<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001177-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>12.9./16.9.1913</date>, <note>7 S., hs. (andere Hd., mit eU und eigenhändigem Postskriptum), Briefkopf </note><quote type="rdg">GEH.</quote><quote type="rdg"> REG.-RAT | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131821</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1177" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001177-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date from="1913-09-12" to="1913-09-16">12.9./16.9.1913</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116732806">Adolf Lapp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/124988784">Arthur Trebitsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118555006">Edmund Husserl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118724681">Felix Krueger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117116149">Wilhelm Jerusalem</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131821</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>12.9./16.9.1913</date>, <note>7 S., hs. (andere Hd., mit eU und eigenhändigem Postskriptum), Briefkopf </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1146"/><quote type="rdg">GEH.</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1146"/><quote type="rdg"> REG.-RAT | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131821</bibl></head></front><body><dateline>12<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1147"/>/16<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1147"/>.9.<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1148"/>1913.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1148"/></dateline><salute>Sehr geehrter Herr Doktor!</salute><p>Als ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1149"/>am 26. August<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1149"/> an Sie schrieb, gab ich meiner Hoffnung Ausdruck, Sie würden zum aesthetischen Kongreß nach Berlin kommen, und dabei Halle passieren. Leider war das nicht der Fall, ebenso hatte auch leider <name>Jerusalem</name> seine geplante Reise aufgegeben. Wo mögen Sie nun gegenwärtig weilen? Hoffentlich erreicht diese Sendung Sie, vielleicht irgendwo in Italien.</p><p>Heute sende ich Ihnen eine von meinem Verleger herausgegebene <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1150"/>Übersicht der Urteile über mein Buch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1150"/>, in welcher Sie ja auch schon mehrfach figurieren. Es konnte leider nur eine Ihrer Besprechungen mit Ihrem Namen signiert werden, da die Verlagsbuchhandlung <pb/> meinte, daß die Wiederkehr desselben Namens in dem Prospekt nicht angängig sei.</p><p>Zu den beiden Schriften, welche am Schluß des Prospektes aufgeführt sind, ist nun unterdessen eine neue gekommen: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1151"/>„Die<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1151"/> Wahrheit, ein erkenntnistheoretischer Versuch mit besonderer Rücksicht auf <name>Husserl</name>, <name>Rickert</name> <abbr>u.</abbr> Vaihinger’s Philosophie des Als Ob“ von D<hi rend="superscript">r</hi>. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1152"/><name>Adolf </name><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1153"/><name>Lapp</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1152"/>.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1153"/> Von dieser Schrift ist auch ein Rezensions-Exemplar an die Zeitschrift für Philosophie gegangen, und der Verfasser hat der Redaktion mitgeteilt, daß er wünscht, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1154"/>von Ihnen besprochen zu werden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1154"/>, da Sie ja auch meine „Philosophie des Als Ob“ in derselben Zeitschrift <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1155"/>besprochen haben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1155"/>. Es würde mich freuen, wenn die Redaktion auf diesen Wunsch des Verfassers eingeht und würde mich freuen, wenn Sie, falls die Redaktion sich wirklich an Sie wendet, diesen Antrag annehmen.</p><p>Der Verfasser steht im wesentlichen auf dem Standpunkt meiner Philosophie des Als Ob, <pb/> aus der er schließlich freilich Konsequenzen zieht, die ich wohl nicht alle unterschreiben könnte. Doch kann ich das selbst kaum beurteilen, da mein Augenleiden mich daran hindert, die Schrift so zu studieren, wie ich es möchte. Die Kritik, welche der Verfasser an <name>Rickert</name> <abbr>u.</abbr> <name>Husserl</name> übt, ist natürlich ebenfalls vom Standpunkt meiner Philosophie aus gemacht und scheint mir besonders beachtenswert zu sein, soweit ich das beurteilen kann.