<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001304-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Karl Gjellerup</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Klotzsche</placeName>, <date>12.2./13.2.1917</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 e, Nr. 3</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1304" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001304-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116618868">Karl Gjellerup</persName><placeName>Klotzsche</placeName><date from="1917-02-12" to="1917-02-13">12.2./13.2.1917</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118588370">Alfred Nobel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118671707">Paul Deussen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118792865">Henrik Pontoppidan</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118774646">Harald Höffding</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116618868">Karl Gjellerup</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119191245">Vitalis Norström</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 e, Nr. 3</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Karl Gjellerup</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Klotzsche</placeName>, <date>12.2./13.2.1917</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 e, Nr. 3</bibl></head></front><body><dateline>Klotzsche Gartenstr. 28. 12 Febr<add>[uar]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2048"/>1917<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2048"/>.</dateline><p>Hochverehrter Herr Professor! Herzlichen Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2049"/>Ihren Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2049"/> und für Ihren freundlichen Vorschlag, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2050"/>meinen Aufsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2050"/> in der neuen philosophischen Zeitschrift anzubringen. Natürlich wäre das mir ebenso lieb wie das Erscheinen in den Kant-Studien. Dem Verleger, dem ja auch diese Unterstützung seines Unternehmens zu gönnen ist, wahrscheinlich doch lieber, da ein ausführlicher Aufsatz über diesen Band gerade in einer <hi rend="underline">neuen</hi> allgemeinen philosophischen Zeitschrift wohl für seine Zwecke <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2051"/>das aller Günstigste<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2051"/> ist.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2052"/>Der 12<hi rend="superscript"><hi rend="underline">te</hi></hi> Band<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2052"/> dürfte allerdings, nach dem was <name>Deussen</name> mir sagte, lange auf sich warten lassen. Dieser 11<hi rend="superscript"><hi rend="underline">te</hi></hi> war eben fertig gedruckt, als der Krieg ausbrach. Die Bearbeiter der anderen Bände wären jetzt im Felde.</p><p>Welche Ehrung Sie, wie Sie schreiben, für mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2053"/>schon im Herbst im Sinne hatten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2053"/>, und wenn auch vergeblich, angeregt haben, kann ich nicht errathen, bin Ihnen aber für solche höchst freundliche Absicht <pb/> von Herzen dankbar – und meine Frau nicht weniger. Sie schreiben, daß Sie mir davon mündlich erzählen werden. Das stellt, scheint uns, in Aussicht, daß Sie im Sinne haben, in nicht unabsehbar ferner Zeit wieder nach Dresden zu kommen, was im hohen Grade erfreulich wäre. Dann würde ich auch über Ihr Werk, das mich fortwährend beschäftigt, mit Ihnen sprechen, anstatt <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2054"/>Ihnen darüber zu<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2054"/> schreiben, können, was ein grosser Vortheil für mich wäre. Vielleicht hat Ihr Aufenthalt Ihnen Lust zur <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2055"/>Wiederholung des Besuches<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2055"/> gegeben.</p><p>Meine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2056"/>Aussichten in der Akademie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2056"/> sind in einer Beziehung nicht gerade schlecht. Denn abgesehen davon, daß ich weiss, daß ich dort einige Stimmen für mich habe (besonders ist einer der hervorragendsten Mitglieder mit Eifer für meine Sache thätig) – abgesehen davon muss die Akademie doch einmal die nicht ganz unbedeutende dänische Literatur berücksichtigen. Dann aber können sie schwerlich einem Anderen als mir den Preis geben – es sei denn, daß sie keinem Dichter sondern <abbr>Prof.