<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001253-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Karl Gjellerup</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Klotzsche</placeName>, <date>20.9./27.9.1916</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 e, Nr. 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1253" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001253-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116618868">Karl Gjellerup</persName><placeName>Klotzsche</placeName><date from="1916-09-20" to="1916-09-27">20.9./27.9.1916</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11661885X">Eugenia Heusinger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118675508">Houston Stewart Chamberlain</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116618868">Karl Gjellerup</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 e, Nr. 1</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Karl Gjellerup</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1721"/><placeName type="sent">Klotzsche</placeName><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1721"/>, <date>20.9./27.9.1916</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 1 e, Nr. 1</bibl></head></front><body><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1722"/>Klotzsche<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1722"/> Gartenstrasse 28.</p><salute>Sehr verehrter Herr Professor!</salute><p>Mit Ihrem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1723"/>ausführlichen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1723"/> und dem prächtigen Geschenk <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1724"/>Ihres grossen Werkes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1724"/> haben Sie mir eine grosse Freude bereitet.</p><p>Als das Buch ankam, hatte ich schon, aus dem Exemplar meines Schwiegersohnes, mir etwas vom Inhalte angeeignet. Ich fing – wie Sie auch annehmen – mit dem <name>Kant</name>-Abschnitte an (wo ich die Hinweise in meinem <name>Kant</name> machte); bald sah ich jedoch, dass ich zuerst Ihre Gesammttheorie kennen lernen müsse, um die rechte Ausbeute zu haben und fing also das Werk von vorne an; hatte auch etwa 70 Seiten gelesen, als das schöne Exemplar mit der für mich so ehrenvollen Widmung kam. Nun stecke ich tief drinn. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1725"/>Es<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1725"/> fesselt mich mehr als irgendein anderes Buch philosophischer Art es seit langer Zeit gethan hat, und ich bin sehr begierig <pb/> nun nach und nach zu einer vollen Übersicht zu kommen. <name>Kant</name> unter dem Als-Ob-Gesichtspunkt, war mir nicht so neu, wie Sie wohl vermuthen; ich war ihm vielfach so begegnet in dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1726"/>Werk <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1727"/><name>Chamberlain</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1727"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1726"/>, der freilich wohl seine Auffassung aus Aufsätzen von Ihnen hat (in den Kantstudien). Aber hier gewinnt doch die Betrachtungsweise eben durch ihre Durchführung und Verallgemeinerung ein anderes Aussehen – dies Empfinden war es eben, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1728"/>die<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1728"/> mich vom Anhang zum Anfang trieb. So viel weiss ich nun schon, daß die Lektüre mir ausserordentliche Belehrung, Klärung und Anregung bringen werde. Herzlichen Dank dafür! Es ist nichts mit dem Lesen in fremden Büchern, wenn es sich um solche Sachen handelt. Man muss anstreichen können und das Buch bleibend zur Hand haben.</p><p>„Gabe und Gegengabe bleiben am längsten <pb/> Freunde“ – dieses Wortes eines <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1729"/>Eddaischen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1729"/> Spruchdichters eingedenk gestatte ich mir, Ihnen meinen Roman <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1730"/>„Reif für das Leben“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1730"/> zu überreichen. Ein geringes Gegengeschenk allerdings, aber ein Schalk giebt mehr als er <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1731"/>hat<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1731"/>, sagt der Däne.</p><p>Ihre eingehenden Bemerkungen und Ihre vielfache Zustimmung zu meinen Artikeln giebt mir den Muth, einige frühere Aufsätze in den Preussischen Jahrbüchern <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1732"/>beizulegen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1732"/>, da ich glaube, daß sie hier und da etwas enthalten, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1733"/>was Sie wohl interessieren könnte.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1733"/></p><p>Gern schriebe ich mehr; aber dieser Brief ist schon einmal gründlich unterbrochen worden, und wird es jetzt noch gründlicher durch drahtliche Bestellung eines Artikels. Ich schliesse also mit nochmaligem herzlichem Dank und mit freundlichen Grüssen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1734"/>von meiner<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1734"/> <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1735"/>Frau<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1735"/> und von Ihrem herzlich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1736"/>ergebenen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1736"/></p><signed><hi rend="underline">Karl Gjellerup</hi></signed><dateline>20. Sept<add>[ember]</add> 1916.</dateline></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1722"><lem>Klotzsche</lem><note>links gegenüber: </note><rdg>Klotzsche <hi rend="strikethrough">2</hi>7/9 16</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1723"><lem>ausführlichen Brief</lem><note>nicht überliefert, <abbr>vgl.</abbr> das Findbuch über <name>Gjellerup</name>s Dresdener Nachlass (<ref type="link">http://digital.slub-dresden.de/id333570553</ref> (18.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1724"><lem>Ihres grossen Werkes</lem><note>Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob (1911 <abbr>u. ö.</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1725"><lem>Es</lem><note>Neueinsatz mit dunklerer Tinte; womöglich nach Unterbrechung des Schreibens (<abbr>s. u.</abbr>)</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1727"><lem><name>Chamberlain</name>s</lem><note>mit Blaustift unterstrichen, am linken <abbr>Rd.</abbr> zusätzlich mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1726"><lem>Werk <name>Chamberlain</name>s</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Chamberlain: Immanuel Kant. Die Persönlichkeit als Einführung in das Werk. München: Bruckmann 1905; 2. <abbr>Aufl.</abbr> 1909, 3. <abbr>Aufl.</abbr> 1916.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1728"><lem>die</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1729"><lem>Eddaischen</lem><note>mit Blaustift unterstrichen und am rechten <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1730"><lem>„Reif für das Leben“</lem><note>Roman in fünf Büchern. Jena: Eugen Diederichs 1916.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1731"><lem>hat</lem><note>Einfügung über der Zeile für gestrichen </note><rdg>kann</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1732"><lem>beizulegen</lem><note>liegen nicht bei. <name>Gjellerup</name> hatte <abbr>z. B.</abbr> veröffentlicht: Sind wir noch Christen? In: Preußische Jahrbücher 162 (1915), Oktober–Dezember, <abbr>S.</abbr> 421–441.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1733"><lem>was Sie wohl interessieren könnte.</lem><note>am rechten <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1734"><lem>von meiner</lem><note>mit Blaustift unterstrichen und am rechten <abbr>Rd.</abbr> mit Blaustift angestrichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1735"><lem>Frau</lem><note><name>Gjellerup</name> war seit dem 24.10.1887 verheiratet mit <name>Eugenia Heusinger</name> (<abbr>geb.</abbr> 1857), zuvor verheiratete Bendixen (<abbr>WBIS</abbr>).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1736"><lem>ergebenen</lem><rdg>ergebener</rdg></app></listApp></back></text></TEI>