<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001116-4</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>22.1./23.1.1912</date>, <note>10 S., hs. (andere Hd, mit eU und eigenhändigem Postskriptum), Briefkopf </note><quote type="rdg">GEH. REG.-RAT</quote><quote type="rdg"> | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131799</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1116" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001116-4"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date from="1912-01-22" to="1912-01-23">22.1./23.1.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116996579">Arthur Liebert</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117502901">Ferdinand Jakob Schmidt</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118505955">Hermann Bahr</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117105082">Karl Jentsch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/127855696">Kasimir Filip Wize</name><name>streichen!</name><name>Philipp Frank</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118599461">Robert Reininger</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/124362214">Rudolf Eisler</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131799</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>22.1./23.1.1912</date>, <note>10 S., hs. (andere Hd, mit eU und eigenhändigem Postskriptum), Briefkopf </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-688"/><quote type="rdg">GEH. REG.-RAT</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-688"/><quote type="rdg"> | PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131799</bibl></head></front><body><anchor type="delimiter"/><dateline>22. Jan<add>[uar]</add> 1912.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr!</salute><p>Die Sendung der 60 grossen <hi rend="underline">Inhalts</hi>prospekte von meinem Verleger in Berlin werden Sie unterdessen erhalten haben, in einem schon <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-689"/>vom 20. datiertem Briefe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-689"/> teilt er mir mit, dass er diese Sendung erledigt habe, für alle Fälle habe ich ihn nochmals moniert. Ich werde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie diese Prospekte in dem Vortragsraum <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-690"/>auslegen wollen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-690"/>.</p><p>Von den <hi rend="underline">Urteils</hi>prospekten hat der Verlag im Augenblick keine vorrätig <pb/> daher konnte er keine mitsenden, dagegen erlaube ich mir die 10 <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-691"/>von Ihnen gewünschten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-691"/> Prospekte meinerseits Ihnen beizulegen. Ich würde Ihnen sehr verbunden sein, wenn Sie gelegentlich Ihren Bekannten gegenüber von denselben Gebrauch machen.</p><p>Es ist mir ausserordentlich lieb zu erfahren, dass Sie die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-692"/>Erwerbung des <hi rend="underline">Doktorats</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-692"/> mit Sicherheit in Aussicht genommen haben, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-693"/>Sie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-693"/> können ohne den Titel in Deutschland nicht viel anfangen, es sind zwar allerdings in den letzten Jahrzehnten eine Anzahl österreichischer Literaten ohne diesen Titel hier in Deutschland vorwärts gekommen, aber die Situation ist jetzt eine andere: die Übervölkerung ist jetzt derartig bei uns, dass es immer schwerer wird sich durchzusetzen, und da ist der <pb/> Doktortitel eine sehr wertvolle Mitgift, welche den Kampf ums Dasein wesentlich erleichtert, verlassen Sie also auf keinen Fall Ihre Heimat ohne diesen Titel vorher erworben zu haben, sei es in Wien selbst, sei es anderwärts. Durch meine zahlreichen Beziehungen wird es mir voraussichtlich auch möglich sein, Ihnen dann wertvolle Empfehlungen an verschiedene Zeitungen, Verleger <abbr>u. s. w.</abbr> zu geben.</p><p>Von <hi rend="underline"><name>Reininger</name></hi> habe ich unterdessen die Einladung zum Vortrag erhalten und antworte ihm gleich heute, natürlich würde ich persönlich selbst sehr gern kommen, aber mein Gesundheitszustand erlaubt es mir leider nicht, in jüngeren Jahren war ich in dieser Hinsicht sehr mobil, fuhr die Nacht durch und war am anderen Tage da, aber jetzt muss ich auf solche Extratouren verzichten. Es ist mir <pb/> eine sehr große Ehre, dass in einer so bedeutenden Gesellschaft ein Vortrag über mein Buch gehalten wird, es wird Sie interessieren zu erfahren, dass auch in Amerika schon mehrere Vorträge darüber gehalten worden sind.