<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000961-8</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>20.7.1908</date>, <note>4 S., hs. (eigenh., mit eU), Briefkopf: </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT. Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. H. VAIHINGER</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 6</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0961" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000961-8"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1908-07-20">20.7.1908</date></correspAction><correspAction type="received"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118600605">Heinrich Rickert</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/124834396">Hans Amrhein</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117183857">Ludwig Busse</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/116886439">Paul Menzer</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 6</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Heinrich Rickert</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>20.7.1908</date>, <note>4 S., hs. (eigenh., mit eU), Briefkopf: </note><quote type="rdg">KANTGESELLSCHAFT. Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15. | GESCHÄFTSFÜHRER: PROF. DR. H. VAIHINGER</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek Heidelberg, Heid. Hs. 2740 III A 208 6</bibl></head></front><body><dateline>20.VII.1908</dateline><salute>Verehrtester Herr College!</salute><p>Gestatten Sie, daß ich Ihnen <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1242"/>beiliegende Dissertation<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1242"/> übersende, deren Thema Sie wol interessiren wird. Der <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1243"/>Hauptteil<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1243"/> der Arbeit liegt auf den <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1244"/>§§ <hi rend="underline">8</hi>, <hi rend="underline">10</hi>, <hi rend="underline">11</hi>, <hi rend="underline">15</hi><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1244"/>.</p><p>Der Verf<add>[asser]</add> hat unter besonders schwierigen äußeren Verhältnissen gearbeitet, und ist etwas schwerfällig angelegt, gleichwol hoffe ich, daß schon jetzt etwas Werthvolles herausgebracht ist.</p><p>Die II. Hälfte lag mir schon im <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1245"/>Manuscript<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1245"/> vor, aber der Verf<add>[asser]</add> will in den Ferien dieses <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1246"/>Manuscript<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1246"/> noch einmal überarbeiten, und erst im Oktober kommt der Rest in den Druck. <pb/></p><p>Da ich die Ausarbeitung bis jetzt überwacht habe und auch den Rest überwachen will, so ist es mir ganz recht, wenn Sie etwaige Bemerkungen mir mittheilen, welche etwa noch verwerthet werden können, um so mehr, als ich wol auch eine eigene Vorrede dazu abfassen werde. Sie haben ja an der Schrift insofern auch ein besonderes Interesse, als <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1247"/>Sie in § 24<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1247"/> selbst zur Behandlung kommen.</p><p>Also Winke und Gesichtspunkte sollen mir sehr willkommen sein; meine Vorrede soll vielleicht eine Absage des Kriticismus an den Dog<pb/>matismus enthalten, denn die richtige Fassung des Begriffes des <hi rend="underline">Bew<add>[ußtsein]</add> üb<add>[erhaupt]</add></hi> bildet die Wasserscheide zwischen Kriticismus und unkritischer Metaphysik. Sie selbst haben sich einmal <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1248"/>ähnlich geäußert<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1248"/>. –</p><p>Der II Teil der Arbeit <name>Amrhein</name> darf indessen nicht allzuviel Erwartungen erregen: er wird wol nur Bausteine sein, nicht eine erschöpfende Behandlung des Gegenstandes, die ja auch nur von einer Meisterhand wie der Ihrigen geschaffen werden kann. Aber auch das Herbeischaffen von Bausteinen ist eine sehr dankenswerthe Arbeit. <pb/></p><p>Wie