<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001036-1</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>16.12.1910</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. VAIHINGER | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131777</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1036" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001036-1"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1910-12-16">16.12.1910</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</persName></correspAction><note type="mentioned"><name>Eugenia (Jenny) Finaly</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119007886">Felice Tocco</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118540238">Johann Wolfgang von Goethe</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1055179747">Hans Dreyer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116280042">Hans Prager</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119361639">Horace de Landau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name></note><note type="repository">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131777</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Prager</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>16.12.1910</date>, <note>4 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. VAIHINGER | Halle a. S., d. … 19 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Wienbibliothek im Rathaus, Wien, H.I.N.-131777</bibl></head></front><body><dateline>16.12 1910</dateline><salute>Sehr geehrter Herr Prager!</salute><p>Wie Sie wohl wissen hat Professor <name>Tocco</name> eine Schrift erscheinen lassen: Studi Kantiani; ich habe sie noch nicht zu Gesicht bekommen. Vielleicht haben Sie die Freundlichkeit, den Verlag zu veranlassen, mir ein Rezensionsexemplar zu übersenden; freilich kann ich das Buch nicht selbst rezensieren, auch fehlt uns hier ein geeigneter Rezensent, aber ich möchte an Sie selbst die freundliche Bitte richten, Sie möchten uns einen Bericht über die Resultate der Schrift geben. Sie können dies tun in Form einer <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1727"/>Rezension<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1727"/> oder auch in Form eines Aufsatzes; beides freilich in möglichster Kürze. Nicht, als ob wir dem Buch von <name>Tocco</name> nur wenig Raum widmen möchten, sondern aus dem einfachen Grunde, weil wir einen Ueberfluß von Material leiden; aber ein Bericht über die wesentlichsten Ergebnisse des Buches darf in den „Kanstudien“ nicht fehlen, zumal ja <name>Tocco</name> auch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1728"/>formell <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1729"/>Mitherausgeber<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1729"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1728"/> der Kantstudien ist.</p><p>Uebrigens hat er auch einmal an den Kantstudien <pb/> mitgearbeitet und zwar im Bande <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1730"/>II (1898);<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1730"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1731"/>der Aufsatz<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1731"/> betraf das nachgelassene Werk von <name>Kant</name>. Dieser Aufsatz ist wohl auch in diesen Studi Kantiani wieder abgedruckt; nichtsdestoweniger müßte Ihr Bericht auch auf diesen Aufsatz näher eingehen. Denn erstens ist es schon lange her, daß jener Aufsatz erschienen ist und zweitens können ja die Wenigsten bei uns das Italienische fertig lesen.</p><p>Einer Anregung des <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1732"/>Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Dreyer</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1732"/><name/> folgend, möchte ich Sie auch ersuchen, uns <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1733"/>eine<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1733"/> kurze Mitteilung, etwa im Umfang von ½ bis höchstens einer ganzen Druckseite über die neu gegründete <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1734"/>Biblioteka Filosofika<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1734"/>; diese ist auch Mitglied der Kant-Ges<add>[ellschaft]</add> geworden für das Jahr 1911; aus den uns übersendeten Publikationen der Biblioteka entnehme ich, daß in derselben ein reges Leben herrscht, daß nicht bloß Bücher daselbst angeschafft werden, sondern daß auch Vorträge und Diskussionen stattfinden und vielleicht weisen Sie in Ihrer Mitteilung, vielleicht auch darauf hin, was in der Biblioteka speziell für <name>Kant</name> geschehen ist.</p><p>Sie werden ja wohl an dem Congreß in Bologna teilnehmen vom 6.–11. April; auch ich selbst gedenke zu diesem Zweck <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1735"/>dahin zu reisen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1735"/> und denke sogar einige Tage früher in Bologna anzukommen, um mich vorher in der Stadt zu orientieren, die mir noch unbekannt ist. Als ich im Frühjahr 1898 meine <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1736"/>italienische Reise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1736"/> nach Florenz, Rom und Neapel machte, habe ich Bologna nur passiert.</p><p>Es würde mir eine große Beruhigung sein, schon jetzt zu wissen, daß auch Sie an dem Congreß teilnehmen, denn ich würde doch dann auch hoffen dürfen, daß Sie mir behilflich sein würden, mich zurecht zu finden, was mir besonders Abends sehr schwer fällt, denn wie Sie ja wohl wissen, habe ich ein schweres Augenleiden, welches mir besonders auf der Reise überaus hinderlich ist. Vielleicht könnten wir in demselben Hôtel oder in derselben Pension wohnen, dann würden Sie mir ohne große Mühe für Sie selbst leicht helfen können.