<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0"><teiHeader><fileDesc><titleStmt><title>Forschungsgrundlagen Hans Vaihinger</title><editor>Jörn Bohr</editor><editor>Gerald Hartung</editor><respStmt><orgName>Bülow &amp; Schlupkothen XML services</orgName><resp>software development</resp></respStmt></titleStmt><publicationStmt><publisher>University of Wuppertal</publisher><idno type="URI">urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000937-7</idno></publicationStmt><sourceDesc><bibl><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hermann Paul</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>24.9.1907</date>, <note>3 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek München, Nachl. H. Paul, Korr. Vaihinger, Hans</bibl></bibl></sourceDesc></fileDesc><profileDesc><correspDesc key="0937" ref="urn:nbn:de:hbz:468-edhv2025-000937-7"><correspAction type="sent"><persName ref="https://d-nb.info/gnd/118625810">Hans Vaihinger</persName><placeName>Halle (Saale)</placeName><date when="1907-09-24">24.9.1907</date></correspAction><correspAction type="received"><persName>Hermann Paul</persName></correspAction><note type="mentioned"><name ref="https://d-nb.info/gnd/117183857">Ludwig Busse</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/11667993X">Hans Cornelius</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/118789902">Hermann Paul</name><name ref="https://d-nb.info/gnd/117057436">Theodor Lipps</name></note><note type="repository">Universitätsbibliothek München, Nachl. H. Paul, Korr. Vaihinger, Hans</note></correspDesc></profileDesc></teiHeader><text><front><head><persName type="sent">Vaihinger</persName> an <persName type="received">Hermann Paul</persName>, <placeName type="sent">Halle</placeName>, <date>24.9.1907</date>, <note>3 S., hs., Briefkopf </note><quote type="rdg">PROF. DR. H. VAIHINGER. | Halle a. S., d. … 190 | Reichardtstr. 15.</quote>, <bibl type="pubPlace">Universitätsbibliothek München, Nachl. H. Paul, Korr. Vaihinger, Hans</bibl></head></front><body><dateline>24.9.1907</dateline><salute>Sehr verehrter Herr College!</salute><p>Sie werden sich vielleicht meiner kaum mehr erinnern: <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1122"/>in Freiburg<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1122"/> habe ich einmal die Freude und Ehre gehabt, mit Ihnen persönlich bekannt zu werden; ich kam dafür einmal zu Besuch von Straßburg her. Aber vielleicht ist mein Name gelegentlich durch meine Thätigkeit Ihnen in Erinnerung gerufen worden.</p><p>Jetzt möchte ich Sie um eine <hi rend="underline">vertrauliche Auskunft</hi> bitten. –</p><p>Wir denken hier an <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1123"/><abbr>Prof.</abbr> <name>Cornelius</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1123"/><name/> als Nachfolger des uns so jäh entrissenen Philosophieprofessors <pb/> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1124"/><name>Busse</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1124"/><name/>, und wir haben über <abbr>Prof.</abbr> <name>Cornelius</name> als Dozent und als Mensch viel <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1125"/>Rühmenwerthes<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1125"/> gehört. Anderseits ist aber auch die Nachricht hieher gelangt, daß er ein etwas sehr hochfahrendes Wesen an sich habe, und eben dadurch auch sein uns bekanntes <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1126"/>Zerwürfnis mit <abbr>Prof.