<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001082-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Fritz Mauthner</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>o. D. [vor 7.6.1911]</date>, <note>5 S., hs. (andere Hd., mit eU und vereinzelten eigenhändigen Korrekturen und Zusätzen), Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>,<bibl type="pubPlace"> Leo Baeck Institute New York, Fritz Mauthner Collection, </bibl><ref type="link">https://archive.org/details/fritzmauthner_08_reel08/page/n688/mode/1up</ref><bibl type="pubPlace"> (S. 689–725)</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1082" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001082-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date notAfter="1911-06-07">o. D. [vor 7.6.1911]</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118579304">Fritz Mauthner</persName></correspAction><note type="repository">Leo Baeck Institute New York, Fritz Mauthner Collection</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Fritz Mauthner</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>o. D. [vor 7.6.1911]</date>, <note>5 S., hs. (andere Hd., mit eU und vereinzelten eigenhändigen Korrekturen und Zusätzen), Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>,<bibl type="pubPlace"> Leo Baeck Institute New York, Fritz Mauthner Collection, </bibl><ref type="link">https://archive.org/details/fritzmauthner_08_reel08/page/n688/mode/1up</ref><bibl type="pubPlace"> (S. 689–725)</bibl></head></front><body><salute>Sehr geehrter Herr Doktor!</salute><p>Endlich bin ich in der angenehmen Lage, Ihnen das Buch übersenden zu können, von welchem ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-322"/>Ihnen einmal geschrieben habe<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-322"/>, daß es bald erscheinen werde. Wie ich Ihnen schon damals schrieb, berührt sich das Werk zum Teil eng mit demjenigen, was Sie in Ihrem großen Werk „Zur Kritik der Sprache“ vorgebracht haben; warum ich trotzdem auf Ihr Werk nicht näher eingehen konnte in dem Buche, das werden Sie aus der Vorrede des Herausgebers bald entnehmen. Nur einmal habe ich es möglich gemacht, Ihren Namen nachträglich in einer Anmerkung zu nennen, <pb/> Sie finden die Stelle, wenn Sie im Personenregister Ihren Namen nachschlagen.</p><p>Das Werk ist <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-323"/>seiner Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-323"/> entstanden, als von Ihrem Buch noch nicht die Rede sein konnte, und so sind in dem Buch überhaupt keine Schriften zitiert, welche nach dem Jahre <hi rend="underline">1878</hi> erschienen sind; so ist es schon der Form nach ein seltsames Buch, und seltsam mag auch Manches Ihnen erscheinen, was in dem Buche selbst steht. Vieles mag Ihren Widerspruch erregen, aber soweit ich sehe, wird doch auch sehr Vieles nicht nur auf Ihr Verständnis, sondern auch auf Ihr Einverständnis rechnen dürfen, und vielleicht fühlen Sie sich dadurch veranlaßt, über das Buch öffentlich zu reden; vielleicht bietet dazu die „Zukunft“ Ihnen den richtigen Platz. Ich würde <pb/> sehr großen Wert darauf legen, gerade in diesem Organ eine Besprechung zu erhalten von einem Manne, der etwas von der Sache versteht. Vielleicht haben Sie die Freundlichkeit, mir hierüber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-324"/>Ihre Meinung zu schreiben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-324"/>, damit ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-325"/>eventuell<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-325"/>, falls Sie selbst nicht dazu geneigt wären, mich an einen Anderen wenden kann.</p><p>Vielleicht finden Sie auch noch Gelegenheit in Ihrem philosoph<add>[ischen]</add> Lexikon auf mein Buch einzugehen; vielleicht unter dem Artikel „Widerspruch“ oder „Zufällige Ansichten“, falls nicht bis dahin eben der zweite Teil Ihres Lexikons gedruckt ist. Soweit ich in dasselbe Einblick nehmen konnte, glaube ich gefunden zu haben, daß sich unsere Ansichten vielfach berühren; auch ich lege großen Wert auf eine Kritik der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-326"/>Sprache.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-326"/> Das ganze Buch <pb/> ist ja eine Monographie über eine sprachliche Partikel; die Untersuchung der Partikelverbindung führt zu einer vollständigen Methodologie der fiktiven Hilfsvorstellungen in <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-327"/>allen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-327"/> Wissenschaftsgebieten und führt schließlich zu einer umfassenden Welt- und Lebensanschauung.</p><p>Es würde mich außerordentlich freuen und zugleich ehren, von Ihnen ein ermunterndes Wort zu hören, wenn es auch gleichzeitig mit Widerspruch gepaart ist. Angegriffen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-328"/>eventuell<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-328"/> getadelt werden ist kein Unglück, wohl aber <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-329"/>ignoriert<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-329"/> werden.</p><p>Daß Sie die Güte haben wollen, mir gelegentlich Ihre Mitteilungen aus Ihrer Kinderzeit zu senden, ist sehr liebenswürdig von Ihnen; hoffentlich setzen Sie dann diese <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-330"/>Publikation<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-330"/> <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-331"/>fort<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-331"/>, in dem Sie auch auf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-332"/>Ihre Studienzeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-332"/> eingehen. Es muß damals, als Sie in Prag studierten, ein merkwürdiges und interessantes Leben daselbst gewesen sein; interessante und merkwürdige Menschen müssen sich daselbst zusammengefunden haben, und so würde eine derartige Schilderung sicher eine kulturhistorische Bedeutung gewinnen.</p><p>Mit besten Grüßen und Empfehlungen Ihr ergebener</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-322"><lem>Ihnen einmal geschrieben habe</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Mauthner vom 17.2.1911</note></app><app type="philological" corresp="#ED-323"><lem>seiner Zeit</lem><rdg>s. Zt.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-324"><lem>Ihre Meinung zu schreiben</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Mauthner an Vaihinger vom 7.6.1911</note></app><app type="philological" corresp="#ED-325"><lem>eventuell</lem><rdg>evtl.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-326"><lem>Sprache.</lem><note>danach Fußnotenzeichen und -text: </note><rdg>bes. in den Kapiteln S. 383 ff 399 ff über die abstrakten u. allgem. Begriffe</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-327"><lem>allen</lem><note>Einfügung über der Zeile von Vaihingers <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="philological" corresp="#ED-328"><lem>eventuell</lem><rdg>evtl.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-329"><lem>ignoriert</lem><rdg>Ignoriert</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-330"><lem>Publikation</lem><note>von Vaihinger <abbr>hs.</abbr> aus </note><rdg>Publikationen</rdg><note> verbessert</note></app><app type="philological" corresp="#ED-331"><lem>fort</lem><note>neuer Bogen paginiert: </note><rdg>II.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-332"><lem>Ihre Studienzeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Mauthner vom 7.3.1911</note></app></listApp></back></text></TEI>