<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001134-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Alfred Adler</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Wien</placeName>, <date>5.6.1912</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, vereinzelte hs. Korrekturen mit Bleistift, Briefkopf </note><quote type="rdg">Dr. med. ALFRED ADLER | Ordination für Nervenkrankheiten | 2–3 Uhr. | Telephon 17062. | WIEN I. Dominikanerbastei 10.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 c, Nr. 2</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1134" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001134-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118500686">Alfred Adler</persName><placeName>Wien</placeName><date when="1912-06-05">5.6.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/1221315625">Hugo Bergmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119548062">Carl Furtmüller</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117116149">Wilhelm Jerusalem</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 c, Nr. 2</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Alfred Adler</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Wien</placeName>, <date>5.6.1912</date>, <note>2 S., Ts. mit eU, vereinzelte hs. Korrekturen mit Bleistift, Briefkopf </note><quote type="rdg">Dr. med. ALFRED ADLER | Ordination für Nervenkrankheiten | 2–3 Uhr. | Telephon 17062. | WIEN I. Dominikanerbastei 10.</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 1 c, Nr. 2</bibl></head></front><body><anchor type="delimiter"/><salute>Sehr geehrter Herr Professor!</salute><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-815"/>Ihr freundlichen Zeilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-815"/> haben mich sehr erfreut, und ich empfand es besonders peinlich, Ihrer grossen Liebenswürdigkeit gegenüber mein Versprechen noch nicht einlösen zu können. Mein Verleger, <name>Bergmann</name> in Wiesbaden, kommt seit Fertigstellung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-816"/>des Buches<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-816"/>, also seit 2 Monaten, nicht vom Fleck. Ich erwarte also das Buch nach wie vor in einigen Tagen. Gleichzeitig werde ich dann die auf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-817"/>Ihr imposantes Werk<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-817"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-818"/>bezüglichen Stellen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-818"/> für den Prospekt anmerken. Ferner habe ich vor, eine <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-819"/>Besprechung in einer pädagogischen Zeitschrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-819"/> und, wie Sie mit Recht beanspruchen müssen, in einem psychiatrischen Organ erscheinen zu lassen. Beide bekommen Sie für den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-820"/>Prospekt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-820"/>.</p><p>Früher als mein Buch wird <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-821"/><name>Furtmüller</name>s „Psychoanalyse und Ethik“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-821"/> an Sie gelangen, das Buch eines meiner Anhänger, der sich auch auf Sie bezieht, wenngleich er einige Grade kühler urteilt, was aber bei noch näherer Bekanntschaft weichen wird. Die schöne <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-822"/>Arbeit Professor <name>Jerusalem</name>s<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-822"/> war uns nicht entgangen. Im Namen unseres Vereines danke ich Ihnen <pb/> für deren Uebersendung. Ich hoffe, dass wir Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-823"/>unsere Arbeiten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-823"/> auch weiterhin übersenden dürfen, als demjenigen Philosophen, der unser Verständnis für das <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-824"/>ALS-OB<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-824"/> des gesunden und kranken Seelenlebens zu grösserer Klarheit gebracht hat.</p><p>Indem ich auch für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-825"/>Arbeit das Gymnasium betreffend<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-825"/> herzlichst danke, – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-827"/>Ich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-827"/> habe sie bereits an unsere Fachpädagogen weiter gegeben, – möchte ich mir den Hinweis gestatten, dass <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-828"/>auch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-828"/> diese Arbeit recht wohl für ein <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-829"/>Werk der letzten Tage<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-829"/> genommen werden muss, ebenso wie Ihr letztes Werk.</p><p>Mit vielem Dank Ihr ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-830"/>Adler.</signed><dateline>Wien, am 5/VI 1912.