</abbr> <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1127"/><name>Th. Lipps</name><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1127"/><anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1126"/><name/> selbst verschuldet habe. Wir würden sehr gerne hierüber das Urtheil eines Dritten, Unbetheiligten bekommen, und so bin ich so frei, als Mitglied der Commission mich in dieser Hinsicht an Sie, verehrtester Herr College zu wenden.</p><p>Wir haben schon am kom<pb/>menden Sonntag unsere erste Commissionssitzung, und so wären wir Ihnen zu ganz besondrem Dank verbunden, wenn Sie uns recht bald <anchor type="delimiter" subtype="start" xml:id="ED-1128"/>ein Urtheil senden<anchor type="delimiter" subtype="end" corresp="#ED-1128"/> wollten, das ich natürlich mit aller Discretion behandeln werde.</p><p>Im Voraus bestens dankend, mit collegialem Gruß Ihr ergebenster</p><signed>H. Vaihinger</signed></body><back><listApp><app type="editorial" corresp="#ED-1122"><lem>in Freiburg</lem><note>der Sprachwissenschaftler <name>Hermann Paul</name> (1846–1921) war vor seiner Münchener Zeit seit 1874 <abbr>ao. Prof.</abbr> und von 1877–1893 <abbr>o. Prof.</abbr> in Freiburg im Breisgau (<abbr>NDB</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1123"><lem><abbr>Prof.</abbr> <name>Cornelius</name></lem><note>gemeint ist <name>Hans Cornelius</name> (1863–1947), nach Promotion im Fach Chemie (1886) Philosophiestudium, 1894 in München habilitiert, 1903 <abbr>ao. Prof</abbr>., 1910 <abbr>o. Prof.</abbr> der Philosophie an der Akademie für Sozialwissenschaften Frankfurt/Main (<abbr>BEdPh</abbr>).</note></app><app type="editorial" corresp="#ED-1124"><lem><name>Busse</name></lem><note>der erst zum 1.4.1907 nach Halle berufene <name>Ludwig Busse</name> (1862–1907) war am 12.9.1907 an den Folgen einer Operation gestorben (<ref type="link">https://www.catalogus-professorum-halensis.de/busseludwiglouis.html</ref> (1.9.2024)).</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1125"><lem>Rühmenwerthes</lem><note>so wörtlich</note></app><app type="philological" corresp="#ED-1127"><lem><name>Th. Lipps</name></lem><rdg>Lipps</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1126"><lem>Zerwürfnis mit <abbr>Prof.</abbr> <name>Th. Lipps</name></lem><note><abbr>vgl.</abbr> darüber <name>Hans Cornelius</name> selbst in: Raymund Schmidt (<abbr>Hg.</abbr>): Die deutsche Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen 2. <abbr>Bd.</abbr> Leipzig: Meiner 1921, <abbr>S.</abbr> 88–89: </note><rdg>Anfang 1903 war ich [in München] zum außerordentlichen Professor ernannt worden. Im Frühjahr 1908, als ich eben in Venedig mit dem Kopieren eines Tintoretto beschäftigt war, erhielt ich einen Ruf nach Halle a. S. als Ordinarius für Philosophie. Den Entschluß, München mit einer Stadt zu vertauschen, die in künstlerischer Hinsicht eine Wüste war, konnte ich nicht sogleich fassen; während ich zögerte, gaben Fakultät und Ministerium in München Hoffnungen auf Beförderung. So entschied ich mich den Ruf abzulehnen. Die Hoffnungen aber blieben unerfüllt. […] Schon damals und noch weit mehr in der unmittelbar folgenden Zeit wurden die Verhältnisse in München von Tag zu Tag unerfreulicher für mich durch die immer krankhafter ausartende Mißgunst meines Oberkollegen Theodor Lipps, der in mir mit Recht einen wissenschaftlichen, sehr mit Unrecht einen persönlichen Gegner sah. Ich habe darum die zwei Jahre später sich bietende Gelegenheit, eine ordentliche Professur für Philosophie an der Frankfurter Akademie für Sozialwissenschaften zu übernehmen, nicht von der Hand gewiesen, zumal die Umwandlung der Akademie in eine Universität schon damals so gut wie gesichert erschien.</rdg></app><app type="editorial" corresp="#ED-1128"><lem>ein Urtheil senden</lem><note>etwaiges Schreiben nicht ermittelt</note></app></listApp></back></text></TEI>