<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001204-2</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>1.5.1914</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">GEH.</quote><quote type="rdg"> REG.-RAT | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131822</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1204" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001204-2"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1914-05-01">1.5.1914</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116996579">Arthur Liebert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118509578">Henri Bergson</name><name>Franz Selety</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117033731">Paul Schrecker</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/135640830">Siegmund Kornfeld</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117116149">Wilhelm Jerusalem</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131822</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>1.5.1914</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1316"/><quote type="rdg">GEH.</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1316"/><quote type="rdg"> REG.-RAT | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131822</bibl></head></front><body><dateline>1. Mai 1914.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr Doktor!</salute><p>Sie haben ja schon <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1317"/>durch meine Frau erfahren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1317"/>, daß ich lange Zeit in der Klinik lag. Lange Zeit brauchte ich auch zur Rekonvaleszenz; dann kamen die Vorarbeiten zum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1318"/>10 jährigen Stiftungsfest<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1318"/>, und so kann ich Ihnen erst heute schreiben, und spreche zunächst mein lebhaftes Bedauern aus, daß Sie bei dem Fest nicht anwesend sein konnten. Oesterreich war <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1319"/>durch <name>Jerusalem</name> und durch <name>Kornfeld</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1319"/> vertreten. Hoffentlich kommen Sie selbst auch einmal wieder nach Halle.</p><p>Sehr bedauert habe ich auch, daß Sie, wie ich aus Ihren vertraulichen Mitteilungen <pb/> entnehme, durch Ihre Verwandte in eine sehr widerwärtige Lage gebracht sind. Ich weiß aus eigener <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1320"/>mehrfacher Erfahrung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1320"/>, wie derartige Prozesse mit Verwandten die Nerven angreifen, und kann es deshalb verstehen, daß Sie darunter schwer leiden. Möge denn die Hoffnung sich erfüllen, die Sie in Ihrem Briefe äußerten, daß die Angelegenheit zu Ihren Gunsten abschließe.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1321"/>Wie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1321"/> Sie wohl schon aus den Zeitungen entnommen haben, sind bei der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1322"/>Wahrheitspreisaufgabe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1322"/> zwei 2. Preise vergeben worden. Außerdem wurde eine lobende Erwähnung zuteil einem Herrn <name>Franz Selety</name>, Wien I. Zedlitzgasse 12. An den letzteren habe ich vor 8 Tagen geschrieben, aber ohne Erfolg. Ich kann ihm seine Arbeit also vorerst nicht zurücksenden. Vielleicht kennen Sie den Mann. Er ist ja wohl in den philos<add>[ophischen]</add> Kreisen Wiens bekannt. Vielleicht <pb/> ist er Student und jetzt gar nicht mehr in Wien.</p><p>Mehr noch wäre mir von Wert, wenn Sie mir über D<hi rend="superscript">r</hi>. <name>Schrecker</name> Wien II Marinelligasse 7 etwas mitteilen könnten. Er war im vorigen Jahr auf der Gen<add>[eral]</add>-Ver<add>[sammlung]</add> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1323"/>hier<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1323"/>, läßt aber seitdem nichts mehr von sich hören. Er wollte eine Schrift über das Verhältnis der <name>Bergson</name>’schen Philosophie zu der Meinigen schreiben. Ich habe aber nichts mehr von ihm und über ihn erfahren. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1324"/>Auf zwei Briefe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1324"/> hat er nicht geantwortet. Die Briefe muß er doch erhalten haben. Bitte suchen Sie doch den Mann auf und fragen Sie ihn aus, indem Sie ihm beste Grüße von mir bringen.</p><p>Wie mir D<hi rend="superscript">r</hi>. <name>Liebert</name> mitteilte, war D<hi rend="superscript">r</hi>. <name>Schrecker</name> eine kurze Zeit lang Mitglied der K<add>[ant]</add>-G<add>[esellschaft]</add>, war aber wohl im Rückstand mit dem Jahresbeitrag und ist dann wieder zurückgetreten. Dabei hat wohl zwischen ihm und D<hi rend="superscript">r</hi>. <name>Liebert</name> ein Briefwechsel stattgefunden, der ihm <pb/> D<hi rend="superscript">r</hi>. <name>Schrecker</name>, vielleicht unangenehm war. Dafür bin ich aber nicht verantwortlich, da ich mit diesen äußeren Angelegenheiten gar nichts zu tun habe, wenn auch mein Name am Kopf aller Schriftstücke steht, welche von der K<add>[ant]</add>-G<add>[esellschaft]</add> ausgehen.</p><p>Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie diese Angelegenheit in Ordnung bringen würden, denn es liegt mir sehr daran, daß D<hi rend="superscript">r</hi>. <name>Schrecker</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1325"/>seinen Plan ausführt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1325"/>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1326"/>Seine 1. Schrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1326"/> über „<name>Bergson</name>’s Lehre von der Persönlichkeit“ ist vielfach beachtet worden.</p><p>Wahrscheinlich haben Sie unterdessen auch Ihren Plan ausgeführt, über die 2. <abbr>Aufl.</abbr> meines Buches <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1327"/>sich irgendwo zu äußern<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1327"/>.</p><p>Mit besten Grüßen und Wünschen Ihr stets ergebener</p><signed>Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1317"><lem>durch meine Frau erfahren</lem><note>Schreiben nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1318"><lem>10 jährigen Stiftungsfest</lem><note>der Kantgesellschaft, 18.4.–20.4.1914 in Halle.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1319"><lem>durch <name>Jerusalem</name> und durch <name>Kornfeld</name></lem><note>das sind <name>Wilhelm Jerusalem</name> und der Psychologe und Psychiater <name>Siegmund Kornfeld</name> (1859–1927; <ref type="link">https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_K/Kornfeld_Siegmund_1859_1927.xml</ref> (18.9.2024)), <abbr>vgl.</abbr> das Teilnehmerverzeichnis in: Arthur Liebert: Bericht über die Allgemeine Mitgliederversammlung (Generalversammlung) von Sonnabend, den 18. bis Montag, den 20. April 1914. (Zehnjähriges Stiftungsfest der Kantgesellschaft.) In: Kant-Studien 19 (1914), <abbr>S.</abbr> 447–455.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1320"><lem>mehrfacher Erfahrung</lem><note>Rechtsstreitigkeiten nicht ermittelt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1321"><lem>Wie</lem><note>davor Absatzzeichen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1322"><lem>Wahrheitspreisaufgabe</lem><note>vgl. Richard Falckenberg: Bericht über das fünfte Preisausschreiben der Kantgesellschaft, erstattet zu Halle am 20. April 1914. In: Kant-Studien 19 (1914), S. 458–468.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1323"><lem>hier</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Hans Prager vom 11.5.1913</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1324"><lem>Auf zwei Briefe</lem><note>Korrespondenz nicht nachgewiesen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1325"><lem>seinen Plan ausführt</lem><note>nicht nachgewiesen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1326"><lem>Seine 1. Schrift</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Schrecker: Henri Bergsons Philosophie der Persönlichkeit. Ein Essay über analytische und intuitive Psychologie. München: Reinhardt 1912 (Schriften des Vereins für freie psychoanalytische Forschung <abbr>Nr.</abbr> 3).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1327"><lem>sich irgendwo zu äußern</lem><note>eine Rezension <name>Prager</name>s über Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob in 2. <abbr>Aufl.</abbr> 1913 ist nicht nachgewiesen, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 8.1.1915.</note></app></listApp></back></text></TEI>