</p><p>Ich gedenke dann auch von Bologna aus nach Florenz zu reisen, das ich damals sehr lieb gewonnen habe und das Sie ja auch selbst so gut kennen.</p><p>Es wird mich sehr freuen über Ihre Studien etwas zu erfahren; vielleicht finden Sie während Ihrer jetzigen Muße ein geeignetes <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1737"/>Thema zu einer Promotionsarbeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1737"/>, das Thema: „<name>Kant</name> in Italien“ ist ja nun schon mehrfach bearbeitet worden, aber vielleicht finden Sie doch gerade in dieser Linie einen speziellen Punkt, über den Sie arbeiten könnten und damit hätten Sie ein Thema gefunden, durch welches Sie die Wissenschaft bereichern könnten, auch würde das ja dann eine Arbeit sein, welche für die „Kantstudien“ geeignet <pb/> wäre. Die Kenntnis des Italienischen, sowohl der Sprache, als der wissenschaftlichen Literatur, ist bei uns sehr wenig verbreitet, um so wertvoller wäre es, wenn Jemand, der wie Sie das Italienische beherrscht, nur über irgend einen Punkt daraus eine Arbeit machen würde, aber Sie müssen, wie gesagt, einen speziellen Punkt herausnehmen; entweder einen speziellen Schriftsteller und dessen Meinungen über <name>Kant</name>, oder ein spezielles Kapitel <abbr>z. B.</abbr> die Antinomien und ihre Behandlung bei verschiedenen Schriftstellern.</p><p>Es würde mich sehr freuen, wenn ich durch diese Andeutungen Ihren Studien eine bestimmte Richtung geben könnte, die für Sie selbst und für die Wissenschaft von Nutzen wäre. Wir werden uns ja, wie zu erwarten ist, im April persönlich treffen, aber Sie müssen doch die lange Zeit bis dahin wissenschaftlich ausnutzen und so sind vielleicht die obigen Winke für Sie nicht ohne Wert.</p><p>Ich habe mich gefreut auf <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1738"/>Ihrer letzten Karte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1738"/> eine Abbildung der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1739"/>Villa <name>Landau</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1739"/><name/> zu sehen; es wird mich sehr freuen, dieselbe in Natura schauen zu können.</p><p>Mit besten Grüßen und Wünschen Ihr</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1727"><lem>Rezension</lem><note>wurde nicht von <name>Prager</name> verfasst, der lediglich das Buch an die Redaktion vermittelte, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 19.6.1911 sowie Nikolai von Bubnoff: Tocco, Felice. Studi Kantiani (L’Indagine Moderna VIII). Milano-Palermo-Napoli, Remo Sandron-Editore 1909. (271 S.). In: Kant-Studien 16 (1911), <abbr>S.</abbr> 450–453.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1729"><lem>Mitherausgeber</lem><note>mittels Einfügung über der Zeile korrigiert aus </note><rdg>Herausgeber</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1728"><lem>formell Mitherausgeber</lem><note><name>Felice Tocco</name>, der am 6.6.1911 verstarb, wird zuletzt auf dem Titel von Kant-Studien 15 (1910) namentlich aufgeführt.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1730"><lem>II (1898);</lem><note>Einfügung in der Zeile von Vaihingers <abbr>Hd.</abbr></note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1731"><lem>der Aufsatz</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Tocco: Dell’opera postuma di E. Kant sul passaggio dalla Metafisica della Natura alla Fisica. In: Kant-Studien 2 (1897/1898), <abbr>S.</abbr> 69–89 <abbr>u.</abbr> 277–289.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1732"><lem>Herrn <abbr>Dr.</abbr> <name>Dreyer</name></lem><note><name>Hans Dreyer</name> (<abbr>geb.</abbr> 1871), seit 1907 Bibliothekar an der Bibliothek <name>Landau</name>-<name>Finaly</name> (Florenz), <abbr>vgl.</abbr> Friedrich Gundolf – Elisabeth Salomon Briefwechsel (1914–1931). Im Auftrag des Deutschen Literaturarchivs Marbach <abbr>hg.</abbr> <abbr>v.</abbr> Gunilla Eschenbach <abbr>u.</abbr> Helmuth Mojem unter Benutzung <abbr>v.</abbr> Vorarbeiten <abbr>v.</abbr> Michael Matthiesen. Berlin/Boston: de Gruyter 2015, <abbr>S.</abbr> 453. Seit 1910 Mitglied der Kantgesellschaft, <abbr>vgl.</abbr> Kant-Studien 16 (1911), <abbr>S.</abbr> 119.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1733"><lem>eine</lem><rdg>einen</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1734"><lem>Biblioteka Filosofika</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Prager: Die „Biblioteca Filosofica“ in Florenz. In: Kant-Studien 16 (1911), <abbr>S.</abbr> 116–117, mit den Schlussworten: </note><rdg>Durch Zahlung eines Mitgliedsbeitrages, der nicht hoch ist, kann man Mitglied des Institutes werden, sich Bücher entlehnen und an den Vorträgen und Diskussionen teilnehmen. – Es liegen natürlich auch sehr viel deutsche philosophische Werke auf, auch die Werke Kants in deutschen und italienischen Ausgaben. – Von Kant selbst war jedoch in den bisherigen Vorträgen fast gar nicht die Rede.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1735"><lem>dahin zu reisen</lem><note>dieser Plan kam nicht zur Ausführung, <abbr>vgl.</abbr> auch Vaihinger an Prager vom 1.9.1910.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1736"><lem>italienische Reise</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Wilhelm Schrader vom 7.4.1898. Auch Anspielung auf <name>Goethe</name>: Italienische Reise (1816/1817).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1737"><lem>Thema zu einer Promotionsarbeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 11.12.1908</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1738"><lem>Ihrer letzten Karte</lem><note>nicht überliefert</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1739"><lem>Villa <name>Landau</name></lem><note>Aufstellungsort der Bibliothek <name>Landau</name>-<name>Finaly</name>, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Prager vom 9.7. <abbr>u.</abbr> 28.10.1910.</note></app></listApp></back></text></TEI>