<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001070-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Traugott Konstantin Oesterreich</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>19.5.1911</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 f</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1070" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001070-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/124415687">Traugott Konstantin Oesterreich</persName><placeName>Tübingen</placeName><date when="1911-05-19">19.5.1911</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118509578">Henri Bergson</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/121296261">Carl Jacobj</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119105322">Günther Jacoby</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/131500120">William James</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 f</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Traugott Konstantin Oesterreich</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Tübingen</placeName>, <date>19.5.1911</date>, <note>4 S., hs.</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 1 f</bibl></head></front><body><dateline>Tübingen, Keplerstr. 16 19. Mai 11.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Geheimrat!</salute><p>Für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-216"/>Ihre so gütigen Zeilen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-216"/> gestatte ich mir Ihnen meinen verbindlichsten Dank zu sagen und freue mich sehr, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-217"/>im Vorwort<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-217"/> mich erwähnt zu finden. Ich bin auf das Werk, von dem ich bereits den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-218"/>Prospekt im letzten Hefte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-219"/>der Kant-Studien<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-219"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-218"/> mit grosser Spannung gelesen habe, aufs äusserste begierig und spreche Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche dazu schon <pb/> im voraus aus. Ich teile ganz die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-220"/>Ansicht des Kollegen Jakoby, dass das Werk in entscheidender Weise in die Pragmatismusfrage eingreifen wird,<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-220"/> und habe auch selbst keineswegs mit den in Betracht kommenden Gedankengängen, die von Ihnen in konsequentester und systematischster Weise durchdacht worden sind, gebrochen: ich erwarte von Ihrem Werk weitgehendste Förderung. Es wäre überaus bedauernswert gewesen, wenn das Werk erst posthum erschienen wäre und <pb/> wir dann – hoffentlich! – noch lange hätten darauf warten müssen.</p><p>Auch zu <name>Bergson</name>s Kritik des Intellekts scheinen mir entscheidende Beziehungen zu bestehen, wie denn überhaupt die ganze immer dringender werdende Frage nach dem Wert der verschiedenen Formen des Denkens und damit auch der Erkenntnis selbst von Ihnen von Grund aus aufgewühlt wird.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-221"/>Aus allen diesen Rücksichten bin ich selbstverständlich gern bereit, das Werk in einem grösseren Aufsatze anzuzeigen, nach Ihrer Wahl im „Schwäbischen Merkur“ <pb/> oder lieber noch an sichtbarerer Stelle, wie etwa im „Tag“ od<add>[er]</add> d<add>[er]</add> „Frankfurter Zeitung“ oder auch in einer Zeitschrift, etwa d<add>[er]</add> „Münchener Allgemeinen Zeitung“ oder d<add>[er]</add> „Internationalen Wochenschrift.“<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-221"/> Meine eigenen Beziehungen reichen aber leider nicht soweit vorläufig, um ohne Ihre Vermittlung für die Aufnahme seitens dieser Organe garantieren zu können.</p><p>Mit dem Ausdruck hochachtungsvollster Verehrung in grösster Ergebenheit</p><signed>Dr K Oesterreich</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-216"><lem>Ihre so gütigen Zeilen</lem><note>nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-217"><lem>im Vorwort</lem><note><abbr>vgl.