<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001272-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Kurt Breysig</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>9.11.1916</date>, <note>1 S., Ts mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Univ.-Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, NL Breysig K 12</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1272" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001272-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1916-11-09">9.11.1916</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118674048">Kurt Breysig</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11853419X">Elisabeth Förster-Nietzsche</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118545892">Maximilian Harden</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118587943">Friedrich Nietzsche</name></note><note type="repository">Staatsbibliothek zu Berlin, NL Breysig K 12</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Kurt Breysig</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>9.11.1916</date>, <note>1 S., Ts mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Univ.-Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staatsbibliothek zu Berlin, NL Breysig K 12</bibl></head></front><body><p>Diktat</p><dateline>Halle <abbr>a. S</abbr> Reichardtstr. 15. 9. Nov<add>[ember]</add> 16.</dateline><p>Herrn Professor <abbr>Dr.</abbr> Curt Breysig, Rehbrück bei Potsdam.</p><salute>Hochgeehrter Herr Kollege!</salute><p>Als ich vor 14 Tagen Frau <abbr>Dr.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1834"/><name>Förster</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1834"/><name>-Nietzsche</name> im <name>Nietzsche</name>-Archiv <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1835"/>besuchte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1835"/>, zu dessen Verwaltungsausschussmitgliedern ich gehöre, gab sie mir die Anregung, die neue <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1836"/>Feldausgabe meines <name>Nietzsche</name>-Buches<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1836"/> Ihnen zu übersenden und so folge ich dieser Anregung in der angenehmen Hoffnung, dass Sie diesem kleinen Buche Ihre Aufmerksamkeit zuwenden möchten.</p><p>In der Vorrede wird die geschichtliche Frage gestreift, ob es wahr sei, was unsere Gegner behaupten, dass die Machtphilosophie <name>Nietzsche</name>s der philosophische Ausdruck des deutschen Machtstrebens sei und dass jene Machtphilosophie zur Steigerung der Machtpolitik Deutschlands beigetragen habe. Ich habe diese Frage verneint, entsprechend meiner eigenen Zurückhaltung gegenüber den Fragen der Tagespolitik. Ob ein Kulturhistoriker wie Sie es sind anders urteilt, weiss ich nicht, aber ich könnte es wohl begreifen.</p><p>In früheren Jahren habe ich öfters Ihre interessanten und instruktiven Ausführungen in der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1837"/>„Zukunft“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1837"/> und wohl auch in anderen Organen gelesen und viele Anregung darin gefunden: es ist sehr schade, dass Sie diese zerstreuten Arbeiten nicht in einem Sammelband vereinigt haben. In den letzten Jahren habe ich aber selten mehr Ihren Namen in der Zukunft gefunden.</p><p>Aus jenen früheren Aufsätzen aber habe ich den Eindruck gewonnen, dass Sie die Bedeutung <name>Nietzsche</name>s für unsere Zeit und für alle Zeiten tiefgründig einschätzen und dass der weite Blick, den Sie als Kulturhistoriker haben, Sie mehr als andere dazu instand setzt, die Ideenwelt eines <name>Nietzsche</name> selbständig zu beurteilen.</p><p>Gerne <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1838"/>möchte ich wissen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1838"/>, ob auch die mit <name>Nietzsche</name>s Ideen sich berührenden Gedanken der Philosophie des Als Ob (von der am Schluss meines <name>Nietzsche</name>-Büchleins die Rede ist) in Ihren Gesichtskreis getreten sind. Es läge mir sehr viel daran, dass gerade ein Mann wie Sie sich mit dem Werke beschäftigen möchte, das auch Frau <abbr>Dr.</abbr> <name>Förster-Nietzsche</name> und andere Freunde <name>Nietzsche</name>s entgegenkommend beachtet haben.</p><p>In collegialer Hochachtung Ihr ganz ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1839"/>Vaihinger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1839"/></signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1834"><lem><name>Förster</name></lem><rdg>Foerster</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1835"><lem>besuchte</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Paul Ernst vom 7.11.1916</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1836"><lem>Feldausgabe meines <name>Nietzsche</name>-Buches</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Nietzsche als Philosoph, Feldausgabe 1916.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1837"><lem>„Zukunft“</lem><note>Zeitschrift, <abbr>Hg.</abbr> von <name>Maximilian Harden</name>.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1838"><lem>möchte ich wissen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Breysig an Vaihinger vom 10.6.1917</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1839"><lem>Vaihinger</lem><note>eigenhändig; gegenüber am linken <abbr>Rd.</abbr> Notiz von anderer <abbr>Hd.</abbr> (Breysig) mit schwarzer Tinte, teilweise unleserlich: </note><rdg>An ihn | […] An der Bahre Nietzsches | Eth. u. soziol. Ansch. Nietzsches in […].</rdg></app></listApp></back></text></TEI>