<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001017-5</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Johannes Volkelt</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>30.5.1910</date>, <note>3 S., hs., </note><note>Wasserzeichen </note><quote type="rdg">[…]</quote>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 o</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="1017" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-001017-5"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118627724">Johannes Volkelt</persName><placeName>Leipzig</placeName><date when="1910-05-30">30.5.1910</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/11600780X">Erich Adickes</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/119027577">Ernst Meumann</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116386827">Richard Falckenberg</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11667461X">Max Heinze</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116886439">Paul Menzer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118552082">Richard Hönigswald</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</name></note><note type="repository">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 o</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Johannes Volkelt</persName> an <persName type="received">Vaihinger</persName>, <placeName type="sent">Leipzig</placeName>, <date>30.5.1910</date>, <note>3 S., hs., </note><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1613"/><note>Wasserzeichen </note><quote type="rdg">[…]</quote><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1613"/>, <bibl type="pubPlace">Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Aut. XXIII, 8 o</bibl></head></front><body><dateline>Leipzig, den 30. Mai</dateline><dateline>1910</dateline><dateline>Auenstr. 3.</dateline><salute>Hochgeehrter Herr Kollege!</salute><p>Nur weil ich die Angelegenheit hin- und hererwogen habe, und weil ich <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1614"/>Ihnen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1614"/> Nein zu sagen mich nicht sofort entschließen konnte, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1615"/>verschob<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1615"/> ich die Beantwortung <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1616"/>Ihres so gütigen Schreibens<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1616"/> von einem Tage zum andern. Sicherlich unverantwortlicher Weise. Und ich bitte Sie herzlich um freundliche <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1617"/>Nachsicht.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1617"/></p><p>Mit dem Thema und der hinzugefügten Erläuterung und Begründung bin ich durchaus einverstanden. Und ich würde mich im Interesse der Sache sicherlich gern der Mühewaltung eines <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1618"/>Preisrichters<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1618"/> unterziehen, wenn nur meine Vernunft nicht sagte, daß ich Zeit und Kraft kaum werde dafür aufbringen können. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1619"/>Meine Ästhetik<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1619"/> ist ja <pb/> mit dem zweiten Bande, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1620"/>wie der Titel des ersten Bandes voreiliger Weise verheißen hatte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1620"/>, keineswegs abgeschlossen. Ein dritter – die eigentlichen „Kunst“-Fragen enthaltend – lastet als große und schwere Aufgabe auf mir. Sodann aber trifft auch <hi rend="underline">die</hi> Annahme, die Sie in Ihrem Briefe machen, daß ich durch Aufgeben der <hi rend="underline">pädagogischen</hi> Professur mehr freie Zeit haben werde, nicht das Richtige. Ich habe <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1621"/>nach<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1621"/> Eintreten in die durch <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1622"/><name>Heinze</name>s Tod<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1622"/> erledigte Stelle die Aufgabe, Vorlesungen, die ich nun 16 Jahre nicht mehr gehalten habe (griechische Philosophie, neuere Philosophie), auf den gehörigen Stand zu bringen. Auch will ich neue Vorlesungen (so besonders Ethik) meinem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1623"/>Vorlesungsumkreise<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1623"/> eingliedern. Kurz, eine Fülle von Arbeit erwächst mir daraus, daß ich Geschichte der Philosophie und andere <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1624"/>bisher nicht gepflegte<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1624"/> philosophische Zweige mit voller Kraft vertreten will. Dazu kommt meine seit dem letzten Winter recht wackelig gewordene Gesundheit. Der Arzt steht beständig mit der Mahnung hinter mir, mich im Arbeiten zu mäßigen. <pb/></p><p>Das, mein verehrter Herr Kollege, ist die Sachlage, auf Grund deren ich nicht den Mut habe, unvernünftig zu sein und das Preisrichteramt zu übernehmen. Ich hätte so gern dem von Ihnen so vertrauensvoll geäußerten Wunsch ein Ja entgegengebracht. Aber wie die Dinge für mich liegen, mußte ich mich entschließen, so hart es mir ankommt, Sie zu bitten, sich an einen anderen Fachvertreter zu wenden. <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1625"/>Hoffentlich haben Sie bei <name>Rickert</name>, den ich (wie auch <name>Adickes</name> und <name>Falckenberg</name>) für <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1626"/>eine<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1626"/> durchaus passende Persönlichkeit ansehe, mehr Glück.