</p><p>Überaus verbunden bin ich Ihnen für die freundliche rasche Übersendung der beiden Besprechungen, die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-694"/>Rezension von <hi rend="underline"><name>Jentsch</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-694"/><hi rend="underline"><name/></hi> beweist trotz ihrer Kürze, dass der Mann das Buch sehr sorgfältig gelesen hat, das ist um so bewunderungswürdiger, als er halbblind ist; ich kann mit dieser Besprechung sehr zufrieden sein.</p><p>Wie <hi rend="underline"><name>Hermann Bahr</name></hi> dazu gekommen ist <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-695"/>mein Buch zu besprechen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-695"/> ist mir vollständig unerklärlich, ich habe weder direkt noch indirekt Beziehungen zu ihm, auch hat die „Neue <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-696"/>freie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-696"/> Presse“ selbst kein Rezensions-Exemplar erhalten, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-697"/>sondern <abbr>Dr.</abbr> <name>Eisler</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-697"/><name/> persönlich und direkt. Um so überraschender ist mir diese völlig unerwartete Besprechung, die ich soeben mit grossem Interesse mir habe vorlesen lassen, es steht viel Interessantes darin; was <name>Bahr</name> über den Pragmatismus sagt, ist ganz vorzüglich, der Mann hat einen weiten Blick. Natürlich muss nun dafür gesorgt werden, dass <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-698"/>die Besprechung von <hi rend="underline"><name>Eisler</name></hi> untergebracht wird<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-698"/>, ich schreibe heute an ihn in dem mir von Ihnen angegebenen Sinn.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-699"/>Mit bestem Gruß eiligst Ihr aufrichtig ergebener</p><signed>H. Vaihinger.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-699"/> <pb/></signed><postscript><dateline><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-700"/>23.I.12<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-700"/></dateline><p><abbr>P. S.</abbr></p><p>Ich lege die 10 <hi rend="underline double">Urteils</hi><hi rend="underline">prospekte bei,</hi> welche der Verleger im Augenblick nicht mehr vorrätig hatte.</p><p>Auch lege ich noch 10 große <hi rend="underline double">Inhalts</hi><hi rend="underline">prospekte</hi> bei, da <hi rend="underline">vielleicht</hi> der Besuch des Freitag-Vortrages durch die beiden am Sonntag erschienenen Rezensionen gesteigert werden könnte.</p><p>Falls die Wiener Zeitungen über solche Vorträge in der Philos<add>[ophischen]</add> Gesellschaft <hi rend="underline">Berichte</hi> bringen, so ist es mir sehr lieb, wenn Sie mich darauf aufmerksam machen, damit ich sie mir kommen lassen kann.</p><signed>V. <pb/></signed></postscript><postscript><dateline>23.I.12.</dateline><p><abbr>P. S.</abbr></p><p>Haben Sie auch den verbindlichsten Dank für den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-701"/>Hinweis auf <hi rend="underline"><name>Wize</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-701"/><hi rend="underline"><name/></hi>, dessen Erwähnung meines Buches mir entgangen war.</p><p>Soeben teilt mir D<hi rend="superscript">r</hi> <name>Liebert</name> mit, daß Sie schon das Verzeichniß der Mitglieder der Philos<add>[ophischen]</add> Gesellschaft in Wien an ihn gesendet haben. Das ist ja äußerst dankenswert; ich habe ihm geschrieben, er möge diese Arbeit honoriren in angemessener Weise. Diese Adressen sind uns sehr wertvoll. Daß Sie aus dem Wiener Adreßbuch die Adressen ausgeschrieben haben, ist besonders mühsam gewesen. Wahrscheinlich hat ja doch wol der Schriftführer <pb/> Herr <hi rend="underline">Privatdocent D<hi rend="superscript">r</hi> </hi><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-702"/><hi rend="underline"><name>Philipp</name></hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-702"/><name><hi rend="underline"> Frank</hi></name> ein vollständiges Verzeichniß, auch der außerordentlichen Mitglieder <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-703"/>nebst<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-703"/> deren sämtlichen Adressen – vielleicht können Sie das an D<hi rend="superscript">r</hi> <name>Liebert</name> gesendete Verzeichniß noch ergänzen durch das im Besitz von D<hi rend="superscript">r</hi> Frank befindliche vollständige Originalverzeichniß.