<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001288-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Rudolf Eucken</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>30.11.1916</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 15</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1288" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001288-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</persName><placeName>Jena</placeName><date when="1916-11-30">30.11.1916</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118519522">Ernst Cassirer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521691">Johann Amos Comenius</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 15</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Rudolf Eucken</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>30.11.1916</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 7 p, Nr. 15</bibl></head></front><body><dateline>Jena 30/11 16</dateline><salute>Verehrter und lieber Herr Kollege!</salute><p>Erst heute komme ich dazu Ihnen für Ihren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1960"/>freundlichen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1960"/> zu danken und Ihnen auszusprechen, daß auch ich mich jetzt von der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1961"/>Aussichtslosigkeit eines Verständigungsversuchs<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1961"/> überzeugt habe. Ich machte den Vorschlag, weil ich die Sachlage noch für minder gespannt ansah und im besonderen auch den Pantherartikel nicht kannte; erst Ihre freundliche Mitteilung gibt mir Kenntnis davon. Der Vortrag über die Nation hatte hier in Jena, auch bei unseren jüdischen Kollegen, keinerlei Beden<pb/>ken erregt, und ich habe in mehreren Blättern verschiedener Richtung, auch den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1962"/><name>Comenius</name>blättern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1962"/>, durchaus anerkennende Besprechungen gelesen, ich hielt den Gegensatz für minder schroff als er sich jetzt herausstellt. Was die Sache anbelangt, so stehe ich selbst in entschiedener Ablehnung eines Antisemitismus, aber ich halte das Problem des Verhältnisses von Judentum und Deutschtum und weiter von Nation und geistigem Schaffen für ein sehr schwieriges, und ich kann mir daher sehr wohl denken, daß andere Männer sich hier anders stellen, und ich halte es nicht <pb/> für richtig, ihnen eine solche Abweichung ohne weiteres ins Moralische zu schieben. Innerhalb des Judentums bestehen ja auch bei diesem Punkte große Differenzen, wie schon die Tatsache des Zionismus zeigt. Aber, wie gesagt, bei diesem Punkte ist die Differenz zu groß geworden, als daß ein friedlicher Austrag möglich wäre. So müssen die Dinge ihren Lauf nehmen, und wir wollen nur hoffen, daß keine dauernde Verstimmung und Verwicklung daraus hervorgehe. Ihnen selbst aber, lieber Herr Kollege, verbindlichen Dank <pb/> für alle Freundlichkeit, die Sie mir auch bei diesem Anlaß erwiesen; ich bedauere aufs herzlichste all die Aufregungen und Verdrießlichkeiten, die Ihnen aus dieser Sache erwachsen sind. <abbr>Prof.</abbr> <name>Cassirer</name> sandte mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1963"/>einliegenden Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1963"/> und bat mich ihn Ihnen mitzuteilen. Seine offene und vertrauensvolle Aussprache kann ich nur aufrichtig anerkennen.</p><p>Mit besten Wünschen und freundlichen Grüßen treulich Ihr</p><signed>R. Eucken.</signed><postscript><p>Besten Dank auch für den „Panther“, ich sende das Heft gleichzeitig zurück.</p></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1960"><lem>freundlichen Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1961"><lem>Aussichtslosigkeit eines Verständigungsversuchs</lem><note>innerhalb der Kantgesellschaft: zwischen <name>Cohen</name>/<name>Cassirer</name> und <name>Bauch</name>, <abbr>vgl.</abbr> Eucken an Vaihinger vom 20.11.1916.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1962"><lem><name>Comenius</name>blättern</lem><note>Comenius-Blätter für Volkserziehung. Mitteilungen der Comenius-Gesellschaft, erschienen im Verlag Eugen Diederichs, Jena 1895–1908.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1963"><lem>einliegenden Brief</lem><note>liegt nicht bei, <abbr>vgl.</abbr> Kommentar zu Eucken an Vaihinger vom 20.11.1916.</note></app></listApp></back></text></TEI>