für sehr bedauerlich und sachlich nicht notwendig. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2191"/>Es liegt mir fern, zu bestreiten, daß <name>Bauch</name> Fehler gemacht hat. Seine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2192"/>Rezension über <name>Wahle</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2192"/>, die ich bisher nicht kannte, mißfällt mir entschieden, und auch seinen Pantherbrief finde ich wenig glücklich.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2191"/> Aber beides war doch nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2193"/><hi rend="underline">so</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2193"/> schlimm, daß er deswegen zurücktreten mußte. Sie legen besonderen Wert darauf, daß <name>Bauch</name> die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2194"/><hi rend="underline">allgemeine These</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2194"/> aufgestellt habe, alle Juden seien durch Ihre Abstammung verhindert, <name>Kant</name> zu verstehen. Ich gebe zu, daß <name>Bauch</name>s Brief vieldeutig ist. Man kann einige Worte so interpretieren, daß diese These sich daraus als Consequenz ergibt. Der allgemeine Satz selbst steht aber nicht ausdrücklich in <name>Bauch</name>s Panther-Brief. Ja man kann geradezu sagen, <name>Bauch</name> wende sich darin <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2195"/><hi rend="underline">gegen</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2195"/> Frau <name>Ripke</name>, welche diese These vertritt. Jedenfalls hat <name>Bauch</name> das, was ihn unmöglich gemacht haben soll, nicht sagen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2196"/><hi rend="underline">wollen</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2196"/>. Er ist <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2197"/>kein „Antisemit“, und es wäre alles gut zu machen gewesen, wenn <name>Bauch</name>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2198"/>ohne <name>Cohen</name> zu nennen, kurz erklärt hätte, es läge ein Mißverständnis vor, und er sei von der Aufstellung eines allgemeinen Satzes weit entfernt.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2198"/> Dann hätte er Redakteur der Kant-Studien bleiben können, und kein verständiger Jude wäre nach einer solchen Erklärung verhindert gewesen, an der Zeitschrift mitzuarbeiten.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2197"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2199"/>Vereinzelte Uebereilungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2199"/> waren kein genügender sachlicher Grund, <name>Bauch</name> aus einer Stellung zu entfernen, in der er sich durch eine lange Reihe von Jahren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2200"/>bewährt hatte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2200"/>. Das ist der für mich entscheidende Punkt.</p><p>Sie werden vielleicht sagen, dies <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2201"/>sei ein<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2201"/> billiger „Treppenwitz“, und ich will gerne zugeben, daß auch ich eventuell nicht gleich den richtigen Weg gefunden hätte. Aber das ändert nichts daran, daß <name>Bauch</name> sachlich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2202"/>Unrecht geschehen ist.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2202"/> Sein Pantherbrief brauchte ihn nicht „unmöglich“ zu machen und hätte das wohl auch ohne den Austritt von <name>Cohen</name> und <name>Cassirer</name> aus der Kantgesellschaft <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2203"/>nicht getan.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2203"/> In dieser Austrittserklärung vermag ich nur das Zeichen einer übertriebenen Empfindlichkeit zu sehen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2204"/><name>Bauch</name> mag mit seinem Pantherbrief noch so sehr sachlich im Unrecht sein, so war er doch persönlich nicht beleidigend, und es lag kein Grund vor, die Angelegenheit so auf die Spitze zu treiben.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2204"/> Entschuldigen Sie, wenn ich rückhaltlos meine Meinung sage. Ihre Briefe und die Beilagen, für die ich sehr dankbar bin, hatten doch den Zweck, mich zu überzeugen. Ich fühle mich daher verpflichtet, Ihnen zu sagen, wie ich die Sache ansehe.