<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001113-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Otto Liebmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>5.1.1912</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 7 b, Nr. 13</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1113" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001113-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117003646">Otto Liebmann</persName><placeName>Jena</placeName><date when="1912-01-05">5.1.1912</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11865361X">Bruno Bauch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116997338">Heinrich Liebmann</name><name>Julie Christine Liebmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 7 b, Nr. 13</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Otto Liebmann</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Jena</placeName>, <date>5.1.1912</date>, <note>3 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXII, 7 b, Nr. 13</bibl></head></front><body><dateline>Jena, den 5<hi rend="superscript"><hi rend="underline">t</hi></hi> Januar</dateline><dateline>1912.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-623"/>College!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-623"/></salute><p>Zuvörderst empfangen Sie die besten Glückwünsche zum neuen Jahre für Sie und für Ihre Familie!</p><p>Sodann aber danke ich Ihnen aufrichtigst für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-624"/>Ihre mehrfachen Briefe und Zusendungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-624"/>, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-625"/>die Sie mir so viel Anerkennung gespendet haben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-625"/>. Es wird mich sehr freuen, wenn der <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-626"/>Neuabdruck von „<anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-627"/><name>Kant</name> <abbr>u.</abbr> d<add>[ie]</add> Epigonen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-627"/>“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-626"/> nicht vergeblich stattfindet, sondern in der guten Sache der kritischen Philosophie neue Anregung hervorrufen wird. Möge es so sein! –</p><p>Andrerseits freut es mich, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-628"/>Ihr endlich so spät erschienenes umfangreiches <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-629"/>Opus<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-629"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-628"/> bereits <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-630"/>wiederholten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-631"/>Zustimmung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-631"/> erklungen sind<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-630"/>; – bis zu <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-632"/><name>Windelband</name>s kürzlich erschienener kleinen Schrift<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-632"/>. Möge auch dieses <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-633"/>weiterhallen!<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-633"/> –</p><p>Von <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-634"/>meinem Sohne<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-634"/> und vom Collegen <name>Bauch</name> haben Sie erfahren, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-635"/>wie es uns hier, mir selbst und meiner Frau, ergeht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-635"/>. Wir sind eben <hi rend="underline">Pazienten</hi>, und wollen es versuchen so gut als möglich <hi rend="underline">Stand</hi> <pb/> <hi rend="underline">zu halten</hi>. – <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-636"/>Was<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-636"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-637"/>Ihre<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-637"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-638"/>werthe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-638"/> Familie betrifft, so können Sie ja glücklicherweise leidlich zufrieden sein. Ihr persönliches Befinden aber, Ihr beklagenswerthes Augenleiden, hoffe und wünsche ich, daß <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-639"/>durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-640"/>sachverständige<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-640"/> Augenärzte Besserungen Linderungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-639"/> aufgefunden werden. –</p><p>Alles in Allem: Ergebensten Dank, besten Gruß von Haus zu Haus! Ihr ergebenster</p><signed>O. Liebmann.</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-623"><lem>College!</lem><note>darüber mit Bleistift, <abbr>ca.</abbr> 3 Zeilen hoch: </note><rdg>E</rdg><note> (vermutlich aufzulösen zu: Erledigt)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-624"><lem>Ihre mehrfachen Briefe und Zusendungen</lem><note>nicht ermittelt; Vaihinger hatte sein Werk: Die Philosophie des Als Ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Herausgegeben von H. V. