<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001048-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Wilhelm Windelband</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>16.3.1911</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1048" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001048-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</persName><placeName>Heidelberg</placeName><date when="1911-03-16">16.3.1911</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118569856">Emil Lask</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116506059">Federigo Enriques</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118682555">Rudolf Eucken</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118782819">Fritz Medicus</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118614436">Georg Simmel</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118597582">Gustav Radbruch</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116731583">Heinrich Lanz</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/137736983">Hermann Graf von Keyserling</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1221315625">Hugo Bergmann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116514477">Ludolf Krehl</name><name>streichen!</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600826">Alois Riehl</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118633635">Wilhelm Windelband</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Wilhelm Windelband</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Heidelberg</placeName>, <date>16.3.1911</date>, <note>3 S., hs. (lat. Schrift)</note>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 9</bibl></head></front><body><dateline>Heidelberg, 16.3.11.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege,</salute><p>Besten Dank für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-47"/>Ihren freundlichen Brief<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-47"/> und Ihre liebenswürdige Erkundigung nach meinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-48"/>Befinden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-48"/><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-49"/>. ich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-49"/> habe mich allerdings genötigt, <abbr>d. h.</abbr> durch die auf meine Schonung allzu sehr bedachten Aerzte veranlasst gesehen, meine Vorlesungen für den Rest des Semesters – im Ganzen den Monat Februar – abzusagen; aber die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-50"/>törichten Zeitungen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-50"/> haben daraus viel mehr gemacht, und so sind auch die Gerüchte, dass ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-51"/>nicht nach Bologna<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-51"/> gehen würde, zum mindesten <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-52"/>verfrüht<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-52"/>; sie sind auch schon dorthin gedrungen, <name>Enriques</name> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-53"/>fragte gestern bei mir an<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-53"/>. Es ist leider richtig, dass nicht nur <name>Eucken</name> sich zurückgezogen, sondern auch <name>Riehl</name> „aus Gesundheitsrücksichten“ <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-54"/>abgesagt<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-54"/> hat. Wenn nun auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-55"/>Sie nicht kommen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-55"/>, dann sind wir aller<pb/>dings recht mässig vertreten, und das ist für mich ein starker moralischer Appell, hinzugehen, wenn ichs irgend vermag. Aber bestimmt kann ichs noch nicht sagen. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-56"/><name>Krehl</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-56"/>, unser Kliniker, der mich überwacht, kommt von einer kleinen Reise erst am Sonntag zurück, und dann wird sich’s entscheiden.</p><p>Dass Sie die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-57"/>Arbeit von <name>Lanz</name> annehmen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-57"/> wollen, freut mich sehr; sie verdient es <abbr>m. E.