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2205"/>Um jedem Mißverständnis vorzubeugen, möchte ich noch einmal hervorheben, daß ich <name>Bauch</name>s Pantherbrief in keiner Weise billige. Das habe ich ihm selbst mit Nachdruck gesagt. Es handelt sich für mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2206"/><hi rend="underline">allein</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2206"/> darum, ob es gerechtfertigt war,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2205"/> <name>Bauch</name> nur noch die drei Möglichkeiten zu lassen, die Sie ihm vorgeschlagen haben, und ihn damit zum Rücktritt zu zwingen. Ich bedaure das umsomehr, als es jetzt fast unmöglich geworden ist, <name>Bauch</name>s Ausführungen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2207"/><hi rend="underline">sachlich</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2207"/> zu bekämpfen. <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2208"/>Grade das hätte aber geschehen sollen, und es wäre leicht gewesen, zu zeigen, einen wie unhaltbaren, ja in sich widerspruchsvollen Standpunkt <name>Bauch</name>s Pantherbrief vertritt.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2208"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2209"/>Eine solche sachliche Diskussion hätte auch während des Krieges geführt werden können.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2209"/> Jetzt aber, da <name>Bauch</name> aus einer Stellung entfernt worden ist, in der er sich durch lange Jahre hindurch unbezweifelbare Verdienste erworben hat, fehlt mir jede Lust, ihn sachlich zu bekämpfen, und ich denke, Andern wird es ebenso gehen.</p><p>Ich will, wie gesagt, Ihre Darstellung abwarten, aber vorläufig muß der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2210"/>Schein entstehen, daß <name>Bauch</name> einer übertriebenen Empfindlichkeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2210"/> von jüdischer Seite, wie sie leider öfter zu Tage tritt, zum Opfer gefallen ist. Das hätte, besonders während des Krieges und grade im Interesse der Juden sorgfältig vermieden werden sollen. Das hat mir und manchem Andern die Freude an den Kant-Studien und an der Kant-Gesellschaft gründlich verleidet.</p><p>Selbstverständlich ist das, was ich Ihnen sage, nur für Sie privatim bestimmt, und ich bitte Sie, keinen weiteren Gebrauch davon zu machen. Nicht deswegen, weil ich mich scheue, das auch öffentlich zu sagen, sondern weil die Zeit zum Austrag solcher Meinungsverschiedenheiten in der Oeffentlichkeit nicht geeignet ist. Wenn wir wieder Frieden haben, werde ich mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2211"/><hi rend="underline">eventuell</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2211"/> auch öffentlich äußern. Grade weil Niemand bei mir antisemitische Gesinnungen vermuten kann, fühle ich die Pflicht, für <name>Bauch</name> einzutreten. Vorläufig möchte ich schweigen, und ich darf das um so eher, als der Rücktritt <name>Bauch</name>s sich auf keinen Fall wieder ungeschehen machen läßt, mein Schweigen also an der Sache nichts ändert.</p><p>Mit kollegialem Gruß Ihr ergebener</p><signed>Rickert.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-2182"><lem>Briefe vom 26. und 27. Juni</lem><note>nicht überliefert; im Zusammenhang der Affäre um <name>Bruno Bauch</name> 1916/1917.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2183"><lem>Beilagen</lem><note>die Dokumente, die <name>Rickert</name> vorgelegen haben, könnten <abbr>u. a.</abbr> Manuskript- <abbr>bzw.</abbr> Typoskriptfassungen des Gegenartikels von <name>Cassirer</name> gewesen sein (<abbr>vgl.</abbr> Kommentar zu Cassirer an Vaihinger vom 8.4.1917). Aus zeitgleichen Briefwechseln weiterer Beteiligter ist ungefähr ersichtlich, welche Dokumente außerdem im Umlauf waren, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Gottfried Meyer vom 17.11.1916, <name>Ernst Hoffmann</name> an <name>Ernst Cassirer</name> vom 20.8.1916 (in: Ernst Cassirer Nachgelassene Manuskripte und Texte <abbr>Bd.</abbr> 18 (ECN 18). Ausgewählter wissenschaftlicher Briefwechsel. Hamburg: Meiner 2009, <abbr>S.</abbr> 22–23), <name>Cassirer</name> an <name>Paul Natorp</name> vom 26.11.1916 und vom 1.1.1917 (ECN 18, <abbr>S.</abbr> 29–31) sowie <name>Cassirer</name> an <name>Rudolf Eucken</name> vom 25.11.1916 (<ref type="link">https://agora.sub.uni-hamburg.de/subcass/digbib/view?did=c1:7143&amp;sdid=c1:7144</ref> (20.9.2024)): </note><rdg>Es ist jedoch heut noch ein anderer Anlass, der mich berechtigt und aufmuntert, mich unmittelbar an Sie zu wenden. Von Herrn Geheimrat Vaihinger erhalte ich soeben den Brief, den Sie an ihn gerichtet [</rdg><note><abbr>vgl.