<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001125-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Hermann Bahr</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Wien</placeName>, <date>12.3.1912</date>, <note>4 S., hs. (von anderer Hd., mit eU)</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 2 e, Nr. 1</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1125" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001125-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118505955">Hermann Bahr</persName><placeName>Wien</placeName><date when="1912-03-12">12.3.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118503863">Archimedes</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116242396">Arthur Bonus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117088382">Carl Wilhelm Jatho</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116223111">Heinrich Driesmans</name><name>Johannes Müller</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 2 e, Nr. 1</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Hermann Bahr</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Wien</placeName>, <date>12.3.1912</date>, <note>4 S., hs. (von anderer Hd., mit eU)</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXI, 2 e, Nr. 1</bibl></head></front><body><dateline>Wien XIII/<hi rend="subscript">7</hi> 12.3.12.</dateline><salute>Sehr verehrter Herr Professor!</salute><p>Ich bin seit Mitte Januar von Wien weg gewesen, um in verschiedenen deutschen Städten Vorlesungen zu halten, und gestern Abends erst heimgekehrt, so dass mir Ihr so ausserordentlich liebenswürdiges, mir so wertvolles <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-750"/>Schreiben vom 15. Februar<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-750"/> nun erst zukam und ich Ihnen nun erst meinen herzlichen Dank dafür sagen kann. Ich schulde <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-751"/>Ihrem Werk<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-751"/> unendlich viel: Dinge, die seit <pb/> Jahren in mir vorbereitet waren, die ich aber selbst richtig zu verbinden und in eine Formel zu bringen unfähig war, fand ich da mit wunderbarer Klarheit dargestellt und von allen Seiten bestätigt. Ich war früher eingezwängt zwischen einer Erkenntnistheorie, die mir alles versagte, was ich innerlich doch zum Handeln verlangte, und eben diesem Verlangen, das sich doch vor jener Erkenntnistheorie nicht rechtfertigen liess. Jetzt aber haben diese beiden kleinen Worte „Als <pb/> Ob“ mich gerettet und aufatmend kann ich jetzt erst mein praktisches Verhalten theoretisch begründen. Ich glaube, dass Ihr Werk ein wahrer Segen für das ganze deutsche Volk ist, es wird unser Denken reinigen.</p><p>Auch für die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-752"/>beigefügten Drucksachen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-752"/>, die ich nun gleich lesen will, sage ich Ihnen meinen schönsten Dank. Wichtig wäre für mich zu erfahren, wie sich wohl die religiösen Begabungen in Deutschland, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-753"/><name>Jatho</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-753"/><name/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-754"/><name>Bonus</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-754"/><name/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-755"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-756"/><name>Driesmans</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-755"/><name/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-756"/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-757"/><name>Johannes Müller</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-757"/><name/> <pb/> <abbr>u. s. w.</abbr> zu Ihrem Werk verhalten. Die ganze neue religiöse Bewegung in Deutschland hängt ja vor der Hand in der Luft, aber Sie haben ihr den festen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-758"/>Punkt gegeben, von dem aus sie die Welt bewegen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-758"/> kann. Wenn Sie mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-759"/>gelegentlich eine Nachricht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-759"/> über die Wirkung Ihres Werkes in diesen Kreisen zukommen liessen, würden Sie mich zu neuem Dank verpflichten.</p><p>Es betrübt mich sehr, von Ihrem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-760"/>Augenleiden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-760"/> zu hören und ich wünsche Ihnen von Herzen baldige völlige Genesung.</p><p>In aufrichtiger Verehrung Ihr sehr ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-761"/>Hermann Bahr<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-761"/></signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-750"><lem>Schreiben vom 15. Februar</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Bahr vom 15.2.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-751"><lem>Ihrem Werk</lem><note>Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob (1911). <abbr>Vgl.</abbr> Bahrs Rezension in: Neue Freie Presse, Beilage zu <abbr>Nr.</abbr> 17030 vom 21.1.1912, <abbr>S.</abbr> 31–32 (online via <ref type="link">https://anno.onb.ac.at/</ref> (16.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-752"><lem>beigefügten Drucksachen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Bahr vom 15.2.1912: </note><rdg>Gestatten Sie, daß ich Ihnen einige Drucksachen mitsende, die sich auf mein Buch beziehen. Die von dem Verleger gemachte Zusammenstellung bisher erschienener Urteile über mein Buch ist noch vor Erscheinen Ihrer Besprechung gedruckt worden: in einer baldigen neuen Auflage dieser Zusammenstellung wird natürlich noch Ihr Feuilleton, das aber im Grunde ein philosophischer Essay ist, im Auszug mitgeteilt werden</rdg><note> (zitiert nach Yannik Behme: Die Korrespondenz Hans Vaihingers an Bahr. In: Martin Anton Müller, Claus Pias, Gottfried Schnödl (<abbr>Hg.</abbr>): Hermann Bahr: Österreichischer Kritiker europäischer Avantgarden. Jahrbuch für Internationale Germanistik. Reihe A, Bd. 118. Bern <abbr>u. a.</abbr>: Peter Lang 2014, <abbr>S.</abbr> 154). Außerdem war beigelegt Vaihinger: Nietzsche als Philosoph. 3., <abbr>verm.</abbr>, billige <abbr>Aufl.</abbr> Berlin: Reuther &amp; Reichard 1905.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-753"><lem><name>Jatho</name></lem><note><name>Carl Wilhelm Jatho</name> (1851–1913), evangelischer Theologe, 1874 Religionslehrer in Aachen, 1876 Pfarrer der deutschen Gemeinde in Bukarest, 1885 in Boppard, seit 1891 in Köln, wegen pantheistischer Irrlehren am 24.6.1911 aus dem Amt entfernt (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-754"><lem><name>Bonus</name></lem><note><name>Arthur Bonus</name> (1864–1941), evangelischer Theologe und Schriftsteller (<ref type="link">https://d-nb.info/gnd/116242396</ref> (16.9.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-755"><lem><name>Driesmans</name></lem><note>vermutlich gemeint: <name>Heinrich Driesmans</name> (1863–1927), Schriftsteller und Rassenideologe (<ref type="link">https://d-nb.info/gnd/116223111</ref> (16.9.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-756"><lem><name>Driesmans</name><name/></lem><rdg>Driesmanns</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-757"><lem><name>Johannes Müller</name></lem><note><name>Johannes Müller</name> (1864–1949), evangelischer Theologe, Vortragender über Glaubens- und Lebensfragen; wirkte in Leipzig, Erlangen, Schliersee/Oberbayern, Mainberg/Franken, 1916 Gründer des Kultur- und Erholungszentrums Schloss Elmau (<ref type="link">https://d-nb.info/gnd/118585061</ref> (16.9.2024)). <abbr>Vgl.</abbr> Hermann Bahr: Johannes Müller. In <abbr>ders.</abbr>: Inventur. Berlin: S. Fischer 1912, <abbr>S.</abbr> 81–87.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-758"><lem>Punkt gegeben, von dem aus sie die Welt bewegen</lem><note>Anspielung auf den beflügelten Ausspruch des <name>Archimedes</name></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-759"><lem>gelegentlich eine Nachricht</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Bahr vom 23.9. <abbr>bzw.</abbr> 29.9.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-760"><lem>Augenleiden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Alfons Bilharz vom 25.5.1911</note></app><app type="philological" corresp="#ED-761"><lem>Hermann Bahr</lem><note>eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>