<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001282-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gottfried Meyer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>21.11.1916 (2)</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Kantgesellschaft | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 309 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1282" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001282-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1916-11-21">21.11.1916 (2)</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/1104756838">Gottfried Meyer</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118519522">Ernst Cassirer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118693700">Max Frischeisen-Köhler</name><name>Richard Hammer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118607626">Friedrich Schiller</name></note><note type="repository">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 309 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Gottfried Meyer</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>21.11.1916 (2)</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Kantgesellschaft | Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsarchiv Halle-Wittenberg, Rep. 6, Nr. 1863, Bl. 309 (Universitäts-Kuratorium zu Halle a. S. Spezial-Acten betreffend Kantgesellschaft und Kantstiftung. 1904–1916.)</bibl></head></front><body><dateline>Halle, den 21. November 1916.</dateline><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1919"/>Sr.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1919"/> Hochwohlgeboren Herrn Oberregierungsrat <abbr>Dr.</abbr> Meyer Kurator der Universität Halle.</p><salute><abbr>Ew.</abbr> Hochwohlgeboren</salute><p>beehre ich mich anbei ganz ergebenst ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1920"/>Exemplar des „Panther“-Heftes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1920"/> zu übersenden, in welchem Sie auf Seite 741 <abbr>ff.</abbr> den Brief von Herrn Professor <name>Bauch</name> abgedruckt finden, welcher den ersten Anstoss zu dem Ansturm gegen ihn gegeben hat.</p><p>Ich habe das Heft, welches ich schon <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1921"/>vor einem Vierteljahr in den Händen gehabt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1921"/> habe in Friedrichroda, und dass ich dann wieder nach Berlin zurückschicken musste, erst <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1922"/>Sonnabend<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1922"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1923"/>Abend<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1923"/> wieder in die Hände bekommen von Herrn Professor <name>Frischeisen-Köhler</name>. Ich hatte gedacht, das Heft buchhändlerisch besorgen zu können, um es Ihnen schon vor 14 Tagen übergeben zu können, aber das Heft ist vergriffen und nicht mehr zu bekommen.</p><p>Ich möchte Sie bitten, den fraglichen Brief von Herrn Professor <name>Bauch</name> darin zu lesen. Durch das, was er über die Juden sagt, hat er leider das Tischtuch zwischen sich und den Juden zerschnitten und er stellt darin doch schlieslich den Juden <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1924"/>den Stuhl vor die Türe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1924"/> der Wissenschaft, so, dass die Juden sich vom deutschen wissenschaftlichen Leben und von der deutschen Kultur als ausgeschlossen betrachten müssen. Die Publikation dieses Briefes, der im übrigen, wie alles, was Professor <name>Bauch</name> schreibt, sehr gut geschrieben ist, war eben eine Unbesonnenheit: wer als Redakteur der Kantstudien eine exponierte Stellung einnimmt, darf nicht in dieser Weise sprechen und so gilt von Professor <name>Bauch</name> das an und für sich so ehrenvolle Wort <name>Schiller</name>s über Tell: „Wäre ich nicht unbesonnen, hiess ich nicht der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1925"/>Tell.“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1925"/></p><p>Vielleicht haben Sie die Güte, das Pantherheft nach seiner Durchsicht im Bureau von Herrn Rechnungsrat <name>Hammer</name> zu deponieren, wo ich es gelegentlich abholen möchte. Ich werde aber versuchen, einen Abdruck der Blätter für unsere Akten Ihnen noch zu verschaffen. Übrigens habe ich heute erfahren, dass der Panther auch auf der Universitätsbibliothek gehalten wird.</p><p>Sonnabend <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1926"/>Nachmittag<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1926"/> war Herr Professor <name>Bauch</name>, welcher an diesem Tage hier in Halle war, auch ganz <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1927"/>kurze Zeit bei mir<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1927"/>. Er fasste die Sachlage, wie mir schien, ruhig und objektiv auf.</p><p>Mit ihm, sowie vor allem mit Ihnen selbst, teile ich das tiefe Bedauern über den Verlauf der traurigen Sache. <pb/></p><p>Ich darf Ihnen noch die angenehme Mitteilung machen, dass Herr Professor <name>Frischeisen-Köhler</name> die Redaktion der Kantstudien übernehmen will. Damit sind wir über die grösste Schwierigkeit hinweg. Dabei ist vor allem sehr angenehm, dass dieser neue Redakteur nicht Jude ist und auch der Marburger Richtung von <name>Cohen</name> und <name>Cassirer</name> wissenschaftlich nicht blos ferne, sondern diametral gegenüber besteht.</p><p>Herr Professor <name>Frischeisen-Köhler</name> hat noch, <hi rend="underline">ehe ich</hi> ihm die <hi rend="underline">Redaktion antrug</hi>, auf meine Bitte hin mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1928"/>seine Ansicht über die Sachlage entwickelt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1928"/>: daran lag mir besonders viel, da er die Berliner Verhältnisse genau kennt und von den Juden ganz unabhängig ist. Er war der Meinung, dass sowohl der Pantherbrief, als auch der Artikel über den „Begriff der Nation“ in den K. St. nicht blos durchaus unzweckmässige Veröffentlichungen waren, sondern auch, abgesehen von der Zweckmässigkeitsfrage, auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus unhaltbar. Auch von anderen christlich-germanischen Männern ist mir dieselbe Auffassung mitgeteilt worden. Man kann die Judenfrage weder von wissenschaftlichem noch vom politischen Standpunkt aus so leicht abtun, wie das in den beiden Artikeln von Herrn Professor <name>Bauch</name> leider geschehen ist.</p><p>In aufrichtiger Verehrung Ihr ganz ergebenster</p><signed>Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1919"><lem>Sr.</lem><note>aufzulösen: Seiner</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1920"><lem>Exemplar des „Panther“-Heftes</lem><note>der Akte beigeheftet als <abbr>Bl.</abbr> 310 ist: Der Panther. Deutsche Monatsschrift für Politik und Volkstum. Herausgeber Axel Ripke. 4. Jahrgang. Heft 6. Juni 1916. Darin, <abbr>S.</abbr> 741–746: Bauch, Bruno: Nochmals „Ein Briefwechsel“. Mit Verweis auf den bei Reuther &amp; Reichard 1916 auch separat erschienenen Vortrag „Vom Begriff der Nation“.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1921"><lem>vor einem Vierteljahr in den Händen gehabt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Meyer vom 17.11.1916 (Beilagen).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1922"><lem>Sonnabend</lem><note>den 18.11.1916 (der 21.11.1916 war ein Dienstag).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1923"><lem>Abend</lem><rdg>abend</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1924"><lem>den Stuhl vor die Türe</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Natorp an Vaihinger vom 20.11.1916</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1925"><lem>Tell.“</lem><rdg>Tell;"</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1926"><lem>Nachmittag</lem><rdg>nachmittag</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1927"><lem>kurze Zeit bei mir</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Meyer vom 17.11.1916 (Beilagen).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1928"><lem>seine Ansicht über die Sachlage entwickelt</lem><note>etwaiges Schreiben <name>Max Frischeisen-Köhler</name>s nicht überliefert.</note></app></listApp></back></text></TEI>