<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001227-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Friedrichroda</placeName>, <date>27.8.1915</date>, <note>3 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT.</quote><quote type="rdg"> | GESCHÄFTSFÜHRER: GEH.-RAT PROF. DR. VAIHINGER, HALLE A. S. | STELLVERTRETENDER GESCHÄFTSFÜHRER: | DR. ARTHUR LIEBERT, BERLIN W. 15, FASANENSTRASSE 48. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131826</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1227" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001227-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Friedrichroda</placeName><date when="1915-08-27">27.8.1915</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116790741">Alfred Hermann Fried</name><name>Cyriacus Schneegass</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131826</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Friedrichroda</placeName>, <date>27.8.1915</date>, <note>3 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1442"/><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT.</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1442"/><quote type="rdg"> | GESCHÄFTSFÜHRER: GEH.-RAT PROF. DR. VAIHINGER, HALLE A. S. | STELLVERTRETENDER GESCHÄFTSFÜHRER: | DR. ARTHUR LIEBERT, BERLIN W. 15, FASANENSTRASSE 48. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131826</bibl></head></front><body><anchor type="delimiter"/><p>Diktat.</p><dateline>27.VIII.1915.</dateline><dateline><abbr>z. Z.</abbr> Friedrichroda <hi rend="superscript">i</hi>/Thühringen. Haus <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1443"/>Schneegass<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1443"/>.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr Doktor!</salute><p>Ich habe mich sehr gefreut, von Ihnen 2 Lebenszeichen in jüngster Zeit erhalten zu haben, einmal <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1444"/>Ihre Karte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1444"/> aus dem Felde vom 6. August, sodann Ihren Aufsatz über <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1445"/>„Sinn und Widersinn des Krieges“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1445"/>, den ich durch Vermittelung der „Banque Anglo-Autrichienne“ erhalten habe, welche merkwürdigerweise sich einen französischen Namen beilegt. Ihre Abhandlung über den Krieg habe ich mir vorlesen lassen und mit grosser Genugtuung daraus ersehen, mit welchem klaren Wirklichkeitssinn Sie das ungeheure <pb/> Phänomen des Weltkrieges und das Phänomen des Krieges überhaupt auffassen. Das steht in wohltuendem Gegensatz zu der unklaren Fantastik der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1446"/>Friedensfreunde nach der Art von <name>H. Fried</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1446"/><name/>, welcher Ideale und Wünsche mit Wirklichkeiten verwechselt. Natürlich sind die Schrecken des Krieges, denen Sie selbst ja jetzt auch nähertreten, furchtbar und entsetzlich, und sicher wäre mancher Krieg und vielleicht sogar auch dieser Weltkrieg, zu vermeiden gewesen, aber der Krieg überhaupt ist, wie Sie ganz richtig erkennen, ein unentbehrlicher Faktor aller Kulturentwicklung; so war es in der Vergangenheit und so wird es noch für lange Zeit bleiben. Mit Recht betonen Sie aber auch den Widersinn des Krieges, wie Sie überhaupt einen offenen Sinn für die Paradoxien des Daseins haben. Dass Sie auch für die Paradoxien des Denkens ein klares Auge <pb/> haben, beweist Ihr Interesse für die Philosophie des Als Ob, das Sie ja schon in mehrfacher Weise gezeigt und betätigt haben, und das Sie auch nach Beendigung dieses Krieges gewiss nicht bei Seite setzen werden.</p><p>Es freut mich einerseits, und ich beneide Sie andererseits, dass Sie nun an dem grossen Kriege persönlich teilnehmen dürfen. Möchten Sie wohlbehalten bald als Sieger heimkehren. Gerne möchte ich hoffen, dass wir uns im April nächsten Jahres in Halle wiedersehen.</p><p>Mit besten Grüssen und Wünschen Ihr</p><signed>Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1443"><lem>Schneegass</lem><note>so wörtlich, benannt offenbar nach dem 1597 in Friedrichroda gestorbenen protestantischen Theologen und Komponisten <name>Cyriacus Schneegass</name> (<abbr>DBE</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1444"><lem>Ihre Karte</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1445"><lem>„Sinn und Widersinn des Krieges“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Prager: Vom Sinn und Widersinn des Krieges. Skizze eines Programms der Kulturphilosophie. In: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik 156 (1914), <abbr>S.</abbr> 113–132.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1446"><lem>Friedensfreunde nach der Art von <name>H. Fried</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> <abbr>z. B.</abbr>: Alfred Hermann Fried: Europäische Wiederherstellung. Zürich: Orell Füssli 1915.</note></app></listApp></back></text></TEI>