</abbr> Eucken an Vaihinger vom 20.11.1916</note><rdg>] und in welchem Sie ihm den Vorschlag machen, eine Verständigung zwischen Professor Bauch und mir herbeizuführen. Ich möchte Ihnen hierauf sogleich selbst erwidern […]. Auch wäre ich, wenn es möglich wäre, eine Verständigung zwischen Bauch und mir herbeizuführen, dieser gewiss nicht abgeneigt; | wie aber diese Möglichkeit bestehen soll, wenn Bauch – wie er gleichzeitig in einer Postkarte an Geheimrat Vaihinger schreibt – „entschieden auf dem Standpunkt seiner Sache bleibt“ [</rdg><note>nicht überliefert</note><rdg>], ist mir völlig unerfindlich. Denn lediglich um diesen „Standpunkt seiner Sache“ hat es sich mir in der Abwehr seines Panther-Aufsatzes gehandelt. Ich kann, wenn ich nicht allzu ausführlich werden will, hier die ganze Vorgeschichte meines Streitfalls mit Bauch nicht entwickeln, da mir jedoch andererseits unbedingt daran gelegen sein muss, von Ihnen, sehr geehrter Herr Geheimrat, in meinen Motiven nicht verkannt zu werden, so sehe ich keinen anderen Ausweg, als Ihnen das Manuskript des Aufsatzes einzusenden, den ich gegen Bauch gerichtet habe. Hier habe ich all das ausgesprochen, | was mich nach meiner Auffassung der Sache zum eingreifen zwang. Sie werden hieraus zugleich entnehmen, daß es sich mir keineswegs um die Abwehr eines Angriffs handelte, den ich persönlich gegen mich gerichtet glaubte […] sondern einzig und allein um die Abweisung einer Verquickung wissenschaftlicher und geistiger Fragen mit Rassenfragen, die ich an sich selbst für gefährlich und irreführend ansehe. […] hier handelte es sich nicht um die Erregung über einen Vorwurf, | den ich irgend auf meine eigene Person bezog, sondern über den Versuch, mir den Grund und Boden zu bestreiten, auf dem ich im geistigen Sinne stehe und von dem ich mich nicht abdrängen lasse. In dieser Frage giebt es somit für mich kein Paktieren. In dem Augenblick, in dem Bauch seine Stellungnahme ändern und dies öffentlich erklären würde, entfiele für mich jeder Grund, ihm entgegenzutreten; solange er dies indes nicht thut und so lange er sogar den Streitpunkt so verkennt, daß er glaubt, es handle sich hier um einen Austrag persönlicher Gegensätze, sehe ich keine Brücke und keine mögliche Gemeinschaft zwischen seiner und meiner Anschauung. | […] Ich wäre Ihnen zu grossem Danke verbunden, wenn Sie diesen Brief auch Herrn Geheimrat Vaihinger mitteilen würden, dem ich heute nur kurz schreibe [</rdg><note>Schreiben nicht überliefert</note><rdg>], um ihm zu sagen, daß ich mich unmittelbar mit Ihnen in Verbindung gesetzt habe. Noch | muss ich mit einem Worte den schlechten Zustand des Manuskripts, das ich Ihnen einsende, entschuldigen: er ist dadurch verschuldet, daß ich mich, nachdem es fertiggestellt war, auf Anraten von Dr. Liebert noch zu wesentlichen Änderungen in Form und Ausdruck entschlossen habe.</rdg><note> – Cassirer an Natorp vom 26.11.1916 (ECN 18, <abbr>S.</abbr> 29): </note><rdg>Im Übrigen hat Eucken in einem Brief, den er an Vaihinger gerichtet und den dieser mir übersandt hat, gestern den Vorschlag gemacht, zwischen Bauch und mir eine „Verständigung“ anzubahnen: jede Seite solle einen Vertreter stellen u. zwischen beiden solle zunächst eine persönliche Aussprache in Halle stattfinden. Gleichzeitig teilte mir Vaihinger den Text eines Briefes von Bauch mit, in dem dieser dem Eucken’schen Vorschlag zustimmt, aber erklärt, daß er „entschieden auf dem Standpunkt seiner Sache“ bleibe. Ich musste darauf erwidern, daß für mich, der ich es keineswegs mit der Person Bauchs, sondern nur mit den sachlichen Ansichten, die er geäussert, zu thun habe, jede Verständigung davon abhängig ist, ob er bei diesen Äusserungen beharrt. Thut er dies nicht mehr, so entfällt für mich jeder Grund zur Beschwerde; thut er es, so können mir irgendwelche persönliche Erklärungen, die er etwa zu Cohens oder meinen Gunsten abzugeben denkt, nicht das Geringste an meiner Auffassung von seinem Vorgehen ändern. Ich habe dies an Eucken geschrieben und hoffe auch hierin auf Ihre Zustimmung.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2181"><lem>Ich … schicke.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2184"><lem>Angabe,</lem><note>Komma <abbr>hs.