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-830"/></dateline></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-815"><lem>Ihr freundlichen Zeilen</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-816"><lem>des Buches</lem><note>Alfred Adler: Über der nervösen Charakter. Grundzüge einer vergleichenden Individualpsychologie und Psychotherapie. Wiesbaden: J. F. Bergmann 1912.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-817"><lem>Ihr imposantes Werk</lem><note>meint Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob (1911).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-818"><lem>bezüglichen Stellen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Erwähnungen Vaihingers in Adler: Über den nervösen Charakter (1912), 1. Kapitel: Ursprung und Entwickelung des Gefühls der Minderwertigkeit und dessen Folgen; 2. Kapitel: Die psychische Kompensation und ihre Vorbereitung; 3. Kapitel: Die verstärkte Fiktion als leitende Idee in der Neurose.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-819"><lem>Besprechung in einer pädagogischen Zeitschrift</lem><note>nicht nachgewiesen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-820"><lem>Prospekt</lem><note>des Verlags Reuther &amp; Reichard für Vaihingers Philosophie des Als Ob, abgedruckt <abbr>u. a.</abbr> in: Vaihinger: Nietzsche als Philosoph. 4., vom <abbr>Verf.</abbr> neu durchgesehene <abbr>Aufl.</abbr>, Feldausgabe, erstes bis zehntes Tausend. Berlin Reuther &amp; Reichard 1916, nach <abbr>S.</abbr> 80, mit Zitat nach angeblich: </note><rdg>Zeitschrift für Psychoanalyse, 1912, S. 171. „In einer grandiosen Synthese erfasst dieser geniale Forscher das Wesen des Denkens als ein Mittel zur Bewältigung des Lebens. Diese tiefe Konzeption war nötig, uns ganz mit den Kunstgriffen unseres Denkens vertraut zu machen, und ist eine Einsicht, die unsere Weltanschauung entsprechend umgestalten wird.“ Dr. med. Alfred Adler–Wien. </rdg><note>Dieses Zitat ist nicht nachgewiesen, <abbr>vgl.</abbr> dagegen Adler: Zur Rolle des Unbewußten in der Neurose. In: Zentralblatt für Psychoanalyse 3 (1913), Heft 4–5, <abbr>S.</abbr> 169–174, hier <abbr>S.</abbr> 171: </note><rdg>In einer grandiosen Synthese erfaßt dieser geniale Forscher das Wesen des Denkens als ein Mittel zur Bewältigung des Lebens, das mit dem Kunstgriff der Fiktion, einer theoretisch wertlosen, aber praktisch notwendigen Idee seinen Zweck zu erreichen sucht. War diese tiefe Konzeption und Klarstellung des Wesens der Fiktion erst nötig, uns ganz mit den Kunstgriffen unseres Denkens vertraut zu machen – eine Einsicht, die unsere Weltanschauung entsprechend umgestalten wird – so liegt in der Tatsache ihrer „Entdeckung“ bereits angedeutet, daß auch die leitende Fiktion des Seelenlebens dem Unbewußten angehört und daß ihr Auftauchen ins Bewußtsein für den Endzweck teils überflüssig, teils aber hinderlich sein kann.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-821"><lem><name>Furtmüller</name>s „Psychoanalyse und Ethik“</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Carl Furtmüller: Psychoanalyse und Ethik. Eine vorläufige Untersuchung. München: Ernst Reinhardt 1912 (Schriften des Vereins für freie psychoanalytische Forschung <abbr>Nr.</abbr> 1). Zu Vaihinger dort <abbr>S.</abbr> 17.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-822"><lem>Arbeit Professor <name>Jerusalem</name>s</lem><note>von <name>Wilhelm Jerusalem</name> waren 1912 erschienen: Die Aufgaben des Lehrers an höheren Schulen. Erfahrungen und Wünsche. 2., neu verfaßte Auflage von „Die Aufgaben des Mittelschullehrers“. Wien: Braumüller; Lehrbuch der Psychologie. 5. <abbr>Aufl.</abbr> Wien: Braumüller.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-823"><lem>unsere Arbeiten</lem><note>gemeint ist die Reihe: Schriften des Vereins für freie psychoanalytische Forschung <abbr>bzw.</abbr> Schriften des Vereins für Individualpsychologie.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-824"><lem>ALS-OB</lem><note>Schreibung wie in der Vorlage</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-825"><lem>Arbeit das Gymnasium betreffend</lem><note>gemeint ist vermutlich Vaihinger: Naturforschung und Schule. Eine Zurückweisung der Angriffe Preyers auf das Gymnasium vom Standpunkte der Entwicklungslehre. Ein Vortrag in der dritten allgemeinen Sitzung der 61. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte zu Köln am 22. September 1888 gehalten. Köln/Leipzig: Albert Ahn 1889.<anchor type="delimiter"/></note></app><app type="philological" corresp="#ED-827"><lem>Ich</lem><note>Schreibung wie in der Vorlage</note></app><app type="philological" corresp="#ED-828"><lem>auch</lem><rdg>u</rdg><note> <abbr>hs.</abbr> eingefügt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-829"><lem>Werk der letzten Tage</lem><note>redensartlich, mit starkem biblischem Nebensinn, <abbr>vgl.</abbr> Offenbarung Johannis 20, 12.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-830"><lem>Adler … 1912.</lem><note> eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>