</abbr> <name>Höffding</name> den Preis geben. Denn auch er ist von dänischer Seite – von Kollegen in der dän<add>[ischen]</add> Akademie der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2057"/>Wissenschaf<note>|</note>ten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2057"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2058"/>–<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2058"/> für den Preis vorgeschlagen. Dabei käme ein kurioser Fall heraus; denn gerade <hi rend="underline">er</hi> ist es, der an der Spitze der Eingabe für mich steht. Daß er den Preis nicht braucht, da er, ein Wittwer, in einer Palastvilla gratis (als Ehrenwohnung) haust und 20 000 Kronen jährlich hat, wäre freilich für viele dieser Herren nur eine Empfehlung. Auch ist er in Schweden sehr angesehen. Doch glaube ich kaum, daß die philosophische Autorität der Akademie, <abbr>Prof.</abbr> <name>Vitalis Norström</name>, der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2059"/><name>Eucken</name>s Wahl<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2059"/> durchsetzte, sich für ihn besonders begeistern kann. Nun, es wird sich einmal zeigen. Solange der Preis noch nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2060"/>über den Sund<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2060"/> gegangen ist, habe ich keinen Grund die Hoffnung aufzugeben. Eine andere Aussicht auf einen wirklich erklecklichen Erfolg, habe ich nicht, denn was ich schreibe ist zu unpopulär – zumal in Dänemark, von welchem ich mich geistig (wie räumlich) zu sehr entfernt habe.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2061"/>(13)<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2061"/></p><p>Gestern schickte ich Ihnen eine <abbr>Nr.</abbr> v<add>[on]</add> Ill<add>[ustrierte]</add> Zeitung mit einem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2062"/>scherzhaften Artikel<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2062"/>. Eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-2063"/>Besprechung eines Werkes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-2063"/> über den Buddhis<pb/>mus folgt mit gleicher Post.</p><p>Herzlichen Gruss auch von meiner Frau.</p><p>Ihr</p><signed>Karl <hi rend="underline">Gjellerup</hi></signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-2048"><lem>1917 … Verleger, dem</lem><note> quer über die Zeilen mit Blaustift Erledigungszeichen, ähnlich einem </note><rdg>f</rdg><note> (oder </note><rdg>E</rdg><note>)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2049"><lem>Ihren Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2050"><lem>meinen Aufsatz</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Gjellerup: Zur Entwicklungsgeschichte der Schopenhauerschen Philosophie. Eine Studie über den elften Band der neuen Gesamtausgabe der Werke Schopenhauers („Genesis des Systems“). In: Annalen der Philosophie. Mit besonderer Rücksicht auf die Probleme der Als Ob-Betrachtung 1 (1919), <abbr>S.</abbr> 495–517.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2051"><lem>das aller Günstigste</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2052"><lem>Der 12<hi rend="superscript"><hi rend="underline">te</hi></hi> Band</lem><note>der Schopenhauer-Ausgabe, <abbr>hg.</abbr> von Paul Deussen. Von dieser Ausgabe sind von 16 geplanten Bänden lediglich 13 erschienen. Nicht erschienen sind <abbr>Bd.</abbr> 7, 8 <abbr>u.</abbr> 12.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2053"><lem>schon im Herbst im Sinne hatten</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Gottfried Meyer vom 21.5.1917 (Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2054"><lem>Ihnen darüber zu</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2055"><lem>Wiederholung des Besuches</lem><note>früheres Zusammentreffen für 1916 in Dresden ermittelt, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Gottfried Meyer vom 21.5.1917 (Abschnitt Dokumente zu Leben und Werk). Ein weiterer Besuch Vaihingers könnte vor 31.12.1918 stattgefunden haben, <abbr>vgl.</abbr> Gjellerup an Vaihinger vom 11.3.1919.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2056"><lem>Aussichten in der Akademie</lem><note>gemeint ist die Svenska Akademien, Vergabeinstitution des <name>Nobel</name>preises für Literatur. 1917 wurde dieser Preis zu gleichen Teilen vergeben an <name>Karl Gjellerup</name> und <name>Henrik Pontoppidan</name> (<ref type="link">https://www.nobelprize.org/prizes/literature/1917/summary/</ref>; 10.3.2023).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2057"><lem>Wissenschaf<note>|</note>ten</lem><note>Wortteil am Seitenwechsel wiederholt: </note><rdg>Wissenschaf|schaften</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-2058"><lem>–</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2059"><lem><name>Eucken</name>s Wahl</lem><note>zum <name>Nobel</name>preisträger für Literatur 1908</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2060"><lem>über den Sund</lem><note>meint den Öresund, Meeresstraße zwischen Dänemark und Schweden</note></app><app type="philological" corresp="#ED-2061"><lem>(13)</lem><note>als Datierung zu lesen: 13.2.1917</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2062"><lem>scherzhaften Artikel</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-2063"><lem>Besprechung eines Werkes</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Gjellerup an Vaihinger vom 14.10.1916</note></app></listApp></back></text></TEI>