<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001247-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Oskar Walzel</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>11.7.1916</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Univ.-Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Walzel 92.3</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1247" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001247-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1916-07-11">11.7.1916</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/11876425X">Oskar Walzel</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118799401">Emil Sulze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118532847">Johann Gottlieb</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118599372">Franz Volkmar Reinhard</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119059479">Friedrich Carl Forberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118572121">Gotthold Ephraim Lessing</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1163207934">Guido Naschert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118555286">Henrik Ibsen</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118804448">Klara Viebig</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11872780X">Theodor Lessing</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118554190">Ricarda Huch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118610465">Arthur Schopenhauer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11876425X">Oskar Walzel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118637223">Émile Zola</name></note><note type="repository">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Walzel 92.3</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Oskar Walzel</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>11.7.1916</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, Briefkopf (Stempel) </note><quote type="rdg">Univ.-Prof. Dr. Vaihinger | Halle a. S. | Reichardtstrasse 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Walzel 92.3</bibl></head></front><body><dateline>Halle <abbr>a. S.</abbr> Reichardtstr. 15.</dateline><dateline>11. Juli 1916</dateline><p>Herrn Geh. Hofrath <abbr>Prof.</abbr> <abbr>Dr.</abbr> Walzel, Dresden.</p><salute>Verehrtester Herr Kollege!</salute><p>Haben Sie verbindlichsten Dank für die liebenswürdige Übersendung Ihres Vortrages: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1686"/>„Die künstlerische Form des Dichtwerkes“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1686"/>, der einen so anschaulichen Einblick in die Probleme und in die Methoden Ihrer Formforschung gewährt. Die Analyse der verschiedenen Formelemente in ihrem Nebeneinander und in ihrem Ineinander ist eine höchst wertvolle Aufgabe, welche bisher ungebührlich in den Hintergrund getreten ist und es ist sicher ein grosses und wichtiges Ziel, das Sie der Literaturgeschichte stellen, nach dieser Seite hin die bisherigen rein historischen Forschungen durch ästhetische zu ergänzen. Es ist reizvoll, zu verfolgen, wie Sie an den Beispielen von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1687"/>„Rosmersholm“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1687"/>, und von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1688"/>„Emilia Galotti“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1688"/> die architektonischen Bauformen aufzeigen, welche in der Anlage derartiger Dichtwerke zur Geltung kommen. Es ist eine wertvolle Bereicherung des Gesichtskreises, zu erkennen, dass der Dichter, wie der bildende Künstler, nach architektonisch-formalen Regeln verfährt, und es ist eine Bereicherung der Wissenschaft, diese Regeln, deren Befolgung den ästhetischen Reiz des Kunstwerkes ausmacht, dem Leser zum Bewusstsein zu bringen. Eine besondere Frage ist dabei, ob diese Regeln den betreffenden Dichtern stets voll und ganz zum Bewusstsein gekommen sind, aber auch der bildende Künstler verfährt wohl manchmal unbewusst. Aber meistens sind sich wohl Künstler und Dichter dieser Regeln bewusst. Sicher ist das der Fall bei den Dichtern, welche Sie behandeln, bei <name>Ibsen</name> und <name>Lessing</name>, bei <name>Zola</name>, bei der <name>Ricarda Huch</name> und bei <name>Klara Viebig</name>.</p><p>Die Übersicht Ihrer Beiträge zu diesen Forschungen am Schluss lässt den lebhaften Wunsch aufkommen, Sie möchten alle diese verschiedenen teilweise schwer zu erreichen Aufsätze bald <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1689"/>in einem Sammelbande<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1689"/> veröffentlichen.</p><p>Mit collegialem Gruss Ihr ganz ergebener</p><signed>Vaihinger</signed><postscript><p><abbr>P. S.</abbr> Ich erzählte Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1690"/>in Dresden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1690"/> noch, dass auf meine Veranlassung hin vor einigen Jahren der Pastor <name>Sulze</name> in Dresden, welcher unterdessen gestorben ist, Nachforschungen in den Dresdener Archiven über die Anfänge des <name>Fichte</name>schen Atheismusstreits gemacht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1691"/>hat.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1691"/> <pb/></p><p>Diese Forschungen von <name>Sulze</name> finden Sie veröffentlicht im 11. Band der Kantstudien, 1906, Seite 233 bis <abbr>S.</abbr> 239: „Neue Mitteilungen über Fichtes Atheismusprozess“.</p><p>Besonders bemerkenswert ist dabei der Anteil, den der damalige Dresdener Oberhofprediger <name>Reinhard</name> an der Sache hatte. <name>Reinhard</name> hatte früher selbst Vorlesungen über <name>Kant</name> in Wittenberg gehalten, welche daselbst im Druck erschienen sind. Näheres darüber finden sie im 2. Band der Kantstudien 1897, Seite 378 bis Seite 380. In meinem kleinen Artikel: „Ein Kantbibliographisches Kuriosum“.</p><p><name>Reinhard</name> nahm im Dresdener Geistesleben eine sehr bedeutende Stellung ein. Er hat wohl noch in den Jahren 1814 bis 1818 gelebt. <name>Schopenhauer</name> hat schwerlich zu ihm den Weg gefunden.</p><p>Bemerkenswert ist noch, dass die erste Anklage des Dresdener Oberkonsistoriums sich <hi rend="underline">ausschliesslich gegen <name>Forberg</name></hi> wendet, welcher in <name>Fichte</name>s Zeitschrift einen Artikel geschrieben hatte, in welchem er den Als Ob-Standpunkt vertrat. <name>Forberg</name> ist der wichtigste Vorgänger der Philosophie des Als Ob. Ich habe in meinem gleichnamigen Buche ihm und seiner „Religion des Als Ob“ einen grossen Abschnitt gewidmet. Seitdem ist man auf diesen Mann aufmerksam geworden. Es sind seitdem mehrere Schriften und Abhandlungen erschienen. Auch wird die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1692"/>Neuausgabe seiner Publikationen geplant<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1692"/>.</p><signed>V</signed></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1686"><lem>„Die künstlerische Form des Dichtwerkes“</lem><note>vom 24.11.1915, <abbr>vgl.</abbr> Walzel: Die künstlerische Form des Dichtwerks. In: Deutsche Abende im Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht. 3. Vortrag. Berlin: S. Mittler 1916.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1687"><lem>„Rosmersholm“</lem><note>Drama von <name>Henrik Ibsen</name> (1886).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1688"><lem>„Emilia Galotti“</lem><note>Drama von <name>Gotthold Ephraim Lessing</name> (1772).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1689"><lem>in einem Sammelbande</lem><note><name>Walzel</name> hat das Thema seines Vortrages <abbr>u. a.</abbr> aufgenommen in <abbr>ders.</abbr>: Das Wortkunstwerk. Mittel seiner Erforschung. Leipzig: Quelle &amp; Meyer 1926.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1690"><lem>in Dresden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> auch Vaihinger an Walzel vom 3.7.1916</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1691"><lem>hat.</lem><note>am Fuß der <abbr>S.</abbr>: </note><rdg>Bitte wenden.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1692"><lem>Neuausgabe seiner Publikationen geplant</lem><note>nicht nachgewiesen. Eine gesammelte Ausgabe der Schriften <name>Friedrich Carl Forberg</name>s erschien erst 2021, <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> <name>Guido Naschert</name> (Paderborn: Brill).</note></app></listApp></back></text></TEI>