<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001064-6</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Paul Natorp</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>12.5.1911</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU und eigenhändigem Postskriptum), Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1110</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1064" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001064-6"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1911-05-12">12.5.1911</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/116634995">Ernst Laas</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Marburg, Ms. 831/1110</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Paul Natorp</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>12.5.1911</date>, <note>4 S., hs. 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Ich arbeitete um die Zeit als wir uns trafen, an dem zweiten Teile oder hatte ihn schon fertig.</p><p>Gründe der verschiedensten Art haben die Publikation des Werkes hinausgehalten, aber nun kehrt es doch nach 35 Jahren bei <pb/> Ihnen ein, um Ihnen einen Gruß aus jener Zeit zu bringen.</p><p>Freilich – Sie werden an Vielem Anstoß nehmen. Meine Stellung zu <name>Kant</name> ist ja eine ganz andere als die Ihrige, aber auf der anderen Seite finden sich doch auch wieder sehr viele Berührungspunkte; vor Allem wohl in den Partien über Mathematik und Physik, mehr noch aber wohl in meiner Auffassung des <name>kant</name>ischen <hi rend="underline">Als-Ob</hi>, das merkwürdiger Weise bis jetzt noch nie eine monografische Behandlung gefunden hat. Freilich in den Schriften der Marburger <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-188"/>Schule<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-188"/> habe ich hin und wieder Stellen gefunden, aus denen ich entnehmen muß, daß die Marburger die Sache ähnlich auffassen wie ich, und auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-189"/>Ihr bedeutsames Buch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-189"/> über die Religion innerhalb der Grenzen der Humanität dürfte wohl dieser Auffassung nahe stehen. <pb/></p><p>Vor allem aber dürfte dasjenige Ihre Beachtung finden, und vielleicht auch zum Teil Ihre Zustimmung, was über den Unterschied von Ding-an-sich und Erscheinung gesagt ist; was im ersten Teil darüber steht, ist meine eigene Auffassung und vielfach vielleicht zu radikal ausgedrückt, aber merkwürdig ist und bleibt dasjenige, was ich hierüber im Dritten Teil aus <name>Kant</name>s Opus Posthumum ausgezogen habe. Das ist seltsamer Weise bis jetzt ganz unbeachtet geblieben, weil dieses letzte Werk <name>Kant</name>s fast von Allen ganz falsch beurteilt wird und weil es überhaupt nur sehr wenige kennen: ist es doch auch sehr schwer zugänglich. Die Auszüge aus diesem letzten Werke <name>Kant</name>s dürften für Manchen vielleicht sogar das Bedeutsamste an meinem Buche sein. Indessen hoffe ich auch, daß <pb/> meine sonstigen Ausführungen Beachtung finden; wenn sie Angriffe finden, kann ich mich nur darüber freuen. Auch Ihnen selbst lasse ich natürlich die volle Freiheit der Kritik, falls sich Ihnen einmal die Gelegenheit ergeben sollte, sich über meine Ausführungen zu äußern, was mir natürlich eine sehr große Ehre sein wird.</p><p>Mit collegialem Gruß Ihr ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-190"/>H. Vaihinger</signed><postscript><p>Das Buch geht gleichzeitig per Packet an Sie ab.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-190"/></p></postscript></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-185"><lem>12 Mai 1911</lem><note>von Vaihinger eigenhändig korrigiert aus </note><rdg>[…] V. 1910.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-186"><lem>Das Werk</lem><note>meint Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob (1911).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-187"><lem>in Straßburg kennen lernten</lem><note><name>Natorp</name> hat 1876 in Straßburg promoviert (<abbr>BEdPh</abbr>), Vaihinger dort Ende 1876/Anfang 1877 habilitiert.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-188"><lem>Schule</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-189"><lem>Ihr bedeutsames Buch</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Natorp: Religion innerhalb der Grenzen der Humanität. Ein Kapitel zur Grundlegung der Sozialpädagogik. 2., durchgesehene <abbr>u.</abbr> um ein Nachwort vermehrte <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen: Mohr (Siebeck) 1908 (zuerst 1894).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-190"><lem>H. Vaihinger … ab.</lem><note> eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>