Sie aus den Zeitungen erfahren haben werden, ist die <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1249"/>hiesige Besetzungsangelegenheit<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1249"/> nun definitiv entschieden, und Ihre Ahnung, daß Sie wol auserwählt, aber nicht berufen seien ist eingetroffen. Wie es gekommen ist, daß der III loco der Vorgeschlagenen berufen worden ist, der gleichzeitig I loco in Königsberg vorgeschlagen war, dafür liegt die Erklärung wol in der Absicht der Regierung, die in Preußen längst bestehende Stockung unter den jüngeren Kräften zu heben. Sonst hätte man wol eine erste Kraft wie Sie berufen: doch weiß ich Nichts darüber und äußere nur eine Vermutung.</p><p>Mit besten Grüßen Ihr ganz ergebenster</p><signed>H. Vaihinger.</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1242"><lem>beiliegende Dissertation</lem><note>von Johannes (Hans) <name>Amrhein</name>, <abbr>vgl.</abbr> Vaihinger an Unbekannt vom 7.7.1908.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1243"><lem>Hauptteil</lem><note>Lesung des zweiten Wortteils unsicher</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1244"><lem>§§ <hi rend="underline">8</hi>, <hi rend="underline">10</hi>, <hi rend="underline">11</hi>, <hi rend="underline">15</hi></lem><note>das Manuskript ist nicht überliefert; die Zählung der Paragraphen weicht von den beiden Druckfassungen ab.</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1245"><lem>Manuscript</lem><rdg>Mscpt</rdg></app><app type="philological" corresp="#ED-1246"><lem>Manuscript</lem><rdg>Mscpt</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1247"><lem>Sie in § 24</lem><note>entspricht § 27 in der späteren Druckfassung in Hans Amrhein: Kants Lehre vom „Bewusstsein überhaupt“ und ihre Weiterbildung bis auf die Gegenwart. Mit einem Geleitwort von H. Vaihinger. Berlin: Reuther &amp; Reichard 1909 (Kantstudien Ergänzungshefte <abbr>Bd.</abbr> 10), <abbr>S.</abbr> 172–178: </note><rdg>Das „Bewusstsein überhaupt“ bei Rickert</rdg><note>, mit Anmerkung auf <abbr>S.</abbr> 172: </note><rdg>Im 2. Kapitel seines Buches: „Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung“ (1902) handelt Rickert von „Natur und Geist“. Hier zieht er dem Ausdruck „Bewusstsein überhaupt“ den Terminus „erkenntnistheoretisches Subjekt“ vor</rdg><note> (<abbr>vgl.</abbr> <ref type="link">https://archive.org/details/kantslehrevombew00amrh/page/172/mode/2up</ref>; 20.7.2021).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1248"><lem>ähnlich geäußert</lem><note>an der von <name>Amrhein</name> angedeuteten Stelle, hier zitiert nach Rickert: Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung. Eine logische Einleitung in die historischen Wissenschaften. 2., neu <abbr>bearb.</abbr> <abbr>Aufl.</abbr> Tübingen: Mohr (Siebeck) 1913, <abbr>S.</abbr> 134: </note><rdg>Es läßt sich zeigen, daß noch ein dritter Subjektbegriff in diesen Gedankengängen eine Rolle spielt, der, wie schon Kants „Bewußtsein überhaupt“, nur das Produkt einer erkenntnistheoretischen Ueberlegung ist, und der mit dem Gegenstande der Psychologie nicht mehr zu tun hat als mit dem Material der Körperwissenschaften. Wir könnten uns ja einfach auf Kant berufen, der den metaphysischen Umdeutungen der empirischen Realität in ein psychisches Sein ein für allemal ein Ende bereitet und damit jeden dogmatischen „Idealismus“, d. h. jede spiritualistische Identifizierung der unmittelbar gegebenen Wirklichkeit mit dem Seelischen, wie sie in den Ansichten Diltheys und Wundts wieder zutage tritt, vernichtet hat. Aber es wird vielleicht gut sein, das, was wir meinen, auch unabhängig von Kant zu sagen. Wir nennen also das Bewußtsein, das zu jeder empirischen Realität gehört, um es von den beiden anderen Subjekten zu unterscheiden, das erkenntnistheoretische Subjekt […].</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1249"><lem>hiesige Besetzungsangelegenheit</lem><note>nach dem Tod <name>Ludwig Busse</name>s am 12.9.1907, der zum 1.4.1907 nach Halle berufen worden war, wurde <name>Paul Menzer</name> (1873–1960) <abbr>o. Prof.</abbr> in Halle (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app></listApp></back></text></TEI>