</abbr> das Vorwort des (in der 1. Aufl. nicht benannten) Verfassers in Vaihinger (<abbr>Hg.</abbr>): Die Philosophie des Als Ob. System der theoretischen, praktischen und religiösen Fiktionen der Menschheit auf Grund eines idealistischen Positivismus. Mit einem Anhang über Kant und Nietzsche. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1911, <abbr>S.</abbr> VII–XVI, hier <abbr>S.</abbr> XIII–XIV: </note><rdg>Von Ästhetik und Ethik führen Verbindungslinien zur Religionsphilosophie, in der die Als-Ob-Betrachtung nun vollends ihre Triumphe feiert. Verschiedene Strömungen sind hier zu unterscheiden, so zunächst die an Kant anknüpfende Erneuerung des „symbolischen Anthropomorphismus“ desselben bei Paulsen und seinen Schülern, bes. bei K. Oesterreich, der den treffenden Ausdruck „bewusster Subjektivismus“ dafür geprägt hat […]. Sie [</rdg><note>die verschiedenen Strömungen, D. S.</note><rdg>] fassen die Objekte der Kantischen Postulate Gott und Unsterblichkeit als Realitäten […]. Aber bei Kant ist […] daneben resp. darunter noch eine radikalere Unterströmung vorhanden: Dieser enthüllen sich jene Objekte ebenfalls als Scheindinge, welche aber in der Als-Ob-Betrachtung ihre Wiederherstellung als notwendige Fiktionen finden. Daß dies der eigentliche und letzte Sinn der Kantischen Philosophie sei, haben in neuerer Zeit auch Andere zu erkennen begonnen, so Görland, Fittbogen, E. Lehmann, B. Bauch, O. Ewald, Simmel, Elsenhans, Chamberlain, K. Oesterreich; sogar die sich unter einander bekämpfenden J. Reinke und H. Schmidt-Jena sind hier zu nennen.</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-219"><lem>der Kant-Studien</lem><rdg>d K.St.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-218"><lem>Prospekt im letzten Hefte der Kant-Studien</lem><note>meint möglicherweise Vaihinger: „Die Philosophie des Als Ob“. Mitteilungen über ein unter diesem Titel soeben erschienenes neues Werk. Von dessen Herausgeber H. Vaihinger. In: Kant-Studien 16 (1911), <abbr>S.</abbr> 108–115.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-220"><lem>Ansicht des … eingreifen wird,</lem><note> meint womöglich <name>Günther Jacoby</name> (1881–1969), Philosoph, Promotion in Berlin 1906, Habilitation in Greifswald 1909, verschiedene Lehr- und Studienaufenthalte im Ausland, 1919 <abbr>ao. Prof.</abbr>, 1928 <abbr>o. Prof.</abbr> in Greifswald, 1937 zwangspensioniert, 1945 wieder ins Amt eingesetzt (<abbr>BEdPh</abbr>). <name>Jacoby</name>s Rezension zu Vaihingers Philosophie des Als-Ob (in: Archiv für Kulturgeschichte 10 (1912), <abbr>S.</abbr> 233–237) enthält die ihm von Oesterreich zugeschriebene Aussage nicht wörtlich, führt Vaihingers Buch allerdings im direkten Zusammenhang mit <name>William James</name>’ </note><rdg>Lehre vom „Willen zum Glauben“</rdg><note> (<abbr>vgl.</abbr> <abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 233–234) ein und stellt fest, dass Vaihingers Buch zu </note><rdg>großen Erwartungen</rdg><note> (<abbr>vgl.</abbr> <abbr>ebd.</abbr>, <abbr>S.</abbr> 234) berechtige. Nicht sicher ausgeschlossen werden konnten Oesterreichs Tübinger Kollege <name>Carl Jacobj</name> (1857–1944), seit 1907 <abbr>o. Prof.</abbr> und Direktor des pharmakologischen Instituts (<abbr>NDB</abbr>), sowie der unbekannte Autor der Rezension in: Literarischer Ratgeber für die Katholiken Deutschlands 10 (1911), <abbr>S.</abbr> 82.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-221"><lem>Aus allen … Wochenschrift.“</lem><note> in den genannten Periodika ist keine Veröffentlichung Oesterreichs zu Vaihingers Philosophie des Als Ob ermittelt; <abbr>vgl.</abbr> Oesterreich: Die Philosophie des Als-Ob. In: Deutsche Literaturzeitung 34 (1913), <abbr>Nr.</abbr> 4 vom 25.1.1913, <abbr>Sp.</abbr> 197–206. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/deutscheliteratu34berluoft/page/98/mode/2up</ref> (16.2.2024).</note></app></listApp></back></text></TEI>