</p><p>Es liegt uns natürlich sehr daran, unsere Tätigkeit immer mehr auszudehnen, und immer neue Mitglieder zu gewinnen: wir können immer mehr <hi rend="underline">leisten</hi>, je mehr wir <hi rend="underline">Teilnehmer</hi> haben. <pb/></p><p>In Berlin besteht wol auch eine Philos<add>[ophische]</add> Gesellschaft, aber diese ist <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-704"/>ganz veraltet<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-704"/>, ohne Triebkraft und Energie, mit veralteten Statuten und Einrichtungen, eine wahre Karrikatur und ein Trauerspiel, in Anbetracht der Weltstadt Berlin.</p><p>Paris und London haben auch gute Philos<add>[ophische]</add> Gesellschaften, ebenso Amerika, aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-705"/>Berlin ist darin ganz rückständig<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-705"/>.</p><p>Das große Interesse, das mein Buch gerade in <hi rend="underline">Wien</hi> findet, erklärt sich zu einem guten Teil durch <pb/> den Hochstand des philosophischen Verständnisses, das durch die Philos<add>[ophische]</add> Gesellschaft in Wien gepflegt wird und von da aus wol auch nach den Provinzen einigermaßen ausstrahlt.</p><signed>Vaihinger</signed></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-689"><lem>vom 20. datiertem Briefe</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-690"><lem>auslegen wollen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 17.1.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-691"><lem>von Ihnen gewünschten</lem><note>Schreiben <name>Prager</name>s nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-692"><lem>Erwerbung des <hi rend="underline">Doktorats</hi></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 17.1.1912 sowie vom 11.12.1908.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-693"><lem>Sie</lem><rdg>sie</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-694"><lem>Rezension von <hi rend="underline"><name>Jentsch</name></hi></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 6.7.1911 (1)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-695"><lem>mein Buch zu besprechen</lem><note><abbr>vgl.</abbr> die Rezension von <name>Hermann Bahr</name> in: Neue Freie Presse, Beilage zu Nr. 17030 vom 21.1.1912, S. 31–32 (erreichbar via <ref type="link">https://anno.onb.ac.at/</ref> (16.9.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-696"><lem>freie</lem><note>darüber Zählung des neuen Bogens (mit selbem Briefkopf und Datierung 22. Jan. 1912.): </note><rdg>II.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-697"><lem>sondern <abbr>Dr.</abbr> <name>Eisler</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 14.2.1912</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-698"><lem>die Besprechung von <hi rend="underline"><name>Eisler</name></hi> untergebracht wird</lem><note>ursprünglich geplant für die Wiener Zeitung Neue Freie Presse, dort nicht erschienen; <abbr>vgl.</abbr> die Rezension von <name>Rudolf Eisler</name> über Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob in: Das monistische Jahrhundert 1 (1912), S. 475–480.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-699"><lem>Mit … Vaihinger.</lem><note> eigenhändig</note></app><app type="philological" corresp="#ED-700"><lem>23.I.12</lem><note>ab hier eigenhändig</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-701"><lem>Hinweis auf <hi rend="underline"><name>Wize</name></hi></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Paul Barth an Vaihinger vom 11.7.1911 sowie Vaihinger an Prager vom 17.1.1912.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-702"><lem><hi rend="underline"><name>Philipp</name></hi></lem><rdg><hi rend="underline">Phil.</hi></rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-703"><lem>nebst</lem><note>Lesung unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-704"><lem>ganz veraltet</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Friedrich Jodl vom 1.3.1904</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-705"><lem>Berlin ist darin ganz rückständig</lem><note>die reservierte Haltung beruhte auf Gegenseitigkeit, <abbr>vgl.</abbr> den Bericht über einen der Philosophie Vaihingers gewidmeten Vortrag von <name>Ferdinand Jakob Schmidt</name> in der Philosophischen Gesellschaft Berlin am 24.2.1912 in: Deutsche Literaturzeitung, <abbr>Nr.</abbr> 10 vom 9.3.1912, <abbr>Sp.</abbr> 619–620. Die Schlussworte lauten: </note><rdg>Die Darlegung der ganzen Kultur als einer großen Fiktion läßt die Frage nach dem Fingierenden offen. Ist nicht der der Positivismus selber diese Fiktion?</rdg><note> Vaihinger wird </note><rdg>vorkritisches, materialistisches Denken</rdg><note> attestiert.</note></app></listApp></back></text></TEI>