<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001090-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>6.7.1911 (2)</date>, <note>3 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131787</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1090" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001090-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1911-07-06">6.7.1911 (2)</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118509578">Henri Bergson</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131787</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>6.7.1911 (2)</date>, <note>3 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131787</bibl></head></front><body><dateline>6.7.1911.</dateline><salute>Sehr geehrter Herr!</salute><p>Ihre <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-402"/>Besprechung des Buches über <name>Bergson</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-402"/><name/> habe ich mit großem Interesse gelesen; Sie haben die Hauptpunkte gewandt und klar hervorgehoben, so daß jeder Leser von Ihrer Rezension sicher großen Gewinn ziehen wird.</p><p>Besonders verbunden bin ich Ihnen für die ehrende Anerkennung, die Sie in der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-403"/>ersten Anmerkung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-403"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-404"/>mir<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-404"/> zuteil werden lassen. Was Sie daselbst über die Begriffe sagen, stimmt ganz mit dem überein, was Sie auf <abbr>S.</abbr> 84 gegen das Ende von <name>Bergson</name> berichten: daß die Begriffe nicht im Stande seien, die ganze Wirk<pb/>lichkeit zu erfassen. Um so eher tun sie, wie Sie ganz richtig bemerken, als Fiktionen einen großen Dienst.</p><p>Auch mit dem, was Sie auf <abbr>S.</abbr> 82 Mitte von <name>Bergson</name> berichten, daß er das Bild als bedeutungsvoll hervorhebt, kann ich mich sehr einverstanden erklären; denn gerade die Bedeutung der bildlichen Vorstellungen habe ich ja überall betont.</p><p>Zu dieser Bildlichkeit gehört auch die auf <abbr>S.</abbr> 85 unten erwähnte „Dinghaftigkeit“, wie ich in den Kapiteln über die Kategorien ausgeführt habe. Daß die Unendlichkeit des Raumes, wie Sie auf <abbr>S.</abbr> 83 erwähnen, nur eine subjektive Vorstellung ist nach <name>Bergson</name>, stimmt mit dem überein, daß ich sie für fiktiv erkläre. <pb/></p><p>Daß die Zeit das einzig Reale sei, wie Sie auf <abbr>S.</abbr> 83 im Anschluß an <name>Bergson</name> ausführen, auch das stimmt mit meinen Ausführungen überein, da ich überall die Realität des Werdens betont habe.</p><p>Dagegen kann ich mich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-405"/>mit der Intuition nicht befreunden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-405"/>, da ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-406"/>allem Metaphysischen abhold<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-406"/> bin, und sie für mich immer Einbildung ist; darum eben nenne ich meinen Standpunkt Positivismus.</p><p>Ich danke Ihnen nochmals, daß Sie mich auf diese Rezension aufmerksam gemacht haben; Sie sehen, wie sorgfältig ich sie gelesen habe; sie hat mir sehr viel Wertvolles geboten.</p><p>Mit bestem Gruß, Ihr</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-402"><lem>Besprechung des Buches über <name>Bergson</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 6.7.1911 (1)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-403"><lem>ersten Anmerkung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik 142 (1911), <abbr>S.</abbr> 80, <abbr>Anm.</abbr> 1: </note><rdg>Was Begriffe als „Fiktionen“ leisten können (und Intuition ist vielleicht eine Erlebnis-Fiktion), darüber lese man das fundamentale Werk: Die Philosophie des Als Ob, herausgegeben von H. Vaihinger, nach, das soeben (Berlin, Reuther &amp; Reichard) erschienen ist.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-404"><lem>mir</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-405"><lem>mit der Intuition nicht befreunden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 1.9.1910</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-406"><lem>allem Metaphysischen abhold</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 14.6.1911</note></app></listApp></back></text></TEI>