<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001211-0</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>5.10.1914</date>, <note>1 S., Ts. mit eU und vereinzelten hs. Korrekturen</note>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131824</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1211" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001211-0"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1914-10-05">5.10.1914</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118521411">Hermann Cohen</name><name>Karl Richard Vaihinger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116797908">Oskar Ewald</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131824</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>5.10.1914</date>, <note>1 S., Ts. mit eU und vereinzelten hs. Korrekturen</note>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131824</bibl></head></front><body><dateline>Halle a. S. Reichardtstr. 15</dateline><dateline>5.10.14.</dateline><p>Herrn Dr. Prager</p><p>Wien.</p><salute>Sehr geehrter Herr Doktor!</salute><p>Verbindlichsten Dank für Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1345"/>freundliche Karte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1345"/>, die mich sehr erfreut hat, da sie mir meldet, dass es Ihnen gut geht, insbesondere freue ich mich, dass Sie sich wieder so weit wohl befinden, dass Sie wieder an wissenschaftliche Arbeit denken können.</p><p>Auch mir geht es natürlich so wie Ihnen: Philosophische Arbeit ist unter den jetzigen Umständen nicht recht möglich, doch gibt es ja für mich noch allerlei zu tun, dazu gehört die Korrespondenz mit meinen Freunden und so freue ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1346"/>mich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1346"/>, auch Ihnen schreiben zu können.</p><p>Der Krieg, der so vieles zerstört, hat auch mir persönlich einen überaus grossen Schaden gebracht: eine französische <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1347"/>Übersetzung meines Buches<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1347"/> war schon in Angriff genommen, der Vertrag mit der Firma Felix Alcan in Paris schon geschlossen. Der Übersetzer, der nebenbei bemerkt ein geborener Österreicher ist, (ein <abbr>Dr.</abbr> Mens, der aber seit vielen Jahren in Paris lebt) ist jetzt gar nicht mehr in Paris, sondern in Christiania. Eine französische Übersetzung kann auf Jahre hinaus schwer erscheinen. Auch Übersetzungen ins Russische und ins Englische waren in Aussicht genommen und sind natürlich jetzt ebenso unmöglich. Eine amerikanische Übersetzung soll in die Wege geleitet werden und vielleicht auch eine italienische. Aber das ist natürlich alles behindert, solange der Krieg dauert.</p><p>Es sind natürlich viele Mitglieder der Kantgesellschaft in den Krieg gezogen. Eine Versendung der Publikationen an diese Mitglieder, sowie an die Ausländer in denen mit uns Krieg führenden Staaten ist natürlich unmöglich. Etwa 50 Mitglieder haben für das Jahr 1914 noch nicht bezahlt und diese Beiträge sind nicht mehr zu bekommen, so haben wir schon für das Jahr 1914 einen Ausfall von 1000 <abbr>M</abbr> und wir werden im folgenden Jahre einen noch viel grösseren Ausfall haben, aber wir hoffen doch, durch die schwere Zeit hindurch zu kommen.</p><p>Es wird Sie interessieren, zu erfahren, dass am Mittwoch 14. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1348"/>ds.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1348"/> <abbr>Prof.</abbr> <name>Hermann Cohen</name>, früher in Marburg, jetzt in Berlin, daselbst einen Vortrag in der K<add>[ant]</add> G<add>[esellschaft]</add> halten wird: „Über das Eigentümliche des deutschen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1349"/>Geistes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1349"/>“. Der Vortrag wird dann <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1350"/>im Druck<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1350"/> erscheinen.</p><p>Mir persönlich geht es erträglich, doch hat mein Augenleiden immer mehr zugenommen; in meiner Familie geht es soweit gut. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1351"/>Mein einziger Sohn<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1351"/> ist leider zurückgestellt, hoffentlich kann er sich später doch noch an dem Kampfe beteiligen. Sollten Sie doch noch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1352"/>einberufen werden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1352"/>, so wünsche ich Ihnen insofern dazu Glück, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1353"/>als das ein Zeichen dafür wäre,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1353"/> dass Ihre Gesundheitsverhältnisse jetzt günstigere sind. Möge uns dann allen ein frohes Wiedersehen beschieden sein. Dieser Wunsch erstreckt sich insbesondere auch noch auf Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Ewald</name>. Sein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1354"/>Jahresbericht pro 1913<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1354"/> ist zum Glück noch vor dem Kriege bei uns <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1355"/>eingelaufen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1355"/> und wird noch in diesem Winter gedruckt. Die Korrekturen wird er freilich nicht selbst lesen können.</p><p>Mit besten Grüssen und Wünschen Ihr treu ergebener</p><signed>Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1345"><lem>freundliche Karte</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1346"><lem>mich</lem><rdg>micht</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1347"><lem>Übersetzung meines Buches</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die annotierte Bibliographie in Bohr/Hartung: Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger zu Übersetzungen von: Die Philosophie des Als Ob (1911).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1348"><lem>ds.</lem><note>lies: dieses (Monats)</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1349"><lem>Geistes</lem><rdg>Geites</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1350"><lem>im Druck</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Cohen: Über das Eigentümliche des deutschen Geistes. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1914 (Philosophische Vorträge. Veröffentlicht von der Kantgesellschaft, <abbr>Nr.</abbr> 8).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1351"><lem>Mein einziger Sohn</lem><note><name>Richard Vaihinger</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1352"><lem>einberufen werden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 8.1.1915</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1353"><lem>als das ein Zeichen dafür wäre,</lem><note>von anderer <abbr>Hd.</abbr> über der Zeile eingefügt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1354"><lem>Jahresbericht pro 1913</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Oskar Ewald: Die deutsche Philosophie im Jahre 1913. In: Kant-Studien 20 (1915), <abbr>S.</abbr> 29–64.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1355"><lem>eingelaufen</lem><rdg>eingelaufen.</rdg></app></listApp></back></text></TEI>