</p><p>Falls Sie die Besprechung übernehmen, so wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie dem Verfasser, den ich auch persönlich kenne und dem ich auch persönlich nahe stehe, trotz Ihrer prinzipiellen Gegnerschaft mit Wohlwollen entgegenkommen würden. Er ist ein junger aufstrebender Schriftsteller, welcher verdient, daß man diesen seinen Erstlingsversuch mit Nachsicht aufnimmt. Er wird sich gewiß gerne <pb/> belehren lassen, wenn die Belehrung nur in wohlwollender Weise erfolgt; und so möchte ich Sie bitten, das Büchlein in einer derartigen Weise in die literarische Welt einzuführen, daß der Verfasser ermutigt wird, sich weiter mit Philosophie zu beschäftigen. Er verdient das um so mehr, als er tapfer und mutig sich durch das Leben schlägt, da er als Literat ganz auf eigenen Füßen stehen muß.</p><p>Ich benütze die Gelegenheit, um Sie schon jetzt zur Generalversammlung der Kantgesellschaft einzuladen. Wir feiern bei dieser Gelegenheit das 10 jährige Bestehen der Gesellschaft. Als Festredner sprechen: <abbr>Prof.</abbr> <name>Bauch</name>-Jena über den „Begriff des Naturgesetzes“ und <abbr>Prof.</abbr> <name>Krueger</name>-Halle über den „Begriff des Wertes“. Diese beiden Vorträge ergänzen sich in der glücklichsten <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1156"/>Weise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1156"/>, denn sie behandeln die beiden Grundprobleme der Philosophie der Gegenwart. Auch die Vortragenden selbst werden sich sachlich gegenseitig ergänzen, insofern der eine der Neukantischen Richtung angehört, der andere der psychologischen aber doch immerhin an <name>Kant</name> orientierten Richtung. Wir erwarten bei dieser Gelegenheit mit Sicherheit <abbr>ca.</abbr> 100 Teilnehmer aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1157"/>sowie aus des Auslandes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1157"/>, so daß auch diesmal wieder reiche Gelegenheit gegeben sein wird zur Anknüpfung wissenschaftlich und persönlich wertvoller Beziehungen.</p><p>Ich würde mich sehr freuen, Sie bei <pb/> dieser Gelegenheit wiederzusehen und schließe mit herzlichen Grüßen und Wünschen als Ihr ergebener</p><signed>Vaihinger</signed><postscript><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1158"/><abbr>P. S.</abbr><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1158"/><abbr/></p><p>Von dem Prospekt sende ich mehrere Exemplare, da Sie vielleicht Lust und Gelegenheit haben, ein Exemplar Diesem oder Jenem Interessenten zu geben.</p><p>Es wird mich sehr interessieren, zu erfahren, wie es Ihnen ergeht, und was Sie treiben. <pb/> Es wird Sie noch interessieren zu erfahren, daß ein gewisser <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1159"/><name>Trebitsch</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1159"/><name/>, den Sie in der <hi rend="underline">Zeitschrift für Philosophie</hi> mit Recht stark mitgenommen haben, den <hi rend="underline">Kantstudien</hi> eine stark unverschämte Entgegnung eingesendet hat, die wir natürlich nicht aufgenommen haben.</p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1147"><lem>/16</lem><note>von der <abbr>Hd.</abbr> Vaihingers ergänzt</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1148"><lem>1913.</lem><rdg>1914.</rdg><note> irrtümliche Datierung, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 26.8.1913.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1149"><lem>am 26. August</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 26.8.1913</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1150"><lem>Übersicht der Urteile über mein Buch</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 17.1.1912</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1151"><lem>„Die</lem><rdg>die</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1152"><lem><name>Adolf </name><name>Lapp</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 17.1.1912, 3.9.1912 <abbr>u.</abbr> 12.9.1912.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1153"><lem><name>Lapp</name>.</lem><rdg>Lapp.“</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1154"><lem>von Ihnen besprochen zu werden</lem><note>Rezension nicht nachgewiesen. <name>Prager</name> war regelmäßiger Rezensent in: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1155"><lem>besprochen haben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> den Kommentar zu Vaihinger an Prager vom 15.4.1911.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1156"><lem>Weise</lem><note>neuer Bogen (selber Briefkopf, Datierung 12. Jan. 1914.) gezählt: </note><rdg>II.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1157"><lem>sowie aus des Auslandes</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1158"><lem><abbr>P. S.</abbr></lem><note>ab hier eigenhändig</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1159"><lem><name>Trebitsch</name></lem><note>gemeint ist vermutlich <name>Arthur Trebitsch</name> (1880–1927), Laienphilosoph und antisemitischer Schriftsteller (<ref type="link">https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_T/Trebitsch_Arthur_1880_1927.xml</ref> (17.9.2024)).</note></app></listApp></back></text></TEI>