</abbr> ergänzt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2185"><lem><hi rend="underline">drohte</hi>,</lem><note>Unterstreichung und Komma von <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="philological" corresp="#ED-2186"><lem>promovieren!</lem><note>Ausrufezeichen <abbr>hs.</abbr> ergänzt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2187"><lem>einer anderen Zeitschrift</lem><note>nicht ermittelt; <name>Rickert</name>s Name findet seit 1910 sich auf dem Titelblatt der Zeitschrift LOGOS.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2189"><lem>mir</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift doppelt unterstrichen, am linken Rand: </note><rdg>!!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2188"><lem>Was … ist.</lem><note> am linken Rand mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2190"><lem>Brief an <name>Bauch</name> vom 6. November 1916</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Beilage zu Vaihinger an Gottfried Meyer vom 17.11.1916.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2192"><lem>Rezension über <name>Wahle</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Verriss: Bruno Bauch: Wahle, Richard, o. ö. Professor an der Universität Czernowitz. Die Tragikomödie der Weisheit. Die Ergebnisse und die Geschichte des Philosophierens. Ein Lesebuch. Wien und Leipzig 1915. Verlag von Wilh. Braumüller. (VII. u. 415 S.). In: Kant-Studien 21 ([1916]/1917), <abbr>S.</abbr> 334–335.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2191"><lem>Es … glücklich.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2193"><lem><hi rend="underline">so</hi></lem><note>Unterstreichung von <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="philological" corresp="#ED-2194"><lem><hi rend="underline">allgemeine These</hi></lem><note>Unterstreichung von <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="philological" corresp="#ED-2195"><lem><hi rend="underline">gegen</hi></lem><note>Unterstreichung von <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="philological" corresp="#ED-2196"><lem><hi rend="underline">wollen</hi></lem><note>Unterstreichung von <abbr>Hd.</abbr>; am linken <abbr>Rd.</abbr> von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift: </note><rdg>!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2198"><lem>ohne … entfernt.</lem><note> von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen, am linken Rand: </note><rdg>!!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2197"><lem>kein … mitzuarbeiten.</lem><note> am linken Rand mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2199"><lem>Vereinzelte Uebereilungen</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2200"><lem>bewährt hatte</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2201"><lem>sei ein</lem><note><abbr>hs.</abbr> korrigiert aus </note><rdg>sein rin</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2202"><lem>Unrecht geschehen ist.</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen, am linken <abbr>Rd.</abbr>: </note><rdg>!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2203"><lem>nicht getan.</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift unterstrichen, am linken <abbr>Rd.</abbr>: </note><rdg>!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2204"><lem>Bauch … treiben.</lem><note> am linken Rand mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2206"><lem><hi rend="underline">allein</hi></lem><note>von <abbr>Hd.</abbr> unterstrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2205"><lem>Um … war,</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2207"><lem><hi rend="underline">sachlich</hi></lem><note>Unterstreichung von <abbr>Hd.</abbr>, am linken <abbr>Rd.</abbr> von anderer <abbr>Hd.</abbr> mit Bleistift: </note><rdg>?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2208"><lem>Grade … vertritt.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2209"><lem>Eine … können.</lem><note> am linken <abbr>Rd.</abbr> mit Bleistift: </note><rdg>?</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2210"><lem>Schein entstehen … übertriebenen Empfindlichkeit</lem><note> jeweils mit Bleistift unterstrichen, am linken <abbr>Rd.</abbr>: </note><rdg>!</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2211"><lem><hi rend="underline">eventuell</hi></lem><note>von <abbr>Hd.</abbr> unterstrichen (mit Bleistift), unsicher, ob von <name>Rickert</name> oder von anderer <abbr>Hd.</abbr></note></app></listApp></back></text></TEI>