<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000996-9</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Lindau</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>26.4.1909</date>, <note>5 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. H. VAIHINGER | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Lindau, Paul 59.613/1–12</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0996" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000996-9"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1909-04-26">26.4.1909</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/117014176">Hans Lindau</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/118559796">Immanuel Kant</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/101228350X">Otto Lempp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/1205513817">Paul Lindau</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116886439">Paul Menzer</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118586548">Paul Natorp</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118607626">Friedrich Schiller</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116988118">Theobald Ziegler</name></note><note type="repository">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Lindau, Paul 59.613/1–12</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hans Lindau</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>26.4.1909</date>, <note>5 S., hs. (andere Hd., mit eU), Briefkopf </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. H. VAIHINGER | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Deutsches Literaturarchiv Marbach, A:Lindau, Paul 59.613/1–12</bibl></head></front><body><dateline>26.4.1909</dateline><salute>Hochgeehrter Herr <abbr>Dr.</abbr>!</salute><p>Es tut mir außerordentlich leid, Ihnen mitteilen zu müssen, daß gerade Ihre Arbeit keinen Preis davongetragen hat; wie Sie ja wohl auch schon aus den Zeitungen entnommen haben. Wenn nicht 7 Arbeiten eingelaufen wären, darunter 3 welche prämiert worden sind, so hätte sicher Ihre Arbeit auch einen Preis davongetragen, denn sie wurde unmittelbar nach diesen drei genannt und die Preisrichter haben von derselben sehr viel Lobendes zu sagen gewußt. Freilich betrachteten sie die Arbeit mehr als eine literatur-historische denn als eine philosophische im enge<pb/>ren Sinne des Wortes. Sie werden das Nähere ja in dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1492"/>Bericht des Preisgerichts<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1492"/> finden, welchen ich Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1493"/>in einiger Zeit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1493"/> zugänglich machen werde und der auch in den „Kantstudien“ gedruckt werden wird, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1494"/>(natürlich bei den nichtprämierten ohne Nennung des Namens)<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1494"/>. Ich hatte absolut keine Ahnung davon, daß Sie der Bearbeiter seien. Wir hatten öfters davon gesprochen, wer wohl der Verfasser sein möge. Ich selbst habe die Arbeit ja nicht gelesen, aber ich habe doch aus der Inhaltsangabe gemerkt, daß dieselbe mit sehr viel Geist abgefaßt ist.</p><p>Lassen Sie sich also durch dieses Resultat nicht entmutigen sondern arbeiten Sie ruhig weiter, indem Sie die in dem Urteil erwähnten Mängel und <pb/> Lücken Ihrer Arbeit nachträglich vielleicht noch entfernen können, denn es wäre nach dem Bericht zu schließen in der Tat sehr bedauerlich, wenn Ihre ganze Arbeit vergeblich gemacht wäre. Sie dürfen vielmehr eben auf Grund dieses Berichts durchaus den Entschluß fassen, <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1495"/>die Arbeit zu publizieren<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1495"/>.</p><p>Es hat mir sehr leid getan, daß Sie nicht <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1496"/>am Tage der General-Versammlung<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1496"/> hierher kommen konnten. Hoffentlich finden Sie ein anderes Mal eine Veranlassung dazu. Wie wäre es, wenn Sie selbst persönlich hierher kämen und Ihr Manuskript abholten? Es würde mich sehr freuen Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, nachdem ich aus Ihrem Briefe mir ein Bild von Ihnen gemacht habe. <pb/> Bitte überlegen Sie sich dies einmal oder vielmehr überlegen Sie es sich nicht lange sondern kommen Sie. Vielleicht können Sie gerade zum nächsten <hi rend="underline">Donnerstag den 29.</hi> hierher kommen, da habe ich <hi rend="underline">Mittags um 1½</hi> eine kleine Gesellschaft, lauter junge Herrn und junge Gelehrte, eingeladen, darunter auch den Herrn <hi rend="underline"><name>Otto Lempp</name></hi>, der den ersten Accessitpreis davongetragen hat. In der Hoffnung, daß Sie meine Einladung annehmen werden, zeichne ich mit verbindlichem Gruß Ihr ganz ergebener</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1497"/>H. Vaihinger<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1497"/></signed><postscript><p><hi rend="underline"><abbr>P. S.</abbr></hi> Sie können ganz bequem in <hi rend="underline">einem</hi> Tage hin und zurück von Berlin. Wenn Sie hier auf dem Bahnhof ankommen, fahren Sie am bequemsten mit der <pb/> Elektrischen Bahn „<hi rend="underline">Cröllwitz</hi>“ bis zur La Fontaine Strasse (Wettiner Platz) in dessen unmittelbarer Nähe auch die Reichardtstraße sich befindet.</p><signed><anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1498"/>V.</signed></postscript><postscript><p>Da Sie in Einem Tag hin und zurück kommen können, werden Sie vielleicht auch Ihren <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1499"/>Herrn Vater<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1499"/> auf so kurze Zeit verlassen können, (mit dem <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1500"/>ich im Jahre<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1500"/> 1876 als unbekannter junger Mann eine kurze persönliche Berührung gehabt habe) <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1501"/>dessen<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1501"/> literarisches Talent ich stets bewundert habe.</p><signed>V.<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1498"/></signed></postscript></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1492"><lem>Bericht des Preisgerichts</lem><note><abbr>vgl.</abbr> das Gutachten über Arbeit <abbr>Nr.</abbr> 4 im Bericht der Preisrichterkommission (<name>Paul Menzer</name>, <name>Paul Natorp</name>, <name>Theobald Ziegler</name>) über die 2. Preisaufgabe der Kantgesellschaft (Walter Simon-Preisaufgabe), Thema: Das Problem der Theodicee in der Philosophie und Litteratur des 18. Jahrhunderts, mit besonderer Rücksicht auf <name>Kant</name> und <name>Schiller</name>. In: Kant-Studien 14 (1909), <abbr>S.</abbr> 315–316.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1493"><lem>in einiger Zeit</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Lindau vom 16.5.1909</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1494"><lem>(natürlich … Namens)</lem><note> in der Vorlage mit eckigen Klammern</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1495"><lem>die Arbeit zu publizieren</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Hans Lindau: Die Theodicee im 18. Jahrhundert. Entwicklungsstufen des Problems vom theoretischen Dogma zum praktischen Idealismus. Leipzig: Engelmann 1911.</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1496"><lem>am Tage der General-Versammlung</lem><note><abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Lindau vom 19.4.1909</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1497"><lem>H. Vaihinger</lem><note>eigenhändig</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1499"><lem>Herrn Vater</lem><note>der Schriftsteller und Theaterintendant <name>Paul Lindau</name> (1839–1919), <abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">https://deposit.dnb.de/dea/Lindau/lindau-biografie.pdf</ref> (22.11.2022).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1500"><lem>ich im Jahre</lem><rdg>ich Jahre</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1501"><lem>dessen</lem><note>doppeltes s mit ß geschrieben</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1498"><lem>V. … V.</lem><note> eigenhändig</note></app></listApp></back></text></TEI>