</abbr> wegen ihrer feinen und scharfsinnigen Behandlung des interessanten Thema’s durchaus. Uebrigens hängt er mit der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-58"/>Mannheimer Millionenfamilie<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-58"/>, die unsre Akademie dotiert hat, ganz und garnicht zusammen, ist vielmehr ein in America geborner und dort staatsangehöriger Russe, jüdischer Deutschrusse, der irgendwo einen Zugang zur akademischen Lehrtätigkeit sucht, für die ich ihn nach seinen Vorträgen im Seminar für gut befähigt halte. <pb/></p><p>Dass aus der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-59"/>Berufung von <name>Medicus</name> nach Zürich<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-59"/> etwas geworden ist, freut mich sehr; ich habe auf Anfrage <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-60"/>lebhaft für ihn gesprochen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-60"/>. Dabei habe ich zu meinem Staunen erfahren, dass man sich dort doch ziemlich stark <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-61"/>an die Meldungen zu halten<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-61"/> scheint.</p><p>Das <abbr>Ms</abbr>. über die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-62"/>beabsichtigte Rede über Metaphysik der Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-62"/> wird erst in diesen Tagen fertig. Ob es so über Thesenhaftigkeit hinaus ausgeführt wird, dass es sich für Ihre K<add>[ant-]</add> St<add>[udien]</add> eignet, weiss ich noch nicht. Wenn es der Fall ist, schicke ichs Ihnen. Uebrigens habe ich neulich die lang versäumte <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-63"/>Anmeldung zur <name>Kant</name>gesellschaft<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-63"/> endlich zur Ausführung gebracht.</p><p>Was macht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-64"/>Ihr Buch<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-64"/>, von dem Sie mir <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-65"/>vor Jahresfrist schrieben<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-65"/>? ich freue mich sehr darauf.</p><p>Mit aufrichtigen Wünschen für Ihre Gesundheit und besten Grüssen von Haus zu Haus ergebenst der Ihrige</p><signed>W Windelband</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-47"><lem>Ihren freundlichen Brief</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-48"><lem>Befinden</lem><note><abbr>vgl.</abbr> <name>Emil Lask</name> an <name>Gustav Radbruch</name>, <abbr>o. D.</abbr> (nach 10.3.1911): </note><rdg>Lieber Radbruch! Bitte halten Sie außer gegenüber Jaspers’ meine Äußerung von Frau Weber über Windelbands Krankheit möglichst geheim. Alle, die ich sprach, Oncken, Fleiner usw. wußten nichts von einer <hi rend="underline">Herz</hi>affektion. Frau Jaspers schien dies für bekannter zu halten als es ist. Ich habe sie um Geheimhaltung gebeten. Herzlich Ihr Lask</rdg><note> (Universitätsbibliothek Heidelberg, Hs. 3716).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-49"><lem>Befinden. ich</lem><note> so wörtlich; typisch für Windelbands Schreibweise.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-50"><lem>törichten Zeitungen</lem><note>nicht näher ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-51"><lem>nicht nach Bologna</lem><note>zum IV. Internationalen Kongreß für Philosophie, 5.4.–11.4.1911 in Bologna. <name>Windelband</name> nahm nicht teil.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-52"><lem>verfrüht</lem><note>bereits am 28.3.1911 wurde <name>Simmel</name> als Ersatz für Windelband angefragt, dieser lehnte jedoch ab, <abbr>vgl.</abbr> <name>Georg Simmel</name> an <name>Hermann Graf Keyserling</name> vom 30.3.1911, in: Georg Simmel Gesamtausgabe <abbr>Bd.</abbr> 22, <abbr>S.</abbr> 957.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-53"><lem>fragte gestern bei mir an</lem><note>als Organisator des 4. Internationalen Kongresses für Philosophie in Bologna. Schreiben nicht ermittelt. – <name>Federigo Enriques</name> (1871–1946) Mathematiker, Studium bis 1891 an der Universität Pisa, danach in Rom und Turin. 1896 <abbr>Prof.</abbr> für Geometrie in Bologna, 1923 in Rom (<ref type="link">http://www-history.mcs.st-andrews.ac.uk/Biographies/Enriques.html</ref>; 3.3.2023).