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911 an Liebmann versendet, <abbr>vgl.</abbr> Liebmann an Vaihinger vom 29.5.1911.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-625"><lem>die Sie mir … gespendet haben</lem><note> so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-627"><lem>Kant u. d. Epigonen</lem><note> in lateinischer Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-626"><lem>Neuabdruck von „<name>Kant</name> <abbr>u.</abbr> d<add>[ie]</add> Epigonen“</lem><note>Liebmann: Kant und die Epigonen. Eine kritische Abhandlung (Neudrucke seltener philosoph. Werke <abbr>Bd.</abbr> 2). <abbr>Hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> der Kant-Gesellschaft, besorgt von <name>Bruno Bauch</name>. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1912. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/kantunddieepigon00lieb/</ref> (27.11.2023).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-629"><lem>Opus</lem><note>in lateinischer Schrift</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-628"><lem>Ihr endlich … Opus</lem><note> meint Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Herausgegeben von H. V. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-631"><lem>Zustimmung</lem><note>davor Ansatz gestrichen (Lesung unsicher): </note><rdg>Zuftill</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-630"><lem>wiederholten Zustimmung erklungen sind</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-632"><lem>Windelbands … Schrift</lem><note> gemeinte Schrift nicht sicher ermittelt; <name>Windelband</name> gesteht dem Pragmatismus, zu dem er Vaihingers Philosophie des Als Ob rechnet, nur bedingt philosophischen Wert zu: </note><rdg>Er [</rdg><note>der Pragmatismus</note><rdg>] benutzt die tatsächliche Abhängigkeit, in der sich das menschliche Erkenntnisleben von mannigfachen Bedürfnissen befindet, zu der Behauptung, daß überhaupt</rdg><note> </note><rdg>der Sinn des Erkennens nur darin bestehe, die für die Befriedigung der Bedürfnisse zweckmäßigen Vorstellungen zu bejahen; er kommt auf diese Weise zu der relativistischen Lehre, Wahrheit sei nichts weiter als Brauchbarkeit der Vorstellungen für die Zwecke des denkenden Menschen. […] Aber gerade in dieser Beziehung kommt neben der Verfehltheit dieser Richtung auch das freilich sehr begrenzte Maß des Nutzens zutage, den sie abwerfen kann. Denn wenn es aller Philosophie schließlich darauf ankommt aus den empirischen Formen, in denen die Vernunftwerte für das menschliche Bewußtsein gegeben sind, dasjenige herauszuschälen, was die übergreifende Bedeutung der Weltvernunft besitzt, so kann es ganz willkommen sein, daß die anthropologischen Momente, die in dem tatsächlichen menschlichen Erkennen stecken, so stark und scharf wie möglich herausgestellt werden. […] Jedenfalls kommt allen diesen Nuancen des modernen Protagoreismus für die Philosophie selbst nur der negativ propädeutische Wert zu, den schon die griechische Sophistik für den Platonismus gehabt hat. Eine ähnliche Bedeutung wird auch die „Philosophie des Als-ob“ haben, mit der in allerjüngster Zeit diese Gedankengänge von Vaihinger enzyklpädisch zusammengefaßt worden sind.</rdg><note> (Windelband, Wilhelm: Die philosophischen Richtungen der Gegenwart. In: Große Denker <abbr>Bd.</abbr> 2. Unter Mitwirkung von […] <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Ernst von Aster. Leipzig: Quelle &amp; Meyer <abbr>o. J.</abbr> [1911], <abbr>S.</abbr> 361–377, hier <abbr>S.</abbr> 367).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-633"><lem>weiterhallen!</lem><rdg>weiterhallen.!</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-634"><lem>meinem Sohne</lem><note>einziger ermittelter Sohn Otto Liebmanns ist <name>Heinrich Liebmann</name> (1874–1939), Mathematiker, 1895 Promotion, 1896 Oberlehrerexamen in Jena, 1905 <abbr>apl. ao. Prof.</abbr> in Leipzig, 1910 <abbr>ao.  Prof.</abbr> in München, 1920 <abbr>o. Prof.</abbr> in Heidelberg, 1935 nach rasseideologischer Hetze gegen ihn auf eigenen Antrag aus gesundheitlichen Gründen pensioniert; Liebmann hatte weitere nicht ermittelte Kinder (<abbr>NDB</abbr>). Etwaige Korrespondenz oder Treffen Vaihingers mit <name>Heinrich Liebmann</name> nicht ermittelt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-635"><lem>wie es uns … ergeht</lem><note> zu Krankheiten <name>Julie Christine Liebmann</name>s <abbr>vgl.</abbr> Otto Liebmann an Vaihinger vom 19.5.1896, 27.7.1903 und 24.6.1910; zu einer Krankheit Otto Liebmanns <abbr>vgl.</abbr> <abbr>ders.</abbr> an Vaihinger vom 24.6.1910.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-636"><lem>Was</lem><note>davor Ansatz gestrichen: </note><rdg>Andere</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-637"><lem>Ihre</lem><note>stark verschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-638"><lem>werthe</lem><rdg>werther</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-640"><lem>sachverständige</lem><note>verbessert aus: </note><rdg>sach verständige</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-639"><lem>durch sachverständige Augenärzte Besserungen Linderungen</lem><note>so wörtlich</note></app></listApp></back></text></TEI>