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1625"/></p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1627"/>Über<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1627"/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1628"/><name>Meumann</name>s Herkommen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1628"/> bin ich sehr befriedigt. Ich glaube: es konnte gar keine geeignetere Kraft gewonnen werden.</p><p><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1629"/>Noch bemerke ich, daß das von der hiesigen philosophischen Fakultät vor einigen Jahren gestellte Preisthema über den Wahrheitsbegriff bei <name>Kant</name> <hi rend="underline">nicht</hi> von mir veranlaßt war.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1629"/> Ich glaube, <name>Heinze</name> hat dieses Thema gegeben.</p><p>Mit herzlichen Wünschen für Ihre Gesundheit und besten Grüßen Ihr ganz ergebener</p><signed>Johannes Volkelt</signed></body><back><listApp><app type="philological" corresp="#ED-1614"><lem>Ihnen</lem><note>verbessert aus unleserlichem Wort (Rasur, Löschung der Tinte <abbr>o. ä.</abbr>)</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1615"><lem>verschob</lem><note>verbessert aus unleserlichem Wort (Rasur, Löschung der Tinte <abbr>o. ä.</abbr>)</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1616"><lem>Ihres so gütigen Schreibens</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Volkelt (ermittelt) vom 24.5.1910</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1617"><lem>Nachsicht.</lem><note>kann auch </note><rdg>Nachricht</rdg><note> heißen</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1618"><lem>Preisrichters</lem><note>aus dem Folgenden sowie Vaihinger an Volkelt (ermittelt) vom 24.5.1910 vermutlich zur 5. Preisaufgabe der Kant-Gesellschaft, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger: Fünftes Preisausschreiben der „Kantgesellschaft“. Kants Begriff der Wahrheit und seine Bedeutung für die erkenntnistheoretischen Fragen der Gegenwart. In: Kant-Studien 15 (1910), <abbr>S.</abbr> 395–398. Datiert im Juli 1910; <abbr>vgl.</abbr> Falckenberg: Bericht über das fünfte Preisausschreiben der Kantgesellschaft [Preisrichter: <name>Richard Falckenberg</name>, <name>Paul Menzer</name>, <name>Richard Hönigswald</name>], erstattet zu Halle am 20. April 1914. In: Kant-Studien 19 (1914), <abbr>S.</abbr> 458–463.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1619"><lem>Meine Ästhetik</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Volkelt: System der Ästhetik. München: Beck. <abbr>Bd.</abbr> 1 1905, <abbr>Bd.</abbr> 2 1910, <abbr>Bd.</abbr> 3 1914 (Untertitel von <abbr>Bd.</abbr> 3: Kunstphilosophie und Metaphysik der Ästhetik).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1620"><lem>wie der Titel … verheißen hatte</lem><note> ein Titelblatt mit Hinweis auf eine Anlage auf zwei Bände ist nicht ermittelt, <abbr>vgl.</abbr> jedoch den Schluss der Vorrede in Volkelt: System der Ästhetik <abbr>Bd.</abbr> 1. München: Beck 1905, <abbr>S.</abbr> VI. Digitalisat: <ref type="link">https://archive.org/details/systemdersthet01volkuoft/</ref> (13.3.2024).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1621"><lem>nach</lem><note>Lesung unsicher, verbessert aus unleserlichem Wort</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1622"><lem><name>Heinze</name>s Tod</lem><note><name>Max Heinze</name> (1835–1909) war seit 1875 <abbr>o. Prof.</abbr> für Geschichte der Philosophie in Leipzig und verstarb am 17.9.1909 (<abbr>BEdPh</abbr>; <ref type="link">https://research.uni-leipzig.de/catalogus-professorum-lipsiensium/leipzig/Heinze_838/</ref> (5.10.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1623"><lem>Vorlesungsumkreise</lem><note>verbessert aus: </note><rdg>Vorlesungskreise</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1624"><lem>bisher nicht gepflegte</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1626"><lem>eine</lem><note>Einfügung über der Zeile</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1625"><lem>Hoffentlich … Glück.</lem><note> <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Rickert vom 31.5.1910</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1627"><lem>Über</lem><note>verbessert aus unleserlichem Wort</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1628"><lem><name>Meumann</name>s Herkommen</lem><note><name>Ernst Meumann</name> wechselte 1910 als <abbr>o. Prof.</abbr> von Halle nach Leipzig und ging bereits 1911 ans Kolonialinstitut in Hamburg (<abbr>BEdPh</abbr>; <ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/meumannernst.html</ref> (5.10.2024)).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1629"><lem>Noch bemerke … veranlaßt war.</lem><note> Preisaufgabe nicht ermittelt; <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Volkelt (ermittelt) vom 24.5.1910.</note></app></listApp></back></text></TEI>