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-54"><lem>abgesagt</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Riehl an Vaihinger vom 14.3.1911</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-55"><lem>Sie nicht kommen</lem><note>Vaihinger ist zwar unter den Teilnehmern des Kongresses aufgeführt, nahm aber nicht persönlich teil, <abbr>vgl.</abbr> Federigo Enriques an Vaihinger vom 4.4.1911. Vaihinger ließ dem Kongreß am 11.4.1911 sein Werk Philosophie des Als Ob überreichen, <abbr>vgl.</abbr> Atti del IV Congresso Internazionale di Filosofia <abbr>Bd.</abbr> 1, 1911, <abbr>S.</abbr> 297–309.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-56"><lem><name>Krehl</name></lem><note><name>Ludolf Krehl</name>, <abbr>vgl.</abbr> Windelband an Max Weber vom 12.12.1910 (Bohr/Hartung: Forschungsgrundlagen Wilhelm Windelband, 2020).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-57"><lem>Arbeit von <name>Lanz</name> annehmen</lem><note>zum Druck, <abbr>vgl.</abbr> Heinrich Lanz: Das Problem der Gegenständlichkeit in der modernen Logik [Teil] I. Kants Lehre von der Objektivität. <abbr>Diss.</abbr> Heidelberg 1911. 53 <abbr>S.</abbr> Vollständig erschienen als: Das Problem der Gegenständlichkeit in der modernen Logik. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1912 (Kantstudien Ergänzungsheft <abbr>Nr.</abbr> 26). 163 <abbr>S.</abbr> Vita zur Dissertation: </note><rdg>Als Sohn des Privatbeamten Ernst Lanz bin ich am 20. Januar 1886 zu Moskau geboren. Im August 1896 [!] bezog ich das IV. Gymnasium zu Moskau, welches ich im Frühjahr 1894 [!] absolviert habe. Im September 1904 wurde ich in der mathematischen Fakultät der Kaiserlichen Universität Moskau immatrikuliert. Ostern 1906 kam ich nach Heidelberg, wo ich mich dem Studium der Philosophie und Geschichte widmete. Ich hörte die Vorlesungen der Herren Professoren Windelband, Lask, Elsenhans, Marx, Cartellieri, Oncken, Jellinek und Gothein und habe an den Übungen im philosophischen Seminar teilgenommen. Am 15. Juli 1910 bestand ich die Doktorprüfung. Allen meinen Lehrern, vor allem aber dem Herrn Geh. Rat Windelband und dem Herrn Prof. Lask möchte ich an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-58"><lem>Mannheimer Millionenfamilie</lem><note>Firma <name>Heinrich Lanz</name>, Mannheim (Landmaschinen), <abbr>vgl</abbr>. Die Eröffnungsfeier der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Stiftung Heinrich Lanz) vom 3. Juli 1909. Heidelberg: C. Winter 1909.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-59"><lem>Berufung von <name>Medicus</name> nach Zürich</lem><note><name>Fritz Medicus</name> (1876–1956), 1901 in Halle habilitiert, dort von 1901–1911 <abbr>PD</abbr> und Privatsekretär von Vaihinger, war 1911–1946 <abbr>Prof.</abbr> der Philosophie <abbr>u.</abbr> Pädagogik in Zürich (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-60"><lem>lebhaft für ihn gesprochen</lem><note>Schreiben nicht ermittelt</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-61"><lem>an die Meldungen zu halten</lem><note>gemeint ist: von Regierungsseite zu berufen, wen die Fakultät vorschlägt.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-62"><lem>beabsichtigte Rede über Metaphysik der Zeit</lem><note>für den Kongreß in Bologna. Dieses Vortragsthema ist belegt in der Ankündigung des Kongresses in Kant-Studien 15 (1910), <abbr>S.</abbr> 545 sowie in <name>Hugo Bergmann</name>s Bericht aus Bologna: Der Philosophenkongreß in Bologna. In: Pester Lloyd, <abbr>Nr.</abbr> 89 vom 15.4.1911, Morgenblatt, <abbr>S.</abbr> 5–6 (Austrian Newspapers Online). Kein Beleg im Kongreßbericht. <name>Windelband</name> hat unter diesem Titel nichts veröffentlicht.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-63"><lem>Anmeldung zur <name>Kant</name>gesellschaft</lem><note><name>Windelband</name>s Eintritt in die Kant-Gesellschaft wird für den Zeitraum Januar–März 1911 vermerkt in: Kant-Studien 16 (1911), <abbr>S.</abbr> 129.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-64"><lem>Ihr Buch</lem><note>Vaihinger: Philosophie des Als Ob (1911).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-65"><lem>vor Jahresfrist schrieben</lem><note>Schreiben Vaihingers nicht überliefert</note></app></listApp></back></text></TEI>